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Die neue Welt · 1934-12-07 · Heft 420 (7.12.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 420 (7.12.1934)
Date
1934-12-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Jahrgang- 8 Freitags den 7* Dezember 1934 Nf ♦ 420 V* b. b- Zeitung vom Verleger versendet ..Journal expedie par rediteur" Titl. Universitätsbibliothek BEZUGSBEDINGUNGENt Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S 4.—. ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 150 vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 6.—, vierteljährig Lire 14—- Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50, Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion ^Verwaltung: IX.Universitätsstr. 8, Tel. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag R EVUE Neues großes Siedluiigswerk in Palästina Aus Jerusalem (J. T. A.): Namens der zionistischen Exekutive hat Herr Moschc. Shertok die Konzession zur Besiedlung des Hui eh- Gebietes in Nord Palästina offiziell übernommen. Damit ist eine bedeutsame neue Etappe jüdischer Großkolonisation in Palästina erreicht. Das Gebiet umfaßt 57.000 Dunam (1 Dunum 1000 Quadratmeter), daVon entfallen 17.000 Dunam auf den Meromsee. Für die Ansiedlung von Juden sind 34.000 bis 37.000 Dunam bestimmt; auf diesem Boden sollen etwa 7000 Familien seßhaft gemacht werden. Der Rest ist für die Ansiedlung der Araber des Gebietes reserviert. Die Juden haben die Verpflichtung übernommen, die Ent- und Bewässerungsarbeiten auf dem ganzen Komplex, einschließlich des arabischen Teiles, durchzuführen. Mit der Uebernahme der Konzcssion hat die gegenwärtige Exekutive die Verhandlungen über dieses Gebiet abgeschlossen, die seinerzeit von Dr. W e i z m a n n eingeleitet worden waren. Mit den Drainagearbeiten im Huleh-Gebiet wird bereits in allernächster Zeit begonnen. Diese Arbeiten werden innerhalb dreier Jahre beendet sein, und zwar so, daß in .jedem Jähre ein Drittel des Bodens trocken gelegt und besiedelt wird. Die Beschaffenheit des Bodens «st1 bereits erforscht, derselbe eignet sich hervorragend für alle Arten von Bodenkultur. Das Gebiet liegt an der syrischen Grenze, aber ganz auf palästinensischem Territorium. Jüdische Schule — Lichtstrahl im Dunkel.. In Deutschland! — Und in Oesterreich? . Eine in der Vorwoche in Frankfurt a. M. abgehaltene Schulfeier, welche die obersten Repräsentanten der deutschen Juden versammelte, gestaltete sich", zu .einer Verherrlichung der jüdis.c h e n "S c h u 1 ev* -Der- Festredner, Studiendirektor Dr. Driesen. pries die jüdische Schule als den einzigen Lichtstrahl im grausamen Dunkel, das jetzt die deutschen Juden umhüllt. Er sprach davon, daß es durch Einrichtung jüdischer Schulen in Deutschland geglückt sei, Tausende jüdischer Kinderseelen vor schrecklicher Mißhandlung zu bewahren. Dr. Driesen sagte: „Täglich sind die Augen von Kindern auf uns gerichtet, wie nur Kinderaugen offen sein können, abgrundtief in unbedingtem Vertrauen, Täglich trösten sich über tausend Eltern durch die Not des Tages hindurch mit dem Glauben an unsere Schule. Täglich beruhigt eine ganze Gemeinde ihre unheimliche Sorge um ihre wirtschaftliche Existenz durch den Gedanken an unsere seelische Arbeit für die Zunkunft . . . Täglich besinnt sich die große, schrill aus ihrer Ruhe aufgescheuchte, gesamte deutschjüdische Gemeinschaft auf die j ü d ische Schule und verlangt mit Recht von ihr Führung und Leistung." Als das Haupterlebnis bezeichnete Dr. Driesen „die Freude der älteren Generation über die Schulfreude, der jüngeren — einen ..Trost in der Dämmerung von heute, und eine Hoffnung auf die Sonne von morgen". Die überschwenglichen Worte wurden in Deutschland gesprochen, das heißt vor Juden, deren überwältigende Mehrheit noch vor ganz kurzer Zeit für die „Jüdische Schule" nur feindselige Abwehr und — Verachtung übrig hatte, die in ihr . nur „Ghetto",. „Rückfall ins Mittelalter" und „Verkrüppelung der Jugend" erblickte. Für diese Judenschaft ist die jüdische Schule „Rettung der Jugend, der Zukunft" und „Hoffnung auf die Sonne" geworden. Was geht in Oesterreich vor, in dem Lande, das in so beängstigender Nähe von Hitler-Deutschland liegt, dessen Juden von ihren Brüdern in Deutschland so manch Gutes und —- es sei an die Ideolpgie der deutsch-jüdischen Assimilation gedacht — oft manch .Schlechtes übernommen haben. Jetzt sollten hoch die-österreichischen Juden an dem Bilde ihrer Brüder lernen, die sich im Meere , des Unglücks anein rasch'g^zinjmertes Rettungsschiff, an die jüdische S c h ii 1 ey klammern. Jetzt sollten sie doch fteftaimmt> ÄMSÖtfitfHl}Seinen SBein ßCfPttj|tmit vM fljteBIättef Soucrörunn die jüdische Schule fordern und bauen, in Freiheit das tun, woran die drüben im Reiche in bitterer Knechtschaft schuften müssen. Bis jetzt aber hat die österreichische Judenschaft als Ganzes keinen entschlossenen Schritt zur jüdischen Schule getan. Die Gelegenheit ist gegeben und Anzeichen dafür, daß die Verhältnisse im staatlichen und kommerziellen Schulwerke für die Juden bald untragbar sein werden, sind da. Aus dem Umsturz der politischen Verhältnisse ist eine Regierung hervorgegangen, welche auf dem Grundsatze der national-religiösen Erziehung, also der deutsch-christlichen, fußt. Das hat, ohne daß in dieser Aktion an sich antisemitische Motive als maß- 5 pezialverkehr nach Palästina Gütertransporte, Liftvans, Uebersfed'ungen Ulimann, Rink & Co. Wien I, Kurrentgasse 12 / Tel. U-22-2-54 gebend angesehen werden könnten, zur Absonderung der jüdischen Schüler in „Judenklassen" ohne jüdischen Inhalt, in ein veritables .Schulghetto geführt. Diese deutschchristliche Willenskundgebung war mit einer jüdischen zu beantworten. Ein Teil der österreichischen Judenschaft hat die Antwort gegeben. Die im „Jüdischen Volksbund für Oesterreich" organisierten Nationaljuden haben sich nicht mit einem Protest gegen das „Schulghetto" begnügt, sondern in einem begründeten Antrage vom Staate das Jüdische Schul werk gefordert. Der „Volksbund" hat von der Regierung, welche für die national-religiöse Erziehung der KintfJU£ BESTE QUALITÄTEN! ^oj?tvfc ANTHRACIT KOHLE KOKS BÄSCH iv, Argentiniers™. 22 ■ tel. serie U.47.5.40 Tauseitde danken diese* Firma seit den 3 2 Jahren ihres Bestandes Rat und Hilffe bei Fuß-und Bruchleiden Sie wird auch Ihnen helfen! Modernstes Fach Institut Bandguen-lWIkolpsch Tajbtorstraße 22 Tel. R-47-1- 85 Alle Auskünfte undwaiUfolTeBroichürcn Obarallhin kostenlos! der der deutsch-christlichen Bürger sorgt, verlangt, daß den gleichberechtigten jüdischen Bürgern, die es wünschen, die Möglichkeit gegeben werde, auch ihre Kinder in natiönal-reiigiösem, d. h. in jüdischem Geiste erziehen zu lassen. Der „Volksbmid" hat den Antrag auf Einrichtung eines öffentlichen Schulwerkes aus öffentlichen Mitteln, mit jüdischen Lehrern und Leitung in jüdischem Sinne eingebracht. Eine Forderung, so klar, so einfach, so begründet» daß wohl keine Regierung, die auf dem Standpunkt der bürgerlichen Gleichberechtigung und der Verpflichtung des Staates zur Erziehung der Kinder aller Staatsbürger steht, die Antwort verweigern kann. Wenn die Antwort bis heute nicht erfolgt ist, so liegt vorerst die Verantwortung hiefür auf gewisser jüdischer Seite. Das Verhalten der jüdischen Kreise außerhalb des „Volksbundes" hat es der Regierung nicht schwer gemacht, mit der Antwort zurückzuhalten. . Daß die jüdisch-assimilatorischen Gruppen liberaler und sonstiger Färbung, welche aus der Entwicklung, auch angesichts der Vorgänge in Hitler-Deutschland, nichts gelernt haben und nichts lernen wollen, gegen die jüdische Schule kämpfen, ist klar. Sie klammern sich an eine „allgemeine" Schule, die es in Wirklichkeit nicht mehr gibt, und stoßen mit Händen und Füßen gegen die jüdische Schule, wie ungebärdige Kranke gegen den Arzt. Entscheidender aber ist das Verhalten der Repräsentanten gewisser zionistischer, also jüdisch nationaler Kreise, welche in dieser Frage eine Lauheit, eine Rücksichtnahme auf ablehnende „Stimmungen" und „Neigungen" irgendwelcher Dritter an den Tag legen, die zu dem jahrzehntelang verfochtenen jüdischnationalen Schulprogramm in argem Gegensatze steht. Jetzt, da man vor der Möglichkeit der Erfüllung steht, setzt man allerlei „Bedenken",' allerlei „Wenn" und „Aber" vor die Tat. Man schrickt vor sich selbst zurück. Das hat einen Stillstand in der jüdischen Schulfrage hervorgerufen, der bej längerer Andauer für das Pension Irma Meister. Memn dealer aanzjährlger Aufenthalt, letztet Konitort, ^erühiuu u-hx. hprrl P.irk. niiiUipe Preise v>-finni>en Sie Prcspi I 1 Mc p.A.M^^fc^^^^K*; M- ■* Wm^M^^^&^^^m^ unmittelbare "Nähe;,der! Kurpromenade Höchster Komfort / BütterküchA / Lire 25

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