Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 445 (8.3.1935)
- Date
- 1935-03-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Saite S DIE NEUE WELT Nr. 445 Jbttd falten! Eine Lektion von T u n Ii c 1 c r Es ist Winter. Draußen Schneegestöber, Hagel, dann ein linder Wind, der Frost nimmt ab, der Schriee zergeht, zerrinnt. Menschen gehen und fallen. Gleiten aus und fallen. Man fällt nicht nach einem bestimmten System, nach vorgeschriebener Ordnung. Jeder fällt auf seine eigene Art, auf seine eigene Verantwortung. Jeder fällt nach seinem eigenen Gusto, wie er \vil\ wie er kann, ohne Plan, ohne Vorschrift. Das FalkM ist noch nicht organisiert, noch nicht -systematisiert. Jeder hat darüber seine eigene Welt-Fall-Anschauung. Wir sind daher jetzt auf den Plan verfallen, ein Wort fallen zu lassen und die Welt und die Menschheit das Fallen zu lehren. Tatsache ist: Eine Menge politischer Führer und Machthaber haben es da*\* gebracht, daß die Menschheit bis in den tiefsten Abgrynd fällt, aber jeder einzelne Mensch fällt dort nach tunem eigenen Stil. Wieviel Menschen, soviel Arten des Fallens. Man fällt nicht mit Voraussicht, Vorbereitung, Überlegung, nach einem einheitlichen System. Deswegen wollen wir eine kurze Methode des Fallens geben. Jeder soll sie lesen und bei bestem Wohlergehen fallen, aber nach unserer Methode, nach unseren Anweisungen. Denn: Fallen ist eine große Sache. Fallen muß man können. Fallen ist eine Kunst. * Schon beim ersten Schritt, den der Mensch im &*%en macht, fällt er. Und doch hat er bis in seine späten Jahre das Fallen nicht erlernt. Katzen und Akrobaten, mögen sie so jung wie immer sein, fallen auf die Füße und bleiben stehen. Auch Diplomaten und Politiker. Selten können Kaufleute, Bankiers, Industrielle stehen bleiben. Manchmal bleiben sie sitzen. Frauen fallen zeitweise ohne ein Ausgleiten. Das ganze Leben ist ein Stück Fallen, zumal alles ringsherum schlüpfrig ist: der Boden, das Trottoir, Weg und Steg. Es gibt Menschen, die „schlüpfrig" sind — schlüpfrige Menschen, schlüpfrige Ideen, schlüpfrige Hände, schlüpfrige Finger, schlüpfriges Geld, das herausschlüpft und irgendwohin schlüpft. Bei uns beispielsweise ist jetzt alles so schlüpfrigglatt, daß alies fällt. Es fallen die Valuten, es fallen die Wertpapiere, Minister, Kabinette, es fallen Schüsse, es fallen Opfer. Auch in den jüdischen Städtchen hört das Fallen nicht auf. Es fallen Institutionen, Vereine, Vorsteher, Bethäuser und vor allem fallen „Petsch", Ohrfeigen. Das Fallen selbst ist nicht immer dasselbe. Es gibt hier verschiedene Arten: Einfall, Beifall, Durchfall, Hcrausfall und Hereinfall. Das Hereinfallen übrigens ist eine sehr wichtige Sache. Ein talentierter Mensch weiß, wo er hereinfallen soll, und wieviel er auch hereinfallen mag, wird er doch in seinen Augen nicht herabfallen. Fallt nicht herein wie ein Elefant in einen Porzellanladen! Fallt nicht dem Chef ins Wort! Fallt nicht dem Poiizi'iten ins Aug! Fallt nicht eurer Frau zwischen die Zähne! F"allt nicht in eine dumme Sache herein! Und wenn ihr Junggesellen seid, fallt nicht einem Schadehen in die Hände und hütet euch hereinzufallen, wie ein blindes Pferd in eine'Grube! Das Unglück unserer Zeit besteht darin, daß auf dem Gebiet des Fallens ein Chaos herscht. Anstatt auf ihren Platz zu fallen, fällt jede Sache der Teufel weiß, wohin: Die Kunst.in einen Saus.tall, der Schund in einen Kunsttempel, die Oper ins Tingeltangel, das Tingeltangel in die Oper. Die Philharmonie fällt hinein in ein Kino, das Kino in die Philharmonie. Die Poesie fällt zum Schuster hinein, die Wissenschaft zum Analphabeten, die Gelehrsamkeit zum Fuhrmann, das Rabbinentum zum Ketzer, Gerechtigkeit zum Banditen und Geld zum Schmutzian. Daß ein Dieb in den Arm des Gesetzes fällt — das allerdings kommt selten vor. In der letzten Zeit hat sich die Mode herausgebildet, von allen Treppen zu fallen, insbesondere von jenen, wo man eine Schuld eintreiben will. Diese Treppcnfaller erklären, es sei nicht wahr, daß sie von allen Treppen herunterfallen. Sie sagen, es sei dies bloß bei der obersten Treppe der Fall, von den übrigen fliegen sie. * Fallt nicht hastig, fallt nicht rapid! Fallt langsam, mit Ucberlcgung, mit Vcrst-md. und schaut dazu, daß ihr euch beim Fallen nicht verletzt und zum Krüppel macht! Wenn es schon nicht anders geht und ihr einen eurer Körperteile verletzen müßt, dann stellt es so an, daß es einer ist, den ihr am wenigsten nötig habt. Den Kopf zum Beispiel. Wozu braucht ihr heutzutage den Kopf? Kopf , einer Partei könnt ihr ohne Kopf werden, und ein Kopf-Mensch könnt ihr ebenfalls ohne Kopf werden. Und schließlich, wozu müßt ihr denn mit einem Kopf herumgehen, wenn die anderen Menschen es ohne Kopf tun? Hingegen müßt ihr überaus vorsichtig sein, auf daß ihr jenen Teil des Körpers nicht beschädigt, dem es bestimmt ward, hinten getragen zu werden, und den ihr als Vorsitzender nötig habt, wenn ihr auf dem Podium den Vorsitz führt. Fallt auf die Knie, wie man vor einem großen Herrn fällt. Das macht sich bezahlt. Hingegen fallt nicht vor einem Frauenzimmer auf die Knie. Das könnte euch teuer zu stehen kommen. * Wahrlich, wir leben in einer schlüpfrig-glatten Zeit. Menschen fallen. Man muß aber wissen, wie man zu fallen hat. Lernt fallen! Gründung einer jüdischen Mädchenmittelschule Montag, den 5. d. M., fand eine Sitzung des Komitees statt. Eine Reihe von Eltern war erschienen. Die Schule soll im Herbst, im Anschluß an die Schulanstalten Stßtn. I., Werdertorgasse 12, eröffnet werden. An der Debatte beteiligte sich Herr Oberrabbiner Dr. Feuchtwang, der sich mit der größten Wärme für die Gründung der Schule einsetzte. Dem Komitee gehören an: Frau Dr. Bader, Frau Eliasberg. Frau Klara Ehrenzweig, Frau Dr. Ehrentheil, Frau Hilde Lourie, Herr Hans Perutz, Herr Dr. Georg Weiner. Nächste Sitzung des Vereines „Jüdische M ii d c h c n m i 11 e 1 s c h u 1 e" Montag, den 11. Marz 193 5, halb 7 Uhr abends, im Cafe ,.Altes Rathaus", Wien, I., Wipplingerstraße 26. Interessenten werden ersucht, zu erscheinen oder Zuschriften an die Schulkanzlci, I., Werdertorgassc 12, zu richten. Purimfcst St. Tölten. Die Zionistische Ortsgruppe und die Gruppe des Bundes Jüdischer Frontsoldaten St. Pölten veranstalten Samstag, den 9. März 1935, um halb 9 Uhr abends, eine Purim-Akademie mit Tanz. Mitwirkend erstklassige Kunstkräfte. Zimmerpreis per Person S 2.50 und billige Fahrtmöglichkeit (S 4.— Wien—St. Pölten—Wien im Separatautobus). Jüdischer Angestelltenverband „Emunah", I., Biberstraße Nr. 17. Samstag, den 9. März, Akademie mit Tanz, unter Mitwirkung hervorragender Kunstkriifte, im Hotel Stefanie, II., Taborstraße 12. Jeden Sonntag, 7 Uhr abends, Heimabend mit Tanz, Jazzmusik. Gäste herzlichst willkommen. — Die Stellenvermittlungsabteilung hält stets eine größere Anzahl geschultes Personal in Vormerkung. Sprechstunden an Wochentagen von 15 bis 20 Uhr. Histadruth Iwrith, II., Kl. Mohrengasse 3. Samstag, den 9. März, 8 Uhr abends, im Heime, II., Kl. Mohrengasse 3. Vortrag des Herrn J. Hadasani-Mortenfeld Uber: Ethika w'esthetika bajahaduth haorthodoksis. Bialik-Seminar, Samstag, den 9. März, halb 6 Uhr abends, Währingerstraße 6-8. Leiter: Dr. Tartakower. Paralleles Bialik-Seminar. 6 Uhr abends, IL, Kl. Mohrengasse 3. Leiter: S. Auerbach. 7 Uhr abends, Bibel-Seminar. Leiter: Prof. Gelernter. Rambam-Seminar, Mittwoch, den 13. März, 8 Uhr abends. Leiter: Rabb. Zucker. Kaufet den Sela! Zeichnet für den Bialik-Kulturfonds! Kinus hamorim haivrim findet Sonntag, den 10. März, 7 Uhr abends, im Heim, IL, Kl. Mohrengasse 3, statt. Vortrag J. Sonnenschein über: „Hapoal". Erscheinen Pflicht! Humanitärer Verein der Lemberger in Wien veranstaltet zugunsten unserer Wohlfahrtseinrichtungen am 13. d. M. eine Vorstellung im Thealer Reklame, IL, Praterstraße Nr. 34. Eine Operette mit Sevilla Pastor in der Hauptrolle. Der Verein Ohel. zur unentgeltlichen Ausspeisung armer jüdischer Notleidender. Wien. IL, Kl. Pfarrgasse 8, veranstaltet am 9. März, um halb 9 Uhr abends, im Hotel Continental, Wien, IL, Taborstraße, ein Purimfest (Akademie mit Tanz). Sind Sie Feinschmecker l Dann mllssen Sie die mit Recht so beliebten delikaten „Schmidl-Mazzoth" versuchen. Dieses österreichische Qualitätserzeugnis ist mit anderen Mazzoth nicht zu vergleich en, weil diese sie in Hygiene, Bekömmlichkeit und erlesenem Geschmack nicht erreichen. Der ausgezeichnete Ruf, den die „Schmidl-Mazzoth" seit Jahrzehnten genießen, hat sich in den letzten Jahren zu einer Popularität und Beliebtheit gesteigert, die nicht nur alle Bezirke Wiens, sondern auch viele Provinzorte umfaßt. Es ist dies das Verdienst des neuen Inhabers der „Schmidl-Mazzoth"-Fabrik, Herrn Nathan Brodetzkis, den Wiener jüdischen Hausfrauen seit Jahrzehnten als der liebenswürdige und tüchtige Chef der großen Lebensmittelhandlung, II., Leopoldsgasse 43, bekannt. Herr Brodetzki hat seine große Fachkenntnis und vielseitige Erfahrung in den Dienst des neuen Unternehmens gestellt. Neue Rezepte, Verwendung nur erstklassiger Mehlsorten, Veredlung des Erzeugungsprozesses, neue maschinelle Vorrichtungen, strengste Reinlichkeit und Ausnützung der modernsten Errungenschaften haben dazu geholfen, ein Produkt zu schaffen, das an Qualität, Geschmack und Bekömmlichkeit einfach unübertrefflich ist. Elegante neue Badeanlagen, eine durchgehende Reinigung j und Adaptierung der Fabriksräume bieten Gewähr für unbedingte Reinlichkeit und einwandfreies Kaschruth. Die religiösen Vorschriften werden unter Aufsicht des Herrn Oberrabbiners Babad strenge eingehalten. Die Wiener Juden werden heuer mit den beliebten „Schmidl-Mazzoth", insbesondere mit der bekannten Spezialmarke „N. B."- Mazzoth, , -Grieß und -F a r v e 1, besonders zufrieden sein. G. W. JUstoütml Batet lEO ßestrenommierte Küche yy? REfiCHH ALTIGE MENÜS ä S 1.90 UNO 2.60 S CIIWEtllATEK BRÄU fi.Hammer-Piirgsfair-Gcisse 3 (nädisf Salzforbrfltke) TeU-41-0-25 erte Firmen Restaurants, Caf6s etc. Hotel-Kestaurant „Stephanie", II., Taborstraße 12. Vorzügliche Wiener Küche. Speisen am Rost. Menü ab S 1.60. Täglich frische Fische. Itestnurnnt Uillot, vorzügliche streng orthodoxe Küche, IL. Hamnicr-Purgstall-Gassc, bei Salztorbrücke. Cnfe-Kcstaurant Edison, VIIL, Alserstraße 9. Tel. B-43-0-#T, B-13-0-SÜ. Cnfe-Kcstaiirant Espresso, 1., KotenturmstraBe 1. Internationale kalte und warme Küche. Menüs zu billigen Preisen. Cafe Sohottcntor, L, Ring de3 12. November 10, Telephon U-2Ü-5-90, vis-a.-vis der Universität. Cnfc-Konditorcl Ncumnnn, IL, Gredlerstraße 2 (Telephon A-42-3-S1). 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