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Die neue Welt · 1935-02-15 · Heft 439 (15.2.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 439 (15.2.1935)
Date
1935-02-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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PrelS 20 GrOSCtMMl Jahrgang # fecftag, den!«♦ fdkMMir 1#3S Nr. 43$ V, b, b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par l'6diteur" REVU BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Folen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Ke 6.—, vierteljährig Kc 15.—;i Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel« jfihrig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljahrig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark Ii—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schwei» im<3 die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Vniversitäisstr. 8, Tel. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag a. Freitag ^J^^jJ^^^^^^ Englische luden Sehnen jüdischen Weltkongreß ab - Antisemitismus in England Unter der Einwirkung der Vorgänge in Deutsch land und der Ausbreitung des Antisemitismus in bis her von ihm ziemlich freien Ländern ist die I d e e v o m Jüdischen Weltkongreß entstanden: Schaf fung einer allweltlichen jüdischen Repräsentanz welche offen für die bedrohten Rechte der Juden allüberall einzutreten und namens des jüdischen Volkes mit allen anderen Kulturvölkern über die immer drin gendar werdende Lösung der politischen und wirtschaftlichen Judenfrage zu verhandeln hat. Die offiziellen jüdischen Vertretungen vieler Länder haben der Einberufung des Weltkongresses zugestimmt. Einige haben abgesagt, darunter die Repräsentanz des englischen Judentums. Auf Grund eines Mehrheitsbeschlusses (gegen eine beträchtliche Minderheit.) hat der Herr Neville L a s k y, der Präsident des Board of Deputies, des Verbandes der Judengemeinden Englands, verkündet, daß seine Körperschaft den Weltkongreß ablehnt. Die Begründung stellt sich so: In England leben die Juden im Vollgenuß aller Bürgerrechte und werden auch gesellschaftlich voll genommen. Die englischen Juden brauchen keinen Schutz. Sie sind gerne bereit, ihren schlechter gestellten oder verfolgten Stammesgenossen in anderen Ländern nach Möglichkeit zu helfen, materiell und auch politisch., Sie spenden in großzügiger Weise Geld und bemühen sich fallweise, ihre Regierung, die englische/zu veranlassen, für verfolgte Juden bei deren Regierungen zu intervenieren. Sie lehnen aber jede darüber hmausgehende Bindung mit anderen Judentümern ab. Für sich brauchen sie diese Bindung nicht und sie scheint ihnen auch in Hinsicht auf ihr englisches Vollbürgertum unangebracht. * Angesichts dieser Haltung ist es gut, den Stand der Judenfrage in England zu betrachten. Gibt es dort so etwas wie eine Judenfrage? Es ist richtig, daß es bis vor kurzem in der englischen Oeffentlichkeit eine Diskussion über die Stellung der englischen Juden nicht gegeben hat. Erst der englische Faschismus, eine Schöpfung ganz jungen Datums, hat die Frage aufgeworfen, und zwar zu Anfang in judenfreundlichem Sinne. Der Gründer und Führer der Partei, Sir Oswald Mösle y, früher Mitglied der Arbeiterpartei, erklärte in der ersten Generalversammlung seiner Organisation am 24. April 1934: „Man legt uns Antisemitismus und rassische und religiöse Verfolgung zur Last. Diese Beschuldigung ist falsch ... Judenfeindliche Propaganda werde ich weder treiben noch dulden!" Als Bekräftigung dieser Stellungnahme diente auch der Umstand, daß Juden in die Leitung einbezogen wurden und beim ersten Wahlkamfp auch ein Jude faschistischer Kandidat nominiert wurde. Aber bald trat eine Wandlung ein. Sil- Mosley benützte ein Massenmeeting in der Londoner Albert Hall im Oktober 1934 als Gelegenheit, den Juden die Freuudschaft zu kündigen und den Kampf anzusagen. Sir Oswald Mosley sagte nach dem Bericht der Londoner „Times", daß die britische Faschisten- Bewegung bei ihrem Aufstieg mit einer Macht zusammengestoßen sei, deren Vorhandensein sie nicht vorhergesehen hatte, nämlich mit der „organisierten Judenheit", die gegen den Faschismus mobilisiert werde. Die Judenheit habe, so sagte er weiter, den Faschismus herausgefordert und dieser nehme die Herausforderung an. Die Juden hätten im Lande die Ansicht verbreitet, daß der Faschismus religiöse oder rassische Verfolgung mit sich bringe. Dies sei aber vollkommen unwahr. Auch heute sei die antijüdische Haltung nicht auf solche Ursachen zurückzuführen, sondern nur eine Antwort auf die jüdische Herausforderung. Er erklärte, daß unter den 64 Personen, die wegen persönlicher Angriffe auf britische Faschisten von den Gerichten abgeurteilt worden seien, 50 Prozent Juden gewesen seien. Die Juden benützten ihren wirtschaftlichen Einfluß zum Kampfe gegen den Faschismus und übten auch auf dem Wege über das Inseratenwesen einen Druck auf die Presse aus. Er behauptete, daß die Juden in England in den letzten 18 Monaten bestrebt waren, feindliche Gefühle und Leidenschaften gegen eine Nation hervorzurufen, mit der England seit 1918 in Frieden lebt. Er sagte: „Wir haben um englischer Interessen willen 1914 gegen Deutschland gekämpft; wir werden aber nicht wegen jüdischer Interessen nochmals gegen Deutschland kämpfen." Die Juden, so fuhr er fort, hätten einen großen Fchl e r begangen, pudern sie sich der neuen Macht der modernen Weit entgegengestellt hätten. Nun werden sie unsere Antwort erhalten. . Es ist also festzustellen, daß sich die im Jähre 1932 noch bestehende Freundschaft für : die Juden im Verlaufe des Jahres 1934 in feindliche Abwehr gewandelt hat. Aber im Jahre 1935 ist die Sache viel weiter gediehen. Der englische Faschismus ist bereits bei den „Protokollen der Weisen von Zion" angelangt. In der am 8. Februar 1935 erschienenen Nummer des von Sir Oswald Mosley herausgegebenen offiziellen Parteiorganes „Blackshirt" (Schwarzhemd) wird in einem Berichte über den Berner Prozeß um die „Protokolle" wörtlich gesagt: „In Rußland wird der Besitz der „Protokolle" mit dem Tode bestraft. Hier in England aber kann man die „Protokolle" immer noch für 1 sh, 3 d bei The Britons, 40 Great Ormond Street, W. C, kaufen. Hauptangeklagter im Berner Prozeß ist Dr. Zander, der eine Vertagung lim einen Monat durchgesetzt hat, damit ein anderer Beklagter, Herr Fischer, der zuerst als Zeuge geladen und in letzter Minute informiert wurde, daß er auch Angeklagter sei — ein typisches Beispiel orientalischen Betruges — seine Verteidigung vorbereiten könne. Dr. Zander hatte bereits den ersten Teil der Klage gewonnen und das Recht auf Verkauf des Buches zurückerhalten, die Herausgabe der 720 beschlagnahmten Exemplare wurde ihm dennoch verweigert. Das Interessanteste an den Protokollen ist, daß ihre Echtheit dreißig Jahre lang unangefochten war und erst jetzt bestritten wird, wo einige der in ihnen enthaltenen „Prophezeiungen" sich so in die Augen springend bewahrheitet haben, daß die Frage der Echtheit nahezu irrelevant ist." Wahrlich, der „Stürmer" des deutschen Ritualmordwüterichs Streicher kann nicht ärgeres Gift verspritzen als diese Zeitung des englischen Sir Mosley. Jetzt wird den ehedem geliebten Juden nicht mehr in Abwehr entgegengetreten, nur weil sie Gegner des Faschismus sind. Jetzt werden sie als v e r f! u c h- Ä ANTHRACIT BESTE QUALITÄTEN! KOHLE » KOKS I ASCH IV, ARGENTINIERSTR. 22 - TEL SERIE U.47.5.40 •wd Hotei Arras NIZZA 7 Avenue Baquis Aller Komfort. Elegant« Zimtner. Nahe am Meer und Kasino, idealer Aufenthalt. Komplette Pension :fFrcs.33.— Pension Irma Meister, Heran #?a.ter oanajührlger Aufenthalt, letzter Komfort, gerühnKe Küche, lierrl. Park, mäßige Preise. Verlaneen Sie Prospekte Iiidenstaafsparlei Oesterrentfas Sonntag, den 17. Februar 1935, um halb 9 Uhr abends. Große Massenversammlung der JudenJtaatspartei, im Prater, ||, Kl. Zufahrtstr. 166 Thema: Was geschieht mit den Juden? Die Antwort der Judenstaatspartei! Redner: Oberbaurat Ing, Robert Stricker, Rabbiner Dr. I. Z. Kanne r, Dr. Sal. Waif tes Geschlecht angesehen, wie die „Protokolle*1 es schildern, als W e 11 ü b e 1, das ausgerottet werden muß. Dahin ist man im „freien und toleranten" Eng« land gelangt! 54 Auf die kongreßfreundkliche offizielle Judenschaft haben diese Vorgänge bis jetzt scheinbar wenig gewirkt. Sie, pochen weiter auf ihr englisches, un* angreifbares Vollbürgertum. Sie weisen auf jüdische Minister, Vizekönige, oberste Richter hin. Der antisemitische Faschismus ist die kleine, verlorene Sache einiger bedeutungsloser Schreier, er ist mit „englischer Mentalität" unvereinbar. In England kann so etwas nie ... nie . . . nie ziehem! So haben früher auch andere Juden gesprochen, zum Beispiel die deutschen. Auch sie haben mit jüdischen Ministern, Bankpräsidenten, Zeitungsmagnaten, Industrieführern und Staatssekretären geprunkt. Sie haben Hitler so: gewertet, wie die englischen Juden heute den SirMosley werten, gleich Null. Auch sie haben sich in den Prachtmantel ihres „deutschen Vollbürgertums" gehüllt und von'einer Schicksalsgemeinschaft mit den Judenschaf - ten anderer „zurückgebliebener Länder" nichts wissen wollen. Sie haben so gesprochen, wie heute viele eng-« lische Juden* Sie haben gesprochen, wie Juden, die/ nichts gelernt haben. r. st. Diegroßen, vorzüglichenSalonschiffe „GALILEA", „GERUSALEMME". „PALESTINA'1 der direkten Eillinie TRIEST-JAFFf des LLOYD TR verkehren jeden Mittwoch und jeden zweiten Freitag. Fahrpreis In der ausgezeichneten Touristenklasse samt: vier Mahlzeiten täglich bloß ca. ö. S 3§8.—. Auskünfte: Lloyd Tricstino, Wien, I, Kärntnerring 6

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