Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 431 (18.1.1935)
- Date
- 1935-01-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 431 Die revisionistische Weifkonferenz Generaldebatte In der Generaldebatte -am 13. Jänner erklärte J achimson (Bessarabien), daß er als ^Maximalist an eine Möglichkeit des Friedens mit der Linken nicht glaube, und wendete sieh gegen Jabotinskys Politik der Kompromisse. Aehnlichen Standpunkt vertraten^Dr. Steiner (Warschau), DrU C'z e r to k (Lemberg)'' und Begiri (Warschau). Gegen die maximalistischen Forderungen sprachen Lerner (Warschau), Alpern (Lodz), Ben Chorin (Palästina), Klarman (Warschau), welcher die Unterwerfung der Revisionisten unter die Disziplin der Zionistischen Organisation, falls sie zum Kongreß gehen, als Selbstverständlchkeit proklamiert. Dr. D r u k s (Polen) sprach für Rückkehr in die Zionistische Organisation und Wiederheranziehung von Großman, Stricker und L i c h t h e i m (Judenstaatspartei), worauf Jabotin3ky dazwischenrief, niemand habe die Judenstaatler ausgeschlossen, sie seien selbst gegangen; würden sie den revisionistischen Primat anerkennen, dann sei ihr Ort wieder an seiner (Jabotinskys) Seite. E. Braun, der Führer der Nationalen Gewerkschaft (Histadruth Owdim Leumim) referierte über die revisionistische Arbeiterbewegung. Er erklärte, daß die linke Histadruth für die Verteidigung der Rechte der jüdischen Arbeiterschaft ungeeignet sei, da in ihr auch arabische Arbeiter organisiert sind. Gefährlich seien ferner die starken Sympathien der linken Arbeiter für Sowjetrußland, da sie sich gegen die nationalen Interessen auswirken können. Jabotinsky hielt ein langes Referat über die ökonomische Abwehr des Judentums, wobei er sich gegen das Transferabkommen aussprach, Scheschkin sprach über die Arbeit in der Diaspora. — Auf einer Sonderkonferenz referierte Jabotinsky über den revisionistischen Fonds T e 1 - C h a j. Bei Fortsetzung der Generaldebatte beriet sich die Permanenzkommission über die Teilnahme am kommenden Zionistenkongreß. Die überwiegende Mehrheit war für Teilnahme am Kongreß, eine Teilnahme an "den Beratungen selbst wurde davon abhängig gemacht, daß sich die Bedingungen nicht verschärfen. Im Hinblick auf die Gerüchte, daß die Exekutive die Herausgabe neuer Schekalim erwägt und das Wahlrecht zum Kongreß an die Bedingung der Unterordnung unter die Disziplin der Zionistischen Organisation erwägt, kam in der Kommission die Meinung zum Ausdruck, daß in einem solchen Falle von einer Teilnahme der Revisionisten an dem XIX. Zionistenkongreß gar nicht die Rede sein könne. Resolution und Schlußsitzung Am letzten Sitzungstag referierte Dr. C z e r t o k (Lemberg) über die politischen Resolutionen betreffs der Stellung .zur Mandatarmacht und zum Abkommen mit der Linken in London, betreffs der Petitionsaktion und betreffs des Beschlusses, im Jahr 1936 einen Petitionskongreß einzuberufen. Nach heftigen Angriffen der Maximalsten wird in einer Resolution die künftige Exekutive bevollmächtigt, die Beziehung zum Schekel und zum Kongreß festzulegen. Die neue Leitung besteht aus V. Jabotinsky als Präsidenten der Union und aus den Leitungsmitgliedern für Paris Dr. Brutzkus, Ing. Kapelowitsch, Dr. Haß, Doktor Schochtmann, Berchin, Dr. Segal, Dr. Tjomkin, für London Ing. Jacobi, für Palästina Dr. J. Hofmann. — Nach der Abreise Jabotinskys wird eine Reihe von Resolutionen angenommen. Zunächst gibt die Konferenz Ihr Einverständnis mit dem Abkommen zwischen Jabot i n s k y und Ben Gurion kund. Die angenommenen Resolutionen betroffen die ökonomische Abwehr de.-i Judentums, die Stellung zur Mandatskommission des Völkerbundes, Protest gegen die Verfolgung der ..Illegale n", die Beteiligung am Jüdischen Weltk o n z r e ß- Protest gejjen die Abnahme des Bürgerrechts bei A chi M e i r und Dr. J e w i n, das Budget von jährlieh 750.800 Francs und verschiedene organisatorische Fragen. Die Konferenz wurde am 14. Jänner nachts mit der Absiiisung der Hatikwah geschlossen. Waad Leumi und Jüdischer Weltkongreß Jerusalem, 15. Jänner. (J. T. A.) Nach Anhörung eines Berichtes von Dr. Nahum Goldmann Uber die Vorbereitungen zum Jüdischen Weltkongreß beschloß der Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat Palästinas), sich aktiv am Weltkongreß zu beteiligen, und delegierte seinen Präsidenten J. Ben Zwi in das Exekutivkomitee für den Jüdischen Weltkongreß. Wo stehen die Juden Deutschlands? Die Berliner „Jüdische Rundschau" setzt sich - soweit die Preßverhältnisse in Hitler-Deutschland es gestatten — in einem sehr interessanten Artikel mit nationalsozialistischen Betrachtungen über die d e u ts c h e Judenpolitik, die zu Jahresschluß erschienen, auseinander. In einem Artikel „Wo stehen die Juden?" schreibt sie u. a.: Im Jännerheft der Zeltschrift „Deutsches V o 1 k s t u m" versucht der Herausgeber Wilhelm j Stapel eine zusammenfassende Darstellung der Umwälzung in der deutschen Judenfrage zu geben. Der Aufsatz verdient wegen seiner klären Gliederung und mancher prägnanter Formulierung die Aufmerksamkeit auch des jüdischen Lesers, obwohl gesagt werden muß, daß das Schema Stapels keineswegs in allen Punkten der gegenwärtigen Wirklichkeit entspricht. Stapel bemüht sich, aus der Betrachtung den Gesichtspunkt des persönlichen Mitleids mit dem Schicksal einzelner auszuschalten. Was die Juden erleiden, so sagt er, ist ein Volksschicksal, und darum könne bei dem einzelnen nicht die Frage seiner Schuld oder Unschuld aufgeworfen werden, genau so wenig wie etwa im Kriege oder sonst bei nationalen Kämpfen. Wir treten gewiß dafür ein, daß der Jude sein jüdisches Volksschicksal mit Würde zu tragen hat; damit ist aber nicht gesagt, daß wir nicht wünschen dürften, dies Schicksal auch unter den gegebenen Verhältnissen anders gestaltet zu sehen. Einen schweren Irrtum begeht Stapel, wenn er schreibt, „daß die Juden nicht in Massen zu entweichen brauchten, sofern sie ein gutes Ge wissen hatten". Die meisten Juden, die aus Deutschland in den letzten zwei Jahren ausgewandert sind, haben nicht aus „schlechtem Gewissen" das Land verlassen. Es mag unter den jüdischen Emigranten eine Anzahl geben, die ebenso wie nichtjüdische Emigranten Deutschland verließen, weil sie sich im politischen Kampf vor dem Umschwung exponiert hatten. Die gewaltige Mehrzahl aber gerade der ausgewanderten Juden hat Deutschland aus w i r t-?4ÜSMH UksUiH - S&HhtettHQ. [^«■■■■■■■■■■■■■■■■■MBaHMHMMnHMH schaftlichen Gründen verlassen, weil ihnen durch . / die Ariergesetzgebung und die wirtschaftliche Entwicklung die Basis ihrer ökonomischen Existenz entzogen worden ist. Stapel grenzt die Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden in Deutschland in vier Gebieten ab. Bis 1933 habe es zwischen Deutschen und Juden gegeben: ein Condominium (gemeinsame Herrschaft), eine Coeducatio (gemeinsame Erziehung), ein Connubium (Ehegemeinschaft) und ein Commercium (Wirtschaftsgemeinschaft). Schon beim ersten Punkt stocken wir. Condominium bedeutet die gemeinsame Herrschaft zweier Gruppen oder Mächte über ein Gebiet. In diesem Sinne haben die Juden niemals ein Condominium ausgeübt. Denn die Personen, die in der deutschen Politik' tätig waren (Stapel nennt Rathenau und andere), taten dies nicht als Juden, sondern als Deutsche. Man kann auf dem Standpunkt stehen, daß ihre Meinung, Deutsche zu sein, ein Irrtum war. Dies gehört in das Kapitel der Problematik der Assimilation. Aber von „Condominium" könnte nur die Rede sein, wenn sie bewußt als Juden oder gar in jüdischem Auftrag gehandelt hätten. Ebensowenig wie man etwa von einem Condominium zwischen Deutschen und Russen über Rußland sprechen kann, weil in Rußland russisch assimilierte Staatsmänner deutscher Abstammung gewirkt haben, ebensowenig paßt diese Vorstellung auf die Rolle der Juden in irgendeiner Phase Deutschlands. Vom jüdischen Standpunkt sind die meisten der aus jüdischer Abstammung hervorgegangenen deutschen Politiker gewiß nicht vollwertig; sie sind, jüdisch gesehen, in vielen Fällen Renegaten, keinesfalls aber „j ü d ische", das heißt mit einer spezifisch jüdischen Verantwortung betraute Politiker ... Zum dritten und vierten Punkt: Das Connubium sei, soweit es öffentliche Bedeutung hat, aufgehoben. Verbindungen zwischen Juden und Nichtjuden seien zwar nicht verboten, aber der beteiligte deutsche Teil schalte sich damit vom öffentlichen Leben aus. Das Commercium jedoch bleibe bestehen, freilich nur in der Privatwirtschaft, nicht für die öffentliche Wirtschaft. Wichtig erscheinen uns die Schlußbemerkungen des Stapeischen Artikels, in denen er das Ergebnis der Trennung auf der jüdischen Seite überblickt. Er sagt, das Jahr 1933 sei ein Jahr der Rettung des jüdischen Volkes gewesen: „Indem die Assimilation unterlag, wurde das Volkstum (mitsamt dem Glaubenstum) mächtig." Wenn Stapel allerdings in diesem Zusammenhange betont, „daß innerhalb des jüdischen Volksgefüges der Wert des Volksjuden gegenüber dem des' Zivilisationsjuden, der Wert des Charakterjuden gegenüber dem des Zersetzungsjuden" steigt, so nehmen wir dies nur als ein Symptom, wie ein Außen-, stehender die innerjüdischen Dinge sieht. Stapel sagt dann abschließend: „Da die Juden gezwungen wurden, ein V o 1 k zu werden (was sie von je hätten sein sollen), kommen natürlich d i e Kräfte zur Geltung, die bauen können. Wet , die „Jüdische Rundschau" verfolgt, wird sagen, daß diese Zlonisten — um es mit einem Germanismus auszudrücken —, sichwacker ge halten haben. Der Aufbau in Palästina hat einen mächtigen Antrieb bekommen. Wir möchten, daß ■— indem der Volksjude an die Stelle des Allerweltsjuden träte, indem nicht mehr Ahasver, der die Welt auf- und abwandert, sondern wieder Mose, der sein Volk aus Aegypterland führte, zum Symbol des Judentums würde — eine reinere und. dem Volkstum gerechtere Ordnung unter den weißen Völkern entstünde." Es sei anerkannt, daß Stapel eine begriffliche Klärung anstrebt, die als Voraussetzung für eine leidenschaftslose Behandlung der Judenfrage unerläßlich ist. Jeder Versuch einer Ordnung der Judenfrage wird aber, was Stapel außer acht läßt, die Einzigartigkeit dieser Frage im Auge behalten müssen und darf sich nicht durch falsche Analogien ablenken lassen. Dr, Bernhard Wachstest! gestorben Am 14. d. M. ist der bekannte jüdische Historiker, Reorganlsator und Dix-ektor der Bibliothek der Wiener Judengemeinde. Regierungsrat Dr. Bernhard W a c hstein nach langem, schwerem Leiden gestorben. Das von ihm in musterhafter Weise geleitete große Kulturinstitut, die jüdische Wissenschaft und die Wiener jüdische Kulturgemeinschaft erleiden einen nur sehr schwer zu ersetzenden Verlust Dr. Wachstein wurde 1868 in Tluste (Galizien) geboren, veröffentlichte eine Reihe gründlicher Forschungen zur Geschichte der Juden in Oesterreich, sowie wertvolle bibliographische Schriften. Neben seinem Hauptwerk „Inschriften des alten Judenfriedhofs in Wien** (I. Bd.: 1912, II. Bd.: 1917), sind noch selbständig erschienen: „Wiener hebräische Epitaphien" (1907), „Jüdische Privatbriefe aus dem Jahre 1619" (zus. mit Alfred Landau, 1911), „Katalog der Salo-Cohnschen-Schenkung" (1911 bis 1913), „Hebräische Grabsteine aus dem 13. bis 15. Jahrhundert in Wien und Umgebung" (1916), „Die Grabinschriften des alten Judenfriedhofs in Eisenstadt" (1922), „Beiträge zur Geschichte der Juden in Mähren" (1929) Gegen die Spaltung der Wiener Kultusgemeindc Das Komitee orthodoxer Juden zur Verteidigung der Einheit der jüdischen Gemeinde in Wien teilt mit: Die in Wien ansässigen Großrabbiner Rabbi Israel Friedmann aus Husiatyn, Rabbi Jizchak Meier H e s c h e 1 aus Kopiczynce, Rabbi Nahum Mordechai Friedmann aus Czortkow, der Vizepräsident des Zentralrates der Agudas Jisroel und Präsident des Keren Hajischuw, Rabbi Abraham Jaakob Friedmann aus Sadagora, und der Präsident des Keren Hathora der Agudas Jisroel für Oesterreich, Rabbiner Abraham H e s c h e 1, haben sich schärfstens gegen die Sp a 1tung der Wiener jüdischen Gemeinde ausgesprochen, welche von einem Teile der in der „Adas Jisroel" (Schiffschul) organisierten Orthodoxen eingeleitet wurde. Ferner haben 30 orthodoxe Rabbiner Wiens und 62 von den in Wien bestehenden 70 orthodoxen Bethäusern und Vereinen eine Protestkundgebung gegen die erwähnten Spaltungsbestrebungen unterschrieben. Der Vatikan für die getauften Juden Rom, 16. Jänner. Das päpstliche Organ „Illustration e Vaticano" wendet sich in einem Artikel dagegen, daß in den Schulen von Preußen das VH a n d b u e h zur Judenfrage" des verstorbenen antisemitischen und antichristlichen Agitators Theodor F r i t s c h verwendet werde. Das Blatt teilt ferner mit, daß im Zusammenhang mit der Ratifizierung des deutschen Konkordats der Staatssekretär Kardinal Pacelli der deutschen Regierung eine Protestnote übergeben hat, in der auch ein Protest gegen die Diskriminierung der g ctauften Juden enthalten war. (J. T. A.) Das altbewährte, beliebte österreichische Mineralwasser „Preblauer Sauerbrunn" ist in allen Apotheken, Drogerien und Lebensmittelgeschäften erhältlich. E Jl'Taiorj'fraxre Lebensstellung in Haifa bietet sich tüchtigem Zahnarzt durch Uebernahme einer neu und modern eingerichteten /. a h n a r z 11 i c h e n V r axis (Unit, Kö. etc.) auf bestem Ponten, deren Besitzer sieh krankheitshalber zurückziehen möchte. Nötiges Kapital zirka .£* 60Q.— I Näheres in der Administration des Blattes fiiimiiinii.....i»'........11.......1..........in»""""""»""»"»""""1"