Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1935-03-08 · Heft 445 (8.3.1935) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 445 (8.3.1935)
Date
1935-03-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2712049-2712069--4932-2718481
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Preis 20 Groschen Jahrgang 9 Freitag^ den ~1 I8ß -W5 Nr* 445 V. b. b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal expMie par rfediteur*« Tltl. Vn n erSitÄ^«oW REVU HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S IG.—; Polen monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bnmänlen monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Dentscbland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u, Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel, A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag [Deutsche Gewehre in P«iläsfma Der Führer eines Volkes Die antizionistische und antienglische Propaganda unter den Arabern Palästinas wird jetzt wieder intensiver betrieben. Früher wurde diese Propaganda ausschließlich von Moskau aus gefördert. Mit viel Geld und dem Schlagworte: „Gegen den englischzionistischen Kapitalismus und Imperialismus für ein freies Arabien" wurden die Fellachen verhetzt. Zwar hat Moskau seine Tätigkeit nicht eingestellt, aber es hat einen Konkurrenten bekommen: Berlin. Aus Jerusalem wird gemeldet: Die nationalistische arabische Presse erneuerte vor kurzem ihre Kampagne gegen angebliche „zion istische Bewaffnung" und gegen das angebliche Bestehen „großer Waffenmagazinc" innerhalb der jüdischen Sektoren Palästinas. Gleichzeitig führen die arabischen Extremisten eine Terroraktion gegen den Verkauf von Boden an Juden, arabische Bodenbesitzer, die ihren Boden an Juden übertragen wollten, werden tätlich bedroht oder erhalten Briefe mit Todcsdrohungon. Diese Hetzkampagne hat di« Palästina-Regierung zu Gegenmaßnahmen veranlaßt; die neue arabische Tageszeitung „A1 Wahd a" und das Wochenblatt „Alsh-Ara b" wurden für : je drei; M o na tc verboten In Nablus wurden unter nationalistischen Arabern Massenhaussuchungen durchgeführt, mehrere Araber, bei denen .Gewehre u n d Munition gefunden wurden, wurden verhaftet. Es stellte sich heraus, daß die gefundenen Waffen aus Deutschland stammen. » Im arabischen Lager Palästinas werden jetzt große Vorbereitungen zum 8. K o n g reß der palästinensischen Araber getroffen. Die arabische Exekutive beschloß, die Wahlen laut Parteiliste n durchzuführen, da in der letzten Zeit eine Reihe neuer arabischer Parteien entstanden ist, so z. B. Nashashibis „Partei der nationalen Verteidigung", einige arabische , Arbeiter Organisationen und nunmehr auch die Partei des Mufti „AI Atbad al ArabiV, die eine neue Tageszeitung „AI Wachda al •Arabia" herausgibt, welche wegen ihrer gefährlichen antizionistischen Hetze von der Regierung für die Dauer von drei Monaten verboten wurde. Die neue Mufti-Partei wird von Jemal cl Husseini organisiert, sie soll die Avantgarde im Kampf gegen die zionistischen Alle zurudegekehrfcn deutschen Juden im {Konzentrationslager Aus Berlin und aus verschiedenen anderen Teilen Deutschlands eintreffende Nachrichten lauten übereinstimmend dahin, daß in den letzten Tagen unter den Juden in Deutschland zahlreiche Vorhaftungen vorgenommen worden sind. Es sind nämlich Juden, die nach der Uebernahmo der Macht durch Hitler ins Ausland gegangen, später aber nach Deutschland zurückgekehrt sind, verhaftet und in die Konzentrationslage r eingeliefert worden. Unter den Verhafteten befinden sich auch mchroro bejahrte jüdische Personen, die nur deshalb naeh Deutschland zurückgekehrt sind, weil sie sich, den klimatischen Bedingungen in den anderen Ländern nicht anpassen konnten. Bei allen Verhafteten handelt es sich um politisch ganz Uninteressierte, die nur ausgewandert sind, um sich im Ausland eine wirtschaftliche Existenz zu schaffen, was ihnen aber nicht gelungen ist. In nationalsozialistischen Kreisen verlautet, daß die Verhaftungen gemäß einer Vorschrift erfolgten, wonach aus dem Ausland zurückkehrende Personen für das Leben in der Volksgemeinschaft „trainier t" werden müssen. Es müsse in ihnen das „Interesse an der nationalen Gemeinschaft" geweckt werden. Nun gehören aber gemäß der nationalsozialistischen Staatsauffassung die Juden nicht zur „Volksgemeinschaft". Weswegen die Aktion gegen die jüdischen Repatrianten verwundern muß. Hotel Arras NIZZA 7 Avenue Baquis Aller Koiiilort. Elegant« Zimmer. Nahe am Meer und Kasino. Idealer AufenthaU. Komplette Pension: iFrcs.35.— Ziele und gegen das Mandat bilden. Sie erstrebt die Selbständigkeit Palästinas im Rahmen einer arabischen Föderation. (J. T. A.) * Die palästinensische Regierung hat sich reichlich spät dazu entschlossen, der Hitler-Agitation unter den Arabern an den Leib zu gehen. Sie hat lange Zeit ruhig zugeschaut, wie die Matrosen der in Palästina anlegenden deutschen Schiffe mit Hetzschriften und Waffen bepackt ans Land steigen und nach Weisungen der deutschen Konsulate ihre böse Fracht bestimmten Adressaten zustellen. Jetzt scheint die englische Palästina-Regierung aus dem französischen Beispiel die Lehre gezogen zu haben. Auch die Franzosen haben lange Zeit in einem anderen Teile des Mittelmeeres, in Algier und Tunis, die Hitler-Leute unter den Arabern arbeiten und wühlen lassen. Es ging, wie sie meinten, nur gegen die Juden. Höüte stehen Algerien und Tunis, dank deutscher Propaganda, gegen Frankreich, und hat man früher „Nieder mit den Juden!" geschrien, ruft man jetzt: „Los von Frankreich!" Wie weit die Kooperation zwischen Hitler- Deutschland und den Mittelmeer-Arabern geht, beweist der Umstand, dafi die Araber sich jetzt ganz unverhüllt der deutschen Presse bedienen, um ihre Absichten aller Welt zu verkünden. Der jungarabische Führer Ben Djelloul, der Anstifter des fürchterlichen Judenpogroms von Constant i n e und jetzt Kommandant der Aufständischen gegen Frankreich in Nordafrika, schreibt seine Artikel für ein „freies arabisches Mittelmeer - Reich" im Berliner „Angriff", im Organ des hitleristischen Propagandaministers Goebbels. Die Arbeit deutscher Agenten in Nordafrika und Palästina steht in engster Verbindung: Deutsche Waffen in Palästina und arabische Artikel im „Angriff". Das besagt genug. Wachsamkeit ist geboten, sonst könnten die blutigen Vorfälle im französischen Nordafrika in Palästina eine Wiederholung finden. Set ffltatrf)oH(d)cn Äffettioncn ber ßttfttöege flcts nur fre&fouer Pension Irma Meister, Meran Idealer ganzjähriger Aufenthalt, letzter Komfort, gerühmte Küche, herrl. Park, mäßige Preise. Verlangen Sie Prospekte ENe Süden und die griechische Revolte Aus Athen: Im Zusammenhang mit dem Bürgerkrieg in Griechenland herrscht unter den Athener Juden große Besorgnis in bezug auf die Sicherheit der Juden im nördlichen Mazedonien, wo heftige Kämpfe zwischen Aufständischen und Regierungstruppen ausgefochten werden. Die Anhänger von Venizelos, der an der Spitze der Rebellion steht, setzen sich zu einem großen Teil aus judenfeindlichen Fronten zusammen, man hält deshalb Ausschreitungen gegen Juden in den nördlichen Distrikten für möglich. Der palästinensisch - jüdische Passagierdampfer „T e 1 - A w i w", der unter jüdischer Flagge seine erste Rückfahrt von Haifa nach Triest angetreten hat, wurde gleich anderen ausländischen Dampfern im Zusammenhang mit der Revolte im Hafen von Athen zurückbehalten. Wieder illegale Einwanderer im Hungerstreik Aus Jerusalem: Zwei wegen illegaler Einwanderung im Gefängnis ven Betlehem untergebrachte jüdische Frauen, Fanny Katz und Margarethe E e i e h f c 1 d, sind in Hungerstreik getreten, well sie seit sieben, bzw. vier Monaten in Haft sind, ohne daß eine Verhandlung gegen sie angesetzt ist. Eine Freilassung gegen Kaution wies die Polizei ab. alle 4HHB Installationen RADIO-NEUHEITEN . LUSTER - ELEKTRO-GERÄTE I* UCHTENSTEG 1 (Ecke Rotenturmstraße 13> Telephon U-21-9-12 Zu T. G. Masaryks 85. Geburtstag Als T. G. Masaryk, der Präsident der tschechoslowakischen Republik, vor rund zehn Jahren Palästina besuchte, legte er einen Kranz auf Achad Haams Grab nieder. Der Führer eines Staates huldigte dem Geist eines Denkers. Das Oberhaupt einer Republik fühlte sich zu Dank verpflichtet einem Menschen gegenüber, der für ein Volk zu denken hatte, er, Masaryk, dem die Auf* gäbe anvertraut war, zu denken und zu handeln; er, Masaryk, für den Politik stets ein Stück angewendeter Geistigkeit bedeutete, bei dem das Führertum von dort herkommt, wo sein Typus Mensch die äußerste Höhe erreicht. Unweit des Kranzes, den er einst niederlegte, wurde von jüdischen Händen ein Wald gepflanzt, der den Namen Masäryk-Waid trägt, Tihd heute, am Donnerstag, den 7. März 1935, wird in der tschechoslowakischen Re* publik die Sammlung des Jüdischen Nationalfonds für die Masaryk-Siedlung in Palästina, für den Kfar Masaryk, abgeschlossen. * Auf dem Weg zur freien tschechoslowakischen Republik standen die Männer Hus, Komensky, Palacky, Rieger, Masaryk. Sie waren es, die ihr Volk politisch, kulturell und sittlich erzogen. Sie waren es, die das historische Recht des tschechoslowakischen Volkes auf seinen Staat erkämpften, die das sittliche Recht formulierten, das reale Recht organisierten. Diese Tatsache ergibt einen wunderbaren Parallelismus zum Weg des jüdischen Volkes. Zu einer Zeit, da die nationaljüdische Idee, der Zionismus, noch keine Volksbewegung war, fühlte sich Masaryk zu den Ideen dieser Bewegung hingezogen, als Bürger eines staatenlosen Volkes, als Verfechter der sittlichen Prinzipien im Völkerleben, als Realist. So bedeutete für ihn das Auftreten gegen den Ritualmordaberglauben im Hilsner-Prozeß eine Aktion „um die Rettung der Ehre des tschechischen Volkes". Und da er nun einmal die sittliche und politische Bedeutung des Zionismus erkannt hatte, war es für ihn als den Führer eines neugeschaffenen Staates etwas Selbstver- Die großen, vorzüglichen Salonschiffe „GAULEA", „GERUSALENNE", „PALESTINA" der direkten Eillinie TRIEST -JAFI des LLOYD TRIESTINO verkehren jeden Mittwoch und jeden zweiten Freitag. Fahrpreis in der ausgezeichneten Touristenklasse samt vier Mahlzeiten täglich bloß ca. ö. S 258.—. Auskünfte: Lloyd Triestino, Wien, I., Kärntnerring 6

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.