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Die neue Welt · 1935-03-15 · Heft 447 (15.3.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 447 (15.3.1935)
Date
1935-03-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljahrig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.60, Mark 3.—: Buleanen monauicn Juewa öu.—, vierujijaurjK ucwa w.—» **<»•";»», "'""""'V "Ii1" ^»_«*J Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Franca 4.50, Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. HERAUSGEBER; ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel. A-2Ö-2.78 - Erscheint Dienstag u. Freitat* Das Recht auf jüdische Arbeit anerkannt In der letzten Zeit hatte der High Commissioner Sir Arthur Wauchope mehrfach Gelegenheit, mit Vertretern des jüdischen Jischuws in persönliche Berührung zu kommen. Er empfing eine von Herrn Ostrowsky geführte Abordnung des Verbandes nationaler j ü d i s c he r Landwirte, die ihm die Wünsche und Beschwerden der jüdischen Bauernschaft im Zusammenhang mit den Folgen des Arbeiterrnangel in Palästina vortrug. Die Abordnung wies darauf hin, daß der Arbeitermangel in der Landwirtschaft sich besonders dadurch außerordentlich fühlbar mache, daß in diesem Jahre neue Pflanzungen auf einem Gebiet von 20.000 Dunam angelegt wurden, so daß das Gesamtausmaß der Citruspflanzungen auf 170.000 Dunam angewachsen ist. Außerdem würden von bisherigen Landarbeitern in steigendem Maße eigene Kleinsiedlungen geschaffen und es sei Ersatz für diese Arbeitskräfte notwendig. Der High Commissioner nahm die Zahl der angeforderten landwirtschaftlichen Arbeiter zur Kenntnis und verspach, er werde einen Teil der Zertifikate aus der nächsten Schedule aussen Ii eßlichfürlandwirtschaftliehe Arbeiter bestimmen. Den Grundsatz, daß in jüdischen Unternehmungen, jüdische Arbeiter beschäftigt werden sollen, erkannte der High Commissioner als gerecht an. Die von der Abordnung erstatteten Vorschläge betreffend Verbesserung der Transportverhältnisse und Straßen von den Kolonien zu den Häfen und Beginn der Steuerpflicht für Pardessim vom 9. Jahr nach der Pflanzung anstatt wie bisher vom 6. Jahr an versprach der High Commissioner einer wohlwollenden Prüfung unterziehen zu wollen. Der High Commissioner empfing ferner eine Abordnung von Kolonisten aus dem Scharon, die um Erhöhung der Arbeitereinwandeung baten, da sonst eine Wirtschaftskatastrophe drohe. Der High Commissioner empfing auch eine Abordnung der Hista.druth Haowdim, die ihn auf die Gefahr des akuten Arbeitermangels in Palästina aufmerksam machte und schnelle Maßnahmen zur Erleichterung der jüdischen Einwanderung forderte. Auch eine Abordnung der Agudath Israel spach beim High Commissioner vor, um die Zulassung einer größeren Zahl jüdischer Einwanderer, die Anerkennung der orthodoxen Gemeinden als Sondergemeinden und Regierungsbeihilfen für das Schulwerk der Aguda zu fordern. (J. T. A.) SBet (frrfrcmntngeu bev Wtmungsorgatte uetioenbe «reblauer *V gaiicthtühn flcmeitgt mit-. Keffer antra) Die /Jahudim" rühren §idi«** // Es gibt in Amerika, vornehmlich in New York, jüdische Massensiedlungen, in denen sich der aus Osteuropa gekommene Zustrom armer Juden konzentriert hat. Daneben aber finden sich die aus Deutschland und aus den deutschen Teilen der alter Habsburgermonarchie eingewanderten Menschen, eigentlich Herren, Persölichkeiten, die ihren Fuß geradewegs nach Wallstreet setzten und sich heute zu den „führenden" Amerikanern zählen: Jahudim nennt man sif, diese „angesehenen Persönlichkeiten", Protektoren, Präsidenten. Fürbitter, die mit Mißbehagen auf die unnoblen Pöbelmenschen osteuropäischer Herkunft herabblicken wie auf Wilde und Parias, welche man erst noch kultivieren und salonfähig machen müsse. In Fragen jüdischer Solidarität stehen diese Jahudim abseits. Sie fürchten um ihren guten Ruf als Vollblutamerikaner. Sie fürchten um ihre Geldgeschäfte in Wallstreet... Darum stellen sie sich gegen den Jüdischen Weltkongreß, darum stellen sie sich gegen den antideutschen Boykott, der in gleicher Weise von Juden, Katholiken, Sozialisten und Parteilosen organisiert und geübt wird. Die Jahudim protzen mit ihrem Ueberpatriotismus, sie geben sich amerikanischer als die Yankees, die Sternenbanner-Amerikaner. Wir haben sie bereits kennengelernt: in ihrer Kampagne gegen den Jüdischen Weltkongreß, die legitime Vertretung der Juden aller Welt zum Schutze ihrer Rechte und zur Wahrung ihrer Würde. Die Jahudim wollen von dieser, auf demokratischer Basis zu wählenden Körperschaft nichts wissen. Und wie nicht anders zu erwarten — präsentiert sich ihre Gegnei-schaft im Gewand einer Assimilation, die verdächtigt, ja denunziert. Die amerikanische Presse weiß verschiedenes Pikantes von ihnen zu erzählen. Da ist beispielsweise James M a r s h a 11, der Sohn des großen amerikanischen Juden Louis Marshall, der Sohn und nicht der geistige Erbe, ein Mann, der vom Ruf seines Vaters zehrt und sich in die Gefahr begibt, dem Andenken des Vaters durch seine Haltung nicht gerade dienlich zu sein. James Marshall nämlich betont so sehr seinen amerikanischen Patnotismus, daß diejenigen Juden in Amerika, denen das Judentum am Herzen liegt, als gleichgültige Zuschauer gegenüber dem Schicksal Amerikas erscheinen. VäUUH 5695 siehe Seile 7 und 8 Mister Marshall hat in diesem Belang einen Kollegen, den Mister Proskaue r, ebenfalls einen heftigen Bekämpf er des Jüdischen Weltkongresses; einen Mann, der ebenfalls in Ueberpatriotismus macht. Mister Proskauer hat zum Beispiel den Mut, die Idee des Weltkongresses als separatistisch, als chauvinistisch, als unamerikanisch zu bezeichnen. Er geht sogar so weit, die jüdischen Bürger Amerikas, denen die Würde und Ehre ihres Volkes am Herzen liegt, als „hyphenated Americans", als Bindestrich-Amerikaner zu bezeichnen; als Amerikaner, die ihr Herz nicht hundertprozentig der amerikanischen Sache widmen. Bezeichnenderweise haben die Herren \ Marshall und Proskauer — im Interesse des Dollarwechsel-Geschäftes in Wallstreet — auch den antideutschen Boykott sabotiert, indem sie und ihr Kreis erklärten, daß die moralische Abwehr des Hitlerismus durch Boykottverhängung nicht im Interesse Amerikas liege; dies gegen die deutlich erkennbare Tendenz weiter katholischer, protestantischer und proletarischer, ja sogar liberaler Kreise der Vereinigten Staaten, und mit der Motivierung, der antideutsche Boykott wäre ein Antrieb für eine verstärkte antisemitische Bewegung. Wie man weiß, dachte die demokratische und liberale Welt anders: In England, Holland, Frankreich, Belgien (gar nicht zu reden von Polen) bildete sich eine antideutsche Boykott-Front. Aber auch hier gab es — Persönlichkeiten, die jede großzügige Boykott- Organisation, zunächst die Boykott - Konferenz, zu sabotieren versuchten. Herr Herbert Samuel, erster O'berkommissär in Palästina unseligen Angedenkens, Innenminister und Führer der englischen Liberalen, erklärte eine in London tagende Boykott-Konferenz als den englischen Interessen abträglich, und es gelang ihm auch, die von Lord Melchett (London) und Samuel Untermeyer (New York) entrierte Boykott-Konferenz, wenn nicht zu verhindern, so doch aufzuschieben. Auch hier also ein Ueberpatriotismus eines jüdischen Bürgers Großbritanniens auf Kosten seiner jüdischen i Stammesgenossen! Wieder ergab sich für Sir Herbert Samuel Gelegenheit, seinem Ueberpatriotismus die Zügel schießen zu lassen. Bekanntlich hat die britische Regierung ein Weißbuch veröffentlicht, worin ausgeführt wird, daß England mit Rücksicht auf den aggressiven Geist II Elaktr. Kraft», medarne BeleucMungs» und Radloanlagan, elaktr. Haushai. tungigcräta,Lim«r, Radio. Fachmännische Beratung kottenlos. PAUL HELLER, I, Lichtensfeg 1 // Tel. U-21-912 Installationen •wd Hotel Arras NIZZA 7 Avenue Baquis Aller Komfort. Elegant« Zimmer. Nahe am Meei und Kasino. Idealer Aufenthalt. Komplette Pension: (Frcs. 35.— Pension Irma Meister. Meratv Idealer aanzJHhrlger Autenthalt, letzter Komiort, gerühmte Küche, herrl T»ark mäßige Preis«" V *r'a n<r m Sie P r t e t > 1 te mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmKmmmmmtmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm Hitler-Deutschlands seine Rüstungen, vornehmlich die Luftstreitkräfte, vergrößern müsse. Diese Erklärung traf die Hitler-Regierung ins Mark. Sie deklarierte vor aller Welt, daß Deutschlands Kriegslust den Frieden Europas bedrohe. Die britischen Staatsmänner, wie Baldwin, Simon, Eden u. a., handelten also als echte Patrioten. Sir Herbert Samuel aber, der liberale Führer, war nicht zufrieden. Er griff die englische Regierung an, weil sie für einen ausreichenden militärischen Schutz Vorbereitungen traf, und nannte die Erwähnung Deutschlands im Weißbuch einen — „unglückseligen diplomatischen Akt". Unglückseliger Diplomat! Der Mann, der als palästinensischer Oberkommissär so sehr neutral war, daß die jüdischen Rechte gegenüber den arabischen fast auf Null herabsanken, versucht dieses Manöver zum zweitenmal'— gegenüber Hitler-Deutschland! Er gebärdet sich patriotischer als die englischen Vertreter der englischen Regierung: nur nicht die Deutschen durch Feststellung des wahren Tatbestandes reizen! Selbstverständlich bestätigte das englische Unterhaus bei der Abstimmung den Willen der Regierung, den Willen der Nation. Mit überwiegender Mehrheit wurde seitens des Unterhauses die Abfassung und Veröffentlichung des Weißbuches gutgeheißen. Sir Herbert Samuel hat sich in seiner überpatriotischen Neutralität wieder eine Niederlage geholt. Genau so wird es unseren Jahudim in Amerika ergehen. Das Zeitalter der „Persönlichkeiten", „Fürbitter" und „Protektoren" geht seinem Ende entgegen. Eine neue zwei Millionen Pf und« Anleihe? Aus Jerusalem: Die Palästina-Regierung beabsichtigt, eine neue Anleihe von zwei Millionen Pfund aufzunehmen. Die Anleihe soll zum Teil in London, zum Teil in Palästina untergebracht werden. Ueber die Verwendungsart der geplanten Anleihe sind vorläufig noch keine Informationen zu erlangen. Die Zeichnungsformularo werden in Palästina vorbereitet. 1200 Palästina-Wanderer aus Polen Aus Warschau: Im Verlauf dieser Woche sind aus Polen 1200 Juden, 600 über den Hafen Constantza und 600 über Triest, nach Palästina abgereist. (J.T. A.) Die großen, vorzüglichenSalonschiffe „GALILEA", „GERUSALEMME". „PALESTINA" der direkten Eillinie TRIEST—JAFFA des LLOYD TRIESTINO verkehren jeden Mittwoch und jeden zweiten Freitag Fahrpreis in der ausgezeichneten Touristenklasse samt vier Mahlzeiten täglich bloß ca. ö. S 258.—. Auskünfte: Lloyd Trlestino, Wien, I., Kärntnerring 6

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