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Die neue Welt · 1935-03-19 · Heft 448 (19.3.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 448 (19.3.1935)
Date
1935-03-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen Jahrgang 9 Dienstag/ den 19« t 187 Mw. 448 V* h* k«* ** V^rmtsbib,lri, taug vom Verle«fr versendet nal expedie {v.\: Icdit-ur'* R E V U HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig s 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jngoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bumänicn monatlich Lei 40.—. vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.60, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwaliung: IX, Universitätssir,8, Tel, A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag JÜDISCHER VOLKSBUNP ÖSTERREICHS ■^|HMpMpj]|MH|n^PjHpjp^ijMn|^^ B»mIj»«Imm«* zu der Mittwoch, den 27. Marz 1935, um 8 Uhr 30 abends, in den Lokalitäten der „Hakoah", 1. Bezirk, MllaUUlIfg Wiesingerstraße 11. stattfindenden ORDENTLICHEN GENERALVERSAMMLUNG Tagesordnung: 1. Wahl eines Tagespräsidiums / 2. Tätigkeitsbericht, erstattet vom Obmanne Oberbaurat Ingenieur Robert Stricker / 3. Kassabericht / 4. Bericht der Revisoren / 5. Neuwahlen Die amerikanische Regierung kolonisiert luden Die Wirtschaftskrise in den Vereinigten Staaten liat die Gewerbe, in welchen die Juden vorwiegend tätig eind, besonders hart erfaßt. So ist die Zahl der Arbeitslosen im Schneidergewerbe, das über 50 Prozent jüdischer Arbeitnehmer zählt, katastrophal gestiegen. Das Elend der jüdischen Arbeitslosen ist Gegenstand der Aufmerksamkeit der Regierung geworden, welche nach Mitteln sucht, die brotlos gewordenen jüdischen Arbeitermaasen irgendwie in den Arbeitsprozeß wieder einzuordnen. Aus New York wird gemeldet: Gegenwärtig ist in Amerika ein neues jüdisches Kolonisationswerk im Gange. Eine provisorische Kommission des Innendcpartements der Regierung hat in Hightstown (New Jersey) ein großes Bodenu r e 1.1 zwecks Anskdlung von Juden als Farmer erworben. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat mitgeteilt, daß sie die Durchführung des jüdischen Kolonisationsplans in Hightstown übernommen und zu diesem Zweck 85 0.0 00 Dollar bewilligt hat. Mit der Arbeit wird sofort begonnen werden. Geplant ist die Bildung einer Korporation, deren Aufgabe es sein wird, für den Selbstunterhalt von Familien geeignete ländliche Siedlungen, ferner Fabriken, Schulen, Gemeindezentren usw. zu erbauen. Es soll Fabrikarbeit mit Landwirtschaft kombiniert werden. Die Mitglieder der zu bildenden Gemeinschaft werden zeitweilig Fabrikarbeit, zeitweilig landwirtschaftliche Arbeit leisten. Angesiedelt sollen hauptsächlich Angehörige des New- York er Schneide rgewerbes. werden. Jeder Siedler muß eine kleine Anfangszahlung an die Korporation leisten und die Zahlungen so lange fortsetzen, bis Haus und Grundstück in sein Eigentum übergegangen sind. Die amerikanische Regierung plant die Verwirklichung einer großen Reihe solcher Projekte. Das Projekt von HSghtstown, das der Landansiedlung von Juden gilt, ist das erste in der Reihe. mm Streik in Palä§tina 500 arabische Arbeiter der großen englischen Gesellschaft „Irak P e t r o 1 Company" (I. P. C.) in Haifa, welche die Verarbeitung und Verschiffung des von der Röhrenleitung Mossul—Haifa gelieferten Rohöls besorgt, sind in den Streik getreten. Das Unternehmen zahlte bisher ungelernten arabischen Arbeitern einen Taglohn von 12 Piaster (3.60 österr. Schilling). Die Arbeiter verlangen jetzt 15 Piaster (4.50 S). Die Gesellschaft verweist daraüf, daß in den Nachbarländern (Syrien, Aegypten usw.) Taglöhne von 3 bis 5 Piaster gezahlt werden und in Palästina selbst arabische Unternehmer ihren arabischen Taglöhnern höchstens 8 bis 9 Piaster zahlen. Die Streikenden hinwiederum verweisen darauf, daß ungelernte jüdische Arbeiter bei jüdischen Unternehmern 35 und mehr Piaster verdienen. Zwei Umstände verleihen diesem Arbeitskonflikt einen besonderen Charakter. Haifa ist heute der wichtigste Kriegshafen Englands im Orient. Von Haifa werden die meisten im Mittelmeergebiet und Indien operierenden Schiffe und Plugzeuge mit Brennstoff versorgt werden. Der Ausbau des Hafens yo'n Haifa war eine für England lebenswichtige Angelegenheit, und die Wirtschaft im Hafen ist für England eine poütisch-militärische Angelegenheit ersten Ranges. Sie hat daher diese Wirtschaft nicht Privaten überlassen. Die I. P. C. ist nur dem Scheine nach ein privates Unternehmen. In Wirklichkeit ist sie ein Unternehmen der englischen Regierung, das in erster Linie unter Kontrolle des Kriegsministeriums und des Gcneralstabes steht. Es ist also selbstverständlich, daß England Unruhen irgend welcher Art, die in diesem Gebiet entstehen, mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt, denn sie greifen an seinen politischen und militärischen Lebensnerv. Der andere Umstand, welcher diesem Streik einen höchst politischen Charakter verleiht, liegt darin, daß Juden in den Arbeitskampf zwischen arabischen Arbeitern und dem englischen Unternehmen eingegriffen haben. In zahlreichen Aufrufen an die jüdische Arbeiterschaft fordert die jüdische Arbeiterorganisation „H istadruth haowdim" die Juden auf, den Arabern beizustehen und vor allem Geld für den Streikfonds zu sammeln. In der Presse und in Maueranschlägen werden die Leiter des englischen. Unternehmens als besonders arge Lohndrücker und „große Praxis in der Ausbeutung" besitzende Menschen bezeichnet. In den jüdischen Kundgebungen wird, über die materielle hinaus, die politische Bedeutung des Streiks betont und zur Schaffung einer arabisch-jüdischen Kampf Organisation aufgerufen. Der Ausgang des Streiks ist zur Zeit noch nicht bekannt.*) Aber wie er auch ausgeht, eine Wirkung auf englischer Seite wird bleiben: Die Erinnerung daran, daß Juden zugunsten der Araber gegen ein englisches Unternehmen, welches nach Lage und Bestimmung strategisch und politisch sehr exponiert ist, eingeriffen haben. Die Engländer werden bestimmt bemüht sein, alle Maßnahmen zu treffen, um einer Wiederholung solcher Vorgänge vorzubeugen. Es ist klar, daß diese Maßnahmen sicher keinen den Juden und der jüdischen Kolonisation in Palästina freundlichen Charakter tragen werden. Durch die Politik der „Histadruth haowdim" ist also das Verhältnis zwischen Mandatsmacht und Juden wesentlich verschlechtert worden. Ist wenigstens der Trost vorhanden, daß durch solche Aktionen das Verhältnis zu den Arabern gebessert wird? Die Histadruth-Leute behaupten das wohl, aber alle Erfahrungen sprechen dagegen. Es ist da gut, die Stimme eines Mannes zu hören, welcher wohl im Verkehr mit Arabern auf die reichste Erfahrung hinzuweisen hat. Der Präsident der Jüdischen Kolonisten in Palästina, Mosche Smilansky, hat gerade in diesen Tagen in der Zeitschrift „Bustenai" einen Artikel über die arabischjüdischen Beziehungen in Palästina veröffentlicht, in welchem es heißt: „Wenn die Juden in Diskussionen mit Avabern auf die Vorteile hinweisen, welche die jüdische Einwanderung bringt, auf die Prosperität, auf die für den Orient unerhört hohen Arbeitslöhne des arabischen Arbeiters in der jüdischen Wirtschaft, auf die Tatsache, daß die Regierung nüt Hilfe ihrer hohen Steuereinnahmen, die von Juden kommen, Schulen und Krankenhäuser und Versuchsstationen baut, die den Arabern zugute kommreu usw., antworten die Araber: Wir vernichten auf all das, wir wollen in Armut frei sein, dies Land ist a r abisch und hat nur Platz für Araber, alle anderen sind da höchstens Gäste," *)] Der-Streik gilt bereits als beigelegt. Anm. d. Red. 1. £. P^mt-faMfakf auf Seile 4 lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllf Ein Hauptargument für den Zionismus bildet die Annahme, daß eine jüdische Kolonisation in Palästina viel dazu beiträgt, dem unruhigen Orient Ruhe, Frieden und Ordnung zu bringen. Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß die zionistische Propaganda unter den Mächten der Welt mit diesem Argument steht und fällt. Für einen Zionismus, der durch Uebertragung europäischer Kampfmethoden, vor allem politischer Klassenkampfmethoden, Unruhe im Orient schafft, können und werden die) Kulturnationen keine Sympathien hegen. Die Histadruth sündigt nun gegen diesen Gedanken. Alle sozial empfindenden und gerecht denkenden Juden müssen die Hebung der Lebensbedingungen des arabischen Arbeiters in Palästina begrüßen und mit Anwendung aller moralischen Mittel fördern, aber die Histadruth beschränkt sich nicht darauf, sondern glaubt, mit den aus dem europäischen Klassenkampf-Arsenal übernommenen Waffen, die im unreifen Orient verheerend wirken, fechten zu müssen. Sie begnügt sich nicht damit, von angemessenem Arbeitslohn zu sprechen, sie ruft zum „unvermeidlichen" Kampf gegen „englische und jüdische Ausbeutung", der „bis zu Ende" geführt werden muß, bei dem es keinen „Ausgleich", nur einen „Sieg" geben kann. Vielleicht wäre die ganze Angelegenheit leichter zu nehmen* wenn die „Histadruth" irgendeine zionistische Organisation wäre, eine wie viele andere, deren Tun und Lassen nicht entscheidend ist. Aber die „Histadruth" ist heute die Organisation, welche Palästina und die zionistische Weltorganisation b eherrscht und vor aller Welt repräsentiert. Die Weltorganisation bestellt aus Histadruth-Leuten, der ganze gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Apparat des Zionismus und Palästinas ist in ihre Hand gegeben. Eine Sünde, welche die Histadruth begeht, wird so zur Sünde des Zionismus. Darin liegt die große Gefahr. Aus ihr ergibt sich die Notwendigkeit, der Alleinherrschaft dieser Gruppe entgegenzuwirken. Die Vorgänge um den so bedeutsamen Streik in Haifa beweisen, wie wichtig die Arbeit jener ist, welche denrein nationalen Gedanken im Zionismus wieder zur Geltung bringen wollen, und wie wichtig die Arbeit der Judenstaatspartei ist, welche die Wiederaufrichtung des Herzl-Zionismus anstrebt, der das Interesse des Jüdischen Volkes und des Judenstaates über alle Partei- und Klassengegensätze stellt. Das ist kein Kampf um Parteimacht, sondern ein Kampf um die Lebensmöglichkeit für den Zionismus. Der Streik in Haifa beweist es. Die großen, vorzüglichen Salonschiffe „GALILEA", „GERUSALEMME". „PALESTINA" der direkten Eillinie TRIEST —JAFFA des LLOYD TR!E$?£§*0 verkehren jeden Mittwoch und jeden zweiten Freitag. B^hrpreis in der ausgezeichneten Touristenklasse samt vier Mahlzeiten täglich bloß ca. ö. S 258.—. Auskünfte: Lloyd Triestino, Wien, I., Kärntnerring 6

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