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Die neue Welt · 1934-10-05 · Heft 402 (5.10.1934) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 402 (5.10.1934)
Date
1934-10-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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4sm DIE NEUE WEVt Seite 7 Die Rothschilds im Film Nathan Rothschild (George Arliss) im Frankfurter Ghetto. (United Artist-Film) Der Name Rothschild verpflichtet . . . Daran dachten auch die Produzenten des Rothschild-Films, der seil einigen Tagen ein kinohungriges Publikum anlockt. Der j\rame Rothschild wirkt Much heute noch suggestiv auf eine Menschenschicht, die mit ihm die Tage des Glänzen und Ruhms einer — jüdischen Bürgers-, beziehungsweise Adelsfamilie verbindet. Wenn die Engländer „Bibel" sagen, meinen sie Baumwolle. Wenn die Filmfabrikanien ..Moral" sagen, meinen sie money. Beim Rothschild-Thema berühren sich die Sphären. Aber darauf kommt es nicht an . . . Der jüdische Filmbesucher kann nicht mit ungetrübter Freude den imponierenden, wenn auch mit viel Demütigungen und gerissenen Tips gepflasterten Aufstieg der Frankfurter Ghettofamilie genießen. Mit tiefster Beklemmung sitzt er da, besorgt, es könnte eine der jüdischen Figuren einen faüx pas begehen, der dem jüdischen Volk angelastet wird. Denn der j üdi s c h e Zuschauer fühlt sich mitverantwortlich für all das, was die Rothschilds hier als Exponenten einer angeblich jüdischen Mentalität tun und sprechen. Und mirklidi: alles steht an des Messers Sdmeide, kann zum Bösen, Empörenden, die Scham Beleidigenden umkippen. Die Hersteller des Films waren in. ihrer Sucht nacli Glorifizierung, nach Schmalz und Glyzerin, nach Befriedigung patriotischer und rasseverpflidiiender Bedürfnisse nicht seJ\r wählerisch bezüglich der Mittel, diesen Genüge zu tun. Menschen, die Freude an guten Werken und Enthüllungen schöner Seelen haben, werden hier ausreichende Kost finden. Sie werden es sogar ertragen, daß eine Geldgeschichte zur Weltgeschichte und zur Geschichte des — jüdischen Volkes um frisiert wird. Trotz diesen mehr ästhetisch-politischen Einschränkungen ein beachtenswerter Film, vornehmlich durdi den Darsteller des Nathan Rotschild George Arliß, der diesen „Bankier1" im Stil Dickens als Mann von Humor und Spleen charackterisiert. So wird durch Arliß aus einer Hofuna Staatsaktion ein Spiel der Laune und des Charakters. Bei seinem Rothschild berühren sich diese Sphären-, o. r. Filme der Woche Ohne und mit Arierparagraph Immer mehr häufen sich die jüdischen Stimmen, üie sich darüber beklagen, daß jüdische, ja auch gewisse zionistische Blätter relchsdeutsche Filme m ihren Spalten ankündigen und zu deren Besuch animieren. Zahlreiche Zuschriften an .uns beschäftigen sich mit dieser Frage, die in innigem Zusammenhang mit der antideutschen Boykott-Front stellt. Es wird auch Aufklärung darüber verlangt, welche Filme unter Ausschluß von Juden hergestellt wurden, d. h. rein hakenkreuzlerischer Provenienz sind. Auf Grund dieser Tatsachen haben wir uns entschlossen, nach Tunlichkeit jede Woche die in Wien laufenden Filme nach den Herstellungsländern y,u ordnen und in dieser Zusammenstellung zu veröffentlichen: Oesterreich: Maskerade — Früjahrsparade. Amerika: Die Rotschilds (United Artists) — Zarewna — Skandal in Rom — Abenteuer in Schanghai — I. Preis: Paris (Paramount). Deutschland (Arier paragraph): Czardasfürstin (Ufa) — Fürst Woronzoff (Ufa) — Geschichten aus dem Wienerwald. — Liebe, dumme Mama. Neue österreichische Filmproduktion Der bekannte Filmautor Ernst Neubach produziert im Rahmen der Styria-Film G. m. b. H., Wien, einer Gründung des bekannten Großindustriellen Heinrich Haas, einen Wiener Film, der den Titel „Die Amsel vom Lichtenthai" führt. Diese Ernst-Neubach-Produktion der Styria-Film-Gesellschaft behandelt das Schicksal österreichischer Menschen, resp. das Schicksal einer Wiener Volkssängerin. Es ist ein Wiener Film, völlig abweichend von dem allgemeinen Klischee der Wien-Filme. Die Geschehnisse spielen in dem noch nie gezeigten Milieu einer Wiener Volkssängerfamilie. Für die weibliche Hauptrolle wurde Luise Ullrich gewonnen. Musik nach alten Wiener Liedern. Begeistert sind alle von den vielen Vorzügen der seit Jahrzehnten bewährten und beliebten „Reich"-Dauerbrandöi'en. „Reich"-DauerbrandÖfen sind für Inland- und Steinkohle, Koks und Anthrazit geeignet und erzielen eine enorme Ersparnis an Heizmaterial. Primat, die neue Ofentype für Holzheizung, genießt 30 Prozent Bundeszuschuß. „Reich"-Dauerbrandöfen sind in jeder Größe, Farbe und Ausführung zu haben: IV., Preßgasse 28, und L, Parkring 12. Das größte Schiff Das größte Schiff der Welt, ,,Q u e e n Mary", wurde am Mittwoch seinem Elemente übergeben. Unter atemloser Spannung verharrte die Menge, als die Königin von England, die dem Schiff ihren Namen verlieh, das Zeichen zum Stapellauf gab. 60 Sekunden dauerte es, bis .der Stahlkoloß in den schäumenden Wogen ruhig lag. Der Jubel war unbeschreiblich, mit dem dieses Wunder der Technik begrüßt wurde, das im Auftrage der Cunard Line von John Brown & Co. in Clydebank gebaut worden ist, und dessen Bau ungefähr 250.000 Menschen Arbeit gab. Auf die Begrüßungsansprache des Präsidenten der Cunard White Star Line wies der König in seiner Rede auf den großen Fortschritt hin, den der Schiffbau genommen hat. „Kaum 100 Jahre sind es her, daß Samuel Cunard seinen geregelten Schiffsverkehr zum Zwecke der Postbeförderung über den Atlantischen Ozean nach Amerika mit kleinen hölzernen Raddampfern aufnahm. Diese Dampfer hatten eine Größe von 1150 Tonnen. Es werden sich gewiß noch einige wenige Menschen erinnern können, daß man in ihrer Jugendzeit mit Staunen von diesem Beweis menschlicher Beherrschung der Natur sprach. Heute haben, wir . die frohe , Aufgabe, das stattlichste Schiff (73.000 Tonnen), das existiert, hinauszusenden." Er schloß mit den Worten: ..Möge das Dasein auf dem großen Wasser Freundschaft unter den Nationen verbreiten!" Aufsehen erregte es, als im Laufe der Festlichkeit der Präsident der Cunard Withe Star Ltd. die Mitteilung machte, daß der Bau eines zweiten gleich großen Schiffes geplant sei und die Arbeiten daran so bald als möglich in Angriff genommen werden sollen. Noch werden 18 Monate vergehen müssen, bis der Dampfer „Queen Mar y", der einstwelen in ein zweites Dock gebracht worden ist, seiner Bestimmung zugeführt weiden wird. Nun werden der Aufbau und die Innenausstattung hergestellt, in vorbildlicher Weise, der alten Tradition der Cunard- und White-Star-Linien entsprechend, deren beide Flaggen er führen wird. Palästina s Meteende linden in TeS-Avi'v, AdiadUHaanu Sir. 52, im nwD Hotel ,TaIpioth' das europäisch geführte Haus mit allen Bequemlichkeiten In ruhiger Lage im Zentrum der Stadt gelegen. Gut und modern eingerichtete Zimmer mit fließendem Wasser. Großer schattiger Garten mit Liegestühlen. Wiener Küche. Aufmerksame Bedienung. Sitz der Austro - Palästinensischen Handelskammer und der Hitachduth Olei Austria. Verlanget überall »Die Neue Welt« wmmmmKammmmBmmmmmmmammmmstmm Alt-Herren-Ring Die erst 6 Monatszusammenkunft, aller Alter Herren der im Ring angeschlossenen Verbände findet nunmehr endgültig am D i e n s t a g, den 9. Oktober, utn halb 8 Uhr abends Im Saale des Hotel de France, I., Schottenring, statt. Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Bb. Herr Dr. Desider Friedraann, wird Uber aktuelle jüdische Fragen sprechen.- Alle Alton Herren werden ersucht, vollzählig und pünktlich zu erscheinen. Für billige Nachtmahlgelegenheit ist vorgesorgt. Legitimistische jüdische Frontkämpfer im „Eisernen Ring". Am Donnerstag, den 11. Oktober 1934 pr^z'se um 7 Uhr 45 Min. abends, findet im . Festsaal der Bezirksvertretung Aisergrund, IX., Währingerstraße 43, eine Werbeversammlung der „Legitlmis tischen jüdischen Frontkämpfer" unter der Devise „Juden — wohin in Oesterreich?" statt, bei welcher u. a. die Herren Dr. Leo Fischmann, Chefredakteur Hans K a n d 1 und Fürsorgerat Hans Prisching über dieses interessante Thema sprechen werden. Alle Juden, welche sich über diese aktuelle Frage informieren wollen, sind hiezu eingeladen! Eintritt frei. Leiwiks ,,Q®lem" in der Judischen Bühne Das berühmte Repertoirestück der Habima „Der Golem" von Hersch Leiwik gelangt ab Freitag, dan 5. Oktober, in der Jüdischen Bühne, II., Praterstraße 60, zur jiddischen Erstaufführung. Die Regie liegt in ( den Händen des hervorragenden Schauspielers und Regisseurs Alex Stein, der nach langer und harter Prbbearbeit die Aufführung des Stückes möglich gemacht hat. Durch die Aufführung des „Golem" wird die Bühne in der Praterstraße 60 in den Stand versetzt, jene Teile des,Wiener,jüdischen Publikums, die Interesse an guten literarischen Stücken haben, wieder heranzuziehen. Der heutigen Premiere sieht man mit großer Spannung entgegen. Die Musik zum „Golem" stammt vom Warschauer'Komponisten Henosch K o h n. Bultarester Jüdisches Theater. .Freitag, den 12. Oktober, beginnt das Bukarester jüdische Theater in den Jüdischen Künstlerspielen, II., Praterstraße 34 (Reklame), unter Leitung des Direktors M. Siegler, sein Gastspiel. Dem Ensemble, welches sich aus erstklassigen Kräften zusammensetzt, gehört u. a. Frau Sevilla Pastor und Erna Siegler an. Das Repertoire besteht aus Komödien und Volksstücken. Mit „M a s e 1 T o w", einer Komödie in 2 Akten von Siegl und Secunde, beginnt das interessante Gastspiel, für das der Vorverkauf in den nächsten Tagen einsetzt. Wieher Beth-Hamidraseh, Wien, II., Tempelgasse 3. Vorlesungen im Wintersemester 1934/35 (5695): Sonntag: 5 bis 6, Lektor Dr. Rubin, Midrasch; 6 bis 7, Lektor Dr. Rubin, Talmud, Traktat Megillah. Montag: 6 bis 7, Rabb. Dr. Rosenmann, Ezechiel; 7 bis 8, Rabb. Dr. Murmelstein, Kulturkampf im Judentum. Dienstag: 6 bis 7, Prof. Dr. Krauß, Geschichte der Juden in der neuesten Zeit; 7 bis 8, Oberrabb. Dr. Taglicht, Schewed Jehuda. Mittwoch: 6 bis 7. Rabb. Lektor Dr. Rubin, Midrasch; 7 bis 8, Rabb. Dr. Rosenmann, Ezechiel. Donnerstag: 6 bis 7, Prof. Dr. Krauß: Geschichte der Juden in der neuesten Zeit; 7 bis 8, Prof. Dr. Krauß: Menorat Hamaor. Samstag: 11 bis 12, Prof. Dr. Krauß, Menorat Hamaor: 4 bis 5, Rabb. Lektor Dr. Rubin, Bibelvortrag. — Die feierliche Eröffnung des Wintersemesters findet Sonntag, den 7. Oktober, um halb 7 Uhr abends, im Kleinen Tempel, II., Tempelgasse 3, statt. Eröffnungsvortrag des Herrn Oberrabbiner Dr. T a g 1 i c h t. Jüdischer Witwen- und Waisenhilfsverein, Wien, IX., Hahngasse 12. Montag, den 8. Oktober 1934, um halb 8 Uhr abends, in Caf<5 Promenaden, IX., Rossauerlände 27, außerordentliche Generalversammlung. Maimonides-Institut, II., Praterstraße 11. Eröffnung des Studienjahres, S a m s t a g, 6. Oktober, 4 U h r, durch einen Vortrag des Leiters, Herrn Rabbiner Dr. A. Kaminka: „Der dreifache philosophische Sinn der Schöpfungsgesc nicht e." Ein renommiertes Restaurant ladet Sie ein. Das bestbekannte Restaurant Hotel Stefanie, welches durch seine vorzügliche Küche in weitesten Kreisen den besten Ruf genießt, ladet auch Sie ein, sich von der Güte und schmackhaften Zubereitung der Speisen zu Uberzeugen. Die billigen Preise, reichhaltige Menüs schon von S 1.60 an. ermöglichen es jedermann. Speisen am Rost. Erstklassige Bedienung. Generalversammlung der Histadruth Iwrith. Samstag, den 13 Oktober 1934, halb 8 Uhr abends, findet im Saale der ,,Zion"- Bibliothek, Wien, II., Kleine Mohrengasse 3, die ordentliche Generalversammlung der Histadruth Iwrith mit folgender Tagesordnung statt: 1. Eröffnung und Nachruf nach Ch. N. Bialik, 2. Rechenschaftsbericht, 3. Das hebräische Buch im vergangenen Jahr, 4. Neuwahlen. Einladungen werden nicht ausgesendet. — Lernt Hebräisch! Hebräischlernende, Eltern, Kurs- und Schulleiter! Wendet euch immer bei jedem Bedarf nur an den Hebräisch-Lehrer-Verband der Histadruth Iwrith (schriftlich). Hebräisch-Lehrer-Verband der Histadruth Iwrith, Wien, II., Kleine Mohrengasse 3. Beginn des israelitischen Jugendgottesdienstes im Schuljahr 1934/S5. Samstag, den 6. Oktober 1934, um 3 Uhr nachmittags findet in allen Gemeinde- und Bezirkssynagogen der feierliche Beginn des Jugendgottesdienstes für das Schuljahr 1934/35 statt. Vortrag Alice Schaidt. Alice Schalek wird Freitag, den 5. Oktober, halb 8 Uhr abends im Großen Saal der Urania unter dem Titel „Neue Urlaubsziele: Bulgarien und Türkei" 170 eigene Aufnahmen ihrer letzten Sommerreise zeigen, und zwar wird sie im ersten Teil von der jetzt so. beliebten Donaureise bis zum Seebad Varna am Schwarzen Meer und von den romantischen Klöstern und Gebirgen Bulgariens erzählen und im zweiten von dem grandiosen Aufbau des neuen Ankara. Jetz* gehfs los! Die große „Herbst-Sensation" in allen Abteilungen des populären „Warenhauses der Sparsamen", bei Schiffmann auf der Taborstraße 48, hat begonnen. Wir richtig und vernünftig . . . also durch günstigen Einkauf sparen will, kauft jetzt Herbst-Kleidung jeder Art für Mann, Frau und Kind, Neuheiten in Woll-, Seiden- und Waschstoffen, sowie alles für Küche und Heim . . . bei' Schiffmann — und spart so viel Geld. Aktuelle Waschstoffe — ab 65 Groschen per Meter, Reinwollstoffe schon ab S 2.90, Seide ab S 1.75, pelzverbrämte Damenmäntel ab S 25.—; das sind beispiellos billige Preise und Beweise der besonderen Geld ist rar, drum kaufe bar und spar! Kommen Sie, übsr- Leistungsfähigkeit des „Warenhauses der Sparsamen", zeugen Sie sich aus eigener Wahrnehmung von den Sonder-Angeboten in Qualität und Preis und kaufen Sie . . . bei Schiff mann, II., Taborstraße

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