Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 446 (12.3.1935)
- Date
- 1935-03-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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r Met i DIE NEUE WELT Nr. 446 SonllVrreisan POLEN ^ÄV' nach ■ wSihl« nüöKMhf 7 April Andere AuMnthaUsorranflaments möglich. Anm«l4f iMfl«m ,FRANCQPOl' OesferreidisFilminduslrie gleidigesdialfef In einem Aufsatz „0 e s t e r r e i c h i s c h c r Film vom Boykott bedroht" (Nr. 444 vom 5. Mär«) stellten wir die Situation dar. in welcher sich die österreichische Filmindustrie kraft der mit Hitler-Deutschland abgeschlossenen Vereinbarungen befindet. Hiebei sprachen wir die Befürchtung auf, Oesterreich könnte durch eine ,.G l e i c h s c h a 1tun g" die ausländischen Filmmärktc verlieren. Wir verwiesen auf die Tschechoslowakei, wo bereits der in Oesterreich nach den Normen der deutschen Reichsprüfstelle erzeugte Film einer ausgesprochenen Aversion begegne. Unsere Vermutung, die österreichische Filmindustrie habe sich dem H a k e n k r e u z u n t e rw o r f e n, ist nun zur Gewißheit geworden. Wie die Prager „Selbstwehr" vom 7. März ds. mitteilt, bringt das Fachblatt ..I n t c r n a t i o n a 1 e Filmschau" (Frag) bezüglich des zwischen Oesterreich und Hitler-Deutschland abgeschlossenen Filmvertrages folgende Meldung: „Die österreichischen Filmproduzenten haben sich verpflichter, keinen Film zu unterstützen, dessen Inhalt oder dessen Besetzung in Deutschland unwillkommen sein könnte." Auf Grund dieser Sachlage ist es nicht nur den reichsdeutsch en. sondern auch den österreichischen jüdischen Schauspielern unmöglich, in Wien zu filmen. Die Prager , S^lbstwehr" führt hiezu folgendes aus: „Es ist zweifellos, daß dieses Abkommen den Garantien des Vertrages von St. Germain widerspricht, die jede derartige Diskriminierung verbieten, und es dürfte in diesem Zusammenhang interessant sein, ob eine private Vereinigung von Handeltreibenden durch private Abmachung mit dem Ausland international garantierte Grundgesetze des österreichischen Staates ausdrücklich für sich aufheben darf. d. h. ob sie sich, grundsätzlich und kontraktlich, der fremden, den international garantierten Grundsätzen des eigenen Staates widersprechenden Gesetzgebung eines Nachbarlandes unterwerfen durfte. Das ist, jenseits der faktischen allgemeinen Wiener antisemitischen Praxis, immerhin eine prinzipielle völkerrechtliche Frag e." Die theoretische Seite dieser Frage ist hieniit angeschnitten und muß von den kompetenten Faktoren in Oesterreich behandelt werden. Der praktischen Seite kommt das Kinopublikum in der Weise bei, daß es die österreichischen Arierparagraphen-Filme genau so behandelt wie die reichsdeutschen des Herrn Goebbels. T§dtedho$?owakisdher Brief Vor den Wahlen Pra g, S. März. In den Tagen, da der Staat den Geburtstag seines Schöpfers und Führers Masaryk feiert, machen sich politische und geistige Strömungen stark geltend, welche im Gegensätze zu den Lehren des großen Demokraten stehen. Insbesondere in der Betrachtungsweise der Judenfrage, und zwar sowohl im deutschen und als auon im tschechischen Lager. Das Sudetcndeutschtum ■war ja immer antisemitisch und hat schon in der östcrreicniacnen Monarchie dem Antisemitismus Ideen und Führer geliefert. Nach dem Umstürze mußten sich die Deutschen einer gewissen Zurückhaltung befleißigen. Jetzt scheint diese Hemmung überwunden. Die augenblicklich interessanteste deutsche Gruppe, die von H e n- J e i n geführte Sudetendeutsche Helmutfront (S. H. F.), betont immer stärker und stärker den noch vor kurzem abgeleugneten Antisemitismus und scheint ihrer nunmehr beginnenden Kampagne für die Parlament&v/ahlen einen ausgesprochen judengegnerischen Charakter geben zu wollen. Es Ist bezeichnend, daß in den Versammlungen der S. H. F. reichsdeutsche Hetzschriften gegen die Juden vertrieben worden, So dus Buch von Dr. Hans Sigmund ,,A n t. i n o in i t i s m u ,s d o r Welt in Wort und Bild". im Prospekt, den die S. H. F. verteilt, sind die Bilder der Judenverf olger aller Zeiten enthalten: Kaiser Vespasian „der unerschrockene ErÖffner des Krieges Regen Juda", Kaiser Hadrian, „der endgültige Zertrümmerer des jüdischen Staates", Theodor F r i t s c h, „der Altmeister des Antisemitismus", Julius Streicher, „der unermüdliche Kämpfer gegen das Judentum". Die Werbeschrift schließt mit den Worten: „Fördert die judengegnerischo Literatur, fta&it VerfttMer u&4 Varia««r viiUtarfetlUa köa&eal" Es hat Zeiten gegeben, da in der Tschechoslowakei eine solche Propaganda behördlich untersagt wurde. Die Herren von der S. H. F. arbeiten mit deutscher Gründlichkeit und ganz ungeniert an der „Gleichschaltung" mit dem Dritten Reiche. So ist im offiziellen Organ „Rundschau" folgende Aufforderung zu lesen: ..Kamemd! Bist du imstande, a(ls Kirchenbüchern V h;< e u t n f e I n zusammenzustellen'.' Wenn ja, gibt deine Anschrift tmd den Ort. no flu Forschungen durchfuhren kannst, bekannt, fln werden sich sieh er Kameraden finden, die dir Forschungen übertragen und dafür gerne otn ns bezahle t\." v Vielleicht noch beachtenswerter sind die Vorgänge im Lager d"s tschechischen Staatsvolkes. Auch hier „Fronten", die den Antisemitismus mit einer bisher unbekannten Heftigkeit fördern. So wird im Programm der jetst geschaffenen großen Jugendvercinigung der Nationaldeiuokraten und Faschisten die „Befreiung des Staates aus jüdischer Herrschaft" als erstes Postulat bezeichnet und;i. a. die A u s s c h 1 i e ß u n g d er Jude n au? (i e r W c h r m acht verlangt. Diese Elemente gehen in ihrer Judenfeindschaft so weit, das deutsche Beispiel anzupreisen, und im Verlaufe der Affäre des Präger Korrespondenten des „Völkischen Beobachters" kam zutage, daß der Emissär Hitlers mit dem Pressechef der tschechischen Faschisten in engen Beziehungen steht. * Angesicht6; dieser Vorgänge im nichtjüdischen Lager ist die Situation im jüdischen Lager sehr bedauernswert. Hier sind aus Anlaß der kommenden Wahlen in der jüdischnationalen Führung Konflikte persönlicher, vor allem aber grundsätzlicher Natur entstanden. Die unter Führung der Abgeordneten Dr. Angelo GoldmmKmmmamunmmmmmaammmmmm^a^mmmtmmammmmmmmBammmmmKKmm 6CRÜUZ-KINO 1 Wollzeile 17 . Tel. R-24-2-16 JOHNNY WEI5IMÜUIR In Vorstellungen: „Tarzan und sein Kamerad" «.*•«*».*•• stein stehende Gruppe erwägt, zur Rettung des jüdischen Mandates auf der Liste der tschechischen Sozialdemokraten zu kandidieren. Darin erblicken viele Zionisten, und wohl nicht ohne Berechtigung, eine Preisgabe der selbständigen nationalen jüdischen Politik und eine verhängnisvolle Verwicklung der tschechischen Juden in weltanschauliche und klassenkämpferische Auseinandersetzungen. Sic sagen, daß dies die Taktik ist, welche auch in Oesterreich Unglück über die Juden gebracht hat. Auch dort haben sich jüdische und auch zionistische Führer dazu verleiten lassen, auf die selbständige Politik zu verzichten und der Sozialdemokratie Gefolgschaft zu leisten. Dus Resultat v/ar verschärfter Antisemitismus, der mit dem Schlagwort arbeitet, daß die Juden durch Schürung des Klassenkampfes das Österreichische Volk ins Unglück gestürzt haben. Daneben erheben sich Stimmen aus dem allgemein-zionistischen und revisionistischen Lager, welche der gänzlichen Preisgabe der jüdischen Politik das Wort reden. Dann die Poale- Zionlsten, welche es strikt ablehnen, mit den anderen zusammenzugehen. Kurz, eine ungeklärte Situation im jüdischen Lager, die nur der Stärkung des Feindes dient. Das Dilemma der BüdiseJien Partfei Unter diesem Titel schreibt die zionistische Preßburger Zeitung „Die neue Zeit", welche in jüngster Zeit gegen eine selbständige jüdische Politik Stimmung macht: „Wie uns aus Prag gemeldet wird, verhandelt die Jüdische Partei einerseits mit der ruthcnisch.cn autonomistischen Partei, andererseits mit der sozialdemokratischen Partei, um mit der einen odor der anderen Partei einen Wahlblock zu bilden. Die j sozialistische Partei zeigt wenig Lust, das Odium auf sich zu nehmen, eine Judenschutztruppe zu bilden. Um aber dennoch die Verhandlungen zu erleichtern, sind die P o a le -Zionisten in den zionistischen Landesverband eingetreten und werden gemeinsam mit den Zionisten einen poalc-zionisttschen Kandidaten für die Abgeordnetcmvahlcn nominieren. Solcherweise hofft man, die sozialdemokratische Partei für sich gewinnen zu können. Ob so oder so, die Jüdische Partei, die eigentlich geschaffen wurde, um die Juden politisch zu neutralisieren, setzt das Judentum einem heftigen politischen Kampfe aus, der für uns unabsehbare Folgen haben kann. Abgesehen davon, tobt hinter den Kulissen hauptsächlich zwischen Dr. Angelo Goldstein und Dr. Frant. Friedmann ein heftiger Kampf um die Kandidatur." Jüdische» Theater im amerikanischen Radio Wie aus New York gemeldet wird, veranstalten am 10. Mai neun Stationen des amerikanischen Rundfunksystems unter der Bezeichnung „Jiddisches Theator des Aethcrs" zum erstenmal in der Geschichte des Rundfunks eine Sendung jiddisch-dramatischer Kunst unter der Leitung Joseph Buloffs, des jiddischen Schauspielers und Direktors des jiddischen Kunsttheaters in New York. Außer Buloff, dem einstigen Mitglied der Wilnacr Truppe, wirken bei der Sendung Lazar Fried, Hannah Appel, Juda Bleich, Luba Kadison und Hannah Holländer mit. Das Programm en/thält Bruchstücke aus den Werken der besten jiddischen Dramatiker, Pinaky, Schalom Aach, Dyraow, Scholem Alecbem, Leiwik u. a, Judens$aa$$par£ei Oesterreichs Versammlung«- und Veranstaltung? kalendcr Dienstag, den 12. März. Gruppe XIV/XV, halb 9 Uhr abends, Schanz.ltraße .'52: Vortrag Fritz Richter: Wirtschaftliche Fragen Palästinas. — Juden- «taatsjugelid Gruppe II. Taborstraße 21a. halb 9 Uhr abends: Seminar für zionistische Geschichte. Referent: Josef Frankel. Judenstaatsjugend Gruppo I1 rater, II., Kleine Zufahrtsstraße 166, halb 9 Ühr abends: Seminar für jüdische Geschichte. Referent: Viktor Rosenfeld. - Judenstaatsjugend Gruppe XX. Heinzelmanngasse 20, halb 0 Uhr abends: Vortrag Siegmund Hillmann: Landflucht in Palästina. Mittwoch, den 13. März: Der Vortrag in der Werdertorgasse 11, entfällt. — Gruppe VI/VI1, halb f» Uhr abends. Cafe Mariahilf, VT., Mariahilferstraße 89 a: Mitgliederversammlung. Erscheinen Pflicht. Donnerstag, den 14. März, Gruppe Lcopoldstadt, II., Taborstraße 21 a: Da der abgehaltene Vortragszyklus des Herrn Dr. Sal. Wolf über „G rund« demente und Entwicklung des Z i o n i sm u p" in weiten Kreisen großen Widerhall gefunden hat, veranstalten wir am Donnerstag, den 14. März, in unserem Heim unter Leitung des Referenten eine Ausspräche über dieses Thema. Beginn halb 9 Uhr abends. — Gruppo Prater, II., Kleine Zufahrtsstraße 166, halb 9 Uhr abends: Ausschußsitzung. XXI. Bezirk, Cafe „Goldener Engel". XXI., Am Spitz 2-3: Große Versammlung. Thema: „Was geschieht mit den Juden?" Referenten: Oberbauvat Robert Stricker, Fritz Richter. Beginn 8 Uhr abends. Voranzeige: Samstag-, den 30. März: Gesellschaftsabend im Hotel Continental, IL, Taborstraße, unter Mitwirkung hervorragender Kunstkräfte, u. a. Sevilla Pastor (Jüd. Künstlorspicle), Max Lichtegg (Scala), Claudius (Simpl). Karten ä S 2.— sind bereits in sämtlichen Sektionen erhältlich. mswimmmBmm—mua*\ummi in 111111 im 111111 nata—mumiwmti im*mma^mmmmmmammm Streit um e?en §diekeI?Text üisziplhiklausel — Austritt der Revisionisten aus den Sehekelkommissionen Auf dem von der Zionistischen Exekutive aus-» gegebene» Sehekel beiludet sieh folgender Aufdruck: „Die Mitgliedschaft der Zionistischen Organisation setzt die Unterordnung unter ihre Gesetze und die Beschlüsse ihrer leitenden Körperschaften voraus. In allen zionistischen Fragen ist die Disziplinpflicht der Zionistischen Organisation über die Disziplinpflicht irgend einer anderen Organisation zu setzen. (Beschluß des 18. Zionistenkongresscs 1.933.) Bisher hat der Sehekel weder diesen noch einen ähnlichen Vermerk getragen. Auf dem Prager Kongreß ist der zitierte Beschluß gegen die Stimmen der Revisionisten, Misrachisten und Judenstaatsparteiler angenommen, worden. Als gerüchtweise bekannt wurde, daß der'Aufdruck dieses umstrittenen Beschlusses geplant sei, erklärten die Revisionisten, vor allem ihr Führer Jabotin s k y, daß in diesem Falle kein Revisionist einen solchen Schekcl kaufen, also jeder Revisionist dem nächsten Kongreß fernbleiben werde. Die Exekutive hat nun, und gewiß gerade mit Hinblick auf die revisionistische Erklärung, ohne Befragung der anderen Parteien und ohne jede Nötigung den Aufdruck veranlaßt. Ob sie laut Statut hiezu berechtigt war, das wird wohl in der bevorstehenden Sitzung des Aktionskomitees geklürt werden. Jedenfalls aber bedeutet ihre Handlungsweise eine an die Adresse der Revisionisten gerichtete Provokation, geeignet, diese aus der Zionistischen Organisation hinauszudrängen, und eine Mißachtung der anderen zionistischen Parteien. Sie stellt den unerlaubten und einer obersten Leitung unwürdigen Versuch dar, die übertragene Macht zur Erledigung politischer Gegner zu mißbrauchen. Sie ist gegen " die Interessen des gesamten Zionismus gerichtet. Unter Protest gegen den Aufdruck der Disziplinbestimmungen hat. di'i Exekutive der Zionisten-Revisionisten den Austritt der revisionistischen Mitglieder aus den Schckelkommissioncn veranlaßt. Juden$€$fgck$al Ein des Mordes Beschuldigter wird auf Grund cine3 Strafprozesses zum Tod verurteilt. In Amerika. Es ist der Reichsdeutsche Pruno Hauptmann. Seine Staatszugeiiörigkeit benutzen Xv Nazideutschen in Amerika, für das t-iKlcrnDeutsclitum Piopaganda zu machen, den Verurteilten zum Märtyrer zu stempeln, gegen die Juden au 'hetzen. Der Richter im Hauptmann-Prozeß ist ein Jude, sagen sie (Richter Willentz ist ein reinrassiger Amerikaner!), und darum ist sein Urteil ungerecht. Selbst im abseitigen Fall eines Kindesraub- und Mordprozesses wird — sogar in den Vereinigten Staaten — die „Judenfrage" aufgerollt und in unserem Falle weiterhin (siehe S. 1 unserer heutigen Ausgabe) zur schändlichen Ritualmordhetze ausgenützt. Bruno Hauptmann, der wegen Mordes am Lindbergh-Kind Verurteilte, erscheint nun in die Reihe der Hakenkreuzhelden Schlageter und Horst Wessel gesetzt. Selbstverständlich auf Konto der Juden. Wir können eben, und mögen die Asslmihmten es noch immer nicht wahrhaben wollen, solchem Schicksat nicht entrinnen. ... Jüdisches im Itasiso Donnerstag, den 14. März 14.30 Brüssel (483,0 m) Schallplatten: „Sulamith.'- von Abraham Goldfaden. Freitag, den 15. März 17,45 bis 18,15 Kopenhagen (205,1 m): Heinrich, Heine, der Jude. S a m s t a g, den IG. März 20.45 Huizen (301,5 m) Auszug aus der „Königin; von Saba" von C. Goldmark. Einweihung der /.weiten rulüstiuulinic des „Lloyd Tricstlno". Der „Lloyd Triestino" inaugurierte am 8. Mäi'z, wie uns aus Triest berichtot wird, seine zweite Eillinie; nach Palästina mit der Erstiingsfahrt des ganz neu ausgestatteten Dampfers „Palestina". Die Feier der Ausfahrt fand im Beisein der Spitzen der Behörden statt. Das vollbesetzte Schiff trifft am 12. d. M. in Haifa ein, woselbst ein Galaabend den Abschluß der denkwürdigen Fahrt feiern wird,