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Die neue Welt · 1934-08-31 · Heft 395 (31.8.1934) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 395 (31.8.1934)
Date
1934-08-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 395 5 0.0 0 0 Menschen für erforderlich hält, so dürfte diese Ziffer bei weitem zu hoch gegriffen sein. Das Jahr 1932 war mit einem Einwanderungsüberschuß von nur zirka 16.000 Personen bereits ein gutes Konjunkturjahr und selbst im Boomjahr 1933 wanderten nur zirka 40.000 Personen ein, im laufenden 1. Halbjahr 1934 sind nur zirka 15.000 Menschen eingewandert, ohne zu einer Konjunkturabschwächung zu führen. Selbstverständlich wird die wirtschaftliche Entwicklung sich um so intensiver gestalten, je höher die Einwanderung ist, zur Aufrechterhaltung des jeweilig erreichten Wirtschaftsvolumens ist eine Dnuereimvandening von jährlich 50.000 Menschen nicht erforderlich. Im Interesse der Entwicklung des Landes ist eine möglichst hohe Einwanderung anzustreben, die Dinge liegen aber nicht so, daß ein etwaiger Rückgang der Einwanderung in einem der nächsten Jahre — oder selbst eine Rückwanderungsbewegung gewisser Schichten — den konjunkturellen Zusammenbruch im Gefolge hat. Die sehr starke illegale arabische Einwanderung aus Syrien, Transjordanien, der Sinaihalbinsel und anderswo, die auch Menassa erwähnt, ist der stärkste Beweis für die Stabilität der palästinensischen Konjunkturverhältnisse. Sie ist nur der Ausdruck der Tatsache, daß der Bedarf an Arbeitskräften so stark ist, daß er durch die Einwanderungsquoten der Regierung nicht entfernt gedeckt werden kann, und daß das Umsichgreifen einer Arbeitslosigkeit unter der ansässigen Bevölkerung angesichts derartiger Arbeitsreserven auf lange Sicht hinaus nicht zu befürchten ist. Zusammenfassend läßt sich also feststellen, daß trotz der Gefahren der Monokultur und hohen Löhne angesichts der umfangreichen Produktionsreserven von Landwirtschaft und Industrie wie der Knappheit an Arbeitskräften andererseits die palästinensische Konjunktur noch einen erheblichen Entwicklungsspielraum hat. Dr. Hugo Spitzer gestorben Dr. Spitzer, Ehrenpräsident des Verbandes der jüdischen Gemeinden und Ehrenpräsident des Z i onistenverbandes in Jugoslawien, ist im Alter von 76 Jahren gestorben. In ihm verliert die jugoslawische Judenheit eine ihrer markantesten Persönlichkeiten. Die Wirtfsdiaffsbesiehurigeii zwischen der Tschechoslowakei und Palästina Ing. Egon Stein, der Chef des tschechoslowakischen Pavillons auf der Levante-Messe in Tel-Awiw, gab die folgende Uebersicht über den Stand der Handelsbeziehungen zwischen der Tschechoslowakei und Palästina. Im Jahre 1932 führte die Tschechoslowakei für nicht ganz 20 Millionen tsch. K Waren nach Palästina aus; 1933 stieg der Export bereits auf 35 Millionen tsch. K, eine Summe, die in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres beinahe schon erreicht ist, so daß im Jahre 1934 mit einer weiteren beträchtlichen Vergrößerung des Exports nach Palästina zu rechnen ist. Palästina kauft vor allem Maschinen, Röhren, Textilien, Glas, Porzellan, Schuhe und Leder bei uns. Der Import aus Palästina betrug im vergangenen Jahre an tsch. K 800.000.—, die sich vor allem auf die Einfuhr von Orangen beziehen. Die tschechoslowakischen Aussteller auf der Levante-Messe konnten sich unzählige Male davon überzeugen, wie günstig sich für die Abwicklung der Handelsbeziehungen das große Ansehen der Tschechoslowakei, besonders aber des , Präsidenten M a s a r y k, unter den Juden der ganzen Welt auswirkt. In vielen Ländern ist man noch auf der Suche nach einem Ersatzlief eranten an StelleDeutschlands. Die palästinensischen Kaufleute und Industriellen ziehen aber in erster Linie die Tschechoslowakei in Betracht; ein Umstand, der schon ganz deutlich auf der diesjährigen Levantemesse in Tel-Awiw in Erscheinung trat. Der tschechoslowakische Pavillon, in dem 135 tschechoslowakische Firmen ausstellten, wies eine sehr große Besucherzahl auf und es wurden hier auch große und bedeutsame Abschlüsse getätigt. Nach sehr vorsichtigen Schätzungen ist anzunehmen, daß auf Grund der Tel- Av/iwer Messeabschlüsse in diesem Jahr ein zusätzlicher Export von 10 bis 14 Millionen tsch. K aus der Tschechoslowakei nach Palästina gehen wird. Die Aussichten der Fruchternte in Palästina Jerusalem (PaineW3). Nach dem Augustbericht des Director of Agriculturc and Forests besteht seitens der Zitruspflanzer großes Interesse, den Abbau von Früchten mit jährlichem Blätterabfall in den palästinensischen Bergregionen zu entwickeln. Die Bekämpfung der Insektenkrankheiten wird immer allgemeiner durchgeführt und technisch wie organisatorisch entwickelt. Die Entwicklung der Zitrusernte (Orangen und Grape fruit) geht normal vonstatten. Insektenkrankheiten verursachten keine sehr ernsthaften Schädigungen. Die Ernteaussichten haben sich nicht verändert und sind gut. Weintrauben befinden sich im Reifezustand, die Weinlese hat in der letzten Juliwoche begonnen. Die Erträge sind etwas unternormal. Die Nachfrage ist gut. Die Olivenernte wird klein sein, aber viel besser als im letzten Jahr. Pflaumen, Aepfel, Birnen, Quitten sind Im Ueberfluß vorhanden, die besseren Qualitäten erzielen gute Preise, kleinere Früchte hingegen infolge großer Einfuhren aus Syrien und Zypern nicht, Sorten Sie bis tms $erbfttoetter eingebrochen unb Me #erbftfatfon im Dollen ©ange IfL Jtotfidjtfoe Samen Morgen fdjott ieftt iftren neuen $er&ft<9Rante!, Das fleWame mobernc ftoftüm unb Das ieitgemöfte Meto au befonbers niebrigen Botfaifott^reifeti im mummten „JBarenöans der Sparfamen", bei (Sdjlffmann, 2. Sejirl, Zaborflrafje 48 $uberttt8*9R3nte!, Erendj^affon, mobernc färben, S 21-, 19.80.........S 6»0rt<3R9ntel, ertiiltfd) oemuftert, mit (sctttelfuiier S 24.—............S 9faflorette<»»0ttde.!DtönteJ, 99 12 90 itt iyfDbcfarbcn' K's®c{bc ßcfüttcrt s engl* gem. 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Dieser Ausweisungsbefehl steht im Zusammenhang mit der Arbeit der Frau Dorothy Thompson an der Jüdischen Telegraphen-Agentur, die wiederholt Artikelreihen der Frau Thompson über Deutschland in der amerikanischen und der europäischen Presse verbreitet hat. Besonders unangenehm empfanden die deutschen Kreise einen von der J. T.-A. verbreiteten Bericht der Frau Thompson, den sie nicht lange nach dem Durchbruch des Hitler-Regimes geschrieben und in dem sie den Ausspruch Hitlers, daß „keinem Juden in Deutschland auch nur ein Haar gekrümmt wordense i", glossiert hat. Dorothy Thompson schrieb, die Vereinigten Staaten hätten allen Grund, sich dadurch beleidigt zu fühlen, daß Hitler eine Parallele zwischen den Verhältnissen in den Vereinigten Staaten und denen in Deutschland gezogen hat. Es sei nicht wahr, daß den Juden in Deutschland kein Haar gekrümmt wurde, im Gegenteil: Viele Dutzende, ja Hunderte von Juden wurden grausam mißhandelt und mehrere mußten ihr Leben lassen. Aber weit ernster als solche sporadische Akte sei eine Politik, 'die die jüdische Bevölkerung ihrer Lebensexistenz beraubt: Wenn eine solche Politik nicht ein Greuel ist, dann war die Hungerblockade gegen Deutschland ebenfalls kein Greuel. Ist es nicht ein Greuel, ein ganzes Volk als verräterisch zu brandmarken, dann war es auch nicht ein Greuel, öffentlich Deutschland der Alleinschuld am Kriege zu bezichtigen. Ist es nicht ein Greuel, die Juden der Gleichberechtigung und der gleichen Existenzmöglichkeit, wie sie alle Deutschen haben, zu berauben, dann ist es auch nicht ein Greuel, Deutschland die Gleichheit mit den anderen Völkern zu verweigern. Während die Nazi-Führer und -Publizisten sich über Ideen von Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenrecht lustig machen, spricht die deutsche Regierung in ihren Verhandlungen mit anderen Völkern und in ihrem Feldzug zugunsten des eigenen Prestiges immer noch im Namen dieser Ideale. Botschafter Luther wird nervös Aus New York: Der deutsche Botschafter in Washington und ehemalige Reichskanzler, Dr. Hans Luther, wurde, als er von seiner Europa-Reise wieder in New York landete, von Reportern erwartet, die ziemlich verfängliche Fragen an ihn stellten, auf die er ausweichende Antworten gab. Er nannte den antideutschen Boykott eine „grundlose Verschwörung gegen Deutschland", begründete den Mord an General v. Schleicher als Abwehrmaßnahme gegen eine „schreckliche Verschwörung" und erklärte, der Putsch in Oesterreich sei eine „lokale Angelegenheit" gewesen. KRAWATTEN ♦von 70 g aufwärts, mit Kammgarn* wolle gefüttert — Beste Knoten* bindung — Prachtvolle Dessins Reinseidene 3 Stück nur S 8.50 Ilgen« Erieugung I, MORZINPLATZ 5 - TEL. U-22-6-88 Der Vertreter des „Jewish Daily Bulletin" (verbunden mit der Jüdischen Telegraphen-Agentur) fragte: „Exzellenz, als Sie vom Boykott sprachen, meinten Sie doch den jüdischen Boykott. Sind Sie wirklich der Meinung, daß, wenn Juden in der heutigen Situation Deutschland boykottieren, es sich da um eine grundlose Verschwörung handle?" Der Botschafter antwortete: „Es gibt keinen Grund dafür; gewisse unverantwortliche Mächte konspirieren eben gegen Deutschland." „Wie glauben Sie denn, Exzellenz, werde sich die Zukunft der Juden in Deutschland gestalten?" Dr. Luther erwiderte: „Ich kann mich da nur auf die offiziellen Kundgebungen beziehen." „Könnten Sie uns wohl einige besondere Verfügungen der Regierung über die Juden mitteilen?" Dr. Luther: „Ich habe doch keine Listen der offiziellen Kundgebungen in meiner Tasche. Und Sie können von mir nicht verlangen, daß ich Ihnen alles wiederhole, was schon öffentlich bekanntgemacht worden ist, zumal ja doch alle meine Aeußerungen nachher bekrittelt und auf Widersprüche untersucht werden." Hebräisches Pädagogium Das Unterrichtsjahr 5695 beginnt am 29. Tischri (8. Oktober 1934). Einschreibungen jeden Freitag, von 12 bis 1 Uhr mittags, im Sekretariat, II., Tcmpelgasse 3. Dorthin sind auch schriftliche Anmeldungen aus dem Auslande zu richten. Gerüchte um Isaak Deutsch Einige jiddische Zeitungen Polens veröffentlichen eine mit keinem ,Datum versehene J. T. A.-Meldung aus Rio de Janeiro, wonach dort der bekannte Schauspieler, Sänger und Regisseur Isaak Deutsch nach einer Ope« ration gestorben sei. Vorläufig hat diese Meldung keinerlei direkte Bestätigung erfahren, vielmehr wird ihr in den Wiener jüdischen Schauspielcrkreisen, mit Rücksicht darauf, daß Isaak Deutsch in Sao Paolo und nicht in Rio erkrankte, Skepsis entgegengebracht. Wir verzeichnen die Nachricht vom Ableben des insbesondere in Wien populären, ausgezeichneten Künstlers und ziehen gleichzeitig an kompetenter Stelle Erkundigungen ein. Jüdische Kulturstelle (Kunststelle) II., Aspernbrückengasse 2, R 48-2-91. Den Mitgliedern stehen ermäßigte Karten für dio Staatsoper, Raimund-Theater, Burgtheater, Scaja usw. zur Verfügung. Bürozeit bis 1. September von 10 bis halb 1 Uhr. Jüdisches Theater. Am 25. August gab es im ,,Bayrischen Hof" eine Theatervorstellung, die das bekannte Volksstück „Der Jeschiwabucher" brachte. M. Herschkowicz in der Titelrolle bot eine charakteristische Leistung. Am Erfolg des Abends waren weiters Herr und Frau Zucker, B. Siga 11, Frau Weinberg und Tunis beteiligt. — Am 11. September findet im Hotel Continental eine große jüdische Akademie statt. Judith Berg (Warschau) tanzt Samstag, den 1. September, in Baden bei Wien (Hotel Raußnitz, Annagasse) und Sonntag, den 2. September, in Bad V ö s 1 a u, Schweizerhof. Mitwirkend Sascha Flderer (Gesang) und der bekannte Komponist Henoch Koha (Klavier^,

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