Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 395 (31.8.1934)
- Date
- 1934-08-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WEIA Nr. 395 Das erste und führende Rumänische Restaurant SPRITZER (früher: Hotel National) jetzt, II. HammervPurgstallg. " (Nähe Dianabad) Alle ORIENTALISCHEN SPEZIALITÄTEN am Rost und Spieß Von der Juden§taaf spartet' Konferenz der Judenstaafspartei Westgaliziens Am 2. September findet in Tarnow die Konferenz der Judenstaatspartei Westgaliziens statt. Das Hauptreferat wird das Mitglied der Weltexekutive, Oberbaurat Robert Stricker, erstatten. Anschließend finden Massenversammlungen in Ja roslau, Tarnow, Rzeszow und Krakau statt, in welchen Robert Stricker über die Lage im Zionismus und im WeUJndentume und über das Programm der Judenstaatspartei sprechen wird. Ihre Entwicklung in Litauen Aus Kaunas (Kowno) wird uns berichtet: In dem stark zionistisch eingestellten litauischen Judentum spielt die junge Judenstaatspartei bereits eine wichtige Rolle. Im Laufe des ersten Jahres ihrer Existenz rechtfertigte die Judenataatsbewegung die Hoffnungen, welche bei ihrer Gründung gehegt wordon waren. Die Partei zählt bereits tausende eingetragener Erwachsener, Jugendlicher und Chaluzim, die in fünfzig Städten und Orten Litauens für unsere Idee wirken und werben. Die Zahl der Punkte, in welchen Gruppen entstehen, Ist ständig im Wachsen. Die Parteizentrale in Kaunas verfügt über einen gut arbeitenden Apparat, und unterhält durch Briefe, Rundschreiben und persönliche Besuch? rege Verbindung mit sämtlichen Ortsgruppen. Zweiwöchentlich erscheint das Parteiorgan, der „I d ns t a a t", welches großen Beifall bei den Gesinnungsgenossen und Sympatikern findet. Es werden Vorbereitungen für die Gründung einer eigenen Tageszeitung getroffen. Die Judenstaatspartei hat auch in der jüdischen Studentenschaft tiefe Wurzeln geschlagen. Die hundert Mann zählende Studentenkorporation „J o r d an i a" hat sofort nach dem denkwürdigen Parteitag zu Kattowitz ihre Solidarität mit dem demokratischen Revisionismus, späterhin mit der Judenstaatspartei proklamiert. Viele Jordanen arbeiten heute in verschiedenen Parteiorganisationen Litauens und in Erez- Israel. Im letzten Semester entstand ein „Verband der Studenten-Judenstaatle r", der über erstklassiges Menschenmaterial und große Entwicklungsmöglichkeiten verfügt. Der Stolz der Judenstaatsbewegung ist ihre Jugendorganisation, der „Berit Hakanajim" (Barak). Diese Organisation wurde durch Initiativgruppen, aber vielfach auch von aus dem „Berit Trumpeldor" ausgetretenen Betharimgegründet. Viele Knanim des Bethar traten geschlossen zum „Berit Kanajim" über. Die Bewegung zählt heute 1500 Mann, die auf 30 Knanim verteilt sind, ist somit eine der größten jüdischen Organisationen Litauens. Viele neue Knanim sind in Entstehung. Vor kurzem war mit der Gründung der Ortsgruppe in M e m e 1 ein Erfolg zu buchen, denn Memel galt stets als eine revisionistische Festung. In seinen Reihen führt der „Barak" eine fruchtbare Tätigkeit auf dem Gebiete der Erziehung, Hebraisierung, des Wehrsportes und der Hachschara. Die Mifkada-Arzit versendet regelmäßig hebräische Zeitschriften, „El-hamatarah" für die Chaverim und den „Kwuzai" für die Leiter. An den Kreiszusammenkünften, welche in Ukmerge" und Memel stattfanden, beteiligten sich einige hundert Barkaim. Der vor kurzem gegründete Verein der Reservisten des Litauischen Heeres „Jehuda" zeigt einen rapiden Wuchs, und zählt in seinen Reihen auch viele Frontsoldaten. Diese Organisation, die der Judenstaatspartei angeschlossen ist, genießt in der hiesigen Gesellschaft den besten Ruf. Der Ausbau des „Hechaluz Hamdinati" ist stets ein aktuelles Problem gewesen, denn die Hachscharagruppen des „Berit Hakanalm" konnten unmöglich den großen Massen der Alijahbedürftigen genügen. Leider waren alle Kräfte der Judenstaatspartei auf anderen Gebieten zu stark in Anspruch genommen, so daß dieser Aufgabe nicht die gebührende Aufmerksamkeit gewidmet werden konnte. Nach Konsolidierung anderer Organisationen wird auch an diese Arbeit geschritten werden. Al3 Nebenorganisation des „Hechaluz Hamdinati" ist die Arbeiter- und Handwerkervereinigung, die Gusch-Haavoda zu betrachten, die mehrere Hundert Mitglieder zählt, und aktive Tätigkeit in den vom Zionismus bisher wenig erfaßten Schichten entwickelt. Die Judenstaatspartei Litauens unterstützt auch mit Rat und Tat die Schwesterpartei in Lettland, wo die Arbeit erst im Anfangsstadium steht. Aus den Fortschritten der Partei ist zu ersehen, daß sie bereits auf dem nächsten Zionisten-Kongresse Litauen führend vertreten wird. i. Goldberg. Dr. Wilhelm Berkelhammer gestorben Aus Krakau: Im Alter von 45 Jahren starb hier der Chefredakteur der in Krakau in polnischer Sprache erscheinenden zionistischen Tageszeitung ,,Nowy Dz i e n n i k", Dr, Wilhelm Berkelhammer, Vizepräsident des Krakauer Journalisten- Syndikats. Der Verstorbene war im jüdischen und zionistischen Leben sehr aktiv, sein früher Tod hat unter der Judenschaft Galiziens große Trauer ausgelöst. Kommiasicnslager in Schuhen wird von reellem jüdischem Kaufmann in grellerer Industriestadt Steiermark« gesucht. Beste Absatimöglichkeit aller Arten gangbarer, billiger Schuhe vorhanden. Alles Weitere nach Uebereinkommen. Oed» Zuschritten erbeten unter „Konkurrenslahlg" an die Administration dieses Blattes Holland weist 300 deutsch-jüdische Flüchtlinge ans Aus Amsterdam: Dem „Havas"-Vertreter wird mitgeteilt: In Amsterdam haben sich ohne Bewilligung der zuständigen Behörden zahlreiche Ausländer, größtenteils aus Deutschland geflüchtete Juden, angasiedelt. Nunmehr erhielten 300 dieser Flüchtlinge von der holländischen Polizei den Auftrag, in kürzester Zeit das Land zu verlassen. 250 deutsch-jüdische Kinder gehen nach Amerika Aus Prag: (J. T. A.) Unter der Aegide des Hilfsvereins der Deutschen Juden tritt in diesen Tagen eine Gruppe von 250 jüdischen Kindern aus verschiedenen deutschen Städten die Reise nach den Vereinigten Staaten an, wo sie einige Jahre unter der O bhut jüdischer Familien verbleiben und einer Atmosphäre entzogen sein werden, in der sie Gefahr laufen, seelische Krüppel zu werden. * Nichts charakterisiert wohl die Hölle, in welcher die deutschen Juden leben, eindringlicher als der Umstand, daß jüdische Eltern sich von ihren Kindern losreißen und sie wegschicken, vielleicht auf Nimmerwiedersehen. Die jüdischen Minderheiten-Vertreter nehmen am diesjährigen Minderheiten-Kongreß nicht teil Aus Genf: Dr. N. Goldmann, Vorsitzender des Comite" des Delegations Juives und des Exekutivkomitees für den Jüdischen Weltkongreß, teilt der J. T. A. auf Anfrage mit, daß die jüdischen Minoritäten beschlossen haben, sich an dem diesjährigen Minoritätenkongreß, der Anfang September in Bern stattfindet, nicht zu beteiligen. Sie verlangten als( Voraus muß man denken, sich sichern — versichern Phönix 1 Allgemeine Verilcherungi.aet. Wien IX. Bes., «licrpfaf* Nr. 3 LI Voraussetzung ihrer weiteren Mitarbeit am Minoritätenkongreß eine eindeutige Stellungnahme dea Minoritätenkongresses, insbesondere auch der deutschen Minorität, gegen die Entrechtung der Juden in Deutschland. Es fanden zwar in der Zwischenzeit Besprechungen zwischen den Vertretern der jüdischen Minoritäten und dem Vorsitzenden des Minoritätenkongresses, Dr. Wilfan, statt, doch ist bisher keine Einigung über eine befriedigende Erklärung des Minoritäten-Kongresses erzielt worden. Die jüdischen Minoritäten erachten es als die selbstverständliche Pflicht des Minoritätenkongresses, der zum Schutz aller Minoritäten geschaffen ist, gegen die Entrechtung der jüdischen Minorität in Deutschland Verwahrung einzulegen; sie erblicken darin die unumgängliche Voraussetzung für eine Ermöglichung ihrer weiteren Beteiligung am Minderheitenkongreß. Der §inn von //Sdhralom // //' Von IVfeir Oroßmann Alle wünschen ihn Das Wort „Schalom" verschwindet seit jüngster Zeit nicht von den Zeitungstiteln. Es klingt in den Ohren. Es ist ringsum bei den verschiedenen Gruppen zu sehen. Ihm ist einfach nicht zu entrinnen. Woher bezieht man bei uns so viel Friedenstauben? In der heutigen, kriegerischen und blutdürstigen Zeit, wo die Begriffe Ueberfälle und Brechen sowohl in der Galuth wie in Palästina noch nicht von der Tagesordnung verschwunden sind, sehen all die guten Vorschläge ein wenig verdächtig aus, oft scheinen sie sogar ednfach unaufrichtig zu sein. Zwischen den Zeilen friedlicher Artikel schimmern kokett Heucheleien. Alle wollen Frieden, und zwar so rasch als möglich; alle — die Angreifer und'die Angegriffenen, die separatistischen „Brecher" und die monopolistischen „Schläger". Was die anderen anbelangt, jene, die sozu- 19 DR.-KRÜGER- HEIM" emeinnülzige Zentralanstalt für Mädchenerziehung und «Fortbildung Wien II, Melzgaeae 7 // Telephon A-48-0-77 Internat / Halbinternat / Exte>nat Diverse Frauenberufsschulen bJCI 11 Kindergärtnerinnenblldungsanstalt mit Staatsprüfung. FortftJEäU bildung»schule: Koctien, Nänen, üaitenbau, allgemeine Bildung. Prospekte aui Wunsch sagen zwischen Hammer und Amboß stehen, reden gerade sie aus der Tiefe ihres Herzens, doch blickt man auf sie mit einer gewissen Geringschätzung, wie wenn man sagen wollte: Du bist doch zu schwach, du hast doch keine Kraft zu schlagen. Und da man auch keine Leute hat, dich zu schlagen, redest du so gern von „Schalom". Richtig ist, daß die breite Masse der letzten Geschehnisse müde und überdrüssig ist. Der Mann der Straße lispelt krächzend und Erbarmen heischend: Friede! Auch der größte Teil der zionistischen Partelen, jedenfalls deren beste Elemente, wünschen, daß unbedingt eine gewisse Kampfpause eintrete. Man lechzt nach einem Waffenstillstand im inneren Krieg, der für einige ein Spaß und für andere eine Quelle politischer Nahrung geworden ist. Die Sache ist aber nicht so einfach, wie sie scheint. Es kann auch sein, daß einige Führer der kämpfenden Gruppen selbst müde geworden sind des fruchtlosen Kampfes, aber nicht wissen, wie man wieder zu einem guten Neüdegger-Aufo-, Motorrad-Schulen billigen •"• ■ , VIII, 'Nimje.jorrgo.if 18. TrlrpKo» ..nd lm,,r: .' .t'cil Ul . W^olt, , N><l4»IÖslw|oidl. &l«klfiiihi.i l i:ll<d'.r,Sil Zustand des Friedens zurückkehrt, d. h. zu einem Zustand, In welchem man politische Arbelt ohne Spekulation auf Leidenschaften, ohne Ausnutzung von Katastrophen und ohne äußerste Anspannung der Nerven der Jugend leistet. Man träumt von einer Zeit, wo man auch ein wenig mit Verstand und Logik wird operieren können. Klarheit tat notwendig Man kann nicht bestreiten: Es ist leichter, abstrakt vom Frieden zu sprechen, als ihn durchführen. Schon allein deswegen, weil der Begriff „Friede" sehr unklar ist. Das Wort „Friede" ist irgendwie vernebelt und jeder kommentiert es anders. So lange nicht klar wird, um was es sich eigentlich handelt und was man unter „Friede" versteht, wird von allen guten Wünschen so viel wie nichts herauskommen. Man wird dort bleiben, wo man heute steht. Und inzwischen wird irgendwo von wegen einer Kleinigkeit oder einer Provokation ein Feuer aufflackern, das wieder die Leidenschaften entzünden und nochmals die Helden der Faust an die Oberfläche bringen wird. Darum ist hier höchste Klarheit notwendig. Vor allem muß man verstehen, daß das Predigen vom Frieden nicht bedeutet, jeden ideologischen Kampf abstellen oder verschmälern, der stets im Zionismus geführt worden ist. Es kann gar keine Rede davon sein, daß jene, welche die Ideologie des Klassenkampfes und Klassenhasses, des Separatismus und des Brechens, des Brith-Schalomismus und der bloßen Philanthropie scharf verurteilen, unter dem sentimentalen Geschrei vom Frieden ihren Kampf aufgeben. Man kann doch nicht glauben, daß irgendwelche politische Gruppe im Zionismus davon Abstand nehmen müßte, ihre Ideen zu propagieren und auf das Streben nach dem Sieg zu verzichten. Diejenigen, welche unter „Schalom" eine Art Idylle verstehen, innerhalb welcher alle Meinungsverschiedenheiten und Gegensätze verschwinden, begehen einen grundsätzlichen Irrtum. Sie vergessen, daß Zionismus und Palästina heute keine abstrakten Begriffe mehr sind. Es gibt eine ernste tagtägliche Wirklichkeit. Interessen von Personen, ökonomische Gruppen, Klassen und Parteien führen einen unaufhörlichen Kampf für ihro Exitenz. Die Gegensätze kann und darf man nicht verwischen. Es muß nur ein Weg gefunden werden, der dia Reibungen abschwächt und die Gereiztheit vermindert. Rechts und Links Man kann auch über Frieden in einem anderen Sinn sprechen: Wegen friedlicher Forcen der gegenseitigen Beziehungen, die eine gemeinsame Arbeit ermöglichen, falls ein wichtiger Moment kommt. Die Partei, der ich angehöre, hat bereits auf dem. Prager Zionistenkongreß über die Notwendigkeit einer Einheitsfront gesprochen, sie hat gewarnt vor außenpolitischen Konsequenzen abstoßender Methoden in unserem politischen Kampf. Ein paar Monate nach dem Kongreß hat sich meine Partei, die Judenstaatsparte\ an alle Parteien mit dem Vorschlage gewendet, eine politische Aktionszentrale zu schaffen, welche die zionistische Oeffentlichkeit für den politischen Kampf parallel mit der Arbeit der zionistischen Exekutive organisieren soll. Wir haben vor und nach dem Stawsky-Prozeß jeden. Versuch zur Abstellung gegenseitiger Ueberfälle und! häßlicher Formen des politischen Kampfes unterstützt. Der Reflex all dieser Vorschläge war mehr als schwach. Man war ununterbrochen vom Bruderkrieg okkupiert. Ja mehr noch: Weil ich gleich am Schluß des Prozesses ausrief: „Schluß, genug damit!" und verlangte, die ganze Angelegenheit möge von der Tagesordnung verschwinden und so rasch als möglich vergessen werden, wurde ich von beiden Seiten überfallen, von den Zertifikatisten und von den Monopolisten, welohe Angst hatten, einen fetten Köder für ihre Propaganda zu verlleren* Was ich verlangt habe — ich finde noch heute, daß es das einzig Durchführbare ist —, ist nicht jener ideale, ÜBERSIEDLUNGEN EINLAGERUNGEN billigst durch Möbeltransporteur ALTBACH Vi« Kasernengasse 15 Tel. B-24-1-33