Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 420 (7.12.1934)
- Date
- 1934-12-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2711952-2712043--4758-2718283- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Kr. 420 DIE NEUE WELT Seite 5 Terror ohne Ende Von unserem Jerusalemer Korrespondenten Jerusalem, 28. November. Schneiderstreik in Jerusalem Der erste Streik nach dem „Schalom". Ein kleiner Streik. 20 bis 30 Menschen haben die Arbeit niedergelegt und wir sehen dieselben Erscheinungen, wie sie vorher typisch waren. Ucberfälle, Terror, trotz der Friedensbeteuerungen in London. Ein Beweis für die Richtigkeit der Behauptung in der „Neuen Welt", daß „Schalom" erst möglich ist, bis alle Fragen der Arbeitsvermittlung und des Nebeneinanderlebens der Organisationen gelöst sind. Die Geschichte des Streiks Die Schneidermeister hatten bisher keine Organisation. Jeder schloß nach eigenem Gutdünken Verträge mit seinen Angestellten, kümmerte sich nicht um ihre politische Ueberzeugung, sah nur darauf, daß es Juden sind und anständige Arbeit liefern. Sie vergaßen, daß in diesem Lande die politische Ueberzeugung über der Arbeitsqualität steht, und waren überrascht, als dieser idyllische Zustand plötzlich gestört wurde. Einzelne größere Unternehmer erhielten von der sozialdemokratischen „Histadruth Haowdim" Briefe mit einigen Forderungen. Soweit sie sich auf ökonomische Dinge bezogen, waren sie vollauf berechtigt. Doch daneben forderte die „Histadruth" die Anerkennung ihres Arbeitsmonopols. Die Briefe hatten zur Folge, daß die Unternehmer beschlossen, eine Organisation der Schneidermeister zu schaffen und in dieser Frage kollektiv vorzugehen. Ein Komitee sollte die Antwort an die „Histadruth" ausarbeiten. Bevor es noch dazu kam, erhielten die Schneider einen zweiten Brief, ein Ultimatum: Entweder sofortige Annahme aller Bedingungen oder Streik! Die Schneider schlugen Verhandlungen vor, jedoch vergeblich, da die „Histadruth" auf ihrem Arbeitsmonopol bestand und nicht gestatten wollte, daß jüdische Arbeiter beschäftigt werden, die nicht bei ihr organisiert sind. Den ökonomischen Forderungen der Histadruth stimmten die Schneider zu. Wegen der Justamentforderung brach nun der Streik aus. Die Arbeiter wollten nicht recht mit, doch fügten sie sich dem Befehl der Histadruth. Zuerst brach der Streik beim Schneider Flaks aus. Er beschäftigte einen revisionistischen Arbeiter. Die „Histadruth" forderte die Entlassung. Flaks lehnte ab, da er mit diesem Arbeiter zufrieden war. Darauf wurde der Arbeiter aufgefordert, sofort, der „Histadruth" beizutreten, da er sonst Prügel bekäme. Der Arbeiter lehnte ab, seiner Ueberzeugung untreu zu werden. Zwei Tage später streikten auch die Arbeiter sieben anderer Schneider. Sofort kam es zu. terroristischen Zwischenfällen. Der aus Oesterreich stammende Schneider Heilig beschäftigte drei nicht in der „Histadruth" organisierte Arbeiter, die der Streikparole nicht Folge leisteten. Sie konnten das auch nicht tun, da sich ja der Streik gegen sie richtete. Um y.12 Uhr gingen zwei der Arbeiter zum Essen, der Dritte, ein alter Mann, wurde überfallen. Am gleichen Tage erhielt ein Arbeiter des Schneider Brazowsky einen Brief der Histadruth Haowdim, in welchem ihm Prügel angedroht wurden, falls er nicht der „Histadruth" beitritt. Der Brief wurde dem Gericht übergeben und wird Gegenstand eines Verfahrens wegen gefährlicher Drohung sein. Der Arbeiter W. wurde auf seinem Heimweg von sieben Arbeitern überfallen, mit einem Eisengegenstand über den Kopf geschlagen, mit Füßen getreten. Unter dem Auge hat er eine große Wunde von einem mit Eisen beschlagenen Fußabsatz. Eine Anzeige wurde nicht erstattet, weil der Betreffende nicht legal im Lande ist. Der Arbeiter F. wurde auch überfallen. Rechter Mittelfinger gebrochen, Wunden auf dem Oberarm und Oberschenkel. Auch F. konnte nichts unternehmen, da er nicht legal im Lande ist. Der Vorsitzende der Schneider, Herr L e i b o v i c z, begab sich zur „Histadruth" und forderte die Einstellung dieser Brutalitäten. Kopfschüttelnd erklärte der Sekretär, daß er n i c h t s in dieser Sache unternehmen könnte. Der Streik dürfte bald zu Ende sein. Die schwächeren Schneider, die keine richtige Organisation haben, können nicht durchhalten. Sie werden, da sie von keiner zionistischen und jüdischen Stelle des Landes unterstützt werden, trotzdem sie alle angerufen haben, kapitulieren und die revisionistischen Arbeiter entlassen müssen. Nur der größte und renommierteste Schneider, Herr Lelbovicz, erklärte, unter keinen Umständen das Primat der „Histadruth" anzuerkennen. Trotzdem er ein ausgezeichnetes Geschäft besitzt, hat er sich entschlossen, sein Geschäft zu liquidleren. Seine Arbeiter, die nun das Brot verlieren, waren Mitglieder der „Histadruth". Die „Histadruth" hat wiederum einen „Sieg" erfochten, doch weiter Sympathien bei der breiten Masse verloren, die den Standpunkt der „Histadruth" nicht ver- Serbisch-Rumänisches Weinhaus i Ii, Taborstraße 18, Im Hotel National Alle ORIENTALISCHEN SPEZIALITÄTEN am Rost und Spieß steht. Sie hat ihren Standpunkt durchgesetzt und die Schneider werden in Zukunft brav Polizisten der „His'tadruth" spielen müssen und kontrollieren, ob ihre Arbeiter überhaupt oder noch Mitglieder der alleinseligmachenden „Histadruth Haowdim" sind. Oskar Herlinger. * Anm. der Red, Unsere Behauptung, daß trotz der gewiß gut gemeinten Friedensverhandlungen zwischen Ben Gurion und Jabotinsky kein Frieden zu erzielen Ist, wenn nicht das Arbeitsmonopol der „Histadruth" beseitigt wird, hat allzu rasche Bestätigung gefunden Aber auch in der Galuth kann nicht länger geduldet werden, daß man die jungen Menschen, bevor sie noch in Palästina sind, in die „Histadruth" zwingt. Der von allen Seiten als „unparteiisch" hingestellte „Hechaluz" verpflichtet seine Mitglieder zum Eintritt in die „Histadruth". Und trotzdem treiben, insbesondere die „Allgemeinen Zionisten" und die „Wizo" ihre jungen Menschen dem „Hechaluz" zu und die Jugendorganisationen, welche ihre Mitglieder für den Judenstaat und nicht für Klassenkämpfe erziehen — wie der „Hechaluz" der Judenstaatspartei — werden vernachlässigt und bei jeder Gelegenheit benachteiligt. Auch in der Galuth muß die Gleichberechtigung aller Jugendorganisationen gefordert werden. Ein sonderbares Lexikon Mit Rücksicht auf den sich unaufhörlich vergrößernden Bereich jüdischen Wissens aus der Gegenwart und auf das Bedürfnis, die Quellen des Judentums bis in die Vergangenheit zu verfolgen, ist die Idee der Herstellung eines Lexikons eine fruchtbare zu nennen. Der Philo-Verlag, Berlin, verwirklichte diese Idee, aber — um es vorwegzunehmen — in höchst unzulänglicher Weise. Wenn auch das Lexikon, wie der Verlag im Vorwort vermerkt, im deutschen Sprach- und Kulturkreis erscheint, so durfte doch nicht das Material unter dem Aspekt einer deutsch-liberal-assimilantistischen Einstellung ausgewählt werden. Schon ein flüchtiges Blättern in dem neuen Werk läßt die Tendenz, dem nationalen Judentum in allen seinen Auswirkungen den lexikalen Lebensraum zu nehmen, deutlich erkennen. Was das Lexikon enthält und vornehmlich das, was es nicht enthält, stellt dem Herausgeber und dem Verlag kein ehrendes Zeugnis aus. Darüber hinaus weist das Lexikon auch rein sachliche Irrtümer auf. Nun einige Proben als Tatzeugen unserer Kritik: Alfred Dreyfus erhält 38 Zeilen, Bl alik und H e r z 1 je 15, A c h a d - H a a m 14, die B. a 1 f o u r- Deklaration 7 Zeilen. Für den deutschjüdischen Schriftsteller Moritz H e i m a n n hat der Philo-Verlag 13, für S. I. A g n o n 3, für S. Tschernichowsky 4, für die Mitglieder des Berliner jüdischen Kulturbundes Julius B a b, Josef Rosenstock und Curt Singer hingegen je 5, für den großen ostjüdischen Dichter A ns k i 4 Zeilen übrig — genau so viel wie für den „Dichter" Ludwig Biro (Budapest). Der Berliner Journalist Sling (P. Schlesinger) wird in 7, Leo Pinsker in 5 Zeilen gewürdigt. Vom Schachmeister Niemzowltsch wird irrtümlicherweise berichtet, daß er 1926 Aljechlm, 1929 Capablanca besiegt habe. David Plnskis Drama „Eisik Scheftel" wird als Lustspiel bezeichnet. Sehr schlecht schneidet Oesterreich, bzw. Wien ab. Hier hatte der Verlag keinen Mitarbeiter, ein Zustand, der sich im Buch zum Schlechten, ja Erbärmlichen bemerkbar macht. Es geht nicht um eine Bewertung von Dingen und Menschen, die ja bei verschiedenen Menschen wesentlich verschieden sein kann, sondern um ein achtloses Vorbeigehen an Tatsachen, an weltgeschichtlichen Ereignissen. Im Abschnitt „Presse" in Wien werden als einzige jüdisch-deutsche Blätter die „Jüdische Presse" und „Die Wahrheit" angeführt Das Bestehen einer zionistischen Presse In Wien wird einfach unterschlagen. Oberrabb. Prof. C h a j e s erhält sage und schreibe eine ganze Zeile. Die jüdischen Künstler sind kaum zu finden. Hier könnte man die Sachlage mit dem Hang zur Oberflächlichkeit erklären. Anders steht es um diejenigen Teile des Lexikons, wo die absolute wissenschaftliche Betrachtung che Grundlage bilden sollte. Das Lexikon bringt auf Spaltenseite 229/230 eine Zeittafel zur jüdischen Geschichte. Die Rubriken „E i nschneldendes Geschehen" und „Hauptgestalten" hätten die Möglichkeit gegeben, die Mängel hinsichtlich der Berücksichtigung der nationaljüdischen Renaissance durch Schlagworte gutzumachen. Der Philo- Verlag hat diese Gelegenheit bewußt unbenützt gelassen. Im „Einschneidenden Geschehen" der jüdischen Qeschichte fehlt die zionistische Bewegung, in der Rubrik „Hauptgestalten" die unstex'bllche Gestalt Theodor Herzls. Selbst der unvoreingenommene Leser wird nach dieser Feststellung das Lexikon verstimmt beiseite legen. Der jüdischen Lexikographie hat der Philo-Verlag keinen guten Dienst erwiesen. Gaststätte für Jedermann I, Kfirntnerstraße 61 WIENER RATHAUS KELLER I, Neues Rathaus „WIEN VaR 400 JAHREN4' allabendl. W ener Musik Gesang« Ha s Blaschek ■■■■nHnaBBgnanBEKaHmnopnnnn Eine Erklärung. Wir veröffentlichten die Zuschrift eines jüdischen Kapellmeisters, in der gelegentlich der Aufzählung von jüdischen Hauptagenturen, welche keine Judenengagement vermitteln, auch die bekannte Konzertagentur S. K a 1 i n h o f erwähnt war. Wir haben uns überzeugt, daß der gegen Herrn S. K a 1 i n h o f, der als Konzertagent keine Engagements tätigt, sondern bloß als Vermittler zwischen Musikern und Konzertlokalbesitzern fungiert, erhobener Angriff völlig haltlos ist. Herr Kalinhof läßt sich bei seiner Tätigkeit als Konzertagent ausschließlich von sachlichen Motiven leiten, ohne sich von irgend welchen „aktuellen Zeitströmungen" beeinflussen zu lassen. Wir teilen dies sehr gerne aus freisii Stücken der Oeffentlichkeit mit. " The P. O. B. 119, Telephone 963—064 Cable address: „ASHtfAIBANK" TEL-AVIV TEL-AVIV Ausführung sämtlicher Banktransaktionen The Hadar Hakarmel P. O. B. 950, Telephone 344 Cable address: „ASHRAIBANK" HAIFA HAIFA MMMf^^M^IMWWWVMfMMMMV^WMVVV Moderne Hüte Die Mode ist rascher wandelbar als je zuvor. Be* sonders bei den Hüten. Lautete die Parole bis jetzt: Russen-Kappen, hohe, krönende Filz-, Velours- und Samthüte, so ertönt jetzt der Schlachtruf: Gewundene, drapierte, kalpak- oder toqueartige Gebilde. Seide, Spitzen, gepickte Federn oder Metallstoffe bilden das Material. Die Abendhütchen mit Reihern sind so geschaffen, daß die aus vielen Löckchen bestehende Hinterhauntfrisur zur Geltung kommen kann. " E. Str. Das altbewährte, beliebte österreichische Mineralwasser „Preblauer Sauerbrunn" ist in allen Apotheken, Drogerien und Lebensmittelgeschäften erhältlich. E "Sjc^a^ ujien.vi.nmseRSTR.123 IX.filSeRSTR.6 Lastex — das Ei des US Die bisherigen Miederformen mögen manche Vorteile haben; alle Wünsche können sie nicht befriedigen, alle Ideale nicht erreichen. Durch die Erfindung des Lastex-Gummifadens aber, der durch ein Spritzverfahren aus der Gummimilch, also als reiner Gummi gewonnen wird, gelang es, ein kochechtes, bügelfestes und säurebeständiges Material herzustellen, das nach allen Seiten dehnbar ist. Daraus werden Schlüpfer erzeuge, die die Körperformon stützen, festigen und richtig formen, ohne sie im geringsten zu belasten. Diese Lastex - Schlüpfer, Gürtelhöschen, Büstenhalter und Corselettes legan sich wie eine zweite Haut an den Körper und ermöglichen, ohne zu beengen, jede Bewegung. Lastex- Schlüpfer sind das Geeignetste für Sport, Tanz und Gymnastik. xcweit&. IL ^tggHKSBn^^ /S*~mama**mmm*' Eröffnunssnnzeise. &sSV^fuÄ; Tel. B-28-1-89 B, ehem. lang'ähr. Stückmeisier b Cbramosta. Geschenke, Decken, Polster, Vorhänge und alle innenarchitektonischen Gegenstände, die das Heim so angenehm und anziehend machen, finden Sic in feinster Ausführung billigst bei Kramer, VIII., Strozzigasse 26. Die liebsten Geschenke für Knaben und Mädchen, für Mütter und Väter sind Hüte jeder Art. Nachmittagshüte für Damen aus Filz, Velours und Samt; für Herren: zum Stadtpelz den runden schwarzen Melonhut, zum Paletot weiche Hüte in Beige, Grau, Braun. Eine enorme Rolle bei der Weihnachtsbescherung spielen die Ski-, Eis- und Autokappen. In den Hutniederlagen der Fabrik C e s c h k a sind Modelle für alle Spezialgebiete der Kopfbedeckung zu billigsten Preisen vorrätig. Für cUc Weihnaehts- und Neujahrsreisen hat Schneidermeister Josef Dubsk y, der ehemalige langjährige Stückmeister bei Chramosta, fesche billige Kostüme und Mäntel vorbereitet.