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Die neue Welt · 1934-11-06 · Heft 411 (6.11.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 411 (6.11.1934)
Date
1934-11-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 ■pp" DIE NEUE WEL1 Nr. 411 Die Juden der Buchara Von Dr. S. K a 1 e k c Aus Jerusalem: Hier sind die 63 jüdischen F 1 ü c h t1 i n g s f a m i 1 i c n aus Buchara eingetroffen. In Afghanistan befinden sieh noch etwa 200 jüdische . Fl ü c h t Ii n g 3 i a m i 1 i e n aus Buchara, die dorn seit einiger Zeit in Buchara herrschenden a u t i j ü d i s c h e n Terror und den feindlichen Maßnahmen der Regierung weichen mußten. Als bu"I: :• risciie Juden bezeichnet man im allgemeine» die gesamte einheimische jüdische Bevölkerung Mittelasiens. Der überwiegende Teil der bucharischen Juden jedoch ist im eigentlichen bucliarisehen GebU-t (mit der Haupiyiadt Buchara) konzentriert. Größere Gemeinden bucharischer Juden findet man heute in den Städten Buchara, Kcrmine, Nissar, Kolif, Schachrisiabs, Taschkent. SamarUand, Trakistan, Margelan, Osch u. a. m. Insgesamt wird die Zahl der im rurkestan- Gebiet lebenden Juden auf etwa 40.000 geschätzt. Die Vofkszählung vom Jahre 1926 stellte 17.521 in der usbekistanischen Sowjetrepublik wohnende bucharische Juden fest. L'eber Herkunft und Eiuwanderungszeit der Juden dieses Gebietes läßt sich historisch kaum etwas feststellen. Es sind hierüber unter den bucharischen Juden die verschiedensten I.*efcerlicl'erungeu im Umlauf. Die einen halten sieh für N achkoraraen der zehn Stämme Israels, die anderen leiten ihre Abstammung , von den Juden aus Babylonicn her. Die Richtigkeit der letzteren Annahme scheint wahrscheinlicher, da die bucharischen Juden sich nach den talmudischen Gesetzen, die doch erst in Babylouien entstanden, richten. \Vas man jedoch mit Gewißheit annehmen!»ann, ist die Tatsache, daß die Juden schon 3eit vielen Jahrhunderten in, diesem Gebiete. leben. Schon Benjamin von Tndela, der bekannte jüdische Forschungsreisende, der zu Ende des 12. Jahrhunderts in Persien weilte, berichtet von freien jüdischen Stämmen, die östlich von C h o r asan (Ost-Persicn) lebten, sowie von einer großen jüdischen Gemeinde in S a m a r k a n d, die etwa 5000 Seelen zäldte. Aus dem 13. und 14. Jahrhundert liegen literarische Denkmäler vor, die ein reichhaltiges historisches Material zur Erforschung des kulturellen und teilweise auch des sozialen Lebens der bucharischen Juden «'.arstellen. (Z. B, ein jüdisch-persisches Wörterbuch von Salomo-ben- Samuel, eine Sammlung hebräischer und persischer Gedichte von Mose-ben-David u. a, m.) In der Stadt Buchara befindet sich noch heute eine etwa 500 bis 600 Jahre alte Synagoge. Während der Herrschaft der Mohammedaner ha\'en die bucharischen Juden unter dauernden Verfolgungen'zu leiden. Es war ihnen verboten, Land zu bebauen; in-den Städten durften sie nur in den sogenannten „M ahallen" (Ghetto)), die sich meist in den verkommensten Gegenden der Stadt befanden, wohnen. Als Kopfbedeckung war ihnen der dort übliche ,/Tschalma" verboten, daher trugen die bucharischen Juden die schwarze Tuch- oder Pelzkappe, die sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat. An Stelle eines Gürtels, der ihnen gleichfalls verboten war, tragen sie eine rote Schnur. Auch das Reiten durch .die Straßen war ihnen untersagt. Ganz besonders hatten die Juden zu Beginn des 19: Jahrhunderts zu leiden, so daß viele von ihnen zum Schein zum Islam übergingen. Noch heute finden wir Nachkommen von solchen ,,Tschola"-(Marannen-) Familien. (Eine Schilderung des Martyriums der bucharischen Juden unter der Herrschaft des Emir Musum gibt uns der Dichter Ibrahjm-Abul-Kairs.) Erst nach der Eroberung dieses "Gebietes durch Rußland (1866 bis 1874) wurde ein Teil dieser Unterdrückungsmaßnahmen gegen die Juden aufgehoben. . In ihrer Lebensweise und ihren Lebensbedingungen unterscheiden sich die bucharischen Juden sehr wesentlich von der einheimischen, nichtjüdischen Bevölkerung (Usbeken, Tadjiken), obwohl sie in Aussehen, Sprache und Kultur kaum von ihnen abstechen. (Neben der Landessprache, der Tadjikischen, sprechen die Juden auch noch Hebräisch.) Im Gegensatz zu der nichtjüdischen Bevölkerung, die nach aiter Sitte für jede Familie zwei Wohnhäuser besitzt — eines für die männlichen, eines für die weiblichen Familienmitglieder — wohnen die Juden in sehr beschränkten Verhältnissen. Die Straßen der „Mahalla" (Ghetto) sind eng und schmutzig. Garten- und Rasenanlagen gibt es nicht. Die Wohnhäuser bestehen aus primitiven Holzgerüsten mit Lehmfüllung (,rDu\valen")i in die die Luft nur spärlich hineindrlngt. In den Wohnräumen, die aus Stube und Küche bestehen, und keine Fenster aufweisen, herrscht Halbdunkel, das Licht dringt nur durch das Gitter der Eingangstür, und auch dieses wird im Winter mit Papier ausgestopft. Das Mobiliar der Wohnungen ist sehr dürftig. Eigentümlich ist die Art der Beheizung: In eine 'Vertiefung des Lehmfußbodens werden glühende Kohlen gelegt, darüber befindet sich ein tischähnliches Gestell, das mit Wolldecken belegt Ist und „Sandale" genannt wird. Um diesen „Ofen" schart sich im Winter die Familie und wärmt ihre Füße unter den Decken. Die Temperatur der Wohnräume unterscheidet sich im Winter nur unwesentlich von der Außentemperatur. Unter diesen Verhältnissen lebt — mit Ausnahme der wohlhabenderen Familien — der größte Teil der bucharischen Juden. Die bucharischen Juden halten sich streng an die religiösen Vorschriften. Ihr kulturelles Leben steht trotz ihrer schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse auf einem bedeutend höheren Niveau als da» der übrigen Bevölkerung. Zwar ist ein gewisser Einfluß der Tadjike-i und Usbeken auf das religiöse und kulturelle Leben der bucharischen Juden zu verspüren, doch haben sie im großen ganzen ihre Eigenart als Juden (•••italieü. Die Vielweiberei, die hier einst sehr verbreitet war, ist heute nur noch eine seltene Erscheinung. Dir Haupterwerbszwoij-v der btichariechen Juden waren früher vor allem der Handel und zum Teil das Handwerk (Färberei von Wolle und Seid?.) Als erste, ' lange vor der Eroberung dieses Gebietes durch R u ß- 1 a n d, begannen die Juden mit dem Bammvollexport nach Rußland. Nach dieser Eroberung nahm der B a u mw o 11 e x p o r t große Dimensionen an, kurz vor Kriegsausbruch wurde etwa die Hälfte des gesamten russischen und polnischen Baumwollbedarfs (etwa 13 Millionen Pud) von den bucharischen Juden gedeckt. Außerdem beschäftigen sie sich noch mit dem Export von Teppichen, Pelzen ti. dgl. m. Mit dem europäischen Judentum traten die bucharischen Juden erst im Jahre 1802 in Verbindung durch einen in hebräischer Sprache abgefaßten Brief an die jüdische Gemeinde in Schklow (Rußland), In dem sie sich nach Herkunft und Lebensweise der Juden in Rußland erkundigten und die Anknüpfung von Handelsbeziehungen vorschlugen. Als erster Europäer lernte das Leben der Juden in der Buchara an Ort und Stolle der Missionar Josef Wolf, ein getaufter Jude aus Posen, kennen. In Wilna wurde in der Mitte des vorigen Jahrhunderts ein Gebetbuch für die Juden in der Buchara gedruckt. Nach der Eroberung der Buchara durch Rußland blieben nach der Buchara versetzte jüdischrussische Soldaten dort wohnen und gründeten die ersten Kolonien europäischer Juden. Ein freundschaftliches Verhältnis konnte sich jedoch zwischen ihnen und den bucharischen Juden nicht entwickeln, da jene den europäischen Ansiedlern wegen ihrer nicht strengen B efolgung der religiösen Gesetze nicht allzuviel Gastfreundschaft erwiesen, diese wiederum auf die bucharischen Juden wegen ihrer „asiatischen Gewohnheiten und Gepflogenheiten" mit Geringschätzung herabsahen. Durch die Verfolgung der zaristischen Regierung sahen sich die bucharischen Juden gezwungen, auszuwandern. Sie gingen teilweise nach P a 1 ä s t i n a, wo sie in Jerusalem einen eigenen Stadtteil gründeten. Unter dem jetzigen russischen Regime hat ."sich die Lage der bucharischen Juden a u ß e r o r d c n 11 i r h verschlechtert. Die begüterten Familien sind <>ntweder ausgewandert oder während der Revolution und der Bürgerkriege ums Leben gekommen. Aus den groRcn Kauflcutcn, die ein3t den gesamten ManuiakiiitHiirenhandcl beherrschten, sind kleine Händler geworden, die ein kü'.nnierliches Leben fristen und laugsam aussterben. Bei derart schlechtenwirtschaftlichen Verhältnissen und ungünstigen hygienischen Bedingungen kann es nicht wundernehmen, daß unter den buchariwb'Mi (Inaoü, obgleich sie sich von Natur aus eines gcsuc(k<"i Körperbaues und schöner äußerer Erscheinung erfreuen, sehr viele Krankheiten verbreitet sind. Besonders häufig kommen Kinderkrankheiten vor. Die Säuglingssterblichkeit beträgt hier durchschnittlich 42,7 von je .100 Geburlr-n. („Isr. Fambl.") Balfour-Tag in Palästina Dsr 2. November 1934, der 17. Jahrestag der Verkündung der Balfour-Deklaration, für den die arabische Exekutive auch in diesem Jahre den Generalstreik proklamierte, ist vollkommen ruhig verlaufen. Die Generalstreik pa role wurde fast nicht befolgt, die Arbeit ruhte nirgends. (J. T. A.) Streicher macht eine Ritualniordaffärc in Ungarn Aus Nürnberg: An die falsche Nachricht des Budapester antisemitischen „M agyarsag" über den Versuch eines alten Juden, ein christliches Kind zu entführen, knüpft Julius Streicher im „Stürmer" folgende Berrjorkuns: „Es gibt innerhalb des Judentums auch heute noch Se k t c n, die bei ihrem rituellen Tun Blut g eschäch teter Nichtjuden gebrauchen. Das entführte Kind ist sicherlich noch im letzten Augenblick vor der . Hinschlachtung durch einen Ritualmörder bewahrt worden." Jüdischer Sport. Hakoah—Vienna abgesagt. Wegen der schlechten Witterungsverhältnisse mußte der Meisterschaftskampf Hakoah gegen Vienna abgesagt werden. Ein neuer Termin wurde noch nicht vereinbart. — Hockey: Das wichtige Spiel Hakoah gegen Währing .wurde vom Hockeyverband auf den 15. ds. verschoben, da Währing am letzten Sonntag einige seiner Spieler dem Verband für das Eishockeyspiel gegen Paris zur Verfügung stellen mußte. An Stelle Währings trat der V. f. B. gegen Hakoah in der Meisterschaft an. Hakoah siegte verdient 1:0. Den einzigen Treffer erzielte Dr. Rosenfeld. — Die Hakoah- Damen besiegten den Kritzendorfer Sp. Kl. 2 : 0 und stehen an der Spitze der Tabelle. Die Tore Schossen Mizzi Neu mann und Schreiber. r*«* DamenrWollhandschuhe Bestrickt, mit Stulpo, schwnrz-wciß und allo *"98 Modefarben.......'#».'*• V ,V .\S o Damen-Winter-Strümpfe . *-ga weich.wie Wolle, Innenseite warm gerauht S Schafwoll-Pullover mit Kollkraeen, Garbo-Fasson, alle Farben und 3*80 , L Grüßen............ .'.WV.t.S * Mode-Kurz-Westen j.-go' mit buntum Schafwoll-Revors.....S *» Mode-Schafwoll-Westen u-go mit schönem Rauhreif-Revers, in Modefarben .". S O Schafwoll-Pullover v q.8o Noppen-Strickart, mit eleganter Stickerei. ,* ,"," ,' . . S <9't K.-Selden-Dreleck-Tücher 4-50 nouesto Dessins.............. S 1*98, S I *v- Flanell-Nachthemden mit gesticktom Seideneinsatz, Bubikragen, lange Aerjnel, alle A '90 Farben . ............. .V. . ,V. .V/. . . 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