Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1934-12-04 · Heft 419 (4.12.1934) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 419 (4.12.1934)
Date
1934-12-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2711613-2711952-2712042--4752-2718276
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

DIE NEUE WELT Nr. 419 Ttf rs M »ynen jüdischen Ein- 'ie\v (h'o . V. .v .: \vc rtvcii:n i-i a n u >; I aus ä-V.:, den Iiüü vy::C! Hillen Vi is tlvr im; r.\\ iscVn Uv-n Nachbr.r- Iv.'/ublik Libanon mit ch:r IV. Syrien mit der Hauptv^esisehom Protektorat)?;or.'.i vor .. ralr.cv.',:" mit Snisior Syriens. Gabriel hiß. Herr aienassa .'jagte: h ■;■ a g c;i mit P a l Li - rech Palä.V.lr.a betvarrt in ■o U.i: dtvi \ kein Zweifel c'arüver!:;pcrt r.a-jh Syrier. u:r. ) u v. I e u::ci ::uoeeond bestehe::, daß Paläclu V i e 1 a a c h e 3?ro auch ncich ticu; ftina üc:ne: crhö;:c;i Libanon, wo die Einwohner einen nicht minder liehen LebenscnneUrd wie die Juden in Palästina gewohnt, also große V e r b r r. u eher sind. Meiner Heinur.g nach besteaber ein ernetes Hindernis für die Entwicklung der r-^ld^tineneieehen Industrie und für die r.g' des industriellen Exportes nach Syrien. Die jüdische Industrie verfüge über Kapital . Die Araber verfügen nur über eine ie, weiehe für Syrien nicht in Betracht die Löhne in den jüdische n OLeigerun^, u-.s palästinrr: .tische und Spe21ah-e Zigare ttenindu^ kommt. Doch I n d u c t r i c n hindern den Export und werden sich auch weiterhin einem Vordringen jüdischer Industrien auf den syrieehcni und libanesischen Markt in den Weg stellen. In Palästina zahlt man einem jüdischen Arbeiter 3 0 Piaster pro Tag und auch mehr, während die Löhne im Libanon um 40 Prozent, in Syrien sogar um 75 Prozent niedriger sind. Alle palästinensischen Industrien, mit Ausnahme einiger spezieller. Können m r-rien nachgeahmt werden und weit billiger produzieren und verkaufen. In Palästina muß die Aufmerksamkeit auf jene Industriezweige gelenkt werden, bei denen der Anteil der Lehne am Produktpreis verhältnismäßig gering ist. (Ar.m. der Red. Inzischen sind die Löhne in Palästina nech viel höher geworden.) Das Problem der jüdischen Einwanderung und Ansiedlung in Syrien und Libanon. Ich kann nur vom Standpunkt der nationalen Syrer aus in dieser Angelegenheit sprechen. Die Syrer sind Antizionisten, Sie werden sich noch der Ereignisse in den Tagen erinnern, aii; 1025 Lord Balfour nach Damaskus kam. Die frenzös^che Regierung war damals gezwungen, die jüdis c h Bevölkerung von Damaskus vor einem Progrera zu schützen. Die französische Regierung befürchtet also, daß es zu einem scharfen Widerstand der Bevölkerung kommen wird, wenn die Ansiedlung von Juden in Syrien gestattet werden sollte. Die Syrer befürchten, daß die Zionisten die Grenze nach L i t a n i s verschieben wollen. Ihrer Auffassung nach beabsichtigen die Zionisten im Süden Syriens an der palästinensischen Grenze große Siedlungen zu schaffen, um diese nachher an das jüdische Palästina anzuschließen. Das ist der Grund, warum jeder Schritt der französischen Regierung zugunsten der jüdischen Einwanderung und Ansiedlung insbesondere in den Grenzgebieten einer scharfen Reaktion seitens der nationalen Bewegung begegnet. In Kenntnis dessen gab der Oberkommissär von Syrien und Libanon jetzt zwei Erlässe heraus, die den Verkauf von Boden an Fremde in den syrischen Gebieten S o u r und Merjcyoun wie in den libanesischen Gebieten Horan und Zaonio verbieten. Nicht nur der Bcdenverkauf wurde verboten, sondern auch die Hypothekenaufnahme und Verpachtung für mehr als neun Jahre. Die Juden haben natürlich das Recht, Böden in anderen Gebieten, die von der palästinensischen 0:-'.r.7.e weiter entfernt liegen, zu kaufen. Das Problem der jüdischen Einwanderung nach Syrien ist auch sonst kein leichtes. Die Juden, die aus Deutschland und anderen Ländern kommen, haben ein Interesse, nach Palästina zu gehen, um am Aufbau ihres K a t i o n a 1 h e i rn e s teilzunehmen. Es zieht sie nichts nach Syrien und Libanon. Auch muß beachtet v/erden, daß es in unserem Lande Ar heiter Schutzgesetze gibt und es schwierig ist, fremden Arbeitern Arbeitserlaubnis zu erteilen. Auch die freien Berufe fordern vor. der Regierung Erlässe gegen das Eindringen fremder A e r z t e, Rechtsanwälte, I ng e n i e u r c. u;-;w. Die Meinung der syrisch-nationalen Kreise gehl dahin, daß es möglich wäre, den Juden nach Syrien Einlas zu gev.ähren, aber nicht in großer Anzahl. Das Land braucht Geld und wenn 2000 jüdische Familien mit einem Kapital von LP. 2000.— pro Familie einwandern und auf diese Weise ein Kapital von LP. 4,000.000.— nach Syrien und Libanon bringen würden, so wäre das sicherlich gut für das Land. Die Bedingungen für jüdische Einwanderung nach Syrien Aus London, 2. Dezember (J. T. A.): „T imea" berichten, daß die Behörden von Syrien und der Republik L i'oanon beschlossen haben, die Einwanderung und SeßhnftrnaehunK von Juden unter den folgenden Bedingungen zu;•; * t ■>. t1. e n:: Die Einwanderer müssen Kapital mitbringen und F abrike n oder andere Unternehmungen begründen, in clcr.cn einheimische Arbeiter zu beschäftigen cind: die Einwanderer dürfen nicht zionistische I d e a 1 e. die auf eine dichte jüdische Siedlung hinauslaufen, zu verwirklichen versuchen; zwecks Sicherung der Integrität syrischen und libanesischen Territoriums wird längs der syrischen Grenze die Registrierung von Bodenkäufen durch Juden verweigert, da jüdisch: Siedlungen in diesem Gebiet später einmal als Vcrr.v.n.:l tlaiu genommen werden könnten, die Grenzen z\xu n 3 t c n Palästinas zu revidieren. B3>ie JBudeza ves Sassen 5><amtg Unter dem fürchterlichen Druck des nationalsozialistischen Regimes weicht das jüdische Element au3 Danzig. Dan zig war Durchgangsgebiet für aus Polen und Rußland auswandernde Juden; 1920 bis 1925 sind ungefähr G0.000 über Danzig ausgewandert. Eine Anzahl dieser Juder. wählte Danzig zur neuen Heimat. Eine große Zahl jüdischer Ex- und Importeure der osteuropäischen Länder nahm Aufenthalt in Danzig, was für Danzig von großem wirtschaftlichem Vorteil war. Seit 1930 ist ein rasches Abnehmen der Zahl der Juden festzustellen. Die Zahl stellte sich im Jahre 1923 auf 7282, im Jahre 1924 auf 9239, im Jahre 1929 auf 10.448. Heute beträgt die Zahl der Juden nur wenig mehr als 7000. In den letzten vier Jahren hat sie sich demnach um etwa ein Drittel vermindert. Im Jahre 1930 kamen noch auf 115 Geburten 91 Todesfälle und 50 Eheschließungen, während 1933 65 Geburten, 76 Todesfälle und 29 Eheschließungen gezählt wurden. Von Einfluß auf die Bevölkerungsbewegung ist die Auswanderung nach Palästina. Das Palästina- Amt stellte in den letzten zwei Jahren 63 Zertifikate aus, auf die 123 jüdische Seelen aus Arbeiterkreisen auswanderten. Etwa 300 weitere Auswanderungen haben auf Studenten- und Kapitalistenzertifikaten sowie auf Anforderung dortiger Verwandter stattgefunden. Jüdische Ehrengäste bei der Hochzeit im englischen Königshaus Aus London: Das englische Königspaar hat zu den Feierlichkeiten anläßlich der Vermählung des Herzogs von Kent mit der griechischen Prinzessin Marina eine Anzahl jüdischer Persönlichkeiten, unter ihnen den Oberrabbiner des Britischen Reiches, J. H. Hertz, den früheren Vizekönig von Indien und britischen Außenminister Lord R e a d i n g und Mitglieder der Familie Rothschild geladen. Diese nahmen auch an dem offiziellen Empfang für die Ehrengäste — vorwiegend Fürstlichkeiten aus den regierenden Häusern Europas — teil. Bei dieser Gelegenheit überreichte Oberrabbiner Dr. J. H. Hertz dem Brautpaar ein Exemplar seines berühmten „Book of Jewish Thougths", das unter dem Titel „Jüdische Gedanken und Gedanken über das Judentum" auch ins Deutsche übersetzt worden ist, als Hochzeitsgeschenk. Präsident Knox fürchtet für die Saarjuden Ein Mitarbeiter der führenden holländischen Wochenschrift „Haag sehe Post" fragte den Präsidenten der Regierungskommission im Saargebiet, den Engländer Herrn Knox, wie er sich die Z ukunft der jüdischen Bevölkerung im Saarland denke. Präsident Knox erwiderte: „Ich habe über die Position der Juden im Saarland ernst nachgedacht. Gegen die antisemitische Verhetzung der Massen bin ich resolut eingeschritten. Solange ich hier im Saarland die Regierung inne haben werde, muß und wird Rechtsgleichheit für alle Glieder der Bevölke-' rung herrschen." „Die jüdischen Kinder haben es in den allgemeinen Schulen schwer, weil sie Juden sind. Wir schritten daher an die Errichtung eigener jüdischer Schulen. Gegen den öffentlichen Boykott der Juden trete icii mit aller Energie auf, aber ich bin nicht in derLage zu verhindern, daß die Boykottpropaganda und der Boykott selbst geheim fortgesetzt werden. Das Gesetz gibt mir keine Handhabe, zu fordern, daß man jüdische Geschäfte nicht meidet." Auf die Frage, was mit den Juden geschehen werde, wenn das Saarland an Deutschland zurückfällt, erwiderte Knox: „Ich glaube nicht an große Pogrome, weil es ja auch in Deutschland zu solchen nicht gekommen ist; sicher aber ist, daß die Juden an der Saar einer düsteren Zukunft entgegengehen. Mehr denn je werden sie boykottiert, gequält und verhöhnt werden.' $ex«<3i mit faulen Eiern Ein £ch\iiitcller namens Leopold Stern hielt in einem B u k a - o sie v Vortragssaal eine Conference über das Thema , S r :: - a p p c a )". Es ist nicht zu leugnen, daß dicrer aus Amerika zu uns herübergekommene Begriff eine Ar.riehimgskraft besitzt, die in gewissen Theater- und A\rchtlckal-Kreisen noch immer nicht gelitten hat. Ar. für sich wäre natürlich an einem Vortrag über ,;j;:;-::ir.?al" in psychopathologischem Sinn nichts ai;^zu::i..::r. Aber scheinbar hat unser Zeitalter augenblicklich ar.aore Sorgen, schwere wirtschaftliche und soziale Nöte, und wenn gar ein Jude solch einen Vortrag hält, denn riskiert er, von seinen nalionalbetonten Zeitgenossen, die es nach reich3deutschem Muster auch in Rumänien gibt, angerempelt zu werden. Das ist auch geschehen. Es kam tatsächlich, wie uns au3 Bukarest gemeldet wird, zu ernsten Zwischenfällen. Der Sex-appeal-Forscher wurde von Studenten durch Beschimpfungen unterbrochen und mit faulen Eiern — diese waren natürlich bereitgestellt — beworfen. Die Herren Studenten zogen auf die Straße, schlugen Fensterscheiben ein, demonstrierten, kurzum der Vortrag Uber Sex-appeal endete mit antisemitischen Exzessen. Wir kennen die Taktik der hinterwäldlerischen Intelligenz, alles was über ihren Horizont hinausgeht, als jüdischen Schwindel zu bezeichnen, mag es Einsteins Relativitätsgesetz oder Freuds Traumlehre oder Magnus Hirschfclds Sexualpathologie sein. Insbesondere die nationalbetonten Studenten gewisser Länder sind es, die hierin eine große Uebung haben. Andererseits aber hätte Herr Leopold Stern, wenn er der schwerbedrückten und nach Erkenntnissen bangen Menschheit etwas geben will, gewiß ein weniger „provokantes" Thema wählen können. Der Kampf ums tägliche Brot bringt den Menschen dahin, die geistreichsten Schmockereien über Sex-appeal mit Undank zu quittieren. Herrn Sterns Sex-appeal scheint nicht besonders stark gewesen zu sein. Sonst hätte man seinen Vortrag nicht zum Ausgangspunkt eines antisemitischen Exzesses gemacht. Stawsky in Polen Wie aus B r i s k (Brest-Litowsk) gemeldet wird, ist dort Abraham Stawsky, der Hauptangeklagte im Arlosoroff-Prozeß, eingetroffen. In den nächsten Tagen wird Stawsky Warschau besuchen. Jüdfedter Sport Hakoah gegen ViennaO:0. Im letzten Spiel der Herhstsaison hat sich Hakoah einen wichtigen Punkt gesichert. Sie steht jetzt auf dem 9. Platz. Das torlose Spiel war abwechslungsreich und interessant. Das Ergebnis entspricht den Leistungen. Bei beiden Teams überragten die Hintermannschaften die Stürmerreihen. Im Hakoah-Angriff war Ehrlich 1 die treibende Kraft. Alle anderen leisteten Wertvolles, konnten sich aber beim Abschluß der Aktionen nicht durchsetzen. Die Halfreihe der jüdischen Mannschaft übertraf die Vienna-Leute, Breitfeld und Platsche k arbeiteten besonders gut. L ö w y spielte im Hakoah-Tor hervorragend und wehrte schwerste Geschosse sicher ab. Donnenfeld als Verteidiger ausgezeichnet. Weiß war schwächer. Hakoah- AufStellung: Löwy; Donnenfeld, Weiß; Platschek, Strohs, Breitfeld; Reich, Ehrlich 2, Mausner, Zwiebel, Ehrlich 1. Neuerwerbungen. Hakoah nimmt jetzt eine Reorganisation ihrer ersten Mannschaft vor. Zwei neue Spieler wurden verpflichtet. Karl Kohn (Tormann) vom zweitklassigen ungarischen Fußballklub Erzsebet und Verbindungsstürmer Szekely von Makkabi- Bukarest. Großer Erfolg des Hakoah- Schwimmfestes. Das internationale Schwimmfest war ein glänzender Erfolg. Ausverkauftes Dianabad und interessante Kämpfe. Hedy Wertheimer konnte in der Staffel ihren eigenen Rekord über 100 m von 1:28.2 auf 1:27.6 verbessern. Das Erfreulichste waren die guten Leistungen des Hakoah-Nachwuchses, welche hoffen lassen, daß der Hakoah die Spitzenposition im Wassersport zurückerobern wird. Zahlreiche Ehrengäste, unter ihnen der ungarische Gesandte Graf Apor und der Präsident des olympischen Komitees Dr. Schmidt. Austritte aus dem Judentum Kohn geb. Roxbora Iren Tcrez, geb. 1. Februar 1892 Vacz, ger. gesch., XVI., Grundsteingasse 29. — Kohn Friederike, geb. 29. Jänner 1920 Wien, ledig, daselbst. — Schlag Hedwig, geb. 3. Oktober 1919 Wien, ledig, XVIII., Pötzlein3dorferstraße 28. — Taussig geb. Kudisch Helena, geb. 14. Oktober Tarnow, verh., XIX., Goltzgasse 1. — Schwarz geb. Nepasslsky Friederike, geb. 1. Dezember 1902 Wien, verw., XIX., Heiligenstädterstraße 65. — Martens geb. Braraer Gisela, Pensionsinhaberin, geboren 17. Juli 1872 Wien, verw., III., Oetzeltgasse 10/1. — Schick Leo, geb. 4. Juli 1885 Wien, verh., xm„ Cervantesgasse 24. — Pollak Bettl, geb. 15. Mai 1869 Czaprendek, ledig, VIII., Kochgasse 26. — Pollacek Otto, geb. 18. Jänner 1903 Wien, ledig, IX., Aiserbachstraße 2. — Heilpern Edmond, geb. 3. Februar 1892 Wien, verw., IV., Favoritenstraße 16. — Schweitzer Franz, geb. 30. August 1901 Aalfang, verh., XX., Hellwagstraße 30. — Nobel Armin, geb. DAMEN¬ WIEN ERWALD - STIEFEL M-LEDER- FUTTER U-6EUTELZUNGE U.CAOUP0N8OHLE HERREN- WIENER- WAlD- STIEFEl M.iGD£RrumR« | lj|ßeUTECZUNG£ ICROUPON- SOHLE Sckiffi II-TA BOR STRASSE-4& 9. März 1878 Täta, ledig, XIII., Trautmannsdorfgaase 6. — Wliitornlta; Wilhelm, geb. 27. August 1897 Beneschan» lcdig, XIII., Matzagasse 21. Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: Ob?.rbaurat Robert Stricker. - IXm. UnivcrsitäUatraßc 6—8. Druck: Druckerei- und Verlags-A.-G. Ignaz Steinmann, beide Wien,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.