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Die neue Welt · 1934-09-14 · Heft 398 (14.9.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 398 (14.9.1934)
Date
1934-09-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Jahrgang 8 Freitag/ den I4< H*» 1034 Nr« 398 V. b. b. T'*«. üni 1Vei^ät,b,.. s REVUE Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedte par rediteur" BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Tolen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—. vierteljährig Dinar 40.—: Rnmänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redakü^n u, Verwaltung: IX, Universitä/sstr. 8, Tel. A-20-2- 78 - Erscheint Dienstag «. Freitag Semmewmq — Genf Ein Mordprozeß hält die österreichische Öffentlichkeit, soweit sie an dergleichen Nervensensationen Gefallen findet,- seit einigen Tagen in Atem. Ein 26jähriger Bursche, namens Johann Fleischer, hat in der Semmeringgegend, einige Stunden von Wien entfernt, innerhalb vier Tagen drei Menschen, ein Paar und ein junges Mädchen, heimtückisch ermordet und beraubt. Die Gerichtsverhandlung in Wien gestaltete sich' insoweit überraschend, als der angeklagte Meuchelmörder seine Untaten gestand, sich hiebei aber auf einen Anreger berief, auf einen jungen, geflüchteten Nationalsozialisten, der ihn angeblich zu den Morden animiert habe; nicht zu Morden an sich, sondern zu Morden an — Juden. Von diesem Nationalsozialisten, namens Spitzer, Sagt der Angeklagte während der Verhandlung: „Er hat immer geschimpft über die Juden . . . Er hat immer gesagt, die Juden gehören weggeräumt. Wenn sich die Lage ändert, dann laufen alle aus dein Sanatorium davon (der Angeklagte war . als Hilfsarbeiter in einem Semeringer Sanatorium beschäftigt) und ich kann mir nehmen, was ich will.. Auf den Vorhalt des Vorsitzenden, daß die drei von ihm umgebrachten Menschen gerade keine Juden seien, erwiderte der Angeklagte, er habe das nicht gewußt; er habe im Wald gelauert und sich gedacht, Vielleicht könne er Gelegenheit bekommen, Juden vorbeigehen zu sehen und sie. zu ermorden. ... Immer wieder aber betonte der vertierte Angeklagte, daß er vom Nationalsozialisten Spitzer animiert worden sei, sich das Vergnügen von^ Judenmorden zu {eisten. .. i •* Das österreichische'. Gericht hat riatürüch auf die Aussage des Angeklagten so reagiert, wie es einer solchen Behörde zukommt. Aber der Glaube des Angeklagten, er könne mit der „Judensache" Eindruck auf das Gericht machen, läßt erkennen, mit welchen Mitteln das Hakenkreuz in Oesterreich auch heute noch arbeitet. Eine Hetzjagd auf Juden, der Appetit aiif Judenblut als Strafausschließungs- oder zumindest Milderungsgrund — das ist ein so absurder Gedanke, daß man nur mit Schaudern in den Abgrund solch bestialischer Mentalität blicken kann. Aber es gibt leider bei uns immer noch Bereiche, In denen der Wagemut, Judenvernichtung zu propagieren, gedeihen kann. Immer noch wuchert geheim und öffentlich das Unkraut einer pogromistischen Hakenkre,uzpresse, die den antijüdischen Feldzug aus der Blütezeit des österreichischen nationalsozialistischen Terrors fortsetzt. Es" sind gerade die sogenannten Intellektuellen, die sich mit der Niederlage des Nazitums in Oesterreich. nicht abfinden können. Erst kürzlich mußte die radau-antisemitische Zeitschrift „Der Michel", ein Pedant des zur Genüge bekannten österreichischen „Stürmer", wegen Aufreizung gegen die österreichische Judenschaft (der Aufsatz hieß „Die jüdische Gefahr") beschlagnahmt werden, Das sind akute Maßnahmen gegen eine chronische Erscheinung. Der österreichische Bundeskanzler Dr. von Schuschnigg hat erst gestern in seiner großangelegten Rede vor dem Völkerbund in Genf u. a. betont: „Alle gesetzlich anerkannten Konfessionen erfreuen sich in Oesterreich nach wie vor des Schutzes und der Unterstützung des Staates . . ." Die österreichischen Juden, die Angehörigen der gesetzlich anerkannten mosaischen Konfession, werden diese feierliche Erklärung ihres Regierungschefs mit Genugtuung aufnehmen. Auch die weitere Erklärung Schuschniggs: „Unser höchster Ehrgeiz bleibt, daß es uns gegeben sei, dem richtig gesehenen Völkerbundgedanken zu dienen", kann nur Hoffnungen erwecken. Aber wenn es möglich ist, daß ein Meuchelmörder zu seiner Entlastung erklärt, er sei bloß auf Judenjagd ausgegangen, animiert von einem Menschen, der ja schließlich wissen müsse, wieviel es in Oesterreich geschlagen hat, dann kann die bloße Erklärung vom Schutz und der Unterstützung aller gesetzlich anerkannten Konfessionen nicht ganz genügen. Alle, ob Meuchelmörder oder intellektuelle Propagandisten, müssen wissen, daß die Chance, bei einer Judenattacke mit einem blauen Au.g' davonzukommei^ nicht existiert. r. Der Kampf gegen die illegale" Einwanderang verstärkt Arabische Polizisten gegen Juden eingesetzt Die J. T. A. meldet aus Jerusalem: Die arabische Presse teilt mit, daß der Leiter des Einwanderungsamtes der Palästina-Regierung, Eric Mills, und sein Gehilfe Edwin Samuel (Sohn Sir Herbert Samuels) sämtliche Immigrationsbeamten des Landes zu einer Konferenz einberufen und ihnen die neuen Instruktionen zur Verhinderung illegaler Einwanderung mitgeteilt haben. Es wurde dabei auch mitgeteilt, daß hundert Personen als Polizisten zur Grenzbewachung neu rekrutiert werden und daß ferner drei mit Scheinwerfern ausgestattete Aeroplane längs des Strandes fliegen und Strand und See ableuchten werden. Die Immigrationsbeamten erhielten Instruktionen, wie die Kapitalisten-Einwanderer darauf hin zu kontrollieren seien, ob die vorgezeigten 1000 Pfund Avirklich ihr Eigentum seien oder ihnen nur zwecks Vorweisung zur Verfügung gestellt wurden. Laut „D o a r Hajo m" wurden zur Bewachung des Strandes bei Acco acht Araber vom Polizei- Departement angeworben und bewaffnet. Zu dem gleichen Zweck wurden in Gaza Araber angeworben. An alle Jordan-Uebergänge wurden Polizeiposten zur Verhinderung illegaler Einwanderung gesetzt. Neun aus Sowjetrußland geflüchtete Juden, die am 24. Juli in Wadi Chawarith als illegal Eingewanderte verhaftet worden waren, sind vom englischen Polizeirichter in Haifa zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Mit Bücksicht darauf, daß die Verurteilten nach Sowjetrußland nicht zurückkehren können, hat der Richter den Verwaltungsbehörden nahegelegt, diesen Einwanderern, falls sie sich durch ihr Verhalten dessen würdig erweisen, die dauernde Niederlassung zu gestatten. Von den Richtern in Safed und Tiberias wurden 21 Juden und 31 Araber wegen illegaler Einwanderung zu zwei Monaten Gefängnis und nachfolgender Ausweisung verurteilt. Falsche Fvie*Ien§k!än<ge im Zionismus Der Appell der Histadruth — Eine Kritik Mo sehe Smilanskys — Was kann Frieden bringen? Das Angebot der Weltunion der Zionisten-Revisionisten an die palästinensische Arbeiterpartei, betreffs Schaffung eines Burgfriedens, eines „technischen Modus vivendi", fiel in eine Zeit, da sich in allen zionistischen Lagern der Wunsch nach Frieden regte. Aber gerade der'' Friedensruf der extremrechten an die extrem-linke Gruppe barg nur eine geringe Chance der Verständigung in sich. Die Leitung der palästinensischen Arbeiterpartei ^erließ im Zusammenhang mit dem erwähnten revisionistischen Friedensversuch einen — „Appell". Es war dies keine Antwort an die Revisionisten, sondern der bewußte Versuch, in eine andere Richtung zu sprechen: hin zu den jüdischen Massen an sich, eine Art Rechtfertigung des bisherigen Geschehens, ein Beharren auf der errungenen Machtposition und vor allem der brutale Entschluß von allen Ziönisten Weitere Unterwerfung zu verlangen. Der Appell ist an „alle Kreise des Jischuw und der zionistischen Bewegung" gerichtet. Er kritisiert zunächst die Versuche der Gegner der linken Arbeiterpartei, sie zu „zerbrechen", zählt dann die Leistungen dieser Partei auf, spricht von einer nationalen Hoheit, die angeblich in Palästina „offen und böswillig mit Füßen getreten werde" und nimmt weiters alles im Lande Geschaffene für sich in Anspruch: „Die Erlösung des Bodens, Besiedlung von Oedland, sich selbst erhaltende Landwirtschaft, das Werk des Hase h o m e r und des Selbstschutzes (Haganah), die Erneuerung der hebräischen Sprache und Literatur. Schließlich bezeichnet das Manifest die linken Arbeiter als nationale Pioniere, erklärt, daß die linke Arbeiterschaft „die Opfer, die dem Moloch der Gewalt geopfert wurden, sah — unter diesen ein teures und unvergeßliches Opfer —" (Anspielung auf die Ermordung Dr. Arlosoroffs, Anm. d. Red.) und schlägt am Schluß Grundsätze zu einer Verständigung vor, und zwar: Schutz der jüdischen Arbeit; gleiches Recht auf Arbeit, ohne Unterschied der Partei; Schutz der Arbeiterinteressen durch eine allgemeine Arbeiterorganisation, Regelung der Beziehungen zwischen Arbeitern und Arbeitgebern auf Grund von Arbeitsabkommen; Integrität der Zionistischen Organisation usw. Wieweit diese Grundsätze sich in der Praxis realisieren lassen, bezw. wieweit sie bei dem Bestand der allmächtigen linken Histadruth in Palästina überhaupt in Frage kommen, wollen wir vorläufig nicht untersuchen. Keinesfalls läßt sich die Tatsache bestreiten, daß die Histadruth ihre bisherige Monopolstellung auch nach Durchführung der angeführten Grundsätze zugunsten des nationalen Aufbaues nicht aufgeben wird. •X- Der Warschauer „Moment" veröffentlicht in »einer Ausgabe vom 6. September als ablehnende Antwort an die Histadruth eine Zuschrift Mosche Smilanskys, des Führers der palästinensischen Pfianzervereinigung, worin es mit Bezug auf den oben behandelten Appell der Histadruth heißt: „Die Histadruth legt öffentlich ihre Verdienste vor. Unter den Dingen, in denen sie zweifellos recht hat, erzählt sie auch, sie habe den Boden in Palästina erlöst. Was hat dann der Nationalfonds getan? Und das Privatkapital?... Sie habe, erzählt sie, an der Wiederbelebung der hebräischen Sprache und Literatur mitgewirkt — was hat die Generation des Ben Jehudä, was haben die Lehrergemeinschaft, die Schriftsteller und die ganze Jugend Palästinas getan?" „Weiters steht im Manifest, daß die Histadruth die Last der Haganah, des Schutzes, auf sich getragen habe. Nicht mehr und nicht weniger. Es fragt sich also, wer Rischon le Zion, Petach Tikwa, Sichron Jaakow vor 50 Jahren geschützt hat, wo es noch keine Histadruth gab! Wer hat sich gegen die Ueberfälle gewehrt, die vor 40 Jahren auf Rochoboth und Chedera gemacht wurden? Aus welchen Reihen stammen die Männer, deren Namen mit goldenen Lettern in die Geschichte des Jischuws eingetragen sind, wie Lulik, Feinberg, J. Hankin, Jehuda Raw, Abraham Schapiro u. a.? Unter deren Tradition ist doch zweifellos der „Haschomer" groß geworden! Und wer waren die Märtyrer, die ersten Opfer in Ness Ziona, Petach Tikwa und Metullah?" „Wer hat später, als bereits die Histadruth existierte, während der ersten Unruhen in Jerusalem, die Haganah geschaffen und wer ist hiefür mit Einkerkerung bestraft worden? Wer ging in den Unruhen 1921 in Tel Awiw unseren braven Brenner und seine Freunde retten, um dafür mit dem Leben zu bezahlen? Wer ist in den ersten Reihen der Verteidiger von Petach Tikwa zu jener Zeit getötet worden? Wer hat damals die Kolonie Rechoboth gerettet? Wer hat damals Chedera beschützt?" „Großmäulige Herren! Wenn es sich gehon nicht schickt, Tugenden, die man besitzt, an die große Glocke zu hängen, dann ist es gewiß unpassend, auf Herbst im sonnigen Meran Pension Irma Meister, Meran Idealer nanzJBhrlger Aufenthalt, letzter Komfort, gerühmte Küche, herrl. Park, mäßige Preise, verlangen Sie Prospekte

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