Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 450 (26.3.1935)
- Date
- 1935-03-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 10 Groschen fafagang 9 Dienstag, den 86« März 1915 Ht. 450 V* b. b. DIE NEUE Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par l'editeur" Uni REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER ^EZ^££BPD^G^£PN.i Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S lß.—; Polen monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—. vierteljährig Dinar 40.—; Bumanlen monatlich Lei 40.—. vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bnlgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lira 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u, Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u, Freitag JÜDISCHER VOLKSBUND ÖSTERREICHS C£M1~«1»M*« der Mittwoch, den 27. März 1935, um 8 Uhr 30 abends, in den Lokalitäten der „Hakoah" 1. Bezirk, Ellliaaillig Wiesingerstraße 11, stattfindenden ORDENTUCHEN GENERALVERSAMMLUNG Tagesordnung: 1 Wahl eines Tagespräsidiums / 2. Tätigkeitsbericht, erstattet vom Obmanne Oberbaurat Ingenieur Robert Stricker / 3. Kassabericht / 4. Bericht der Revisoren / 5. Neuwahlen Juden — nicht Soldaten —nur Kanonenfutter! mmmmMmmmmmammama^mmammmmm Der Beschluß Hitler-Deutschlands, ein Riesenheer aufzustellen, hat nicht nur die Welt in Aufruhr versetzt. Er hat den unsäglichen Leiden der deutschen Juden neue hinzugefügt. Zuverlässige Berliner Stellen melden: In Militärkreisen ist man dafür, die Jaden in das Volksheer einzustellen. Diese Absicht stoßt aber auf den schärfsten Widerstand der radikalen Nationalsozialisten. Da diese letztens an Boden gewonnen haben, wird es den Militärkreisen nicht gelingen, die Aufnahme von Juden durchzusetzen. Die deutschen Juden sind verzweifelt. Die Aussicht, daß in Verbindung mit der Wiederschaffung des deutschen Volksheeres eine neue Aechtung schlimmster Art gwan sie ins Werk gesetzt 'wird, wirkt bestürzen* Sie sind überzeugt, daß, falls sie vom Heeresdienst ausgeschlossen bleiben, sie auf einen noch" tief er en bürgerlichen Statusj als sift / mn gegenwärtig einnehmen, herabgedrückt werden. Die letzten von ihnen noch gehaltenen sozialen und wirtschaftlichen Positionen werden dadurch untergraben. Die ehemaligen jüdischen Frontsoldaten sind bereit, jedes weitere Opfer für Deutschland zu bringen, und sie setzen sich fiir eine uneingeschränkte Aufnahme der Juden in das zukunftige Volksheer ein. Sie lehnen aber entschieden alle Pläne der Bildung spezieller jüdischer Brigaden oder anderer die Judenschaft degradierender Maßnahmen ab, wie Verwendung der jüdischen Heerespflichtigen nur für Hilfsdienste. Diese Pläne werden nämlich von der Begierung erörtert. Hitler hat sich für sie ausgesprochen. Prag, 21. März. (2. T. A.) Der Berliner Korrespondent der „Prager Presse" meldet, daß von höchster' Regierungsstelle bestätigt wird, daß die hichtarische Bevölkerung nicht zur Militärdienstleistuhg herangezogen werden wird. Es wird darauf hingewiesen, daß für die Reichswehr schon in ihrer bisherigen Form der Arierparagraph gegolten hat. Davon abgesehen, vertritt man die Auffassung, daß die Reichswehr zwar allen Staatsbürgern, nicht aber bloßen Staatsangehörigen offenstehen soll. Die jüdische Bevölkerung wird zur zweiten Eategorie gerechnet. x Wiener und Prager Blätter melden übereinstimmend aus Berlin: Der Standpunkt der nationalsozialistischen Partei in der Frage der Wehrpflichtigkeit der jüdischen Staatsbürger hat sich durchgesetzt. Der Arierparagraph wird auch bei der allgemeinen Wehrpflicht durchgeführt werden, so daß die Juden einer Wehrpflicht nicht zu genügen haben werden. Man begründet diesen Entschluß damit, daß in Kürze die Juden nicht mehr die Staatsbürgerschaft, sondern nur mehr die Staatsangehörigkeit besitzen werden, daß sie also nicht dieselben Rechte und daher auch nicht dieselben Pflichten haben können wie Staatsbürger. * Kanonenfutter In dieser Hinsicht ist also die Zukunft der deutschen Juden besiegelt. Zum Unrecht gesellt sich teuflischer Hohn, denn nichts anderes spricht aus der heuchlerischen Wendung, daß man den entrechteten Juden keine gleichen Pflichten auferlegen dürfe. Also auch nicht die Pflicht, für Hakenkreuz-Deutschland zu sterben? Wer daran glaubt, der kennt die Mentalität der Führer im Dritten Reiche nicht. Gewiß, die „nur hilfsdienstpflichtigen" Juden werden nicht des Todes sterben, den man gemeinhin als heldischen Soldatentod bezeichnet. Sie werden einen anderen Tod erleiden. „Hilfsdienst" in Giftgasfabriken, Pestspitälern, Erdarbeit im feindlichen Feuer und in Giftgaswolken usw. Ihre „Befreiung" vom Militärdienst wird ein vorzügliches Mittel zu ihrer Ausrottung sein, der Schlußpunkt im Programm des intimsten Hitler-Freundes Julius Streicher, der keine Ruh und Rast kennt, solange noch e i n Jude auf dieser Welt atmet. Geistige Ausrottung Die Hitler-Leute übertreffen alles, was je gegen Juden erdacht wurde. Jetzt haben sämtliche nichtarischen Mitglieder des Reichsverbandes deutscher Schriftsteller die Mitteilung erhalten, daß sie sich al3 ausgeschlossen zu betrachten haben. In dem Schreiben heißt es ferner; „Nach dem Willen des Führers soll die Verwaltung des deutschen Kulturgutes nur geeigneten und zuverlässigen Volksgenossen vorbehalten sein, die dem deutschen Volk durch tiefe Verbundenheit des Blutes angehören. Nur wer sich aus rassischer Verbundenheit heraus einem Volk verbunden und verpflichtet fühlt, kann einen Einfluß auf das innere Leben der Nation ausüben. Durch Ihre Eigenschaft als Nichtarier sind Sie außerstande, eine solche Verpflichtung zu empfangen und anzunehmen. Die Veröffentlichung schriftstellerischer Arbeiten innerhalb des Zuständigkeitsbereiches der Reichsschrifttumkammer ist Ihnen dadurch mit sofortiger Wirksamkeit untersagt." Kein Nichtarier wird demnach künftig mehr eine Zeile in Deutschland veröffentlichen dürfen. Das betrifft nicht nur die Zeitungen, sondern ebenso die Zeitschriften und die Veröffentlichung von Büchern und Broschüren. Nur die ausgesprochen jüdischen Verlage dürfen sich der Werke der Nichtarier noch annehmen. Da aber der deutsche Buchhandel die Zeitschriften und Bücher der jüdischen Verlage nicht vertreibt, sind diese auf die Kunden für die wenigen rein jüdischen Buchhandlungen angewiesen, so daß ihrem Vertrieb von vornherein ganz enge Grenzen gezogen sind und jeder Erfolg ausgeschlossen erscheint. * Kein jüdischer Nachwuchs im Buchhandel und Verlagswesen mehr Berlin, 22. März (J. T. A.): Die auf Anordnung des Präsidenten der Reichsschrifttumkammer in Leipzig ins Leben gerufene Reichsschule des deutschen Buchhandels soll der abschließenden Schulung jedes jungen deutschen Buchhändlers dienen. Die Lehrzeit für den Buchhändlerberuf gilt nur dann als ordnungsgemäß abgeschlossen, wenn sie durch eine Gehilfenprüfung beendut wird, der wiederum ein vierwöchiger Besuch der lleichsschule vorausgehen muß, wovon die Berechtigung zur Bekleidung von Stellungen im Buchhandel abhängig ist. Für die Reichsschule, die Gehilfeziprüfung und die Aufnahme in die Fachschaft ist arische Abstammung Bedingung. Nichtarische Lehrlinge, die im Buchhandel noch vorhanden sind, können mit der Aufnahme in die Fachschaft nicht mehr rechnen, auch wenn sie zum Beleg ihrer richtig abgeschlossenen Lehrzeit die Gehilfenprüfung durchgemacht haben. Damit ist auch der jüdische Buchhandel in Deutschland vernichtet, denn er muß mangels jeglichen Nachwuchses in absehbarer Zeit verschwinden. Weltpolitik der Woche Vom Tag an, da die deutsche Reichsregierung der Weltöffentlichkeit das, was diese inoffiziell wußte, mitgeteilt hatte, nämlich die Wiederaufrüstung Deutschlands, war Europa vor eine neue Tatsache gestellt. Der Versailler Vertrag, der im Sommer 1919 dem besiegten Deutschland die volle souveräne Bewaffnung versagte, erschien Seiten Deutschlands gebrochen, und es handelte sich darum, aus dieser Situation die Konsequenzen zu ziehen. Selbst Kreise, die dem täglichen politischen Geschehen fern standen, fühlten instinktiv, daß jetzt auch ihre Sache entschieden werde: die Sache des Friedens, der physischen und rechtlichen Sicherheit, des Glaubens an eine in Jahrhunderten erworbene Kultur. Das Volk von 65 Millionen Deutschen hatte mit der Faust seiner vor keinem Vertrag Respekt besitzenden Führer und Anführer auf den Tisch der europäischen Diplomatie geschlagen (oder besser gesagt mit der Faust gedroht). Die Wirkung dieser brutalen Geste war verschieden. Frankreich rief den Völkerbundrat wegen Verletzung des Versailler Vertrags durch Deutschland an. Italien mobilisierte einen Waffenjahrgang. Polen, obwohl durch einen zehnjährigen Nichtangriffspakt mit Hitler-Deutschland verschwägert, protestierte gegen den Vertragsbruch seines jüngsten Bundesgenossen. Oesterreich und die anderen besiegten Staaten Ungarn und Bulgarien fanden in Italien einen Verfechter der Notwendigkeit der allgemeinen Wehrpflicht. Und England schließlich blieb bei dem Projekt, seinen Außenminister Sir John Simon zu Besprechungen mit Hitler nach Berlin zu schicken. Diese Besprechungen finden eben statt. Es hat den Anschein, als würde England die Lage nicht so bedrohlich, das heißt, Deutschlands Aufrüstung nicht so katastrophal ansehen wie die anderen Mächte; als sähe England die Möglichkeit, das hitleristische Deutschland an einen gemeinsamen Konferenztisch mit den interessierten Staaten und schließlich sogar zurück in den Völkerbund zu bringen. Es hat den Anschein. Zur Zeit ist noch nicht klar, ob Sir John Simon mehr als Informationen entgegennehmen wird. Die labile Politik Englands gestattet auch hier keine fixen Normen und Bindungen, zumal Simon sich von Hitler-Deutschland nach Moskau und Warschau begeben wird. Während also Italien und Frankreich ein aktives Vorgehen gegen den drohenden Angriff Deutschlands befürworten, beschränkt sich England vorläufig auf weitere Verhandlungen. Allerdings müßte man England Mangel an politischer Psychologie vorwerfen, wollte man annehmen, daß es Deutschlands angeblicher und oft betonter Friedensbereitschaft hundertprozentigen Wahrheitsgehalt zubilligen wollte. Um was geht es denn? Das nationalsozialistische Ostern in Palästina Eine herrliche Sonderfahrt mit dem bekannten Riesenmotorschiff (Saturnia* (36.000 Tonnen Deplacement 8. April ab Neapel, via Palermo, Athen und Rhodos 14. April an Haifa 22. April ab Haifa, via Santorin und Athen 27. April an Neapel. Hin- und Rückfahrpreis in 2- und 4-bettigen Kabinen S «588«—" 50% Ermäßigung auf den ital. Bahnen. Gelegenheit zu einem Ausflug nach Aegypten. „ltnlla"-„Cosulicli"Wlenl,Kärntnerrln$6 '