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Die neue Welt · 1934-09-21 · Heft 400 (21.9.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 400 (21.9.1934)
Date
1934-09-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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PreiS 20 GrOSCheil Jahrgangs Freitag/ den 21« September 1934 Nr* 400 V* b*b. Zeitung vom Verleger versendet RM 'b am mm mm mmmmm BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, ^r" ' W mW ■ ■ mW^* vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vlertel- ■ ■ HB .lährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig ^f^* W H. Mm ^T^^ Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; H^a H ^BLmW mwmm Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. mmam ^m ^mmwr m»mm MIt E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion a. Verwaltung: IX, Universitäfsstr. 8, Tel. A-20-2- 78 - Erschein* Dienstag u. Freitag pic dehnbare 5«tjl(ah Von Dr. Israel Zwi Kanner (Wien) Alle Wohnräume eines jüdischen Hauses schrumpfen am Sukkothfesle zu einem einzigen zusammen. Alle Hausbewohner ziehen sich in die wohlige, niedliche Hütle zurück. Wie kommt es, daß in der Sukkah für jeden Platz ist? Wie kommt es, daß selbst BewoJiner fremder , Häuser in diese Sukkah sich begeben können, ohne wegen Platzmangels ausgeschlossen zu sein? Wie ist es zu erklären? Weil der Jude, solange er sich in seiner geräumigen Wohnung aufhält, die Not seines Volksgenossen nicht verstehen kann. Erst wenn er sich selbst in solch eine Enge gesetzt sieht,- begreift er das Elend des jüdischen Menschen ringsum und rückt auf seiner Bank zusammen, damit noch Platz werde für andere Kommende. Die Einrichtung der Sukkah als .Wohnslütte für alle Hausbewohner kann uns wohl als Symbol erscheinen; es will dem Juden das geben, was er das ganze Jahr entbehrt: den gemeinsamen Mittelpunkt. , Das Hütten fest war in alter Zeil das größte V/ all fahrtsfest des Jahres. Der Fremdenzustrom mar deswegen so groß, weil mit dem Beginne der Winterszeit' für lange keine Aussicht bestand, das Heiligtum in Jerusalem zu^besuchen. Da erweiterten sich die Grenzen Jerusalems': es glich'eiheth offenen Feldlager. Die Fremden, welche die engen Häuser* der- Stadt' nicht zu fassen vermöchten^ivohriteii ■ in' leiten. Von Palästina erzählt der Talmud, daß es einsl ■ Platzhaben werde[ für Millionen. Der, Gläubige faßte dies so auf, daß die Erde des heiligen 'Lahdes sich' dehnen ioerde. Der Talmud aber meinte, in Palästina * werde für die Juden eben immer Platz sein. Nach der Lehre unserer Weisen konnte das Lahd alle Juden aufnehmen, weil aus ihrem. Gedächtnis die weiten Grenzen des jüdischen Staates nicht verschivunden waren. >Sie kannten keineeinschränkende Formel für die Aufnahmefähigkeit des Landes. : : Der Judenstaat erscheint in diesem Sinne als eine dehnbare Sukkah, die bereit ist, ganz Israel mit dein Staube seiner Vergangenheil, mit seinen alten Traditionen, sowie ganz Israel mit seiner neuen Jugend und deren Schaffenskraft aufzunehmen. In der Sukkah gibt es keinen Rangunterschied, keinen- Primat. Jedem ist die Möglichkeit gegeben, sein Mahl am 'Tisch einzunehmen. Ebenso lhuß mau allen Juden die Möglichkeil der Einwanderung nach Erez Israel geben. Gleichwie die &*ukkph zwar klein ist, wir sie aber durch unsere Anwesenheit großmachen, so ist auch Palästina, zwar'ein kleines Land, aber es kann als jüdisches Nationallieiin' Zu einem mächtigen Faktor der Weltgeschichte'werden. Der Aufenthalt des Juden im Ghetto glich dem Aufenthalt in einer engen Sukkah. Aber in dieser engen Sukkah war Platz genug für sein seelisches Ich. Hinter verschlossener Trödelbude saß Jakobs Solin in nächtlichen Stunden bei kümmerlichem Licht vor dickleibigen Folianten, sinnend, über alte Wahrheiten und ewige Rätsel. Als alte Wahrheil galt ihm die Auserwähltheit des jüdischen Volkes, als ewiges Rätsel dessen Landlosigkeit. Dieses Rätsel konnte der Ghettojude nicht lösen. Wird es uns gelingen? . Herbst im sonnigen Meran Pension Irma Meister. Meran Idealer ganzjähriger Aufenthalt, letzter Komfort, gerühmte Küche, herrl. Vark, mäßige Preise.. Verlan gen Sie Prospekte Heldengedenkfeier in Wien HC Q A f\| f% PENSION MERAN n E K M W-W... Deutsches Haus;, unmittelbare Nähe der Kurpromenade und» des Kurhauses Höohrter Komfort / Butterküche / Lire 25. Defilierung der jüdischen Frontsoldaten Wie wir in unserer letzten Ausgabe berichteten, hat der Bund Jüdischer Frontsoldaten Sonntag, den 16. d. Mu* auf dem jüdischen Friedhof eine imposante Gedenkfeier veranstaltet. Anlaß hiezu gab "die Aufstellung•'•-der ler s t c n h u n d e r t Gedenksteine auf den Gräbern der im Weltkrieg gefallenen jüdischen 'Soldaten. Die Anregung zur Errichtung dieser Grabsteine ging von Direktor Gereon Witt]in aus, während das vom Architekten Pontzen entworfene Mausoleum unter Leitung des Ing. Eugen Buchbinder gebaut wurde."— Die Judenstaatspartei Oesterreichs war bei der Feier durch die Leitungsmitglieder Fritz Richter und Theodor Grubner vertreten. Jüdische §diick§ai§frdigen m Genf ■ Im Verlaufe der• jetzt tagenden Versammlung d e s Völkerbundes ist das Wort „Jude" nicht gefallen, auch von Palästina wurde nicht gesprochen. Und doch hat es kaum eine Beratung in Genf gegeben, die so tief ins Leben des jüdischen Volkes eingegriffen hätte. Zwei Probleme beherrschen die Tagung: Die Aufnahme Sowjetrußlands in den Völkerbund. Der Schlag Polens gegen die Minderheitsrechte der Nationen und Glaubensgemeinschaften. Beide Probleme sind in ganz hervorragendem Maße solche,' die an den Lebensnerv des jüdischen Volkes rühren, in der Diaspora und in Palästina. I. Sowjelrußland im Völkerbund Mit Sowjetrußland ist eine Macht in den Völkerbund und in dessen Obersten Rat eingezogen, deren wirtschaftliches und national-kulturelles Programm die Beseitigungalles Jüdischen und darum selbstverständlicherweise des Zionismus beinhaltet. Keine antisemitische Macht im gewöhnlichen Sinne des Wortes. In Rußland ist antisemitische Propaganda als konterrevolutionäre Aktion sogar unter Strafe gesetzt. Rußland schlägt seine Juden nicht, beleidigt sie nicht. Es würgt sie planmäßig und ruhig ab, materiell und geistig. Nachstehend die wichtigsten Einzelheiten: Die wirtschaftliche Behandlung der Juden Die unglücklichsten Menschen sind die „Lischenzi", die ehemaligen Händler und Handwerker. Laut den von der Regierung bekanntgegebenen Ziffern gehören 60 Prozent der russischen Judenfamilien zu dieser geächteten Kategorie. Ursprünglich bezog sich das Wort „Lischenzi" nur .auf. Personen, die kein Wahlrecht ausüben dürften. Im Jahre 1930 aber ist der „Lischenetz" als regierungsfeindlich hingestellt worden. Er hat das Recht verloren, eine Regierungsstelle zu bekleiden, in der Industrie zu arbeiten, in die Kooperativen aufgenommen zu werden. Die „Lischenzi" durften von dann ab auch nicht in Regierungshäusern oder k o mniunalen Wohnungen leben; Karten für Brot und sonstige Lebensmitteil wurden ihnen weggenommen. Auch die Kinder sind rechtlos wie die Eltern. (Sie werden in die mittleren und höheren Schulen nicht aufgenommen.) Medizinische Hilfe erhalten die „Lischenzi" in letzter Reihe, und nur zu ganz hohen Preisen. Augenblicklich sind zirka 20 Prozent der Juden Lischenzi und 40 Prozent sind der Kategorie der „gewesenen Lischenzi" angeschlossen worden. Diese letzte Kategorie ist auch in ihren Rechten beschränkt. Auch die gewesenen „Lischenzi" leben in der ständigen Furcht, aus den Krankenhäusern, aus den professionellen Verbänden und Institutionen herausgeworfen zu werden. Ihre Kinder werden nur in den Elementarschulen aufgenommen. Ein großer Teil der gewesenen „Lischenzi" erhält keine Lebensmittelkarten. In den größeren Städten, mit Ausnahme von Moskau und Leningrad, sind zirka 900.000 Juden konzentriert. 20 Prozent davon sind „Lischenzi" und zirka 35 bis 40 Prozent gewesene „Lischenzi". Nicht mehr als 23 Prozent sind Arbeiter. Auch der Arbeiter verdient nicht genug für sein Auskommen. Der Lohn, zirka 80 bis 120 Rubel monatlich, genügt kaum für die minimalsten Bedürfnisse. Nur die Glücklichen, welche vom Auslande Hilfe bekommen, können ihren Hunger stillen. Wenn der eine oder andere noch irgend welche Mittel aufbewahrt hatte, so sind sie ihm durch Konfiskation, Gefängnisstrafen und Drohungen in den Zeiten der Dollarverfolgungen genommen worden. Die jüdischen Massen betteln in noch nie dagewesenem Maße, aber niemand gewährt ihnen irgend welche Hilfe. Resultat: Mit Ausnahme einiger tausend jüdischer Kommunisten, welchen es geglückt ist, Stellen bei der Regierung und ihren Instituten zu besetzen, einiger zehntausend hochqualifizierter Juden, einiger tausend qualifizierter Arbeiter, die in Moskau und in Leningrad beschäftigt sind, kann von den Juden nur ein ganz kleiner Teil die elementarsten Lebensbedürfnisse befriedigen. Weit unseres Blattes erscheint wegen des Sukkoth Festes iFreitagg den 28. September

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