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Die neue Welt · 1935-01-11 · Heft 429 (11.1.1935) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 429 (11.1.1935)
Date
1935-01-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite S DIE NEUE WELT Nr. 429 det Sckwut det luvend (des Bundes üatUe) Von Perez S m o l e n s k i n Deutsch von Dr. J. L. Landau Lebhafter Beifall folgte diesen Ausführungen. Ein ,=re Studenten schüttelten verwundert den Kopf. Ungar h rc iue etwas gesenkte Stirn. Wieder umspielte seine Lipe-n ein irunisclies Läoiuln und er sprach, ohne sich von seinem Sitz /.u erheben: „Somit verdient auch der Graf euren Dank und wir teilen beide diese hohe Auszeichnung." ..>.'ur nicht m> spottisch", rief jetzt der erste Kedn^r u; 'obhafterem Tor. aus. „Das ist es ja, was ich soeben gesagt: daß mancher unbewußt Großes leistet. Und in der Tat verdient auch der Graf unseren warmen Dank, dii er den Gefühlen seiner Brüder, die öffentlich in diplomatischer Weise unterdrückt werden, solch beredten Ausdruck gab. In seiner Wut hat er nicht nur dich geschmäht, deine Ehre besudelt, sondern die deines ganzen Vclkc?. Als ob dein ganzes Volk dafür verantwortlich wäre, daß du nicht in seinem Sinne sprichst oder daß du dich erkühnst, einer Frau, die ihm gefällt, den Hof zu machen. Damit hat er offenkundig bewiesen, daß der Judenhaß, wie ein Naturgesetz, ungemildert fortdauert; daß wir zwecklos keine Anstrengung unterlassen, um uns bei den Nichtjuden beliebt zu machen — wie es dem Schaf nie gelingen wird, sich dem Wolf ungestraft zu nähern." ,,\Yenn der Wolf nicht zu ändern ist, lassen wir ihn und gehen unsere eigenen Wege", warf einer der Anwesenden dazwischen. „O nein", erwiderte der frühere Redner, „unsere Aufgabe ist es vielmehr, die Schafe anzuleiten, wie sie sich zu verteidigen haben, damit auch die Wölfe eines Besseren belehrt werden. Das lehrt uns heute die Tat üngars und darin beruht ihre Bedeutung." ,.So schaffen wir eine Schule für Schafsköpfe", rief ein anderer dazwischen. „Nicht doch, meine Freunde", nahm jetzt ein Zwanzigjähriger das Wort. „Wir sind doch hier nicht versammelt, tun uns gegenseitig zu ironisieren. Es ist Avohl nicht zu leugnen, daß ein neuer Geist über uns gekommen ist, ohne daß wir wissen, woher er kam. Wir empfinden es alle tief, daß es höchst« Zeit ist, für unser Volk etwas zu tun, daß jene vor uns recht hatten, ihrer eigenen Nation den Rücken zu kehren und sich über jeden hingeworfenen Bissen ausgelassen zu freuen. Jene wollten als andere gelten und häuften so Schmach über unser Volk. Sie vermehrten die Zahl feiger Verräter, die Zahl der Ueberläufer während des entfesselten Krieges. Wir fühlen, daß unser Herz sich gewandelt hat, daß ein neuer Geist uns belebt. Wir sind entschlossen, etwas zu tun, und sind zu diesem Zweck hier. Vergeuden wir also nicht unsere Zeit! Es rate jeder, was ihm gut scheint und Avas seine Pflicht ist. Jacobson meinte, wir seien Schafe unter Wölfen. Ist es etwa nicht so?" „Es ist nicht wahr", rief jener, der eine Schule für Schafsköpfe vorgeschlagen hatte, „wenn wir uns ihnen nähern, werden auch sie uns entgegenkommen." „Sprich doch nicht solch einen Unsinn!" „Was meinst du also?" „Dasselbe, was Jacobson vorgeschlagen hat, nämlich eine Schule zu gründen, in der die Schafe lernen, gegen die Wölfe zu kämpfen." „Aber, liebe Kollegen, das sind ja leere Worte", warf ein dreißigjähriger Mann ein, der die Studien längst absolviert hatte, als vorzüglicher Arzt galt und noch Immer an den akademischen Versammlungen teilnahm. „Man frißt uns nicht mehr, man fügt uns kein Leid mehr zu, und wenn auch der Akt der Verbrüderung noch nicht besiegelt ist, dürfen wir doch hoffen, daß die kommenden Tage sich immer besser gestalten werden. Ungar, deinethalben sind wir hie>r versammelt. Daher ist es zunächst deine Pflicht, uns deine Meinung zu sagen." Ungar erhob sich nun und sagte in ruhigem Ton: „Meine Meinung habe ich bereits ausgesprochen. Der heutige Zwischenfall hat in mir nicht die geringste Veränderung hervorgebracht. Meine Ansicht war seit Jahren, daß es unsere Pflicht sei, uns unseren Nachbarn zu nähern, da wir durch unsere frühere Zurückgezogenheit, durch die nicht zu rechtfertigende Unterscheidung in Tracht und Sitten ihren Ekel und ihr Mißtrauen erregt haben. Wir gebärden uns bei allen Gelegenheiten, bei Speis und Trunk, im Kleiden und Beten wie Wahnsinnige und entfremden uns mit jeder Bewegung alle Herzen. Und wir haben noch den Mut, Achtung und Liebe zu fordern! Die sie lieben können, lieben sie auch; die sie aber verachten, können sie unmöglich lieben. Unsere Aufgabe besteht somit darin, unseren eigenen Brüdern das Verständnis für die neben uns zu erschließen, daß sie diese lieben und achten lernen, ihre Sprache sprechen und nach ihren Sitten leben, und vor allem vergessen zu machen, daß je eien Unterschied zwischen Jude und Nichtjude bestand Dann erst werden wir uns ihnen assimilieren, ihnen gleich sein Rönnen, und dann nur wird all ihr Haß nach einer Generation verschwinden. So habe Ich stets gedacht und so denke ich noch inouraei:. Um diesen Gedanken zu verwirklichen, müssen wir mehrere Zeitungen in der Landessprache publizieren, auf daß unser Volk dies»- Sprache lerne und allmählich daran gewöhnt wird, sich als Teil des nichtjüdischen Volkes zu betrachten. Solauge aber sie sich einer anderen Sprache bedienen und in einer anderen Sprache beten, gibt es für sie keine Rettung." „Und solange", fügte der andere junge Akademiker hinzu, „sie in einem eigenen Bethaus und zu einem anderen Gott beten." „Glaubst du etwa", fragte Ungar, „daß man uns wegen unseres Glaubens haßt?" „Nein, nicht nur, sondern auch wegen unseres Glaubens. Man haßt uns, weil man uns haßt, weil sie es so von ihren Großvätern und Urgroßvätern geerbt haben. Weil sie noch immer glauben, daß wir ihren Gott gekreuzigt hätten. Sie hassen uns, weil wir, die Minorität, uns unterstehen, anders zu denken. Sie hassen uns, wie jede Partei oder Sekte die andere haßt und alles an ihr zu tadeln sucht. Was immer sie an uns wahrnehmen werden, es wird ihr Mißtrauen erregen. Und sollten sie nichts mehr finden, uns vorzuwerfen, wird ihnen unser Glaube Gegenstand der Anfeindung sein. Was sollte sie auch veranlassen, ihren Haß, mit dem sie geboren und zu dem sie erzogen wurden, fahrenzulassen, um sich uns freundlich zu stellen? Glaubt ihr wirklich, daß es ihnen große Freude machen würde, uns Schweinefleisch essen und nach letzter Mode gekleidet zu sehen?" „Was glaubst du also, ist zu tun? Etwa in die alten Ghettoschulen oder in die Schnapsbutiken zurückzukehren?" „Ich bin ja kein Vertreter des gesamten Judentums, der sich anmaßt, dem ganzen Volke seinen Rat aufzudrängen. Meine Aufgabe ist hier, einfach als Mitglied einer jüdisch-akademischen Verbindung zu sprechen. Und so erkläre ich ebenfalls, daß die Herausgabe periodischer Schriften in der Landessprache vorzüglich wäre, aber nicht als Organ der Assimilation, sondern der Abwehr, der Selbstverteidigung, um die Schuldigen offen zu tadeln, die Angegriffenen vor Unbill zu schützen." „Auch dieses Mittel", rief Jacobson, „ist wie der Aderlaß nach eingetretenem Tode." „Was meinst du also?" fragte der Arzt. „Meine Ansicht ist: Wir bringen zunächst dem Volk die Ueberzeugung bei, daß ihm die Vergangenheit in Selbsttäuschungen und falschen Erwartungen und nutzlosen Anstrengungen dahingeflossen ist, und daß es dann nur sein Heil von der Zukunft erwarten kann, wenn die nach allen Richtungen hin verirrten und zersprengten Teile des Volkes sich wieder ganz aneinanderschließen und jeden persönlichen Streit beiseite legen. Ansonsten bricht das Unheil, das jetzt noch im Dunkel schleicht, rasch hervor, und wir liegen hilflos darnieder. Unsere Wohnstätten haben wir mutwilligmit eigener Hand zerstört und draußen ist bald kein Raum für uns." „Du sprichst ja heute ganz im Geiste jenes hebräischen Schriftstellers", unterbrach einer. „Allein der Feind steht noch nicht vor unseren Toren und Jeremiaden sind hier nicht am Platz." „Aber nachdem die Tore gesprengt sind, hilft ja keine Jeremiade mehr! Hört mich einmal, Kollegen! Es ist eure Pflicht, meine Worte nicht ganz zu mißachten. Der hebräische Schriftsteller hatte recht, wenn er Unheil verkündete. Es ist unsere Pflicht, seinem Wort zu lauschen und seinen Rat zu erbitten. Denn mehr noch als er seinen Schriften anvertraut, kündet sein Mund, und wer immer von euch Gelegenheit haben wird, ihn zu hören, wird überwältigt ausrufen: In der Tat, eine Wahrheit habe ich verkünden gehört." „Und diese hat er dir von seinem etwa dreihundert Meilen entfernten Wohnsitz mitgeteilt?" rief einer in spöttischem Ton. (Fortsetzung folgt.) Eine zweite PalästinasLinie des //Lloyd Triestino" Wer die Geschichte des Zionismus verfolgt, findet den Namen des „Lloyd Triestino" immer wieder auf den Blättern der Geschichte. Er war die Schiffahrtsgesellschaft, welche der Bewegung die geeigneten Wege nach Erez Israel wies, und ebenso bedeutete jeder Aufstieg der Bewegung auch eine neue Phase für die Schiffahrtsgesellschaft. So kann man es als gutes Omen begrüßen, daß der „Lloyd Triestino" von nun an außer der bekannten wöchentlichen Linie Triest—Palästina noch eine zweite Linie mit gleichem Ausgangs- und Endpunkt, nur mit leicht veränderten Zwischenhäfen, errichtet hat, auf welcher ein ganz neu eingerichtetes Schiff, die „Palestina", verkehren wird. Die „Palestina" gleicht in Größe und Errichtung der „Gerusalemme" und „Pilsna", welche den wöchentlichen Dienst versehen und beim jüdischen Publikum uneingeschränkte Anerkennung erfahren haben. Fast alle Kabinen sind Außenkabinen zu zwei und vier Betten, die Aufenthaltsräume und Decks genügen allen Ansprüchen und die ausgezeichnete Verpflegung ist allbekannt; auch die „Palestina" wird natürlich koschere Küche führen und einen eigenen Speisesaal hiefür haben. Die Ueberfahrtszeit nach Palästina beträgt viereinhalb Tage. JfataütmU ßi((e( Bestrenommierte Küche ^3 REICHHALTIGE MENÜS ä S 1.90 UNO 2.60 S C H \V f-: (.HAIEN BRAU II,Hammcr Purgstall-Gassc 3(nidislSalzforbiG(ke)«TeU-41-C-/! 1111»11111111 f 1111111111111 a 111111111111; 111 ü 1:111111111111111111111111111 r pMtäsÜM tatkt! Die besten palästinensischen Witze 30 Groschen Anfragen an die Verwaltung der „Neuen Welt" llllllllllllllllllMlllllllllllllillllUllllllllllilllfllllllllltlllllllllll Empfehlenswerte Firmen Restaurants, Cafes etc. Hotol-Kestanrnnt „Stephanie", II., Taborstraße 12. Vorzügliche Wiener Küche. Speisen am Rost. Menü üb S 1.60. Taslich frische Fische. Restaurant BilU't, vorzügliche streng orthodoxe Küche. 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Wochen-Kalender Jänner 1935 DZJtP ___jvsm Schewat 5695 Freitag 11 7 Sabüatetngang 4 30 Samstag 12 8 Sabbatau8gang 5.30 Sonntag 13 9 Montag 14 10 Dienstag 15 11 Mittwoch 16 12 Donnerstag 17 13 ßigentüraer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker. 2&, WxssaimüaiuiQ* M Druck: Druckerei- und Verlags-A.-G, Igriaz Steinmann, beide Wien,

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