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Die neue Welt · 1935-01-29 · Heft 434 (29.1.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 434 (29.1.1935)
Date
1935-01-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen Jahrgang % Wxmtmq, den 29« Jänner 1935 185 Nr« 434 V« b« b, <7r>itM0g Vom Verleger versendet na! expediö par l'öditeur" Titl. Universitätsbibliothek Wien, I. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—: Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Ko 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig: Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14^—8 Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u, Verwaltung: IX, Umversitäfsstr. 8, Tel, A-20-2-78 — Erscheint Dienstag vu Freitag Gibtf es innerzioni§ti'sdien Frieden? Die Zionistische Exekutive gegen die Revisionisten Die Zionistische Exekutive in London versendet an die Presse die Ucbersetzung zweier Artikel ihres offiziellen Organs „Haolam", in welchen unter Hinweis auf die jüngst abgehaltene revisionistische Weltkonferenz scharf und ironisch gegen den Revisionismus und seinen Führer Jabotinsky Stellung genommen wird. In einem Artikel heißt es: „Bei der revisioistischen Wcltkonferenz, die Anfang Jänner in Krakau stattfand, scheinen Herr Jabotinsky und seine Freunde in bezug auf ideologische Formeln und politische Schlagworts sehr produktiv gewesen zu sein. Es mag verlockend sein, bei einer künftigen Gelegenheit die wirkliche Bedeutung dieser Sache im einzelnen zu untersuchen; einstweilen wollen wir uns auf einige Bemerkungen über die Beziehungen der Revisionisten zur Zionistischen Organisation beschränken. Herr Jebottnsky hat bei dieser Tagung unter begeisterter Zusthmoung aller Delegierten nochmals das Prinzip der unabhängigen politischen Sonde r a k t i o n der Revisionistischen Union proklamiert und hat es emphatisch abgelehnt, sich den Beschlüssen des Zionistischen Kongresses zu unterordnen und die Disziplin der Zionistischen Organisation anzuerkennen. Es versteht sich von selbst, daß die Zionistische Organisation keine Absicht hat, ihre Anschauungen über diese Angelegenheiten zu ändern, die von jedem Menschen mit reifem politischem Urteil als die einzig möglichen angesehen ' v/erden müssen; das, Prinzip . der Unterordnung unter die Entscheidungen;, des Zionistischen Kongresses und die Korizentrierung der politischen Aktionen in der Hand der vom Kongreß hiefür gewählten Körperschaft, dies sind die Gr un.dbedingungen einer jeden Normalisierung der :Beziehungcn innerhalb der zionistischen Bewegung. Diesen Grundsatz wird die Zionistische Organisation nicht aufgeben. Charakteristischerweise hat die revisionistische Konferenz nach langen Debatten davon Abstand genommen, sich für oder gegen die Beteiligung am Zionistenkongreß auszusprechen, und hat diese Entscheidung der revisionistischen Leitung überlassen, obwohl die Haltung der Zionistischen Organisation in dieser Sache den Konferenzteilnehrprn hätte vollkommen klar nein müssen. Die Konferenz hat, was noch merkwürdiger ist, ihre Leitung beauftragt, die Beteiligung am Kongreß davon abhängig zu machen, ob der Disziplinbeschluß des 18. Kongresses auf dem Schckelfonnular gedruckt ist oder nicht. Es scheint, daß die Revisionisten größeres Gewicht der Frage beilegen, ob | eine gewisse Bestimmung auf der Schekclqulttung gedruckt Ist, als der etwas wichtigeren Frage, ob diese Bestimmung einen rechtlichen Beschluß des Kongresses darstellt. Die Entscheidung des 18. Zionisten- Kongrosses (deren Quintessenz lautet: „Die Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation setzt die Unterordnung unter ihre Gesetze und die Beschlüsse ihrer leitenden Instanzen voraus. In allen zionistischen Fragen hat die Disziplinpflicht gegenüber der Zionistischen Organisation vor der Disziplinpflicht gegenüber jeder anderen Organisation den Vorrang") ist für alle Teile der Zionistischen Organisation verpflichtend, ob sie auf der Schekelquittung gedruckt ist oder nicht. Das ist eine entscheidende Tatsache. Die Rechtmäßigkeit dieser Entscheidung wird nicht durch ihre Erwähnung im Schckelformular begründet, sondern umgekehrt: die letztere Tatsache ist ein Ergebnis der Rechtmäßigkeit des Beschlusses. Auf jeden Fall möchten wir einfür allemal klarstellen, daß — wie die Revisionisten durch einfache Anfrage beim Büro der Exekutive hätten leicht erfahren können — diese „schrecklichen" vom Kongreß beschlossenen Sätze über Disziplin tatsächlich in dem Scbekelformular enthalten sind, und weiter, daß die Zionistische Organisation die Prinzipien ihrer Einheit, Geschlossenheit und Disziplin nicht aufgeben und alle Schritte unternehmen wird, um den Status des Zionistischen' Kongresses und die Durchführung seiner Beschlüsse zu sichern." Im zweiten Artikel wird gegen die politische Tätigkeit der Revisionisten Stellung genommen. Es heißt darin: „Die revisionistische Partei kann sich selbst zu dem ersten Konkreten Resultat gratulieren, das ihre separatistische Tätigkeit auf politischem Gebiet errungen bat. Im Wege einer Petition, welche die palästinensischen Revisionisten am SO. April 1934 an die Permanente Mandatskommission des Völkerbundes gerichtet haben, ist ihnen gelungen, vond er Kommission einen Beschluß zu erwirken, welcher kategorisch erklärt, daß die in dieser Petition enthaltene Forderung mit dem Palästina-Mandat u'nvereinbar ist. Herr Jabotinsky hat sich in einer seiner Reden bei der letzten Revisionisten-Konferenz in Krakow sehr bemüht, dieses negative Resultat der revisionistischen Politik in einen Vorläufer des endgültigen Sieges in der Zukunft umzuwandeln. Leute« die nicht mit demselben Maß von Phantasie gesegnet sind, werden wahrscheinlich zu einem ganz anderen Urteil gelangen. Der Beschluß der .Mandatskommission liefert nämlich eine klassische Illustration dafür, wie man zionistische Politik nicht führen solL Nur die Revisionisten sind durch Vorliebe für eine Politik der Proklamationen und Demonstrationen so geblendet, daß sie unfähig sind, realen Tatsachen ruhig in die Augen zu sehen. Leider wirken sich die unglückseligen Folgen einer schädlichen Politik, die eine unverantwortliche Minderheitsgruppe führt, nicht immer nur auf diese Gruppe aus. Es wird die undankbare Aufgabe der zionistischen Bewegung sein, durch schwere, langwierige Arbeit sich zu bemühen, den Schaden, den die revisionistischen Amateur-Politiker angerichtet haben, gutzumachen." Sowohl der Verlauf der Krakauer Revisionisten- Konferenz wie auch die in den zitierten Artikeln ausgedrückte Reaktion der Exekutive beweisen, wie berechtigt die Zweifel waren, die wir bezüglich des Werts, und Ernstes der zwischen beiden gepflogenen „Friedensverhandlungen" hegten. Sie beweisen auch, wie berechtigt die Haltung der Judenstaatspartei war, die dagegen protestiere, den zionistischen Frieden zu einer Angelegenheit''z w e i c r extremer Parteien zu machen, nämlich der heute die Exekutive beherrschenden Zionisten- Sozialisten und der Revisionisten. Die Judenstaatspartei hat die Arbeit aller zionistischen Parteien am Frieden gefordert, weil nur sc der entsprechende moralische Druck auf die widerstreitenden Teile erzielt werden kann. Der Gang der Dinge beweist . auch, daß den Friedensstiftern von links und rechts die wichtigste Voraussetzung für ihr Geschäft noch fehlt, nämlich der ehrliche Wille zum Frieden. Was hier vorgeht, zeigt nur vom Willen, den anderen hinzuhalten, an die Wand zu drücken. Die Exekutive hat recht, wenn sie Herrn Jabotinsky zum Vorwurf macht, daß er einer klaren Stellung zum Grundproblem, das heißt zum Verhältnis der Revisionisten zur zionistischen Weltorganisation, ausgewichen ist. Aus den Beschlüssen der Krakauer Konferenz kann jeder herauslesen, was er will: Verbleiben in der Organisation — Ausscheiden aus der Organisation; Teilnahme am Zionistenkongreß — Fernbleiben vom. Kongreß. Die Antwort der Exekutive, deren ironischer Ton der Stellung dieser Körperschaft nicht angepaßt ist und jedes Wohlwollen vermissen läßt, läßt dafür den Wunsch erkennen, unter Anwendung papierener Disziplin-Paragraphen die unbequemen Revisionisten aus der Organisation auszuscheiden. Wie soll da ein Frieden Zustandekommen? Es ist höchste Zeit, der Forderung der Judenstaatspartei nach Einberufung einer Konferenz aller zionistischen Parteien zu entsprechen, weil sonst der nächste Zionistenkongreß einen noch traurigeren Verlauf nehmen wird als der Prager Kongreß unseligen Angedenkens. Revisionistische Klage gegen die „Jüdische Rundschau" Aus Paris (J. T. A.): Das Exekutivkomitee der Union der Zionlsten-Revisionisten hat sich an die Zionistische Veretnlung für Deutschland mit dem Ersuchen gewandt, gegen die „Jüdische Rundschau", ihr Organ, ein Verfahren wegen Verletzung der zwischen Ben Gurion und Jabotinsky getroffenen Vereinbarungen einzuleiten und auf eine entsprechende Strafe zu erkennen. Die „Jüdische Rundschau" hat in ihrer Nr. 5 vom 15. Jänner 1935 in einer „Die Revisionisten-Konferenz in Krakau" überschriebenen Notiz berichtet: „Der Antrag der Maximallsten, ein Sympathietelegramm an den Terroristenführcr Achi-Meir abzusenden, stieß anscheinend auch auf Widerstand." Die revisionistische Union sieht in der Bezeichnung Achi-Meir als „Terroristenführer" eine „offene und krasse Verletzung der getroffenen Vereinbarung", die unter die Begriffe „Verleumdung in Wort und Schrift", „Verbreitung falscher Nachrichten", „Denunziationen" und „Bekämpfung des Gegners mit Hilfe der Regierung, indem man eine gegnerische Partei oder Ihre Mitglieder In einer Weise bezeichnet, die ihre Existenz in solchen Ländern (in denen die Regierung eine zionistische Richtung verbietet oder verfolgt) gefährden könnte" (Zitate aus Punkt 4 und 5 des die Richtungen beider Verhandlungspartner verpflichtenden Abkommens zwischen Ben Gurion und Jabotinsky), fällt. Achi-Meir, so heißt es in dem Brief der revisionistischen Exekutive an die Z. V. f. D. weiter, befindet sich jetzt im Gefängnis, die Palästina-Regierung hat ihre Absicht kundgetan, ihm seine Bürgerrechte zu nehmen« und es besteht Befürchtung, daß mau ihn zu fiiifiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuHir Judenstaatspartei Oesterreich Dienstag, den 29. d. M., um *49 Uhr abends, Bezirksgruppe Leopoldstadt, II, Taborstraße 21a, Versammlung: Thema j Die Lage im Zionismus Referent: Oberbaurat Ing. Robert Stricker, * Mittwoch, den 30. d. M., um %9 Uhr abends int Zentralheim, I., Werdertorgasse 14, Vortrag: Geburt, Tod, Trauung und Namenwesen bei den Juden. Referent: Amtsleiter Julius Rosenfeld. IllllllllillllUIIIIIIlltllllllllllllllllllllllllllllllllllHlHIinilllllll deportieren beabsichtigt. Wenn nun eine zionistische Zeitung Achi-Meir als „Terroristenführer" bezeichnet, so gibt sie der Palästina-Administration eine unzweifelhafte Berechtigung für ihre Handlungsweise. Inj Sinne des § 7 der Londoner Vereinbarung wird die Z. V. f. D. aufgefordert: 1. Die Redaktion der „Jüdischen Rundschau" zur Verantwortung zu ziehen und ihr eine in diesem Punkte vorgesehene Strafe: a) Verweis, b) Geldbuße, c) zerfcweilige Enthebung der Mitgliedschaft, d) definitiver Ausschluß aus der Partei, e) Ausschluß aus der Zio-vstischeji Organisation, aufzuerlegen; 2. die Redaktion der „Jüdischen Rundschau" zu veranlassen, eine entsprechende Berichtigung zu veröffentlichen.; RUNDSCHAU Zur «feterreidrischen Judenfrage Im „Neuen Wiener Journal" vom 27. Jänner gibt Fürst Starhemberg, Vizekanzler . und .Führer der Vaterländischen Front, einem journalistischen Interviewer Auskunft über schwebende politische Fragen .des neuen Oesterreich. Zur Judenfrage äußert sich Starhemberg dem „N. W. J." zufolge: „Selbstverständlich besteht eine Juden« frage. -Es wäre töricht, über sie hinweggehen zu wollen. Eine Lösung kann nur logisch vor sich gehen. Das neue Oesterreich wird sich jene Gesetze schaffen, die für die Wohlfahrt seiner Bevölkerung und'für die Entwicklung des Staates Voraussetzung sind, die dem Charakter seiner Bevölkerung entsprechen müssen» Diesen Gesetzen wird, sich der Jude entweder unterordnen und damit Empfindungen der übergroßen Mehrheit des Volkes Rechnung tragen. Dann ist für diesen Teil der Juden das Problem gelöst. Diejenigen Juden, die mit den Gesetzen in Konflikt kommen, die sich nicht in die innere Entwicklung des Landes finden wollen, müssen eben die Konsequenzen tragen oder sie hören auf, Mitglieder der staatlichen Gemeinschaft zu bleiben." Diesen Ausführungen ist nicht recht zu entnehmen, unter welchen Voraussetzungen Fürst Starhemberg eine Unterscheidung von gesetztreuen und gesetzverletzenden Juden, also von patriotischen und unpatriotischen, macht. In den Ländern, wo solch eine Auseinandersetzung nicht so aktuell ist wie in Oesterreich, wird die Judenfrage tiefer und sachlicher behandelt, als dies hier geschieht. Uns scheint, daß der Interviewer die Worte Starhembergs nicht klar und verantwortungsbewußt wiedergegeben hat. Diese Sammlung von Gemeinplätzen und zu nichts verpflichtenden Andeutungen ist mit dem Charakter und Stil des österreichischen Vizekanzlers nicht in Einklang zu bringen — es sei denn, daß er in der Judenfrage nicht gut beraten ist. Zu seinen Ausführungen wird gelegentlich noch einiges Prinzipielle zu sagen sein. „Mit Menschenblut leicht gefärbt" Den Nürnberger „Stürme r" des Hitler-Freundes Julius Streicher braucht man nicht vorzustellen. Seine Ritualmordnummer allein hat ihn in der ganzen Kulturwelt populär gemacht. In seiner Ausgabe von Mitte Jänner 1935 leistet er sich unter dem Titel „Zeitgemäße Anzeigen" auch die folgende Beschimpfung: „Geweihter Synagogenwein, garantiert noch nie vom Goi berührt (also kein neseoh), mit Menschenblut leicht gefärbt, soweit Vorrat, billig abzugeben. Off. u. .Diskretion'." Die „Jüdische Rundschau" (Berlin) wirft die Frag« auf, ob derartige Veröffentlichungen nach dem gelten« dcnRecht zulässig sind, und verlangt, daß die Heidt*

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