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Die neue Welt · 1934-09-28 · Heft 401 (28.9.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 401 (28.9.1934)
Date
1934-09-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Breis 20 Groschen Jahrgang 8 Freitag, den 28» September 14134 1 l 1S7 Nr* 4<H V*!>♦ b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal expetüö par l'editeur" E V U E HERAUSGEBER; ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S 4.—. ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—-; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Des Kanzlers Blatt zm Jigdenfirage Der „Sturm über Oesterreich", das Organ der .„Ostmärkischen Sturmscharen" (O. S. S.), bringt in seiner letzten Nummer einen Artikel zur Judenfrage. Zwei Umstände verleihen dieser Publikation besondere Bedeutung: Begründer und oberster Führer der Ostmärkischen Sturmscharen ist der österreichische Bundeskanzler Dr. Schuschnigg. Der, Artikel wird an leitender Stelle und in Form einer programmatischen Erklärung gebracht. *. Nach einer Einleitung, in welcher der Antisemitismus der Hitler-Leute abgelehnt und der Ersatz des Wortes „Antisemitismus" durch „Abkehr vom Ungeist der jüdischen Geldsackwirt- Bchaft" gefordert wird, heißt es: „Die O. S. S. können als. katholische Bewegung nicht •ein ganzes Volk deswegen bekämpfen, well es einer anderen Rasse angehört. Sie sind gewohnt, in jedem 'Menschen das Ebenbild Gottes zu ehren. Erst wenn der Fall eintritt, daß dieses Ebenbild des Schöpfers durch Handlungen verzerrt und geschändet wird, die der göttlichen Weltordnung widerstreben und ins Gesicht schlagen, sagen wir den Kampf an. In welcher Weise haben sich demnach die Ostmärkischen Sturmscharen mit dem J udentum als Begriff auseinanderzusetzen? Für sie ist in erster Linie eine klare. .Trennung vorzunehmen zwischen jener .Judenschaft, die als volks- und? e 1 i g i o n sg e b ü n d e n e Einheit heute dasteht und innerhalb einer jeden Nation. der Erde eine Minorität darstellt Und jenen anderen Assimilationsjuden, dio längst ihrem Väterglauben, und ihrer Väter Sitte fremd jewerden sind, die, die gleichwohl ererbten Eigenschaften ihres Stammes ausnützend, zur furchtbaren Gefahr innerhalb ' eines jeden gesunden Volkskörpers Werden müssen, weil sso ihn mit ihrem Diesseitsstreben ihrer manmioni-?tisch-materialistischen Einstellung und ihrer rassentheoiogisch zielbewußt betriebenen Vemiischungstaktik Innerlich zersetzen und verseuchen." Dann wird die „Abwehrstellung" der abendländischen Christen gegen die Juden mit deren Ueberschätzung von Geld und Geldeswert, die notgedrungen zur seelischen Korrumpierung führte, begründet und hinzugefügt: „Es wäre indes verfehlt, andererseits nicht offen zuzugeben, daß in den Ursachen dieser Entwicklung auch Fohler auf unserer Seite gelegen waren. Die mannig-, fachen Verbote, Handwerk zu treiben und .Grundbesitz zu erwerben, unter denen die Judenheit des Mittelalters in fast allen L&ndern gestanden hatte, das Privüegienwesen, das immer dann blühte, wenn die Landesfürsten Geld brauchten, sowie vor allem die ständige Pogromangst, in welche zügellose Hetz- ^pcs'tel die Judenschaft des Mittelalters von Zeit zu Zeit zu versetzen pflegten, wirkten zusammen, diese letztero zwangsläufig auf das Erwerbsmittel des Geld-: Schachers hinzuleiten." „Keines der Wirtsvölker bedachte in dieser Geschichtsperiodo die ungeheure Gefahr, dio sich später einmal daraus ergeben mußte, wenn durch die Intensivierung de« mit den technischen Fortschritten immer dichter, werdenden Weltverkehres dieses Assimllatiönsjudentum zu einer internationalen Macht werden würde." Nach längerer Ausführung über die unheilvollen Wirkungen des übersteigerten Materialismus und Mammonismus, die am Beispiel des gerade jetzt aktuell gewordenen Skandals um die amerikanischen Rüstungsfirmen erläutert werden, wird ausgeführt: „Dio Ostmärkischen Stürmscharen müssen immer wieder pflichtgemäß darauf hinweisen, daß es diese Praktiken sind, daß es dasjenige ist, was wir als jüdischen Geist bezeichnen, , das bekämpft werden muß. Wie soll aber nun die Art der Bekämpfung gehandhabt werden? Hier ist nun ausdrücklich zu sagen, daß dies keinesfalls so geschehen kann, wie es im nationalsozialistischen Deutschland geübt wird. Man bekämpft eine verkehrte Einstellung ideht, indem man ihre. Träger und hunderttausend Unschuldige dazu hinmordet, totschlägt ' oder Ilini Erziiiis! M|||M||illlll|lllllllll|ICIMIIIH(HMMUnnniN|MIIIMIIIIIIMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIlllllllllllllllMIIIII]llllllllllllllllll1llini| Wien I, Werdertorgasse 12 Tel. U-28-1-97 Volksschule mit Oeffentlichkeitsrecht (9-Uhr-Beßinn), Hauptschule, Sprachen- und Fortbildungsschule, Musik, Kunstgewerbe, Sport "ü'Än'S?1 Mittelsdiule Internat VorbereitungsKlasse Tagesheim Ihnen die wirtschaftliche Existenzmöglichkeit abschneidet, Auf diese Weise setzt man nur den Fehler des Mittelalters fort und macht die also aus dem Gesellschaftskörper Ausgestoßenen lediglich noch schlauer, tückischer und kamnffähiger. Man drückt vielleicht eine Gefahr von der Oberfläche der Gesellschaft hinunter in das unterirdische Bereich, wo sie sich, ohne sichtbar zu sein, erst recht ausbreiten kann, aber man bekämpft sie nicht." „Die Ostmärkischen Sturmscharen lehnen daher die im Dritten Reich getätigte Art des Bassenantisemitismus als unmoralisch, unchristlich, aber auch als gänzlich unzweckmäßig ab. Sie stehen . auf dem Standpunkt, daß der jüdischen Gefahr nicht durch Ungerechtigkeit, sondern nur durch Gerechtigkeit zu begegnen ist. Sie haben erkannt, daß diese jüdische Gefahr nicht von Seiten jener Judenschaft droht, die sich selbst nur zu wohl der Tragik ihrer Heimatlosigkeit bewußt ist und gerne alles tun möchte, um einen Trennungsstrich zwischen sich und jener verlorenen Rotte Korah zu ziehen, die schon der große Oesterreicher Hermann Bahr in einem seiner Romane auf das treffendste gekennzeichnet hat. Eine solche Rotte Korah besitzt natürlich jedes Volk, nicht bloß das jüdische. Aber die Tatsache, daß die Auswürflinge des Judentums wegen der internationalen Verteilung am gefährlichsten sind, macht die Judenfrage zur internationalen Frage. Es wird sie daher weder Hitler-Deutschland noch unser Oesterreich, noch sonst ein Staat allein lösen können."; „Ja, es wird eine solche Lösung überhaupt nur dann denkbar sein, wenn der andere, der volksbewußte Teil der Judenschaft hiebei mitzuwirken bereit ist. Und es ist aus mehr als einem Anzeichen zu* jschließen, daß diese Bereitwilligkeit vorhanden, ist. Sie kam: gefördert werden durch kluge und einvernehmlich ers.fbeitete Staatsgesetze. Sobald sich die Judenschaft irgend eines Staates auf nationaler Basis zusammenschließen käun, sobald es ihr möglich ist, über sich selbst Kontrolle auszuüben, sobald sie, mit den völkerrechtlichen Attributen einer nationalen Minderheit ausgestattet, die Möglichkeit erhält, zum eigenen Schutze Minderheitenpolitik zu treiben, wird die Gefahr ohne Anwendung unsittlicher und abscheulicher Terrormaßnahmen abzuwenden sein." „Das solche Staatsgesetze in gerechter Form mbg*- lichst bald ergehen, müssen die Ostmärkischen Sturmscharen immer und immer wieder fordern. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß jedes Wirtsvolk die Existenz eines Gastvolkes auf die Dauer nur dann ertragen kann, wenn das Zusammenleben nicht allzu große Reibungsflachen bietet. Solche Reibungsflächen werden dann zu große und zu viele, wenn den Kindern des eigenen Landes und Volkes Lebens- und Existenzmöglichkeiten entzogen oder herabgedrückt werden, weil das Gastvolk den Produktionsfaktor Kapital nahezu ausschließlich in alleinige Verwaltung^genommen hat. Es wird sich daher wohl auch darum handeln müssen, eine Regelung durch Verteilung der 17 Millionen Juden, die es ungefähr in der ganzen Welt geben soll, zu finden." „Vor allem natürlich muß dem jüdischen Volke eine in rechtlicher und praktischer Beziehung entsprechende staatliche Heimat gefunden werden, damit eine vernünftige Minderheitenpolitik möglich ist." „Erst auf diese Weise ist eine vernünftige Lösung dieses für jeden Kulturstaat brennenden Problems, das aber bei Völkern, die sich in der Krisenlage befinden, geradezu zur Lebensfrage wird, in den Bereich der Möglichkeit gerückt. Niemals wird eine gesunde und dauerhafte Lösung aber durch einen Blut- und Mordantisemitismus zu erreichen sein, wie er im Hitler-Deutschland wütet. Gerade die Ostmärkischen Sturmscharen haben die doppelte Aufgabe, diese Form abzulehnen und durch Besseres zu ersetzen. Denn niemals dürfen wir vergessen, daß es ausgeschlossen sein muß, das religiöse und nationale Judentum als Gegner zu betrachten. Es könnte sonst sehr wohl der Fall eintreten, daß es heißt: Heule die Juden/ morgen die Katholiken" * Diese Ausführungen im Blatte der Organisation,, deren Führer heute auch der Leiter des österreichischen Staates ist, weisen, vom jüdischen Standpunkt besehen,, positive und negative Momente auf. Weil sie positive Momente enthalten, verdienen sie es, von jüdischer Seite ernst erwogen zu werden. Negativ sind Worte und Sätze, die aus der alltäglichen antisemitischen, von Gedanken wenig beschwerten Phraseologie übernommen scheinen. Es ist bedauerlich, daß man auch bei der bestgemeinten, von nichtjüdischer Seite ausgehenden Behandlung der Judenfrage der Tagesmode glaubt Konzessionen machen zu müssen, auch um den Preis der Sachlichkeit, Nur so ist es zu verstehen, Pension Irma Meister. Heran Idealer gsnzJHhrlger Aufenthalt, letzter Komfort, gerühmte Küche, nervi. Park, mäßige Preise, verlangen Sie Prospekte wenn von einer „nahezu ausschließlichen" Beherrschung des produzierenden Kapitals durch die Juden gesprochen wird, wenn der amerikanische Waffenskandal, der sich um nichtjüdische Riesenfirmen dreht, auf daa jüdische Konto geschrieben, wenn vom „Ungeist jüdischer Geldsackwirtschaft" gesprochen wird u. dgL m. Aber, unbeschadet der Zurückweisung solche Worte und Behauptungen, ist festzustellen, daß die positiven Leitsätze in dem Programmartikel des Kanzlerblattea wertvoll sind und die Grundlage für eine Verständigung von Volk zu Volk bieten. Hier sind hervorzuheben: Die unbedingte Ablehnung des Bassenantisemitismus nationalsozialistischer Prägung und aller seiner Abarten. Die Erkenntnis, daß die Judenfrage nur im Sinne der Gerechtigkeit gelöst werden kann, daß Verfolgung, Unterdrückung, ungerechte Behandlung des jüdischen Volkes und Unterbindung seiner Existenzmöglichkeiten keine Lösung darstellen, sondern nur eine Gefahr für die anderen Völker bedeuten. Die Erkenntnis, daß die ihrem Volkstume und ihrer Religion anhängende Judenschaft ein wertvolles Mitglied der großen Volksfamilie ist und nicht ihr Feind. Daß die Judenfrage nicht gegen diese Judenschaft, sondern nur mit ihr gedeihlich gelöst werden kann. Die Feststellung, daß den Juden alle völkerrechtlich festgelegten Rechte einer Minderheit zugesprochen werden müssen, daß das Recht des 17-Millionen-Volkes der Juden auf eine staatliche Heimat besteht und nur bei Beachtung dieser Rechte eine vernünftige „Judenpolitik" betrieben werden kann. * In diesem Sinne betrachtet, sind die Ausführungen im Blatte der Partei des österreichischen Bundeskanzlers von der volksbewußten Judenschaft zu begrüßen. Es ist nur zu wünschen, daß die hier vorgezeichnete Politik möglichst bald vom Papier ins Leben übertragen würde. Die angerufene, ihrem Volkstum und ihrer Religion treue Judenschaft Oesterreichs ist zur Aussprache und zu gemeinsamer Arbeit bereit. Die Wiener //Judenfclassen" Kundgebung und Debatte in der Wiener Judengemeinde. In öffentlicher Sitzung hat der Vorstand der Wiener Judengemeinde zur Frage der durch einen Ministerialerlaß verfügten Absonderung der jüdischen Schulkinder von den katholischen in eigenen jüdischen Klassen Stellung genommen. Den einleitenden Bericht erstattete der Präsident der Gemeinde Dr. D. Friedmann. Er wies darauf hin, daß der Erlaß des Unterrichtsministers, welcher die Absonderung verfügte, die Leitung der G emeinde überraschend getroffen hat. Er teilte mit, daß auf Grund vertraulicher Mitteilung über eine konfessionelle Klassenteilung im kommenden Schuljahr das Präsidium am 20. Juni beim damaligen Unterrichtsminister und derzeitigen Bundeskanzler Dr. Schuschnigg vorgesprochen und Vorstellungen erhoben habe. Das Präsidium habe von der Unterredung den Eindruck gehabt, daß die Klassenteilung unterbleiben werde. Zur größten Ueberraschung aber sei vierzehn Tage später, am 4. Juli ein die Teilung verfügender Ministerialerlaß erschienen, der aber erst am 16. September im Wege des Verordnungsblattes des Wiener Stadtschulrates dem Vorstande zur Kenntnis kam, also zu einer Zeit, da die Teilung bereits durchgeführt war. Dr. Friedmann schilderte die Aufregung in Kreisen der jüdischen Elternschaft, welche in der Distanzierung ihrer Kinder eine D i s k r i min i e r u n g erblicke. Er wies darauf hin, daß der Wiener Kultusvorstand bereits im Jahre 1898 gegen eine Klassenteilung nach Konfessionen Stellung genommen habe, daß PALÄSTINA NEUESTE AUFNAHMEN WELTPANORAMA I. BEZIRK, STUBENRING 12 1.-14. OKTOBER m ENTREE 50g i

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