Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 407 (23.10.1934)
- Date
- 1934-10-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 10 Groschen lahrgang 8 Dienstag/ den 23« Ok> Nr. 407 V. b< b« Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedie par rfediteur" BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnet© Anzeigen sind entgeltlich. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitäfsstr. 8, Tel. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag «. Freitag REVUE Gegen die Schande Palästinas Wir haben wiederholt berichtet, daß ein großer Teil der palästinensischen Judenheit, im Gegensatz zur übrigen jüdischen Welt, nicht nur weiter Waren aus Hitler- Deutschland bezieht, sondern in größerem Maße als je. Um einige Prozente Mehrprofit werden bedenkenlos jüdische Ehre und jüdische Sicherheit preisgegeben. Nutznießer dieser Schande, unter ihnen die palästinensische Arbeiterpartei, suchen sich mit Hinweis auf das Transferabkommen mit Deutschland zu verteidigen, d. h. darauf, daß jüdische Palästina-Wanderer ihr Geld aus Deutschland nur in Form deutscher Waren nach Palästina bringen können. Das ist aber eine verlogene Verteidigung, denn der von Deutschland bewilligte Transfer, macht keine ganzen 5 Millionen Mark aus, während, wie die unten angeführten Zahlen beweisen, der deutsche Import in diesem Jahre über 22 Millionen Mark (1,6 Millionen Pfund) betragen wird. Das heißt mehr als 17 Millionen Mark palästinensisches Geld wird von Juden an Hitler-Deutschland ausgezahlt, zur höhnischen Freude der Nazi-Blätter, welche' erklären: „Seht die Juden an! Haben wir nicht recht? Für Rebbach verkaufen sie alles, auch ihre und ihrer Brüder Ehre." Jetzt macht sich unter dem Eindruck der Genfer Weltkonferenz, welche in scharfer .Weise das Vorgehen Palästinas verdammte, im Lande eine Reaktion gegen das schändliche Treiben der mit Nazi-Deutschland handelnden Profitjäger bemerkbar. Die. J. T. A. meldet aus Tel-A wiv/::, " , Die in Jerusalem,' Haifa und Tel-Awiw bestehenden, jüdischen Komitees für Boykott deu t scher Waren u nrd Dienste haben in diesen Tagen eine Konferenz abgehalten und u. a. erklärt: \ . Die .Konferenz macht sich die Meinung der Weltjudenheit botreffend die Notwendigkeit der Es gibt in der Tschechoslowakei jüdische Filmproduzenten, welche die deutsche Version tschechoslowakischer Filme für Deutschland streng nach den Nazivorschriften herstellen. Solche Filme müßten eigentlich so behandelt werden, als ob sie tschechische Versionen von Hitler-Filmen wären. In Wirklichkeit aber sind diese sogenannten Goebbels-Filme gar nicht so judenrein, wie sie sich den Anschein geben. Denn die Nazideutschen haben die' Hoffnung aufgegeben, ohne jede jüdische Hilfe in der Filmbranche auszukommen. Hinter den Kulissen werden Juden beschäftigt, jüdische Auslandsfilme vertrieben. Offiziell wird dies verschwiegen. Die Propagandastelle wacht darüber, daß der jüdische Anteil getarnt werde. Aber haben die Juden ein Interesse daran, daß dies geschieht? Die einzigen Filmerfolge unter Hitler hatten ausländische jüdische Filme: La Maternelle (Frankreich). Die Mitautorin Marie Epstein wurde nicht genannt, dem Regisseur Berioit-Levy amputierte man den Levy. La Bataille (Frankreich). Das Werk des ungarischen Juden Nicolas Farkas. Cette vieille Canaille (Frankreich). Im Namensverzeichnis lesen wir vier Juden, und zwar den Produktionsleiter Schiffrin, den Regisseur Litvak, die Haüptdarsteller Harry Baur und Alice Field. Heinrich VIII. (England) lief in Berlin gleichzeitig in 30 Kinos. Regisseur der ungarische Jude Alexander K o r d a. Franziska-Gal-Filme. Eine Menge Juden hatten hier als Autoren, Regisseure usw. Anteil, so daß in den Berliner E'ilmcafGs das viel kolportierte Wort entstand: „Wir arbeiten alle für ,Tarner' Brothers". (Im Anklang an die amerikanischen Filmproduzenten „Warner Brothers".) Auch der 30. Juni hat keine Aenderung gebracht. Es wurden aufgeführt: Der träumende Mund (Elisabeth Bergner), Die Privatsekretärin (Felix Bressart), Der Kongreß tanzt (Musik von Heimann), Czardasfürstin (Emmerich Kaiman). Führung eines wirtschaftlichen Kampfes gegen Nazi-Deutschland zu eigen und proklamiert den vollständigen Boykott deutscher Waren in Palästina, unter welchem Deckmantel immer sie eingeführt werden. Die Konferenz bedauert das Anwachsen des deutschen Imports, der sich auf 408.000 Pf. St. im ersten Jahresviertel 1934 gegen 251.000 Pf. St. im ersten Jahresviertel 1933, also um 62 Prozent, erhöht hat, was auf Konto der verschiedenen Transferabkommen mit dem Dritten Reich geschrieben wird. Die Konferenz fordert die sofortige und bedingungslose Aufhebung der Transfers, die die Würde des jüdischen Volkes verletzen, die Durchführung des Boykotts deutscher Waren verhindern und die junge jüdische Industrie Palästinas zerstören, Die Konferenz fordert die Jewish Agency, den Waad Leumi und alle öffentlichen Organisationen auf, ihren Zweigorganisationen zu verbieten, in dem Transfergeschäft tätig zu sein' und sie zu veranlassen, alle Transferoperationen einzustellen. Haifa wurde zum Hauptort des „Palestine Committee for the Boycott of German Goods and Services" gewählt. Der Stab des Büros besteht aus fünf Mitgliedern, von denen drei die Leiter der Komitees in Haifa, Tel-Awiw und Jerusalem und die restlichen zwei Mitarbeiter des Komitees in Haifa sind. Präsident der Exekutive ist der Haifaer Anwalt S. P o 11 e y. Der Haifaer Stab wurde beauftragt, den Boykott im großen Maßstab zu,organisieren und einen A k t i o ns p 1 ai. t z auszuarbeiten. In "den'-K o 1 on i e h und S t ä <31 e n sollen Zw^£komitees errichtet werden. Mit den Boykottzentren im Ausländ soll eine Verbindung hergestellt werden. Die Konferenz lud alle öffentlichen Institutionen und Organisationen ein, sich zu einer Antinazifront zusammenzuschließen. Die Prager „Selbstwehr" schreibt: „Wenn der jüdische Schauspieler Macht hat, setzt er seinen Willen durch. K i e p u r a spielt nur mit der aufgeblondeten Halbjüdin Martha Eggert, die ihm Goebbels auf dem Altar der polnischen Alliance preisgegeben hat; und noch hat kein Dementi die Behauptung der Weltpresse annulliert, daß Hitlers Filmführerin Lene Riefenstahl Halbjüdin ist. Hans Albers bleibt, Goebbels zum Trotz, bei seiner jüdischen Freundin Hansi Burg. Maskerade war in Berlin, Prag, Wien ein großer Filmerfolg der neuen Wintersaison. Judenrein? Keine Rede. Der Autor des Drehbuches Walter Reisch ist Jude, den Berliner Machthabern sehr wohlbekannt, da er ja ein verjagter jüdischer Autor der Ufa ist. In der Berliner Fassung wird Reisch als Autor verschwiegen, sein Bild aus dem Film herausgeschnitten und das Manuskript als Werk von Willi Forst bezeichnet. Im übrigen ist anzunehmen, daß auch der Schöpfer der Ausstattung des Films Maskerade, S t r n a d, Jude ist, da ihn die Berliner Filmkopie verschweigt." (Prof. Oskar Straad (Wien) ist volksbewußtcr Jude. Anm. d. Red.) Das Blatt schließt mit dem Resum.6: „Von einem judenreine n Film ist also keine Rede. Das ist eine Legende wie der Reichstagsbrand, die Röehm-Revolte und schlechthin alles, was die herrschende Clique behauptet. Darauf stützt sieh aber die ausländische Filmproduktion beim Ausschluß von Juden, beim Brechen von Verträgen und Abmachungen. Von dem Schaden, den sie selbst erleidet, daß sie die in Frankreich und England wirkenden vertriebenen deutschen Juden nicht aufgenommen hat, wollen wir nicht reden. Das ist ihre eigene Sache. Unter keinen Umständen dürfen aber die tschechoslowakischen Juden und die Demokratie diese Zu-, stände dulde n." Wie man sieht, haben all diese Feststellungen eine wirtschaftliche, eine moralische und eine politische Seite. Und sie regen zu einer Betrachtung der österreichisch e n Film-Situation an. Seit einiger Zeit stößt man in der Wiener Presse auf Meldungen, die besagen, daß Oesterreich bereits eine eigene umfangreiche Filmproduktion besitze, ja daß „der österreichische Film im Begriff sei, sich die Welt zu erobern". Bei dieser Konstatierung handelt es sich nicht bloß um eine geographische Feststellung, nicht um die Betonung der Provenien» des Films; 1 dilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllHIIIIIIIIItt j Judemtaatipartei 1 1 Frei zugängliche große i Versammlungen! E Dienstag, 23. Oktober, halb 9 Uhr, Cafe" Patria, S VI., Mariahilferstraße 127, „Judennot und E 5 Judenstaat". Redner: Oberbaurat Ing. Robert s 2 Stricker, Fritz Richter. E Mittwoch, 24. Oktober, halb 9 Uhr, Juden- E 2 staatsheim, I., Werdertorgasse 14, „Die Gefahr j-5 2 des Parlaments in Palästina". Redner: E S Dr. Salomon Wolf. E E Donnerstag, 25. Oktober, halb 9 Uhr, Cafe" E 2 Lovrana, III., Löwengasse 36, „J ü d i s c h e H o f f- E 2 nungen — zionistische Erfüllunge n". E 5 Redner: Theodor Grubner, Fritz Richter. S E Große Studenten Versammlung: E 2 Donnerstag, 25. Oktober, 8 Uhr, Heim der E 2 „Judäa", IX., Alserstraße 26, „Studenten- 2 E fragen — Judenfragen — Palästina- E E Frage n". Redner: Oberbaurat Ing. Robert Stricker. E ^7111111111111111111111111111111 f 11111111111111 i 11 r f IC 311111111111111111111F Voranzeige Samstag, den 27. Oktober, 8 Uhr abends, im Judenstaatsheim, I., Werdertorgasse 14, Abend jüdischer Kunst. Mitwirkung bedeutender Kunstkräfte. — Reichhaltiges Programm. y^Lmehr will, gesagt sein, daß der in. Oesterreich . hergestellte Film österreichischen C ha- . r a k t e r trage, das Wesen Oesterreichs ausstrahle und so für diesen alt-ehrwürdigen Kulturbereich zeuge. Die Wirklichkeit hat ein anderes, weit weniger befriedigendes Gesicht. Es ist bekannt, daß — von ganz geringen Ausnahmen abgesehen — die in Wien hergestellten Filme für das deutsche Publikum bestimmt sind, daß daher das über 60 Millionen starke Deutsche Reich für den Absatz dieser Filme sehr wichtig ist. Außerdem wird an und für sich das' mitteleuropäische Filmgeschäft von den Deutschen — finanziell und administrativ beherrscht. Diese beiden Umstände machen es erklärlich, daß Hitler-Deutschland die Filmproduktion auf österreichischem Boden kontrolliert und ihr, der Produktion, seinen Willen in bezug auf Sujet, Darsteller, Regisseur, Kameramann usw. aufzwingt. Diese dominierende Stellung benützt Hitler-Deutschland zu einer Art Erpressung auch an jenen Filmproduzenten, welche ihre Tätigkeit in Oesterreich ausüben. Es gibt zahlreiche Juden unter ihnen. Also auch der jüdische Filmkapitalist fügt sich dem reichsdeutschen Diktat. Auch die Filme, die mit jüdischem Kapital in Oesterreich hergestellt werden, müssen Filme sein, die den bilteristischen Belangen entsprechen. Auch die in Oesterreich arbeitenden jüdischen Filmproduzenten sind Sklaven der hakenkreuzlerischen Politik, der nationalsozialistischen Mentalität, des — Arierparagraphen. Dieser Zustand, gegen den man bisher nur seitens nichtbeschäftigter jüdischer Schauspieler, Musiker usw. -ein Wort des Unwillens und Mißmutes hörte, wirkt sich nach doppelter Richtung aus: nach der allgemein österreichischen und nach der spezifisch jüdischen. Es gibt zahlreiche Länder, in denen die Verleiher, die jüdischen und nichtjüdischen, hitleristische Filme ablehnen, d. h. die Filmproduktion des Dritten Reiches boykottieren. Hingegen übernehmen sie ganz gern den — österreichischen Film, der, wie man aus dem oben Ausgeführten ersieht, ein getarnter Hitler-Film ist. So wird mit der Marke „Oesterreich" Schindluder getrieben. Nicht nur der Umstand, daß die aus dem Filmverleih fließenden Gelder in nichtösterreichische Taschen fließen, ist bedenklich, da er ja die Sache für Oesterreich nicht rentabel macht. Dazu kommt noch, daß der ausländische Erwerber österreichische Filme infolge der großen reichsdeutschen Reklame für die getarnten österreichischen, nach deutschem Rezept verfertigten Filme zu allererst erwirbt und, bevor er an die echten österreichischen Filme herangeht, schon mit jenen eingedeckt ist. Auch gibt der von der Berliner Filmprüfungsstelle genehmigte, in Oesterreich gedrehte Film nicht das wahre Bild des österreichischen"Geistes. Und nun zu den jüdischen F i 1 m p r o d uz e n t e n! Sie dulden es, ohne mit der Wimper zu zucken, daß ihr Kapital für Filme arbeitet, in denen kein Jude (wenigstens offiziell) beschäftigt werden darf. In manchen Wiener Ateliers gehen die von Goebbels eingesetzten Produktionsleiter so weit, daß sie ganz öffentlich ein Mitwirken von Juden als ausgeschlossen bezeichnen — in Filmen, die von jüdischen Filmindustriellen hergestellt werden! Gibt es hier eine Abwehr? Wir bejahen diese Fnage und werden ihr nächsten* ein eigenes Kapitel widme». Tschechische und österreichische Filmarbeit für das Dritte Reich