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Die neue Welt · 1935-02-15 · Heft 439 (15.2.1935) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 439 (15.2.1935)
Date
1935-02-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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ttefte # WB NEUE .WELS Nr. 430 Vorau§ muß man denken/ ^WF'i'^ sidi sichern —;! I versichern I Phönix ÜÜ Allgemeine Versicherungs« Ges., Wien IX/ Aberplatz 3 Ergänzungszerfifikate für Arbeiter Jerusalem, 13. Februar. Es wird erwartet, daß tun Ende der laufenden Woche eine Ergänzungsquote zu der letzten Arbeiter-Eimvanderungsschedule bewilligt werden wird. Es handelt sich um die Halbjahrsschedule Oktober 1934 bis März 1935. Es besteht die Aussicht, daß die Zahl der nachträglich auszugebenden Arbeiter-Einwanderungsxertifikate größer sein wird, als die Ergänziuigsschedule des vorigen Jahres, die am 23. Juli ausgegeben wurde und 1200 Zertifikate umfaßte. Die Palästina-Exekutive ist bereits in Verhandlungen mit der Regierung über den Umfang der nächsten Quote für das mit April 19S5 beginnende Halbjahr eingetreten. Der Regierung wurden von der Palästina-Exekutive Aufstellungen über den voraussichtlichen Arbeiterbedarf in den einzelnen Produktionszweigen unterbreitet« Man hofft, daß die Regierung sich der Dringlichkeit einer Verstärkung der jüdischen Einwanderung im Hinblick auf den in Industrie und Lar/Iwirtscbaft katastrophal sich auswirkenden ArbeitermrjvjeJ nicht verschließen wird. (J. T. A.) i 3,25OW*00 Dollar für Joint und Zionistische Organisation Aus New York: Nach langdauernden Verhandlungen ist soeben zwischen dem American Joint Distribution Committee und der Zionistischen Organisation Amerikas ein Abkommen wegen einer gemeinsamen Sammelaktion (United Jewish Appeal) in den Vereinigten Staaten für das Jahr 1933 getroffen worden. 7iel der Kampagne ist, in diesem Jahre 3,250.000 Dollar aufzubringen, die zu einem Teil für Palästina-Aufbau, zum anderen Teil für Hilfe an Juden in den osteuropäischen Ländern und in Deutschland verwendet werden sollen. Zum Präsidenten des United Jewish Appeal wurde der Präsident des Joint. Felix M. Warburg, gewählt. r Nach der Unwetterkatastrophe Aus Jerusalem: Eine offizielle Erklärung über die Unwetterkatastrophe stellt fest, daß der Schaden in Nablus sehr groß sei und daß er gegenwärtig nicht geschätzt werden könne. Auch sei es nicht möglich, die Zahl der Menschenopfer im Augenblick festzustellen. In der Erklärung heißt es weiter, daß die Regierung ihre Hilfe zur Verfügung stellen werde, zumal Nablus an der allgemeinen Prosperity in Palästina einen nur geringen Anteil habe. Nablus, das biblische Sichern, ist heute eine rein arabische Stadt. Von der Jerusalemer Stadtverwaltung Aus Jerusalem: In der Jerusalemer Stadtverwaltung wurden acht städtische Kommissionen gewählt. In drei Kommissionen besteht eine arabisch Mehrheit, fünf haben einen arabischen Vorsitzenden, während nur in drei Kommissionen ein Jude den Vorsitz führt. Der wichtigsten Kommission, der Beamtenkommission, präsidiert Bürgermeister Doktor Khalidi selbst, aber das jüdisch-arabische Gleichgewicht in der Stimmenverteilung ist gewahrt. Ebenfalls ist das Verhältnis von Juden und Arabern in der Finanzkommission derart, daß ein Gleichgewicht hergestellt ist. In der Finanzkommission führt Vizebürgermeister Daniel Auster den Vorsitz, was als Auswirkung der letzten Verhandlungen anzusehen ist, bei denen Vizebürgermeister Auster erweiterte Befugnisse zugesichert worder sind. Für verwahrloste Kinder in Tel-Awiw Die Stadtverwaltung von Tcl-Awiw schuf unter dem Namen „Kcrcn H a j c 1 c d" einen Fonds zur Erziehung verwahrloster Kinder, deren es mehrere hundert in Tcl-Awiw gibt. Das Referat hielt die Leiterin des Erj zichung.sressorts Frau Schoschannah Persitz. » In der gleichen Sitzung beschloß der Stadtrat, eine städtische H a n d w e r k c r s c h u 1 e zu errichten, wozu Herr Ossip Pcrnikow in Paris, Generaldirektor des Palestine and Orient Lloyd, Mitglied des Vorstandes des französischen Makkabi und Offizier der Ehrenlegion, einen Fonds zur Verfügung gestellt hat. (3. T. A.) * In einem Aufsatz „Verlassene Kinder werden. Verbrecher" (Ausgabe Nr. 437) haben wir die Tragik der verlassenen und verwahrlosten Kinder von Tel-Awiw geschildert und der Stadt Tel-Awiw zur Pflicht gemacht, hier energisch Abhilfe zu schaffen. Der oben erwähnte ,,Keren Hajcled" scheint uns nur der Anfang zur Ausmerzung der fürchterlichen Gefahr für die Jugend zu sein. . Jüdische Eltern? Der schlechte Fortgang Ihres Kiodes ist rawh behoben. Wenden Sie sich daher an die ,,J 11 d äa" (Gesamtverband jlMiKHif r HocbPchttler Oesterreichs), die Ihnen unentgeltlich bewährte Lehrer in allen Fächern der Mittelschule sowie in Hebräisch vermittelt. Auskünfte tätlich von 3 bia 5 Uhr nachmittags im Sekretariat, IX,, AfererftraBa 2& Oder Tel. A-25-2-28, " ._ a\o it*Ai**Li> tudeustadt Hölan T%r PfFVPfWfrlr W^WWW^wm^ßwfßW^wW § VIW^P Der Indienreisende Mario A p p e 1 i u s, ein christlicher Italiener, berichtete als erster über eine fast 2000 Jahre alte Judensiedlurtg in Indien. Nach der Zerstörung des zweiten Tempels in Jerusalem, im 38. Jahrhundert der Schöpfung, brachen 5000 Juden von den Ufern des Jordans auf und gelangten nach dreijähriger Fußwanderung in dieses Tal. wo sie den Grundstein der Synagoge legten. Feierlich rezitiert der Oberrabbiner von K o t a y diese Worte und deutet auf das uralte Gotteshaus, dessen zwölf kleine Kuppeln sich in die leuchtende Klarheit des Himmels von Madura erheben. Ringsum, gleich Hühnchen unter dem Schutze der alten Henne, Hegen, eng aneinander, die windschiefen Häuschen der Judenstadt Kotay, die, erbärmlich anzusehen mit ihren schwarz gefärbten Mauern, deutlich erkennen lassen, daß sie an Jahren mit dem Tempel wetteifern. Es ist sonderbar, daß im Reiche Brahmas und Schiwas, auf dem klassischen Boden eines verheerenden Fanatismus und mystischen Wahnes, der Wanderer oft auf dem grünen Gipfel eines Hügels oder im dunklen Trichter eines Tales ein christliches Kirchlein entdeckt oder eine Synagoge, gleich der in Kotay. erbaut von einem vorgeschichtlichen Rabbiner. Hier wohnen ungestört, seit Jahrhunderten, mehrere tausend Menschen, während draußen rasende Religionsstlirme das Land erschüttern. Doch in Indien ist alles paradox, und man darf sich über nichts wundern. Deshalb war ich auch nicht erstaunt, als ich inmitten der üppigen Ebene von Madura, unter Palmen und Pagoden, plötzlich an einer jähen Wendung der Straße vor einer Reihe altersschwachen Häuschen stand, in denen eine unwahrscheinliche Menschenmenge ihre Wohnung hat. Die Einwohnerschaft, die hier seit Jahrhunderten haust, von den anderen Einwohnern völlig getrennt, fast ohne Berührung mit ihnen, hat ihre alte Tracht, ihre Häuser, ihre Sitten, ihre Farbe bewahrt. Hätte ich selbst nicht gewußt, daß wir uns in einem jüdischen Gemeinwesen befinden, wären alle Türen hermetisch verschlossen, alle Fenster verrammelt gewesen, ich schwöre, daß ich schon am Aeußeren das Dorf erkannt hätte, wie ich es vielfach in Palästina angetroffen hatte. Aber das indische Ghetto von Kotay ist nicht nur durch den Kontrast seiner jüdischen Physiognomie zu der brahmanischen Landschaft interessant. Die Sitten, die Tracht, die charakteristischen Typen sind hier unverändert geblieben; sie sind heute, wie sie im 38. Jahrhundert der Schöpfung waren, ohne selbst jenes kleine Stückchen Eigenart eingebüßt zu haben, das die anderen Juden auf den zahlreichen Etappen ihrer Wanderschaft verloren. Nicht einmal in Palästina ist der Jude so sehr Jude geblieben wie unter den Palmen von Indien. In Galiläa haben die Juden den umwohnenden Völkern wenigstens Teile ihrer Tracht entlehnt, den Mantel der Mohammedaner, das Warna der Drusen, den weißen Rock der Leute von Jaffa, die roten Pantoffeln der Beduinen des Jordans. Hier nichts davon. Die Alten sind gekleidet wie Aron, die Jungen tragen sich wie einst Isaak. Die Frauen, wunderschön in ihrer ersten Jugend, nach der Mutterschaft durch Fettleibigkeit entstellt, hüllen sich noch immer in das Kleid der Judith und den Mantel der Rebekka. Zahlreich sind die Blonden unter ihnen, nicht selten die Roten und die Albinos. In den blasen, sommersprossigen Gesichtern glühen schwarze, tiefe Augen, die schön bleiben, auch wenn im Laufe der Jahre die Züge verwittern. Schafe und Lämmer nehmen auf Schwellen und Wegen teil an dem patriarchalischen Leben der Bewohner. In den Läden verkauft man rituelle Speisen, gekocht in der Butter der Kokosnuß oder in Palmöl, ohne Zutat „unreinen" Tierfettes: Eier in Zwiebelwasser gesotten, Kleieklöße mit Fleisch, Süßspeisen aus Reis und Milch, mit Rosinen und Zimt bestreut. An Stricken von Fenster zu Fenster hängen unbestimmbare Wäschestücke. Mitten auf der Straße gärt Schafkäse in Näpfen aus hartem Holz. Ein goldlockiger Junge taucht seinen Finger lüstern in die weißliche Salztunke. Die Ladenschilder tragen die hebräischen Schriftzeichen. Die Lampen au« Ton werden mit Oel gespeist. Verrostete Eisenplatten ersetzen zerbrochene Scheiben und Fensterflügel. Langsam rieselt von den Dächern Schutt auf die Vorübergehenden. In den Geschäften gibt es keinen Schinken, das Auge des Europäers zu erfreuen; Mosis Gesetz wird strenge, ohne modernistische Laxheit, befolgt. Das Innere der Synagoge iat voll Feierlichkeit. Verschieden von den Tempeln Brahmas, die, auch wenn sie unter der Erde liegen, immer durch zehn oder zwanzig Oeffnungen in Verbindung mit der Luft und Sonne stehen, ist hier alles verschlossen und halbdunkel. Die Jahrhundertealten Wände, einst bemalt, jetzt durch Feuchtigkeit und Alter entfärbt, haben den fettigen Glanz des alten Holzes iiugenoromen; auch die Säulen und die Bänke sind efcrwürdjg vor Alter. Von der Decke bSogen ttütovm -gtfiwmtc Iampah £b* int•totem Kupfer mit gläsernen Ornamenten herab, feine, dem Antiquar unschätzbare Arbeiten. ..Es sind Nachbildungen der Lampen, die den Tempel S a 1 o m o n i 6 erleuchteten", erklärte, der Rabbi. Prachtvoll der Fußboden aus gelbem Porzellan mit blauem Blumenwerk, kostliche. Proben koreanischer Kunst, die, niemand weiß wie. hichcr geraten sind. In der Mitte erhebt sich der Altar, auf dem der fromme Glaube von Generatioen Gold und Silber verschwende* risch aufgehäuft hat. Acht gewundene Säulen au£ Bronze tragen den mit Arabesken verzierten kupfernem Altarhimmel. Zu beiden Seiten des Altars die Gesetzestafeln, in der Mitte die Stiftshütte, in einer Ecke, auf einem Lesepult, der Lcviticus. Der Oberrabbiner hat seine Amtstracht an« gelegt; mit dem weißen Barte, dem Mantel aus Brokat} und der Tiara Salomons sieht Seine Ehrwürden unstreitig viel imposanter aus als im Alltagsgewand, darin er uns beim Betreten des Städtchens begrüßt hat. Der Tempel hat sich mit Gläubigen gefüllt, die Frauen auf der einen, die Männer auf der anderen Seite. Das rötliche Licht der Lampen beleuchtet nur die ersten Bankreihen, die hinteren bleiben im Dunkel, wie auf einigen Bildern Rembrandts. Aber die zwanzig oder dreißig Köpfe, die sichtbar sind, werden vom Lichte phantastisch entstellt; sein düsterer Schein gräbt sich tief in die knochigen Gruben der Gesichter, daß die Umrisse schärfer hervortreten, entfleischt gleichsam die Schädel... Breit, .ernst, feierlich erhebt sich der Chorgesang von den Bänken. Der Vorbeter stimmt in der . Ursprache des Alten Testaments die Psalmen an, di£ Gläubigen respondieren im 4000jährigen Idiom.; Traurig ist das Gebet, lang und monoton; schluchzend klingt das Ende der Verse. So ^sangen vielleicht die1 Söhne Israels, als sie vor den Horden des Pharao flohen; so beteten die Sklaven, die in Babylon Mühlsteine drehen mußten. Das ganze Drama des jüdischen Volkes ist in diesem Klagegesang, der von den abgescheuerten Bänken sich zur Bundeslade mit den Worten Davids erhebt: „Gnade, o Gott Abrahams! Erbarme dich deines Volkes, o Gott des Sinai..." Ein unendlicher Schmerz ist in den Augen der Betenden, und eine tiefe Trauer ergriff auch mir die Seele ... 4M»MtMMIHMMMMMtMMMMMMIIMIII»ll SIEGM. KORNHEHL! GKOSSFLEISCHHAUEREI | |; Zentrale;IX.,Berggasse 19,Tel. A-17-5-99 u. A-16-9^54 X Lieferant f i| r Heilanstalten £ Abteilungen für v^n-Flelsch l ■naHMMPBHBMBMMW ± ] > unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinate der Isr. Z Kultusgemeinde Wien * Autozustellung kostentos £ :: IX., Barggaiso IS ✓ XVIII., Währingerstr, 97 f INIMMMIMUMMMMMMMMMMMMMMM.....M»Mlt Gleichberechtigung der jüdischen religiösen Gerichte Aus Jerusalem: Die Palästina-Regierung befaßt sich gegenwärtig mit dem Memorandum des Waad Leumi wegen Gleichstellungder jüdischen religiösen Gerichte in Palästina mit den mos'l emitischen Gerichten in der Weise, daß auch die jüdischen Gerichte vom Lande subventioniert werden. Bekanntlich hat sich die Mandatskommisison des Völkerbundes in einer ihrer letzten Tagungen für eine solche Gleichstellung der jüdischen mit den moslemitischcn Gerichten ausgesprochen. Wie die J. T. A. erfährt, gedenkt die Regierung, den jüdischen Gerichten jährlich eine Summe von 6000 Pfund zuzuwenden. Neue hebräische Enzyklopädie Aus Jerusalem: In Jerusalem ist der ersta Band der neuen hebräischen Enzyklopädie, die in zwölf Bänden bei der Massada Publishing Company herauskommen soll, erschienen. Der Verlag voranstaltete in Tel Awiw aus diesem Anlaß einen Empfang für Autoren und Journalisten. Anwesend waren u. a. Dr. Saul Tschernichowsky, Prof. Klausner und Jacob Kahan. Den Vorsitz führte Jacob Fishman. Es wurde bekanntgegeben, daß von dem neu erschienenen ersten Band 5 0 0 0 Exemplare gedruckt worden sind. Davon sind bereits 2000 in den ersten Tagen verkauft worden. Ein Wirtschaftsjahr buch für Palästina wird der Verlag der ökonomischen „Palnews" jetzt herausbringen. Dieses Jahrbuch wird in einer getrennten hebräischen, englischen und de u-t s eben Ausgabe erscheinen und einen Umfang von zirka 500 Druckseiten aufweisen* Das Buch wird alle Zweige des palästinensischen; Wirtschaftelebens in getrennten Darstellungen, durch Originalartikel der maßgebendsten Wirtschaftsführer und durch Statistiken behandeln. Dem Buch ist ein Teil angegliedert, der alle Daten enthalten wird, welche das Jahrbuch zu einem notwendigen Nachschlagswerk für jeden an der Wirtschaft Interessierten macht. Das Palnews-Wirt«cnafts jahrbuch wird das repräsentativste Nachschlagewerk für die Wirtschaft Palästinas und des Nahen Ostens sein und jedes Jahr erscheinen. Ueber nähere Einzelheiten erteilt der Verlag Palnews, Tel-Awiw .(Palästina), P, O, B. 844, bereit* sttl^ftr Amflsunftt

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