Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 421 (11.12.1934)
- Date
- 1934-12-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WELT xbum Aus einem Tollhaiis Rabbiner Paulus Der Schriftsteller Artur D i n t c r, bekannt als Verfasser des Romans „Die Sünde wider das B1 u t", der die rassenpolitischen Grundsätze des Nationalsozialismus bereits vor der Machtergreifung Hitlers propagierte, hielt im Berliner Lehrervereinshaus einen Vortrag über die Volksfremdheit der Kirch e". Nach Dinter ist diese Erscheinung darauf zurückzuführen, daß es keine wahrhaft christliche Kirche gebe, sondern nur eine römisch-jüdische und eine evangelisch-jüdische Kirche. Das wahre Christentum sei bereits durch den Rabbiner Paulus verfälscht worden, der die Begriffe Sünde und Gnade einführte, Schlr^- worte, die aus der jüdischen Bibel stammen, die aber Christus selbst niemals gebraucht habe. Auch das Abendmahl als Sakrament sei eine jüdische K rfindung. Christus habe niemals von Sakramenten gesprochen. Es sei auch Paulus gewesen, der sich einen Himmel über den Wolken erdacht habe, wo einem die gebratenen Tauben ins Maul fliegen und wo alle3 Halleluja und Hosianna singt. Es sei echt jüdisch, diese Faulenzerei als Seligkeit zu bezeichnen. In seinen weiteren Ausführungen hob Dinter zum Beweis des Ariertums Christi hervor, daß Christus die Liebe zu den Nächsten verlangt habe. Dieses Verhalten sei durchaus arisch. Christus, der als Erster den Grundsatz: „Gemeinnutz geht vor Eigennutz" gepredigt hat, sei auch der erste Nationalsozialist ge wesen. Der Nationalsozialismus könne Christus mit um so. größerer Berechtigung für sich beanspruchen, als Christus der größte Antisemit aller Zeiten gewesen sei. Vom „Kleinen Meyer" In der Neuauflage des weitverbreiteten Konversationslexikons „Kleiner Meyer" findet sich auch eine Neubearbeitung des Artikels „Juden". Da heißt es:. „Bei den. Aschkenasim kommen Fettleibigke'it, ' Plattfüße, Zuckerkrankheit, Kothaarigkeit häufiger vor als bei europäischen Völkern. Durch die Religion wurde das Rassengemisch zu einer Inzucht g e me in s c h af t. verschweißt... Die nationalsozialistische Regierung von 1933 vernichtete im Deutschen Reich den öffentlichen Einfluß der Juden, der, in sein?m Umfang unverhältnismäßig groß, wegen der " internationalen Verflechtung des Judentums national verhängnisvoll war, und wegen der Wurzellosigkeit -weiter Kreise der jüdischen Intelligenz auf die nationale deutsche Kultur zersetzend wirkte. Diese gesetzlichen deutschen Maßnahmen, wohl die loyalste Art der Lösung des Judenproblems, führten zu jüdischen ■Massenauswanderungen, Boykottmaßnahmen und Hetzpropaganda des Weltjudentums, aber auch zum Auftreten, antisemitischer Bewegungen in fast allen Staaten, da das Für und Wider des deutschen Vorgehens'erörtert wurde . . ." .; Deutscher „Volksschulunterricht" . Die „Fränkische Tageszeitung", Nürnberg, veröffentlicht den Bericht eines Lehrers, der in Nürnberg in der \. KJasse einer Schule bei den Schulanfängern unterrichtet. Mit Bezug auf die Behandlung der Juden frage im Unterricht wird berichtet, daß ein Kind von sechs Janren folgendes sagt: „Die Juden sind Lump en!" ' „Wieso?" „Weil sie einen immer be ... be ... bescheißen!" „Ja, neulich hat meine Mutter beim Juden einen Stoff gekauft, das war lauter Glump und ist gleich hingewesen." „Und ich war einmal beim Judendoktor und Jetzt tut mir mein Zahn wieder weh!" „Herr Lehrer, meine Tante M., die kauft noch beim Juden!" Jetzt packen die Kinder aus! Ich könnte eine kleine Liste von Kaufhauskunden anfertigen." . Der Bericht des Lehrers schließt mit den Worten: „Die heranwachsende Jugend wird dereinst die Judenfrage viel, viel besser verstehen als eine gewisse Schicht von „gebildeten" und ebenso „eingebildeten" Nörglern!" Und Judenkinder sitzen dabei und müssen zuhören'. . . Sie sollen keine Kinder zeugen! ■ Das Hauptorgan reichsdeutscher Anwälte „D e u tsch es Rech t" berichtet über die Urteile des Reichsgerichtes vom 12. Juli 1934 zum Problem der nachträglichen Anfechtung von Rassenmischehe'n und hält es'für nötig, den Ehegatten einer vor dem 31. Jänner 1933 geschlossenen Mischehe die Möglichkeit zur Auflösungihrer Ehe zu geben. Es schreibt abschließend: „. ^. dem in einer Rassenmischehe lebenden arischen Ehegatten bleibt heute — wenn er nunmehr rassisch verantwortungsbewußt handeln will — kaum etwas anderes übrig, als kinderlos zu bleiben. Tut er das nicht, dann hilft er, an der rassischen Zerstörung seines Volkes mitzuarbeiten. Denn nur er selbst, nicht seine Kinder, sind rassereine Volksgenossen. Seine Kinder werden artfremde Mischlinge minderen Rechtes. Auch dem anderen Ehegatten kann eine solche Aussicht THEODOR.HERZL-SAAL ScköwzSaal WIEN l WERDERTORGASSE für Veranstaltungen, Vorträge, Festlichkeiten, Hochzeiten etc. zu vermieten. Auskünfte nur lelepiioimth v. 9 bis 3 Uhr, Tel. A-48-1-89 u. B-20-2-/8 für die gemeinsame Nachkommenschaft nicht gleichgültig sein. Der Rassengegensatz der Eheleute kann infolgedessen einen solchen Grad erreichen, daß die eheliche Gemeinschaft zwischen den Ehegatten (insbesondere die Geschlechtsgemeinschaft) im Hinblick auf die Unmöglichkeit rassereiner Fortpflanzung aufgehoben sein wird und keine Aussicht auf Wiederherstellung dieser Gemeinschaft besteht." üüg§ alle? Weif Gegen die antisemitische Hetze in Belgien Aus Brüssel: Die von einem Teil der belgischen Presse in letzter Zeit gegen den jüdischen Finanzminister Gutt getriebene Hetzkampagne hat die Behörden zu energischen Gegenmaßnahmen veranlaßt. In der Druckerei der nationalsozialistischen Zeitung ,,R enovation" wurde von der Staatspolizei eine Revision vorgenommen und hierbei die Gesamtauflage während des Druckes beschlagnahmt. Gleichzeitig wurden die übrigen Blätter unter Androhung scharfer Maß nahmen aufgefordert, Angriffe gegen den Minister wegen seiner Zugehörigkeit zum Judentum zu unterlassen. Eine Schule führt den Namen eines jüdischen Kriegshelden Aus Triest: In Anwesenheit der Mitglieder der Triester Stadtverwaltung wurde in Triest eine öffentliche Volksschule eingeweiht, die den Namen des in jugendlichem Alter gefallenen italienisch-jüdischen Kriegshelden Aldo Padoa tragen wird. Padoa spielte in der Irredentabewegung, die den Anschluß Triests an Italien erstrebte, eine hervorragende Rolle und hat sich gleich nach Kriegsausbruch als Freiwilliger zur Front gemeldet. Auch ein Saal im Gebäude der Triester Jüdischen Gemeinde wurde zur Erinnerung an die Waffentaten Aldo Padoas nach ihm benannt. Eine Petarde gegen eine Synagoge in Zürich In der Nacht von Dienstag, den 4. auf Mittwoch, den 5. Dezember, kurz vor Mitternacht, wurde gegen die orthodoxe Synagoge eine Petarde geworfen, die bei der Explosion drei Fenster vollständig zertrümmerte und auch sonst Sachschaden anrichtete. Kurz vorher hatte der Pförtner einen Rundgang um die Synagoge gemacht und nichts Verdachtiges wahrgenommen. Diese Rundgänge erwiesen sich als notwendig, als Beschädigungen an der Synagoge, Einwerfen von Fenstern, Ankleben von antisemitischen Zetteln usw. stark zugenommen haben. Als kurz darauf die Explosion erfolgte, eilten der Pförtner und sein Sohn auf die Straße und verfolgten zwei verdächtige junge Burschen. Es wird bekannt, daß der Anschlag auf die Synagoge auf eine Frontenversammlung, die kurz vorher stattfand, folgte. (J. T. A.) Makkabäerfeier des Bundes jüdischer Frontsoldaten Im Großen Musikvereinssaale, der bis aufs letzte Plätzchen gefüllt war, fand Samstag, den 8. d., die Makkabäerfeier des B. J. F. statt. Eröffnet wurde der Abend durch die Uraufführung der Hymne des B. J. F. (Worte von Alfred Winzer, vertont durch Kurt Pahlen), die ein schönes und kraftvolles Bekenntnis zu Oesterreich und zum Judentum ist. Dipl.-Kfm. Ernst S t i a ß n y begrüßte die erschienenen Ehrengäste. Die Festrede hielt Bundesführer Siegmund von Friedmann, der in markigen Worten die Juden zur Einigkeit auf rief.. Das anschließende künstlerische Programm wies eine Reihe erstklassiger Darbietungen auf. Jakob Feldhammer sprach mit Pathos und Wucht ein formvollendetes Gedicht von Alfred Winzer, „Chanuka", und las dann mit feiner Einfühlung H e r z 1 s Novelle „Menorah". Das Bundesorchester spielte Tschaikowskys Fünfte Symphonie, Fredy Wang, der jugendliche Violinvirtuose brachte mit brillanter Technik einige Musikstücke und der bekannte Tenor Albert Fell er erntete , mit. einem Lied aus Goldmarks „Königin von Saba" stürmischen Beifall. Es war ein ungemein schöner und würdiger Abend, an dem eine Reihe jüdischer Künstler Gelegenheit fand, ihr überragendes Können zu zeigen und der ein Bild inniger jüdischer Verbundenheit gab. e. kr. Jüdischer Sport Zwei 1 :S-Nlederlageii der Hakoah im Hütteldorfer Rundspiel erlitt die Hakoah gegen Rapid und gegen Wacker Niederlagen. Hakoah erwies sich beiden Gegnern gegenüber als völlig ebenbürtig, im Kampfe gegen den Herbstmeister Rapid konnte Hakoah sogar eine leichte Ueberlegenheit geltend machen. Aber, wie in der ganzen Herbstsaison, erwiesen sich die Stürmer auch diesihal als völlig unzulänglich. Verteidigung und Halves waren an beiden Tagen sehr gut. Neben Donnenfeld, der Verteidiger spielte, stach der neuengagierte Tormann K o h n hervor, der sich als überaus sicher und mutig erwies. Das Tor gegen Wacker schoß Ehrlich II, dasjenige gegen Rapid Reich. Als einzig vollwertiger Stürmer zeigte sich an beiden Tagen nur der Rechtsaußen Ehrlich I. 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