Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 441 (22.2.1935)
- Date
- 1935-02-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Prmhs M Groschen Jahrgang 9 Vteiiaq, den 22. fc^uar 1935 Nr. 441 V, b. b* Zeitung vom Vorleger verendet 1 exp£die [?ar l'editr'iir' Ti*l. Vnh ^^ölloftefc Wien, REVU HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Tolen monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.— : Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 11.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwaitung: lX,Universitäfs$tr. 8,1 et. A-20~2-78 — Erscheint Dienstag u.Freitag EhremchutzfUr die österreichischen Juden! Der Führer einer von der Hitler-Bewegung abgesplitterten nationalsozialistischen Gruppe, Doktor Walter Riehl, gibt in Wien die Wochenschrift „Deutsche Arbeiterpresse" heraus, welche sich in Beschimpfung des jüdischen Volkes Dinge leistet, die selbst in der heutigen Zeit einzigartig sind und den Vergleich mit den Auslassungen eines Julius Streicher bestehen können. Zur Illustration sei nachstehend ein Artikel aus einer der letzten Nummern der „Deutschen Arbeiterpresse" wiedergegeben. Unter dem Titel „Beichte eines Emporkömmlings" wird da geschrieben: „Die P a t i e nt en - Briefsammlung eines bekannten Wiener Operateurs enthält ein mit Bleistift geschriebenes Dokument, das als ,B e i c h t e' eines n ich tarischen Emporkömmlings bezeichnet werden kann. Der Verfasser soll wenige Tage, nachdem er die nachstehenden Gedanken zu Papier gebracht hat, gestorben sein. Er schreibt: ...Blöd ist doch jeder, der mit dem Staate Cr e w i n n e t e i 11. Jetzt weiß ich nicht einmal ganz sicher, ob ich acht oder neun Häuser besitze. Es geht bergab mit meinem Gedächtnis; , . Ich gehöre zu dem ,auser w ä h1 t c~ir V o 1 k* - und deshalb' konnte ich niemals einsehert, warum sollten wir Juden4 uns vor den anderen, den Christen,' ducken. Wir verstehen eben zu arbeiten ... Hm, ist aber das, was wir .Arbeit* nennsn, auch wirklich Arbeit? Unsere Mentalität steht jedenfalls turmhoch über jener der Christen. Die wollen immer nur anständig und ehrlich sein, ihr Gott predigt ihnen von Nächstenliebe, er hat jeden Betrug und auch den Haß verurteilt. Wie lächerlich ist das alles für uns Juden! Wir leben vom Geschäftemachen, darin liegt unsere Stärke. Ob diese Geschäfte moralisch oder unmoralisch sind, ob. sie auf Anständigkeit oder auf Betrug basieren, das kann uns wirklich ganz gleich sein, denn warum läßt sich der andere betrügen?... Den Christen hat ihr Gott gesagt: »Liebet eure Nächsten wie euch selbst' und das ist unser Glück! Ganz eigentümliche Menschen, diese Christen, sie sind stolz darauf, wenn w i r sie gegeneinander aufhetzen, betrügen und zu Bettlern machen... Meine Tage sind gezählt. Ich habe mich gegen mein Volk nicht versündigt, denn ich handelte immer im Sinne meines Blutes und meines Gottes... Die Christen haben Künstler, Heerführer und große Volksführer, die ihren letzten Blutstropfen bereit sind, ihrem Volke zu opfern... Das haben wir nicht nötig, denn wir leben nicht vom G e b e n, sondern vom Nehme n . .. Als Christ, ja, da könnte ich mich wohl als S c h u f t und Verbrecher bezeichnen* aber als Jude? Vor jedem Betrug wird uns bereits verziehen und deshalb können wir ruhig auf Gewissensbisse verzichten, die überlassen wir den anderen, den Christen..." Es erübrigt sich wohl, Worte der Verurteilung darüber zu verlieren, daß derartige Machwerke auf der Straße vertrieben und in öffentlichen Lokalen aufgelegt werden dürfen, ohne daß der für diese Schundschriften verantwortliche Herausgeber von der beleidigten Judenschaft zur Verantwortung gezogen werden könnte. Es wäre wohl nur selbstverständlich, jeder j üd i s c h e n V e r e i n i g u n g und jedem einzelnen jüdischen Bürger die Möglichkeit zu geben, den Schänder ihrer Ehre, einen Dr. Walter Riehl, vor Gericht zur Verantwortung zu ziehen. In . vielen Staaten ist diese Möglichkeit gegeben und Verbrecher an der jüdischen Ehre werden der verdienten, schwenao Hotel Arras IZZi T Avenue Baquis Allei Komion. Elegant«: Gimmel. Nahe am Meer und Kasino, kk-aler Aufenthai.. Komplette Pension: iFrcs.35.— -.- ..... Pemmn Irma Meister, Merars Idealer ganzjähriger Autenthalt, letzter Komtqrt, gerühmte Küche, herrl. Park, iniittige Preise. Verlangen Sie Prospekte ren Bestrafung unterworfen. In Oesterreich fehlt dazu jede Handhabe. Wohl verfügt die Staatsanwaltschaft in einigen Fällen die Beschlagnahme gewisser besonders aufreizender Schriften, doch eine strafrechtliche Verfolgung wird nicht eingeleitet. Wenn eine solche gefordert wird, dann wird darauf verwiesen, daß die geltenden Gesetze keine Möglichkeit hiezu geben. . Klagen jüdischer Bürger oder jüdischer Körperschaften, die sich vor Gericht Genugtuung für diese schmutzigen Verunglimpfungen holen wollen, werden aus formellen Gründen, mangels „Klags-Legitimation", abgewiesen. Gewiß, der Staatsanwalt und die gerichtlichen Behörden sind genötigt, das geltende Gesetz zu wahren. Wenn aber das Gesetz das Treiben gewissenloser Verbrecher an der Ehre einer Kategorie von Staatsbürgern nicht erfaßt, wenn es diesen skrupellosen Verleumdern nicht an den Leib kommen läßt, dann t a& g t e b e n d i e. s'.es G ers e t z .nichts und m u Is ' a b g eäri'dert w e r d en, Wir erfahren von der Leitung des J ü d i s c h e n V o 1 k.s b un des für Oes terr e i ch, daß er eine diesbezügliche Forderung :an die,, österreichische Regierung, -vorbereitet. ■ SBct (Srfrcmüntßeu b.cr Wttmmgsorgane uetiueube Soucrbrunn gemengt mit Ijetjser 9mid) Oberrabbsner Sacerdoti gestorben Ganz plötzlich, überraschend für die jüdische Welt, ist Professor Angelo Sacerdoti, Oberrabbiner von Italien, während eines Besuches in Mailand gestorben. Prof. Angelo Sacerdoti gehörte zu den führenden jüdischen Gelehrten, aber seine Tätigkeit beschränkte sich nicht auf Kultus und Wissenschaft; er hatte auch das Talent eines Führers und Organisators, dem es gelang, die italienisch-jüdischen Gemeinden neu zu organisieren und über das italienische Judentum hinaus erfolgreiche Schritte zur Linderung jüdischer Not und Rechtlosigkeit außerhalb seines engen Wirkungskreises zu unternehmen. In den letzten Jahren wohnte Prof. Oberrabbiner Dr. Sacerdoti mehrere Male wichtigen jüdischen Beratungen bei, so u. a. auch der Weltkonferenz der jüdischen Organisationen für Hilfe an die deutschen Juden, bei welcher Gelegenheit er ein von der Weltpresse vielbemerktes Verdammungsurteil über' den Verriichtungsfeldzug Hitler-Deutschlands gegen die Juden sprach. In der letzten Zeit beschäftigte sich der Verstorbene intensiv mit der Idee des Jüdischen Weltkongresse s, den er als wertvolles Instrument zum Schutz der Judenheit und als repräsentatives Parlament derselben ansah und propagierte. Dem Ausschusse zur Vorbereitung dieses Kongresses angehörend, hatte er seine Teilnahme als Vertreter des italienischen Judentums bereits zugesagt. Um die italienischen Gemeinden hat er sich in jeder Richtung verdient gemacht. Ihm ist der Zusammenschluß der jüdischen Gemeinden Italiens zu einem Verband, sowie das neue Statut der jüdischen Gemeinde Rom zu verdanken. Insbesondere die erweiterte Autonomie der jüdischen Gemeinden in Italien ist ein wertvolles Stück kultureller und politischer Arbeit. Außer den 40.000 italienischen Juden trauern alle diejenigen, welche sein Wirken anerkennen und schätzen, um den verstorbenen Oberrabbiner, Gelehrten und jüdischen Führer. Judenverfolgungen im Irak Aus Bagdad, der Hauptstadt des Irak, treffen täglich Nachrichten über andauernde Judenverf o 1 g u n g e n, dei sich über das ganze Land erstrecken, ein. Die Irak-Presse hetzt in rücksichtsloser Weise gegen die Juden, was zur Folge hat, daß kein Tag vergeht, ohne daß es in dem einen oder dem anderen Ort« m Angriffen auf Juden kommt. Richard Liditheim 50 Jahre all In diesen Tagen feiert die Judenstaatspartei den 50. Geburtstag Richard Lichtheims, eines ihrer hervorragendsten Führer. Durch dreißig Jahre gehört der Name dieses Mannes zu den markantesten in der zionistischen Weltbewegung. Bereits in jungen Jahren stand Lichtheim auf den wichtigsten Posten, welche die Zionistische Weltorganisation zu vergeben hatte: als Führer des deutschen Zionismus, als Redakteur der „Welt", als. diplomatischer Vertreter in Konstantinopel — seinerzeit die wichtigste' außenpolitische Position des Zionismus —, schließlich als Organisationsleiter in der. Exekutive der Weltorganisation. Es ist bezeichnend, daß Lichtheim ohne Zaudern auf seine hohe Stellung in der obersten Leitung der Weltorganisation verzichtete, als er erkannte, daß diese vom Wege Theodor Herzls, vom Wege - zum Judenstaat abgewichen war, . Und nun'- in den; Reihen der unter den schwierigsten Verhältnissen kämpfenden Judenstaatspartei wirkt. Bezeichnend für ihn und bezeichnend für die Partei, in welcher .sich: begeisterte.. Jugend - und erprobte, reife Männer der Herzl-Garde zusammengefunden habon ■ . *. Richard Lichtheim -wurde am 16. Februar 1885 in Berlin geboren. Er absolvierte das Gymnasium und studierte in Berlin und Freiburg Medizin und Nationalökonomie. Noch während des ersten Semesters (.Winter 1904/5) kam er mit dem Zionismus in Berührung, der damals fast ausschließlich von r u.s s i s c h e n Studenten repräsentiert wurde. Er trat der Verbindung ,,H asmonäa" ' bei, die fast ■ nür aus ausländischen Studentene bestand, und wurde bald ihr aktivstes Mitglied. Lichtheim ^gehörte zu dem Kreis der assimilierten Berlin-W-Juden, und war auf diese Weise ein Pionier. Seither war Richard Lichtheim. im Zionismus tätig und sein Leben war ständig mit ihm verbunden. Ab 1905 war er bei allen' Kongressen anwesend, mit Ausnahme des letzten in Prag 1933. 1911 unternahm Lichtheim auf Einladung des Dr. Jakobsohn, des damaligen Vertreters des Zionismus Für die SONDERFAHRT DES RIESENOZEANDAMPFERS (33 000 Tonnen) Triest—Palästina / 28. März 1935 würden die Preise, der. El N H El TS KLASSE (ERSTEN KLASSE) auf 12210 Lire (das ist etwa 562 Schilling) herabgeisfzf Nur drei Tage Ueberfahrt! EINE EINMALIGE GELEGENKEIT! Sichern Sie sich rasch Ihren Platz bei der GENERALAGENTUR DES „LLOYD YR|£S?g W W i e n l, K ä r n t n e r r i n g 6 my\mm ■!■»■■, i>