Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 433 (25.1.1935)
- Date
- 1935-01-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite f DIE NEUE WELT Nr. 433 Magda Schneider Woll AtbaduKetty Theo Lingen in dem grandiosen Meisterlustspiel Die Katz' im Sack Regies Richard Eichberc Musik: Hans Sommer Elite-Kino, (. Imperial-Kino, I. Opern-Kino, I. Scho tennng Kino, I. Lustspteltheater, II. Flotten-Kino, VI. mmmmmmmmm Monopol: Lux-Film Ges. m. b. H. die Juden im Reich ausgesetzt sind. Ich erinnere an die Radioansprache des Staatssekretärs Eden, der der Erwartung Ausdruck gab, daß Deutschland seine- Versprechungen, den Minderheiten an der Saar für die Dauer eines Jahres Schutz angedeihen zu lassen, halten wird. In Deutschland selbst ist die Lage der Juden andauernd schlecht. In Deutschland gibt es sogar ein Institut zur Propagierung des Antisemitismus im Ausland, welches die Lehren des Hitlerismus, daß Rasse Und Religion der Juden verächtlich seien, unter den anderen Völkern zu propagieren sucht. Zum Schluß wurde die folgende Resolution engenommen: Angesichts des Ergebnisses des Plebiszits an der Saar und der Weigerung der deutschen Regierung, sich länger als ein Jahr rassischer und religiöser Diskriminierung zu enthalten, gibt der Board of Deputies of British Jews seiner tiefen Enttäuschung über die Unzulänglichkeit der Schritte, die zum Schutz der Rechte der jüdischen Bevölkerung an der Saar unternommen wurden, Ausdruck. Die „Nacht der langen Messcre" Aus seriöser Quelle in Forbach, an der französischsaarländischen Grenze, geht der J. T. A. die nachstehende Mitteilung zu, die zu veröffentlichen wir als unsere Pflicht halten: „Wie man hier aus Saarbrücken erfährt, verstummen im Saargebiet die Gerüchte noch nicht, die von einer ,,N acht der langen Messer" wissen wollen. Man spricht von der Nacht vom 28. Februar auf den 1. März, da die Nationalsozialisten annehmen, daß in dieser der Regierungsübergabe vorausgehenden Nacht überhaupt.keine Regierung im Saargebiet sei. Endgültig? Aus Genf (J. T. A.): In seiner Erklärung anläßlich der Annahme der Entschließung des Völkerbundrates über die Rückgliederung der Saar an Deutschland hat der französische Au ßenminister gesagt, daß die Frage der Flüchtlinge aus dem Saargebiet als eine internationale Frage behandelt werden müsse, deren Lösung dem Völkerbund obliege. Die französische Regierung wird dem Völkerbundrat ein Aide- Memoire in dieser Frage überreichen. In seinen Entschließungen bezüglich der Rückgliederung der Saar ist der Völkerbundrat auf die Frage des Schutzes der Minoritäten nicht mehr eingegangen, da diese Frage endgültig durch die im Dezember v. J. angenommenen Ratsbeschlüsse geregelt worden ist. Diese Beschlüsse enthalten u. a. die Verpflichtung der deutschen Regierung, die jetzigen Gesetze der Gleichberechtigung aller Einwohner der Saar ohne Unterschied ihrer Sprache, Rasse und Religion auf die Dauer eines Jahres nach erfolgter Rückgliederung aufrechtzuerhalten. Aus HBtIer-Deu*§dvland Komödie um Streicher Der Berliner „Angriff", Organ des Reichspropagandaministers Dr. Goebbels, spricht auf der ersten Seite in großer Aufmachung Drohungen gegen die jüdischen Zeitungen in Deutschland aus, weil diese sich der Verbreitung von Greuelpropaganda dadurch schuldig machen, daß sie Reden des fränkischen Gauleiters Julius Streicher über die Juden wiedergeben. Dies bedeute nach Ansicht des „Angriff" die. Unterstützung des antideutschen Feldzuges irn Ausland, wobei eine Kollision mit dem Gesetz schlau vermieden wird. „Der Angriff" beschuldigt auch das Organ der jüdischen Orthodoxie „Israeli t", daß es durch Zitierung von Streicher-Reden bewußt den Feinden Deutschlands im Auslände Greuelmärchen liefere. Die Auslassungen des „Angriff" entsprechen offenbar der neuen Intention der deutschen Regierung, eine Identifizierung von „Streichertum" mit „Hitlertum" nicht zuzulassen. Vom Presse-Departement des Auswärtigen Amtes wurde den Korrespondenten der ausländischen Zeitungen kürzlich bedeutet, es gehe nicht an, Auslassungen Julius Streichers und Artikel seines „Stürmer" als maßgebend für die deutsche Judenpolitik zu zitieren, da Deutschland nicht identisch sei mit Franken, wo schon vor Hitler ein scharfer Antisemitismus herrachte. In Wirklichkeit herrschte in den Kreisen Nürnberg- Fürth wie im übrigen Franken vor dem Machtantritt durch Hitler eine gemäßigtere antisemitische Stimmung als in anderen Tollen Deutschlands. Julius Streicher erfreute sich damals keinerlei Ansehens in der Oeffentliehkeit. Auch heute besteht in Franken gegen Streicher wegen seiner auf die niedrigsten Instinkte spekulierenden Judenhetze eine starke Opposition sogar in Parteikreisen, und er kann seine heutige Stellung nur durch die Autorität Hitlers, der ihn oft a u szeichnet und sich mit ihm p h o t o g r a p h i ft r e n läßt, behaupten. Was der Freund Hitlers schreibt In Nürnberg erscheint die Zeitschrift „Deutsche V o 1 k s g es u n d h e i t", herausgegeben von Julius •Streicher. In einem Artikel „Der Kampf geht weiter" Uchreibt Julius Streicher u. a.: „Wir Winsen nun, warum der Judo mit allen Mitteln lex Verfuhrungskumft darauf ausgeht, deutsche Miidchc n möglichst frühzeitig zu schänden; warum der jüdische Arzt seine Patientinnen in der Narkose vergewaltigt; warum sogar die Judenfrauon ihren Männern den Verkehr mit Nlchtjüdinnen gestatten: das deutsche Mädchen, die deutsche Frau soll den artfremden Samen eines Jiulon in sich aufnehmen, sie soll niemals mr*hr deutsche Kinder gebären!" Wofür man sechs Monate bekommt Vor dem Schöffengericht in Burg hatte sich Rudolf Lilie aus Burg zu verantworten. Die Anklage warf ihm vor, sich de»- üblen Nachrede gegenüber dem stellvertretenden Kreisleiter der NSDAP, des Kreises Jerichow I, Hans Z i e m a n n, und seiner Mutter schuldig gemacht zu haben. Lilie behauptete, dieser sei nie h tarischer Abstammung. Das Schöffengericht verurteilte ihn zu sechs Monaten Gefängnis. Juden dürfen nicht Theater spielen Durch Runderlnß des preußischen Ministers des Innern vom 12. Jänner 1935 wird das Verfahren auf Entscheidung über Anträge um Zulassung zu gelegentlichen Veranstaltungen von Theateraufführungen geregelt. $ 4 lautet: ,,Anträge von Nichtariern auf Zulassung zu Veranstaltungen von gelegentlichen Theateraufführungen sind abzulehnen. Der Nachweis der arischen Abstammung im Sinne des Gesetzes ist u r k u n d- 1 i c h zu belegen." Boykott jüdischer Anwälte auch in der Tschechoslowakei Im deutschen Reichsjustizministerium wurde eine Liste „deutschblütiger Rechtsanwälte der NEU EINFÜHRUNG! tezJtchfo-Scurt Zu den bisherigen Mittagsä S bringen wir ab heute ein neues AbendsMenü a S und ein „ Alis Wiener Hof? A4 i nu"a § 4— Direktion HOTEL KRAN TZ - AMB ASSADOR Tschechoslowakei" zusammengestellt und den reichsdeutschen Anwälten zur Verfügung gestellt. Diese werden aufgefordert, sich bei Substitutionen u. dgl. lediglich solcher Advokaten zu bedienen, die in diese Liste aufgenommen sind. Gegen die „Jüdische Gottesmutter" General Ludendorffs Zeitschrift „Am heiligen Quell deutscher Kraft" schreibt: „Die kleine Madonna thront da vor ,-den deutschen Müttern in der Besonderheit, die ihr zuerkannt wird. Ja, deutsche Mütter singen mit ihren Kindern von „Maria, der reinen Magd", ohne zu erröten, denn sie denken nicht nach über die Selbsterniedrigung, zu der sie sich damit bekennen. Die Heiligkeit der Mutterschaft kommt nur der orientalischen Gottesmutter zu. . . . Am Dulden, Arbeiten, Beten und Schweigen zerbrach deutsche Frauenkraft und Mutterehre, Frauenverachtung und Frauenschändung wurden das Los der Dulderin — vergöttlicht in unwirklichem fernen Lächein der jüdischen Gottesmutter. . . ." Üeksim Bekstem - immern^, Arierparagraph im Deutschen Adel Aus Prag (J. T. A.): Das „Prager Tagblatt" meldet aus Berlin: Aus einer Rede des Adelsmarschalls Fürst zu Bentheim Tecklenburg auf der Tagung der Deutschen Adelsgenossenschaft ging hervor, wie stark die Opposition jenes Teiles des deutschen Adels ist, der es mißbilligt, daß sich die Adelsgenossenschaft auf den Boden des nationalsozialistischen Staates gestellt hat. Der Adelsmarschall spricht auch von den schweren Vorwürfen, die der Adelsgenossenschaft gemacht wurden, weil sie „mit dem Arierparagraphen einen Keil in den Adel getrieben" habe. Es sei aber nicht einzusehen, daß es eine Spaltung bedeuten soll, wenn sich die Adelsgenossenschaft von einigen Mitgliedern trennen müsse, die nichtarischc Ahnen haben. Der Adelsmarschall widersprach der Behauptung, daß der deutsche Adel stark verjudet sei; nur etwa 1,5 Prozent der Mitglieder der Adelsgenossenschaft hätten den Rassebedingungen nicht entsprochen. Im übrigen wurde vom Adelsmarschall auch eine Klärung der Frage in Aussicht gestellt, wann man nichtarisches Blut als getilgt ansehen könne. Jüdischer Sachverständiger abgelehnt Aus Berlin: In dem Berliner Rundfunkprozeß sollte der von der Verteidigung geladene Sachverständige Dr. Sternheim über einen bestimmten Fragenkomplex gehört werden. Der Vertreter des Nebenklägers widersprach jedoch seiner Vernehmung mit der Begründung, daß Dr. Sternheim Nichtarier sei und ein deutsches Gericht keinen Anlaß habe, sich der Hilfe von Nichtariern als Sachverständigen zu bedienen. Das Gericht beschloß, auf die Vernehmung des nichtarischen Sachverständigen zu verzichte n. Palästina-Reise Reisedauer nur 2Tace mit dem schnellsien Dampfer d Well Gesellschaftsreise durch Nordisches Reisebureau Reiseleitung: N. AI. Racker, Wien ., Graben 10, l'eleton R-24-2-31 Abfahrt; 8. März 1035 ab Neapel. Oampfor „Rüx" (51.000 Tonnen) frühe'e Fahrltrmine /. Februar 193;) „Roma" ii. Februar l»35 „Conte ih Savoya" spätere Falirleiinine: 23. Milr> 19.'« „Conte di Savoya" 8. April li«5 Saturnia" S i c h e r n S i e s i c Ii bei u > b k u t e Kabinen1 Knsis im levusaflemer Stadtrat Jßrusalc m, 21. Jänner. Auf Forderung der jüdischen Stadträte hin wurde die erste Sitzung des neuen Stadrates in Jerusalem einstimmig verschoben. Bis jetzt ist die Frage des jüdischen Vizebürgerme isters nicht gelöst worden. Die Mehrheit der jüdischen Stadträte hat vor einigen Tagen beschlossen, die Kandidatur dos Dr. Chaim Solomon zu stützen. Es herrscht die Meinung vor, daß der von der Regierung ernannte Vizebürgermeister Advokat Daniel Auster es seinen Freunden in der jüdischen Stadtratsfraktion ermöglichen wird, selbst den Kandidaten für den Viz:- bürgermeister zu nominieren. (Palnews.) * Jerusalem, 21. Jänner. Bis g-estern nachts ist die Krisis bezüglich der Jcrusalemcr jüdischen Stadtratsrepräsentanz n i c ht gelöst worden. Die Beratung der jüdischen Stadträte mit den Vorständen der führenden jüdischen Institutionen wurde abgebrochen, da es keinem Einverständnis in der Frage des jüdischen Vizebürgermeisters kam. M. M. Ussischki n, der Direktor des Jüdischen Nationalfonds, der Kandidat Advokat Auster und die Sephardim verließen dio Sitzung. * Der Vorfall ist, bezeichnend für die ParteiverhiiKnissc »m jüdischen Palästina. Erst kämpft mau gemeinsam bei der Regierung um die Ernennung eines j ii d isehen Bürgermeisters. Man fällt durch. «letzt, führt, man einen inner j ii dische n Kampf vor aller Oeffentliehkeit um einen Vizebürgermeisterposten, und zwa r so, da LI der Stadtrat lahmgelegt wird. Wieder ein Vorwand für die Palästina-Regierung, die Autonomie der „unverträglichen" Juden wieder einzuschränken. Die „schwarze Liste" Jerusalem (Ita.). Die Hafen Verwaltung von Haifa hat Zwi Rosenblatt, dem freigesprochenen Mitbeschuldigten am Arlosoroff-Mord, nicht erlaubt, das Schiff zu verlassen, obwohl er das Einreisevisum besitzt. Sein Name figuriert nämlich auf der sogenannten „schwarzen Liste" der Palästina-Regierung. 100 Millionen Dollar in Palästina investiert Aus Washington (J. T. A.): Am Sonntag, den- 20. Jänner, wurde in Washington bei Anwesenheit von etwa 2000 Delegierten sehr zahlreicher jüdischer Organisationen der Vereinigten Staaten der Erste Palästina-Tag der amerikanischen Judenheit eröffnet. Präsident Franklin Roosevelt, Staatssekretär Hu 11 und andere Mitglieder der amerikanischen Regierung sandten Begrüßungen. Im Zusammenhang mit der Eröffnung des Palästina-Tages wurde offiziell mitgeteilt, daß die amerikanischen Juden In den letzten fünfzehn Jahren durch die Beiträge zu den öffentlichen Fonds und durch private Initiative insgesamt rund 100 Millionen Dollar in Palästina investierten. Der Palästina-Tag der amerikanischen Juden winf von jetzt ab eine alljährlich wiederkehrende Einrichtung sein: eine Demonstration der Juden der Vereinigten Staaten für den Aufbau des Jüdischen Nationalheims. Hiuausdrängung der Juden aus der Wirtschaft Litauens Aus K o w n o: Durch das soeben in Kraft getretene Gesetz über Monopolisierung des Flachshandels und Flachsexports sind einige hindert jüdische Familien — der Flachshandel in Litauen lag seit urdenklichen Zeiten in jüdischen Händen — brotlog geworden. Der gesamte Flachsexport wird von der Regierung und von den litauischen kooperativen Organisationen besorgt. Abordnungen jüdischer Flachshändler aus der Provinz, die bei der Regierung vorsprachen, hatten keinerlei Erfolg. Der Rigaer Stadtrat lür jüdische Institutionen Aus Riga: Die Stadtverwaltung von Riga bewilligte eine Summe von 1 0.0 00 Dollar für jüdische Institutionen, davon 1600 Dollar für das jiddische Theater