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Die neue Welt · 1934-11-20 · Heft 415 (20.11.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 415 (20.11.1934)
Date
1934-11-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis tO Groschen Jahrgang 8 Dienste vember 1934 REVUE HERAUSGEBER; ROBERT STRICKER Nr. 41t V*b* f>* Zeitung vom Verleger versrndot „Journal expedie par I'editei'r'' BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; ToIen monatlich Zloty 1.m. vierteljährig Zloty 4.n0; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Biimänlen monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.— : Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 11.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u,VerwaUung: IX, Universitäisstr.8, Tel. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u.Freitag 750® PaläslinarZerlifikate für das laufende E4aIb|aliT liillüi .'IIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIilH Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Die Regic- TOng Palästinas hat der Zionistischen Exekutive mitgeteilt, daß sie die Aufnahmefähigkeit des Landes für Arbeitereinwanderer für das laufende Halbjahr Oktober 1934 bis März 1935 mit 9700 Arbeitnehmern berechnet hat; von dieser Zahl werden 2200 Zertifikate für Rechnung der illegalen Einwanderung und der ins Land kommenden Touristen, die sich nachträglich entschließen, dauernd im Lande zu verbleiben, in Abzug gebracht werden, so daß für das laufende Halbjahr eine Schedule von nett 5 0 0 Z e rtifikaten zur Verfügung gestellt wird. Die Zionistische Exekutive hatte ihrerseits die Aufnahmefähigkeit des jüdischen Arbeits- Diiirktes in Palästina für neue Einwanderer mit 18.600 Arbeitenden berechnet. Die Palästina-Regierung hat demnach dieser Forderung nur zu 40 Prozent entsprochen, Immerhin bedeutet dies einen Fortschritt gegenüber früheren Einwanderungsperioden. Die bewilligte Schedule ist um 1900 Zertifikate höher als die des vorangegangenen Halbjahres und um 700 höher als die vorangegangene Schedule zusammen mit der nachträglich bewilligten Zusatzsehedulo von 1200 Zertifikaten. Oktober*Euiwanderung — ein SReBcord Nach vorläufiger Schätzung sind im Monat O kt o b e r d. J. nicht viel weniger als 6 0 0 0 Juden in Palästina eingewandert. Im vorangegangenen Monat September betrug die jüdische Einwanderung rund 4000. Die Oktober-Einwanderung in Höhe von etwa 6000 Juden bildet einen neuen Rekord in der jüdischen Einwanderung nach Palästina und übertrifft den bisherigen Rekord vom Oktober 1933 von -4393 jüdischen Einwanderern um etwa 1600 Personen. Protest der Zionistischen Exekutive Aus London: „Times" berichten, daß die zionistische Exekutive bei der Palästina-Regierung Protest wegen der ungenügenden Berücksichtigung der jüdischen Schätzungen des Arbeitsmarktes bei Erteilung der neuen Schedule eingelegt hat. In dem Protest wird erklärt, daß die Regierung bei der Feststellung der neuen Schedule die aktuellen Bedürfnisse des Arbeitsmarktes im Lande nicht voll in Erwägung gezogen hat. Stvädinq Nr; IM7 spn'dit zw Die Tiroler Tageszeitung „Innsbrucker Zeitung" brachte in Nr. 247 vom 27. v. M. einen Artikel „Brief des Sträflings Nr. 1317 an die heutige J ü g e h d", welcher ihr vom katholischen Anstaltsgeistlichen des österreichischen Zuchthauses in Garsten P. Leopold Arthof er zur Veröffentlichung übergeben wurde. In einer Vorbemerkung wird berichtet, daß sich der Strafanstaltsseelsorger mit besonderem Eifer der Aufgabe widmet, die ihm zur Betreuung zugewiesenen Sträflinge moralisch zu beben und mit göttlicher Liebe zu erfüllen. Er unternimmt auch den gewiß interessanten Versuch, nach längerer Erziehungsarbeit die seelisch „gebesserten" Sträflinge ihre Wandlung in Aufsätzen b eschreiben zu lassen. Zu diesem Zwecke legte er seinen Zöglingen das Thema: Was hätte ich der heutigen Jugend z\t sagen? vor. Aus der Fülle der abgelieferten Aufsätze griff er den des „Straf lingsNr. 1317" heraus, der ihm als besonderer Beweis des Gelingens seiner Erziehung zur Liebe zu gelten scheint. Sträfling Nr. 1317 hat fünf Jahre Kerker abzusitzen. Anläßlich der nationalsozialistischen Revolte und Ermordung des Bun deskanzlers im Juli 1934 wurden bei ihm 5 - Kilogramm Dynamit gefunden, eine Menge, die zur Tötung vieler Hunderter Menschen hinreicht. In dem Paradeaufsatz dieses zur Liebe bekehrten Büßers heißt es: „...O Hobe Jugend! Die einen brechen zusammen, die anderen werden zu Verbrechern. Was die bittere Not am Volke nicht zermürbt, das besorgt der schmierige, verkommene Jude mit seinem (Je 1 d e, seiner 1» r e s s e, mit seinem sittenlosen Kino, Tanz und Sport. In diesen jüdischen Brutstätten des Lasters wird gerade Dir, liebe Jugend, Gift um Gift eingeflößt. Man sagt Dir, daß Du nur einmal jung seist und die Welt genießen solltest, man pflegt in Dir nur mehr das Körperliche und erklärt jede Seelenkultur als Blödsinn. O sage diesem gottlosen Geist der Gegenwart den Kampf an! Wisse: Ihr Leben ist umsonst gelebt, sie hasten und jagen nur nach dem verfluchten Geld, um dessentwillcn ein Judas den Herrn verraten hat. Solltest Du wie ich schuldig befunden werden, ohne es in Wahrheit zu sein, dann mögest Du, liebe .lugend, diese Worte eines Unglücklichen nicht verachten, sondern ein wenig Nutzen daraus schöpfen! Dies wünscht Dir Sträfling 1317." Unsrer Ansicht nach brauchte der Herr Seelsorger auf dieses Resultat seiner Erziehung zur Liebe nicht stolz zu sein. Aber das ist seine Sache. Doch Sache der jüdischen Bürger dieses Staates ist es, an die Justizbehörden die Frage zu richten, wie sie sich zu diesem Falle stellen. Ein Strafanstaltsseelsorger unternimmt es, in seiner amtlichen Eigenschaft unflätige, gegen das ganze Judentum gerichtete Schmähungen von Sträflingen zu registrieren und für ihre weiteste Verbreitung zu sorgen. Die staatliche Verwaltung des Gefangenhauses gibt das zu. Eine Tageszeitung darf unbehindert diese aufreizenden Schmähungen bringen. Kurz, alle in Betracht kommenden amt- Judenstaatspartei Oesterreichs ■»■»■■■■■■■■»■■■■■■■«■■■■■■■^■»■■■■■■■i Samstag, den 1. Dezember, punkt Va9 Uhr abends, im Festsaal des Hotel „Continental", II, Taborstr. 4 $eo0e tkaltlutfäeefeiet Lichterzünden: Kantor Josef Feuer unter Mitwirkung des Männerchors des Jüd. Gesangvereines (Leitung: Kapellmeister I. Brandmann) Festrede: Oberbaurat Ing. Robert Stricker Mitwirkende: Ernst Deutsch (Theater in der Josefstadt) / Ljuba Lewitzka, Hebräische Gesänge / Prol. Josef Zimbler, Violinvorträge Jüdischer Gesangverein Unter Mitarbeit der jüdischen Kulturstelle Karten zu S 2.—, 1.50 und 1.— bei: „Neue Welt", IX., Universitätsstraße 8/1 (A-20-2-78); Paula Stricker, II., Hollandstraße 10 (A-48-1-89); Warenhaus Brüder Schiffmann, II., Taborstraße 48 Sichern Sie sich rechtzeitig Karten! liehen Stellen bemühen sich förmlich, einem Sträfling Gelegenheit zu geben, aus dem Kerker heraus eine v e rfassungsmäßig gleichberechtigte Volks¬ und Religionsgemeinschaft zu besudeln. Aber auch den kirchlichen Behörden sei die Tätigkeit dieses Herrn Seelsorgers zur Beachtung empfohlen. Ueber das Verhältnis der Kirche zum Judentum wurden in letzter Zeic von hohen katholischen Stellen aus viel beachtenswerte Worte versöhnlichen Geistes gesprochen. Vor allem wurde der Wille zur gegenseitigen Achtung betont. Es wäre gut, dem Herrn Seelsorger von Garsten diese Worte in Erinnerung zu bringen. Dr» Nahm» Goldmann bei Mussolini Aus Rom: Der Regierungschef Benito Mussolini empfing am 14. November den Präsidenten des Comite des Delegations Juives und des Ausschusses für den Jüdischen Weltkongreß, Doktor Nahum Goldmann, in Audienz. Im Verlaul eines etwa halbstündigen Gesprächs wurden aktuelle Ereignisse des jüdischen Lebens berührt. Einzelheiten über das Gespräch sind der Oeffentlichkeit nicht übergeben worden. * Gegen das innerzionfetfedie Friedensabkommen Widerstand in Palästina Wir haben in der letzten Nummer berichtet, daß in Palästina von linker Seite her gegen den zwischen dem sozialistischen Führer Ben Gurion namens der Zionistischen Exekutive und Jabotinsky. namens der Revisionisten abgeschlossenen „Friedenspakt" Sturm gelaufen wird. Wir haben den Aufruf der Hauptorganisation der zionistisch-sozialistischen Jugend „H aschomer Haz a i r" wiedergegeben, in welchem der eigene Führer Ben Gurion des „Verrates" an der Arbeitersache beschuldigt und ausgesprochen wird, daß die linke Arbeiterschaft nicht daran denkt, den Pakt zu halten. Nunmehr meldet die offizielle Korrespondenz der Zionistischen Exekutive „Palcor", daß -in Palästina Beunruhigung Platz gegriffen hat, weil dort Zionisten-Revisionisten gegen ihren Führer Jabotinsky aufstehen und dem von ihm geschlossenen Pakt die Anerkennung versagen, ja, ihn bereits gebrochen haben. Als einen Bruch des Paktes bezeichnet „Palcor" eine nach Abschluß desselben erschienene Artikelserie im offiziellen Tagesorgan der Revisionisten „Hajarden". In einem dieser Artikel heißt es: „Die jetzige zionistische Exekutive, welche sich ganz in den Händen von So zialisten (auch die „Allgemeinen Zionisten Gruppe A" bezeichnet die Zeitung als verkappte Sozialisten) befindet, stellt eine ernste Gefahr für die britischen Interessen in Palästina dar. Die englische Regierung bekämpft in allen ihren Kolonien und Mandatsländern den Kommunismus, der zionistische Sozialismus aber nähert sich immer mehr und mehr dem Kommunismus. Die deutsche Einwanderung ist faktisch eine Einwanderung extremer Sozialisten, welche mit Zionismus nichts zu tun hat. Schon deshalb, weil die Zionistische Exekutive anderen als sozialistischen Elementen keine Möglichkeit gibt, nach Palästina zu kommen. Durch die Einwanderer aus Deutschland und Oesterreich sind in der letzten Zeit in Palästina „Zellen" derselben revolutionären Organisationen gebildet worden, welche vor dem Umstürze in diesen beiden Ländern tätig waren." „Das von der linken Exekutive mit Deutschland getroffene Transferabkommen schädigt in sehr starker Art den britischen Handel nicht nur in Palästina, sondern im ganzen nahen Orient. Das und insbesondere die Terroraktionen der von Ben Gurion geführten „Histadruth", welche unter dem Deckmantel des offiziellen Zionismus kommunistische Kreise und Sturmgruppen organisiert, .haben das Prestige der zionistischen Organisation in den Äugen des britischen Kolonialministeriums gründlich zerstört.. Daraus ist vielleicht auch die Gegnerschaft des Ministeriums gegenüber den Forderungen der Zionisten zu erklären und auch der Beschluß, einen Legislativen Rat mit arabischer Majorität zu bilden. Um ihr gesunkenes Prestige wieder zu heben, hat die Exekutive jetzt Friedensabmachungen mit den Revisionisten geschlossen. Aber die Revisionisten dürfen sich nicht verführen lassen. Sie müssen genau wie v o r dem Pakt ihre selbständige zionistische Poltük weiter führen und dürfen nicht dulden, daß die Zionistische Exekutive die Welt auch in Zukunft täuscht, indem sie sich als die berufene Vertretung des ganzen jüdischen Volkes gebärdet." Wie man sieht, ist der gegen den „Friedenspn kl" gerichtete Artikel des revisionistischen „Hajarden" nkht um ein Jota weniger scharf, als der Aufruf des sozwVu4ischen „Haschomer Hazair". „Palcor" hat wohl recht, wenn sie von einer Beunruhigung der Stimmung im Lande spricht. Es besteht wirklich die Gefahr, daß die gewiß sehr gut gemeinten Bemühungen Jabotinskys und Ben Gurions statt Frieden noch schärferen Zwist bringen. Es erweist sich, daß es nicht gut war, den Vorschlag zu ignorieren, welchen die Judenstaatspartei vor einigen Monaten gemacht hat. Von der Erwägung ausgehend, daß die Vertreter der extremsten Parteien nicht in der Lage sind, dauei-haften, soliden Frieden zu stiften, hat die Judenstaatspartei die Einberufung einer Konferenz. aller zionistischen Parteien gefordert. Unter

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