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Die neue Welt · 1934-12-11 · Heft 421 (11.12.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 421 (11.12.1934)
Date
1934-12-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen lahrgang 8 Dienstag/ den 11« Dezember 1934 Nr. 421 V' V*» Zeitung vöW Verleger ykAjmfrhi „Journal expedie par redjteur" REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S 4.—, ganzjähi,_ monatlich Zloty .1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugosii». .ch Dinar 14.—.. viertel* jährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland moiia. Xark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—T Italien monatlich Lire 5.—. (Vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. . . _ MH B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. ' Redaktion u,Verwaltung: IX, Universitätsstr*8, Tel, A-20-2~78 — Erscheint Dienstag u, Freitag Die Tragik der „illegalen" Palastinawanderer Der britische Kolonienminister droht Aus London wird gemeldet: In der letzten Sitzung des Unterhauses richtete der Abgeordnete Coloncl Josiah Wedgwood an den Minister für die Kolonien Sir Philip Cunliffe-Lister die Frage, wie viele Juden im Jahre 1934 bis zu dem Zeitpunkt, für den die letzten Zahlen vorliegen, aus Palästina deportiert wurden. Der Kolonienminister antwortete, daß vom 1. Jänner bis zum 25. November d. J. aus Palästina 627: Juden deportiert wurden, einschließlich 243 Personen, denen der Grenzübergang verwehrt wurde. Wedgwood: „Ist es dem Minister möglich, von der Palästina-Regierung eine schätzungsweise Angabe der' Kosten zu erhalten, die dadurch verursacht werden, daß ftlenschcn an der Einwanderung gehindert und wegen solcher Versuche gefangengesetzt werden?" Der Kolonie n m 1 n i s t e r antwortete, dies sei nicht möglich. Es sei unbedingt notwendig, daß diejenigen, deren Zulassung nach Palästina vom High Commissioner als wirtschaftlich gerechtfertigt angesehen wird, auf dem gesetzlich hiefür vorgesehenen Weg einwandern. . Auf woitere Fragen von Wedgwood und Captain Pefcer MacDonald erklärte Sir Philip Cunliffe-Lister, von der Deponierung und der Verhinderung am Grenzübertritt seien keineswegs nur Juden betroffen: Die Frage nach der Zahl der deportierten Araber werde er zu beantworten versuchen, falls eine entsprechende formelle Interpellation!) eingebracht werden würde. Unter dem gesetzlich anerkannten Weg der Einwanderung sei jene erlaubte Einwanderung zu verstehen, für die die Zertifikate von der Jewish Agency auf Grund der vom High Commissioner ausgegebenen Labour- Schedule an autorisierte Einwanderer vorteilt werden. Der Kolonienminister betonte, es sei außerordentlich wichtig, daß die Zahl rechtmäßiger Einwanderer nicht reduziert werde, was indessen geschehen müsse, wenn die unerlaubte Einwanderung weiter andauern sollte, (J. T. A.) * Wauchope bleibt weiter High Commissioner Die arabische Zeitung „AI Islamia" meldete aus angeblich beglaubigter Quelle, daß der frühere High Commissioner für Aegypten Lord Lloyd den derzeitigen palästinensischen High Commissioner General Sir Arthur Wauchope nach Ablauf von dessen Amtsperiode ablösen wird. Demgegenüber erfährt die J.. T. A., daß das Colonial Office in London' beschlossen hat, Sir Arthur Wauchope für eine zweite zwei jährige Amtsperiode zu bestätigen. Wauchope wird also Palästina nicht vor Ende 1936 verlassen. ©§eiafoergs fcurze§ Gedädifnfe und ei§erne Sfirn Der von der Judengemeinde Bern gegen die Verbreiter des Buches „Protokolle der Weisen von Z i o n" vor den Schweizer Gerichten angestrengte Prozeß geht den antisemitischen Führern an die Nerven. Ob der Prozeß an der antisemitischen Einstellung etwas ändern wird, ist mehr als fraglich. In hunderten Prozessen sind bereits antisemitische Lügen als solche entlarvt worden, ohne daß die Judenfeinde an ihrer Haltung etwas geändert hätten. In Hunderten von Prozessen haben die Macher und Verbreiter von antisemitischen Schandwerken vor der nicht zu vermeidenden Verurteilung den Rückzug angetreten und ihren Irrtum vor Gericht einbekannt, ohne daß diese Schandwerke ganz verschwunden wären. Auch im jetzt laufenden Berner Prozeß dürfte sich die Sache ähnlich abspielen, denn das Falsifikat der „Protokolle" hat er schon vor dem Abschluß gänzlich enthüllt. Wenn dieser Prozeß die große antisemitische Welt besonders irritiert, so ist das darin gelegen, daß er die Aufmerksamkeit der Weltpresse in ganz außerordentlicher Weise auf sich gezogen hat. Und das ist auch der Grund, warum Hitler-Deutschland zum Berner Prozeß Stellung nimmt und seine allergrößte Kanone auffahren läßt... Alfred Rosenberg selbst, der Kultur-Diktator des Dritten Reiches, führt die Diskussion. An den Anfang seines Feldzuges gegen den Berner Prozeß. stellt Rosenberg die Behauptung, daß sich der Nationalsozialismus in der Judenfrage „eigentlich n i e" auf die „Protokolle" gestützt hätte. Wie ehrlich diese Erklärung ist, geht aus einer vor kurzem erlasssenen Verfügung des nationalsozialistischen Kulturamtes hervor. In dieser werden die Werke des bekannten Verfechters der Lügen vom Ritualmord und von der jüdischen „Weltherrschaft" als Grundlage für den Rassenunterricht in den Schulen vorgeschrieben. Nun gibt es in den Werken von Fritsch kaum ein Kapitel, in welchem sich der Verfasser nicht auf die „Protokolle" als Quelle beruft. Aber der große Alfred findet es für gut, über diesen kleinen Umstand hinwegzugehen, als Mann mit dem kürzesten Gedächtnis. Dann führt er aus, daß es eigentlich nicht von Bedeutung sei, ob die Protokolle-echt oder falsch sind. Wesentlich sei nur, daß man die Juden für fähig hält, die in den „Protokollen'* aufgezählten Verbrechen zu begehen. Er hält sie für fähig und damit basta! Man muß schon sagen, der Mann hat nicht nur das kürzeste Gedächtnis, er hat auch die ' eisernste Stirne ... Nach diesem leichten Vorgefecht geht Rosenberg Huf, den eigentlichen Zweck los-: Er will durc-h Drohungen mit „Enthüllungen" und Ankündigung von Repressalien gegen die in seinem Dritten Reich noch lebenden Juden den Abbruch des Prozesses erpressen. Er sagt, daß die Auswahl der Zeugen und ihre Aussagen den Bestand einer vor keinem Mittel der Machtbehauptung zurückschreckenden jüdischen Weltherrschaft beweisen. Vor allem nimmt er den langjährigen Präsidenten der zionistischen Weltorganisation Professor W e i z m a n n aufs Korn und sagt mit Hinblick auf dessen Person: „Prinzipiell kommt hier das wahre Bewußtsein des jüdischen Zionistenchefs zutage, daß der jüdische Großkapitalismus in allen Ländern eine engste Verbindung mit. dem jüdischen Weltkommunismus hat, daß er sich so sicher fühlte in der unbeschränkt jüdischen Geldherrschaft, daß er es in Jerusalem wagen konnte, auf die Hebel der Erpressung offen hinzuweisen." Als Beweis bringt er ein Zitat aus einer Rede Weizmanns, in welcher dargestellt wird, wie die Zionistenführer den Anspruch des jüdischen Volkes auf das Nationalheim Palästinas begründeten. Das Zitat lautet: „Wir sagten den maßgebenden Persönlichkeiten: ,Wir werden in Palästina sein, ob ihr es wollt oder es nicht wollt. Ihr könnt unser Kommen beschleunigen oder verzögern, es ist aber besser für euch, uns mitzuhelfen, denn sonst wird sich unsere aufbauende Kraft in eine zerstörende verwandeln, die dio ganze Welt in Gärung bringen wird."' Auf diese „Enthüllung" tut sich Rosenberg unendlich viel zugute. Jetzt hat er den Schleier von dem gräßlichen jüdischen Weltgeheimnis gezogen! Aber er hat gar keinen Grund zu Entdeckerstolz. Denn Weizmann hat nichts anderes gesagt, als was Theodor Herzl vor achtunddreißig Jahren laut und offen aussprach, als das, womit Theodor Herzl den Zionismus, den Anspruch des jüdischen Volkes auf den Judenstaat begründete. Herzl sprach aus, daß die ungelöste Judenfrage nicht nur unsagbares Elend über die Juden bringt, daß sie nicht nur die Juden angeht, sondern auch für die nichtjüdische Welt von höchster Bedeutung ist. Ein über die ganze Welt zerstreutes Millionenvolk, immer Verfolgungen, Entrechtungen und der Verzweiflung ausgesetzt, muß Unruhe in die Welt bringen. Das ergibt sich naturnotwendig und ganz unabhängig von dem Willen der Führer dieses Volkes. Dem jüdischen Volke endlich ein gesichertes Heim schaffen, bedeutet nicht nur die Er- JUDENSTAATSPAR T E I Mittwoch, den 12. Dezember, halb 9 Uhr abends Judenstaatsheim, I, Werdertorg. 14 es spricht Dr. Leo Fischmaiin Gäste willkommen 1 *H lOIMIMDOIIMt—————————^——<Waftv lösung dieses Volkes, sondern Befreiung der g an z e n Kulturwelt von einem schweren UebeJ. v Das ist Wahrheit, reine, lautere Wahrheit, die-zu entdecken Alfred Rosenberg sich nicht bemühen müßte, denn die Zionisten verkünden sie frank und frei se^t Theodor Herzl. Herrn Rosenberg ist es gelungen und wird es noch gelingen, den Juden Uebles anzutun.' Aber es wird ihm, trotz seinem kurzen Gedächtnis .und seiner eisernen Stirn, nicht gelingen, die zionistische- Wahrheit umzubiegen, das Streben nach jüdischer nationaler -Befreiung ins Streben nach jüdischer Weltherrschaft''Uinzu« lügen. Die „Pogrom-Liste" im Saargebiet : Aus Saarbrücke-n--wird gemeldet:•' Die einzige unter Nazi-Reda;ktion,;.ersjehiehe'ni "Nummer von „Wes.tl.an-d" — die.: Zeitung: .ging;; Bekanntlich als Folge irreführt-hder Machenschaf t'eri.jh. dj[e Hände von Goebbels-Emissären Über — ver.öffehtiijchte, wie mitgeteilt, eine Liste saarländischer Juden," die: an» geblich Gelder für die Status-quo-Bewegung rgegeben hätten. Der Verband der Synagogengemeinden - des .. Säargebiets veröffentlicht nun eine Erklärung,, .in der .unter anderem festgestellt wird: „.... Die Liste ist inzwischen als das entlarvt, als was sie von jedem Eingeweihten' von vorne herein erkannt werden mußte: als eine' p;J u m pi und gewissenlose Fälschung. Man :hat an Hand eines veralteten Telephonbuches jüdisch! klingende Namen in kleineren Orten des Saargebietes abgeschrieben und hat sie mit willkürlichen Summen ergänzt-Längst Verstorbene werden aufgeführt, und auch Firmen',, "die. inzwischen den Inhaber gewechselt haben. Unter den'ärigeblichen „Spendern" * befinden sich absolut ■ Vermogeniilose. Zum großen Teil sind auch die Adressenveraltet'. ... Das Verzeichnis bezweckt nichts anderes, als eine Gruppe wehrloser Menschen dem wildesten T.er.r.pr.auszuliefern ... Wir wollen der Liste ganz deutlich deti Namen geben, den sie schon von anderer Seite erhalten-hat: Pogrom liste. Sie hat zur Folge gehabt',', daß eine Reihe von jüdischen Geschäftsinhabern telepjKmischp, mündliche und schriftliche Boykottandrohungen, entgegennehmen mußten... Wir erheben im Nänien'der Gerechtigkeit und Menschlichkeit feierlichen Protest gegen Methoden, die mit einem fairen politischen Kahipf •nichts mehr gemein haben." (J. T. A.) 10.000iüdisdieKoIoniileii nach Syrien Ein Plan zur landwirtschaftlichen Ansiedlung Aus Paris wird gemeldet: Die Nachrichten über die Möglichkeiten einer judischen Einwanderung nach Syrien gehen ihrer Bestätigung entgegen. Aus offiziellen Kreisen wird mitgeteilt, daß eine gewisse Anzahl jüdischer Industrieller, technischer Spezialisten und Handwerker in alle Teile Syriens eingelassen werden sollen. Auch eine größere Anzahl jüdischer Landwirte wird sich in Syrien niederlassen dürfen, doch müssen zuerst in gewissen Teilen des Landes die erforderlichen Organisationen geschaffen werden. Die Aktion für die Einwanderung einer gewissen Anzahl von Juden nach Syrien hat seitens 'des Koriiitees zum Schutz der Rechte der Orientjuden unter dem Vorsitz des bekannten französischen Senators und Ehrenvorsitzenden des Pariser Pro-Palästina^Köraiteeses, Justin G o d a r t, bereits vor anderthalb Jahren eingesetzt. AHerr dings ist sie damals auf große Schwierigkeiten gestoßen, da der französische Oberkommissär von Syrien, de Märte 1, im April 1984 erklärte, daß eir mit dem Kolonieierungsplan nicht einverstanden sei. Nichtsdestoweniger wurde das Projekt vveiterverfolgt und im September des heurigen Jahres erklärte do Martel, daß er im Prinzip mit der Einwanderung von 10.000 Juden nach Syrien einverstanden sei. Die Angelegenheit ist zur Zeit schon sehr weit gediehen. In den nächsten Tagen wird in Syrien mit umfangreichen Entsumpfungsarbeiten auf gewissen Landstrichen, auf denen Juden sich niederlassen sollen, begonnen werden. Das in Rede stehende Komitee hat diesbezüa* lieh bereits einen Plan für jüdische Landwirtschaft au»f iws^hfttt^t.

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