Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 429 (11.1.1935)
- Date
- 1935-01-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seitt 2 DDE NETTE WELT Nr. 420 Q&ä^ Cffipe-Monsol-DiOTdl m. bunter Streifbordüre u. K^Selden-Schürze............... S -'egante Ball-Dirndl, K.-s.-Mongoi,rtandsestickt, oder apart gemustert, mit Organdl-EMusen-Ärmein und K.-Seiden-Schürze...........S K.-Seiden-Flamisol-Tanzklelder mit apartem _ Blumenau'putz, in Pasteüfarben.......S lieg. Tfotleurkleider, aus k. - s. - Ribouidingue, neueste Fassons..............S Kleine Abendkleider aus k.-s.- Marocalmatin, eleg. Linienfasson S Hochaparfce Satinkleider, orig. Fasson (auf 3 Arten zu tragen).S Vornehme Modellmäntel, aus vorzügl. Modestoffen, mit reicher Peizverbrämung (echt Skunks oder Wfiitecoat), gan2 K.-Crepe de Chine . ....... S K.-Seiden-Flamisol-5luse, reich mit Handajour verziert... S Elegante Tanzschuhe, Boxcaif- Blnde-Pumps, riarke„Unlon" S 19«° 29- 25" 29- 34- 49- 79- 12'° 50 , _ »Sfip^V^iS: «maiÄ"8 noch einen Käufer gibt,, der einem Juden selbst zu einem sehr billigen Preis ein Haus abkauft, das er später gratis zu erhalten meint. Die Vermögenslosen aber besitzen nicht die Mittel zum Auswandern. Man wird ihnen in den westlichen Ländern, die bereits mit Emigranten überfüllt, sind, nicht einmal die Aufenthalts-, geschweige denn die Arbeitsgenehmigung er* teilen. Und wenn sie im Saargebiet bleiben? Das Elend, dar. sio hier unter Hitlers Herrschaft treffen würde, kann keine Feder beschreiben. Es wäre schlimm e r, a 1 s d a s Elend» das die deutschen Juden.seit zwei Jahren erdulden. Bann der Zündstoff, der im Abstimmungskampf angehLluft ist, drangt zu einer E x plosio n. An wem wird er sieh, wenn die Besatzungstruppen abgezogen sind, entladen? Zu allererst an den Juden. Für öle Dauer eines . Jahres: hat Deutschland auf Grund von Vereinbarungen von Rom und Genf'den Minderheiten,'.der Rasse und Religion. Schutz zugesagt .Für ] 2'M'önate! Und da n n? Dann' kann das Dritte. Reich seine Willkür an ihnen üben. '-■. »•.•' Für diesen dritten und ungünstigsten Fall' gäbe es nur eine Hilfe: Da s Gewissen de r W e 11 muß aufg e r ü tt el t w erden. Die zivilisierten Nationen der Welt müssen erkennen, daß die Minderheiten an der Saar uicht einem Regime ausgeliefert werden dürfen, das keine Gerechtigkeit, köine MenscÄlichkfcit und kein Erbarmen kennt. Es darf nicht geschehen, daß eine Bevölkerung, für die der Völkerbund 15 Jahre lang die Verantwortung getragen hat, schutzlos einem System, der Rechtlosigkeit und der Unterdrückung unterworfen wird. Die ganze Welt muß dem Völkerbund, -wenn er die Absicht haben sollte, sich seiner Pflichten des Schutzes der Minderheiten zu entziehen, ihr „Nein" zurufen. Denn es handelt sich nicht nur um 6000 Jaden, sondern auch um die übrigen Minderheiten der Religion und der Gesinnung: um Katholiken, sozialistische Arbeiter und freiheitsliebende D e m okrato n. Mindestens 2 0 0.0 0 0 Menschen sind b ed r o h t. Wird die Welt diese Menschen, ohne Schutz lassen? Wird der Völkerbund seine feierlich beschworenen Grundsätze opfern und. die deutsche Judengesetzgebung dadurch legalisieren, daß er Deutschland das Recht gibt, nach Ablauf eines Jahres diese Gesetze an den Saarjudem zu praktizieren? Das darf nicht geschehen! Auch das j ü d i s c h e P alä s t i n a muß mit der übrigen. Menschheit in den Ruf des Protestes einstimmen. Der Völkerbund wird diese Stimme nicht überhören können! warm gefüttert, grau und beige, unkurant _ alle Größen E.90 jmmm JLlIA mSIMii lM Revisionistische Wellkonfcrens in Krakau jAbotlnsky Uber den Betar In Krakau begann am 6. Jänner ala Auftakt zur revisionistischen Weltkonferenz die II. Weitberatung des Betar tBrlth Trumpeldor), die von Hunderten Delegierten aus Verschiedenen Ländern Europas und anderer \Velttriic beschickt war. Am ersten Tag gab der Rosch Betar (Oberhaupt des Brith Trumpeldor) Vladimir Jabotinsky eine Darstellung der prinzipiellen Grundlagen des Betarlsmus, indem er u. a. hervorhob, der Betar sei gegen den Klassen* kämpf, für Hcbräisierung und Sozialisierung der Jüdischen Jugend und für ihre Befreiung aus der bisherigen Passivität, 3eine weiteren Ziele sehe er in fachlicher Ausbildung und in der Schaffung eines jüdischen Bauerntums, wobei die gesamte Erziehungsarbeit an., die jüdische Tradition anknüpfen müsse. Alle Kräfte dor. jüdischen Jugend müssen für den Aufbau Palästinas mobilisiert werden. In der zweiten Sitzung berichtete der Generalsekretär Dr. L u b o t z k y über die Arbeit der Bewegung und der Kapitän Halpern Über den Selbstschutz. Man erfuhr, daß in den letzten zwei Jahren zahlreiche Bet'ar- Abteilungen in den verschiedenen Ländern errichtet wurden. ... Der linkssozialistische und antinationale „Bund" in Krakau gab aus Anlaß der Konferenz Flugzettel mit der Losung „Kampf gegen den jüdischen Faschismus" heraus, welche von den Behörden beschlagnahmt wurden. -Beginn der Konferenz Die Weltkonferenz begann mit einer großen Bede Vladimir Jabotinskys Über „Die Lage des Weltjudentums und des Zionismus". Es folgte ein Bericht .Über die. Tätigkeit des Exekutivkomitees der Union, von Dr. J. Höf fraann. In dem Bericht wird zunächst das Plebiszit; behandelt, durch das die Leitung der Union bis zur VI. Weltkonferenz dem Präsidenten Vladimir Jabotinsky übertragen, wurde. Es folgen eine Wiedergabe der Beschlüsse der Parteikonferenz, die unmittelbar vor'dem 18. Zioni-: stenkongreß stattfand, Angaben über Zusammensetzung der Leitung und des Büros sowie eine programmatische Erklärung der Exekutive, hierauf ein Bericht über Organisation und Propaganda, die . Berichte des politischen Ressorts, des Petitionsressorts, wobei eingehend die Weltpetition zugunsten des Judenstaates in Palästina und die Petition :unter den jüdischen Gemeinden zugunsten der Sicherung von .Minderheitenrechten, für die. Saarjuden besonders eingehend behandelt werden, des Presseressorts und eine Reihe anderer Berichte der Zentrale. Ein besonderes'Referat über die Palästina-Petition hielt/ Dr. J. S tr h recht maiin'.' ••.<-'■■■- -• KREUZ-KINO Wollzeile 17 . Tel. R-24-2-16 Der brennende Strom vw^wü mit Randolph Scott und Monte Blue. 3te, Va«, V«10 Demonstration vor der englischen Gesandtschaft' Aus W a r s.eh a u:. Revisionistische Jugend demonstrierte vor der englischen Gesandtschaft in Warschau gegen > die Aberkennung der palästinensischen Staats-' bürgefschaft Achi-Meirs. und Dr. Yevins. Dabei wurden im Hause der Gesandtschaft einige F en s t e rsehe, iben eingeschlagen. Die Polizei verhaftete. drei" junge Leute* •-------■■ ,,--•' Eine Abordnung von Revisionisten ersuchte den Präsidenten der Warschauer jüdischen Gemeinde, M azurj alle jüdischen Gemeinden Polens zur Unterzeichnung eines Protests gegen die Aberkennung der Palästina-StaatBbürgerschaft Achi-Meirs und Dr. Yevins durchzuführen. Mazur versprach, die Angelegenheit auf einer Sitzung des Küitürrates. zur .Sprache zu bringen. .., ''. Dr. Achi-Meir und Dr. Yevin, die Führer des radikalen Flügels der Revisionisten in Palästina, wurden1 wegen „Aufruhrs" (in Wirklichkeit handelte es sich um Protestdemonstrationen ohne schwere Folgen) zu verhältnismäßig hohen Gefängnisstrafen verurteilt, die sie jetzt abbüßen. Nun wurde ihnen jetzt im Gefängnis eine Verfügung der Palästina-Regierung zugestellt, nach welcher ihnen die palästinensische Staatsbürgerschaft entzögen wird. Ein Vorgehen, daß wohl in allen anderen Staaten ohne Beispiel dasteht und gewiß geeignet ist, Entrüstung und Protest hervorzurufen. Sechs Jahre Zuchthaus Der Volksgerichtshof in Berlin verurteilte den 31jährigen Juden Kurt Liebermann aus' Dresden wegen angeblicher Greuelpropaganda zu sechs Jahren Zuchthaus und sechs Jahren Ehrverlust. Liebermann, der eine Stellung in der Leitung der Sozialistischen Arbeiterpartei (SAP.) in Deutschland ber kleidet hatte, ging nach der Machtübernahme durch'Hitler nach Prag und. begab sich, von dort über Oesterreich,. Frankreich, Belgien nach Holland zur Teilnahme a,n einem internationalen Jugendkongreß. Er wurde aber von. der holländischen Polizei mit anderen Teilnehmern, aus Deutschland verhaftet und durch den Bürgermeister des holländischen Grenzortes der. deutschen Polizei, übergeben. Die holländische Regierung hat später in einer. Erklärung die zu Unrecht erfolgte Auslieferung Kurt Liebermanns bedauert. Das neue aktuelle Werk von Dr. B. Miirmelstein: Einlief ragen an Prof. Dr. Srill ®Mmi ifl Stfiulfa M Mit Vorrede von Oberrabbiner Dr. D. Feuchtwang f 1.20 Buchhandlung Josef Belf, Wien I, Rabensteig 3 Kuriositäten Htfmiefunden In Wien hat nach dor sogenannten Februarrevolte des Jahres 1934 der Führer des Republikanischen Schutzbundes, Julius Deutsch, nicht viel Sympathien zurückgelassen. Man war nicht sehr freundlich. Der Leumund fiel nicht zu seinen Gunsten aüe. Die proletarischen Massen, die tief enttäuscht waren über den Ausgang ihres Kampfes gegen die staatliche Exekutive, bewahren dem. Schutzbundführer, nachdem er Wien Verlässen hatte, kein gutes Andenken. Sic fühlen sich verraten, verraten vom — Juden Deutsch. Das hat Herr Deutsch, der längst aus dem Juden« tum ausgetreten ist und jeden Kontakt mit jüdischen Dingen während seiner österreichischen Zeit ängstlicn vermied, wohl schwerlich erwartet. Was hatte seine republikanische Tätigkeit mit dem Judentum zu tün?, Wie konnte man nur Herrn Deutsch verdächtigen, daß seine jüdische Abstammung auch nur das Geringste mit seiner Haltung zu schiaffen habe? Jetzt sieht die Sache anders aus. Die Proletarier der Welt nehmen nicht viel Anteil am Schicksal des gewesenen sozialdemokratischen Führers. Einzig und allein die jüdischen Arbeiter Amerikas (die Mitglieder der H. Internationale sind) haben ein Herz für ihn. Sie, und nur sie, haben ihn in Amerika freundlicü aufgenommen, zeigen sein Gesicht in ihren jiddischen Zeitungen, sie führen ihn in Massenversammlungen vor, sie feiern ihn als Helden. Der jüdische Märtyrer Julius Deutsch aus Wien ist Tagesgespräch in den Kreisen der jüdischen Arbeiterschaft Amerikas. Das hätte sich Herr Julius Deutsch, als er an der Macht war, als er im Bereiche der. Internationale führte, nicht träumen lassen. Alle haben ihn verraten, seine nichtjüdischen Genossen in Oesterreich scheren sich den Teufel um ihn. Aber die Juden, die Jüdischen Genossen Amerikas, haben ihn als einen der Ihrigen aufgenommen, ihn, der nie der Ihrige sein wollte.. Er kann sich jetzt wie zu Hause fühlen. Der Nidifan'er Chaplin Die Welt wollte mehr als einmal wissen, wie es um die''Abstämniung; ihres Lieblings Charly Chaplin 'bestellt Sei! Die' Welt ist nun.'einmal neugierig. Chaplin wich den Fragen nach seiner Herkunft mehr oder weniger geschickt aus, indem er. erzählte, daß. seine Mutter dem Armenviertel Londons entstamme, nicht etwa dem Judenviertel Whitechapel. Seine, Verlegenheit war gar nicht groß.- Denn die neugierige Welt, vergaß, daß Israel Z a n g w i 11, der berühmte englisch* jüdisohe.Schriftsteller, den noch unberühmten Chaplin entdeckt und gefördert hatte — den jüdischen Komiker und Zirkusclown Chaplin und den Chaplin der ersten Chaplin- Filme. Der Jude Zangwill hatte sich - des -Whitechäpler Ghettojungen Charly angenommen. Ob. Charly, seinem. Protektor dankbar war, wissen wir nicht. Wir wissen nur, daß derselbe Charly, als er berühmt war, bestritt, mit dem Judentum etwas zu tun zu haben. Jahre vorgingen. Der Weltruhm deckte Chaplins Abstammung zu. Gelegentlich, verschiedener Interviews gab er zu verstehen, daß int seinem Blut allerhand Rassen gemischt seien . . . „Sei habe'ich", orakelte er im Jahre 1932, „beispielsweise auch irländisches Blut und sogar einen ausgesprochenen; Zigeunereinschla g." Welch reizendes Märchen tischte der Mann auf, dessen Schnabelschuhe und Stöckchen und ..Melononhütchen unverkennbar, aus dem jüdischen Ghetto stam« men ... Der Weltruhm deckte, wie gesagt, Chaplins Ab* Stammung luftdicht zu. „The Kid", „Goldrausch." „Zirkus"j „Größstadtlichter" brachten einen Künstler, der so. stark wirkte und so einzigartig im Bann hielt, daß die Welt gar nicht daran dachte, zu fragen, woher er kam der Fahrt* Aber so weltverloren und fijmversponnen unser The P.O.B. 119, Telephone 963— 964 Cable address „ASH KAI BANK" TEL-AVIV TEL-AVI V Ausführung sämtlicher Banktransaktionen Hadar Hakarmel P. O. B! 950, Telephone 344 Cable address „ASHRAIBANK" HAIFA HAIFA