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Die neue Welt · 1934-08-31 · Heft 395 (31.8.1934) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 395 (31.8.1934)
Date
1934-08-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 395 DIE NEUE WELT Seite 3 Die billigste Sonderfahrt zu den Feiertagen nach Polen jk. Abreise 6. September 1934 Rückfahrt 4. Oktober 1934 Nähere Auskünfte: ECCDCTEI I» KÄRNTNERRING 12 ■ rmwm& I Eh Telephon Nr. U-40-301 deutsch-jüdischer Bericht an die in der Vorwoche in Genf abgehaltene jüdische Weltkonferenz. In diesem Bericht wurde unter Anführung „sicherer Quellen" erzählt, daß Heß vor und nach seiner Ernennung stundenlang mit Hitler über die Judenfrage debattiert und versucht habe, bei Hitler unter Hinweis auf die internationalen und wirtschaftlichen Interessen Deutschlands eine Abkehr vom scharf antisemitischen Kurs zu erwirken. Hitler habe seinem intimsten Freund versprochen, über die Sache „nachzudenken". Der oben zitierte Erlaß erweist die jüdischen Hoffnungen auf Heß als trügerisch. Entweder sind die' Geschichten um Heß und seine günstige Einstellung zu den Juden reine Erfindung oder der Herr hat sich die Sache gründlich überlegt. Da§ Hakenkreuz in Per§ien Ein Bericht von J. Stein Teheran,' die Hauptstadt Persiens, war einst von einer Mauer umgeben, wie alle Städte des Orients, welche sich gegen Ueberfälle schützen wollten. Von diesen Mauern sind bloß die Tore übriggeblieben, so daß man, will man eine Stadt betreten, durch die Tore durchfahren muß. Auf solch einem Tor, das zur Stadt Schamram führt, fallen zunächst — an der es flankierenden Säulen — große, schwarze Hakenkreuze auf, die von einem gelben Hintergrund abstechen. Die Nazis, die ihre Agenten auch in Persien haben, schufen bekanntlich die Theorie, daß die Perser reine Arier seien. Vor einiger Zeit brachte der „Völkische Beobachter" eine Reihe groß aufgemachter Aufsätze über dieses Thema. Der Grund für dieses „Kompliment" war ein recht prosaischer. Deutsche Kapitalisten führten damals Unterhandlungen mit der persischen Regierung über den Bau neuer Bahnlinien; insbesondere war an dieser Angelegenheit Krupp interessiert, der die Lokomotiven liefern sollte. Ein gewisser Sef-Assad, der schön vor Jahren in Berlin war, wo er eine deutsch-^persische Wirtschaftszeitung gegründet hatte, die nach ein paar Nummern einging, erschien fh Persien, vergaß seine Liebe für Deutschland und trat mit den indischen Parsen in Verbindung. Diese sind Anhänger der alten persischen Religion des Zarathustra und sind bereits vor Jahrhunderten nach Indien gezogen. Der gegenwärtige persische Schah lud sie zur Rückkehr ein — aus patriotischen Gründen. In Wirklichkeit allerdings wollte er sie wegen ihrer Reichtümer zurückbekommen. Der genannte Sef-Assad eröffnete in Teheran einen großen Klub, um ein „gesellschaftliches" Zentrum für die Parsen zu schaffen, wurde aber von persischen Abgeordneten als politischer Scharlatan entlarvt. Als Hitler zur Macht kam, deklarierte sich Sef- Assad als heißer Anhänger des Nationalsozialismus. Mit Hilfe der deutschen Gesandtschaft gründete er in Teheran die erste und einzige illustrierte Wochenschrift „Bastane Iran" (Der persische Garten). Selbstverständlich erhielt er die nötigen Klischees von der d-eut sehen Gesandtschaft, die ihm insbesondere die großen nationalsozialistischen Paraden des Dritten Reiches zur Verfügung stellte. Er bekam auch Inserate von Krupp und von anderen führenden Firmen. Da diese Zeitschrift sehr billig verkauft wird, kann keine Konkurrenz aufkommen. ■: Schon die zweite Nummer des Blattes brachte eine Abbildung des erwähnten Schamran-Tores. Im dazugehörigen Text wurde mit dem Aufwand vorgetäuschter Sachkenntnis seitens deutscher Nazi-Gelehrter bewiesen, daß die Perser reine Arier seien. Schon auf den ersten Blick merkt man, daß das Blatt eine gefährliche antisemitische Propaganda betreibt; denn der primitive Perser glaubt, was das billige Blatt ihm auftischt. Das Hauptelement, wodurch dem Perser sein Arjertum bewiesen wird, ist das Hakenkreuz. Unvoreingenommene Gelehrte erklären, daß das Hakenkreuz nach Persien aus der Mongolei gekommen ist, und daß es ganz und gar keine deutsche, schon gar nicht eine nationalsozialistische Erfindung ist, sondern aus China stammt. (Eine ausgedehnte Literatur hat sich mit diesem Thema beschäftigt. Anm. d. R.) Die Gelehrten beweisen, daß das Hakenkreuz in seiner ursprünglichen Form nicht scharfkantig, sondern abgerundet war, als Symbol der Bewegung der Sonne. Die Mongolen bevorzugen auf ihren Teppichen die Darstellung symmetrischer Figuren. Die Figur des Hakenkreuzes lag ihnen besonders nahe und sie verwendeten sie in verschiedenen Variationen. Der Grund hiefür besteht darin, daß einem Wüstenvolk Formen von Blumen wie überhaupt Formen der Natur fremd sind, weshalb sie am liebsten geometrische Muster verwenden. In Persien gibt es einen Stamm, der sich Bahaaj ne,nnt. Die Perser, soweit sie schiitische Mohammedaner Mod* ff'rfrfni daß der zwölfte Ij»wä AProgfcet^ nach Mohammed die Welt erlösen werde. Vor ungefähr hundert Jahren kam aus der Gegend des persischen Golfs ein Mann namens Bahaaj, der sich als zwölfter Imam erklärte. Er gründete eine neue persische Sekte, deren Hauptaufgabe die Abschaffung der Sklaverei und der Vielweiberei war. Er gründete bei Mahamoda einen Staat, der bald zugrunde ging, weil sowohl die Sklavenhändler als auch die reichen Grundbesitzer gegen ihn intrigierten. Bahaaj wurde gefangengenommen und verurteilt. Diese Bahaajiter aber existieren bis zum heutigen Tag. Massen von Bahaajitern gibt es in Amerika und Indien. In Persien selbst gelten sie nicht viel, weniger als die Christen und sogar als die — Juden. Sie erklären sich offiziell als Juden, um vor Verfolgung geschützt zu sein. Ein seltener Fall der Weltgeschichte, daß das Bekenntnis zum Judentum als Schutz gegen Verfolgung und Erniedrigung angesehen wird . . . Max Reinhardt als Regisseur eines jüdischen Ausstattungsstückes Aus London wird gemeldet: Professor Max Reinhardt schloß einen Aufführungsvertrag in New York ab, wonach er sich verpflichtete, im Frühjahr 1935 ein großes jüdisches Schauspiel unter Mitwirkung von 3000 Menschen aufzuführen. Den Vertrag schloß Meir Weisgall, der Chefadministrator des Festspiels „Die Romanze eines Volke s", ab, das im Vorjahr in New York, Cbikago und in anderen nordamerikanischen Städten aufgeführt worden ist. Die HpfcJ der Stahle * der Schweden-Stahl, Gipfel der Klingen: die schwedische Jüdische Eltern! Kauft Schulbücher für eure Kinder nur in der jüdischen Buchhandlung Hermann Tuchner Wien II, Ecke TaborslraBe 92 Lehrbücher für alle Lehranstalten in den richtigen Auflagen — auch anliquarisch - zu sehr mäßigen Preisen! Spesenfreie Zusendung Uberallhin. Verzeichnisse kostenlos — Für Auskünfte: Tel. R-41-4-20 Kosten des von Max Reinhardt zu inszenierenden Stückes sollen rund 250.000 Dollar betragen, der Reinertrag ist für philanthropische Zwecke bestimmt. Das Stück wird auch im kommenden Frühjahr in London aufgeführt. Wie es heißt, haben Lord Melchett und eine Gruppe englischer nichtjüdischer Persönlichkeiten versprochen, die Londoner Aufführung durch Aufbringung genügender Geldmittel zu ermöglichen. Der Text des Schauspieles hat den Schriftsteller Franz W e r f e 1 zum Verfasser, die Musik stammt von Kurt W e i 11, Autoren, die in Hitler-Deutschland nicht zur Aufführung gelangen. Es ist geplant, für die Aufführung alle jüdischen und nichtjüdischen Schauspieler einzustellen, welche Opfer des nationalsozialistischen Regimes geworden sind. Sollte das Schauspiel Erfolg haben, so wird man darangehen, in New York ein ständiges Emigrantentheater, ein sogenanntes Galuth-Theater, mit Reinhardt als Direktor zu errichten. Wie weiters bekannt wird, wird Reinhardt bereits Ende August nach New York reisen, um dort mit den Proben zum Schauspiel von Werfel-Weill zu beginnen. * Zu gegebener Zeit werden wir zu dem Projekt und den Autoren des in Rede stehenden Stückes Stellung nehmen. Oesterreichs^ he PogromsNazi in Warasdin Nach der Ermordung des Bundeskanzlers Dollfuli und Niederschlagung des Hitler-Putsches in Oesterreich flüchteten einige hundert Nationalsozialisten nach Jugoslawien, wo ihnen die Regierung ein Asyl in Warasdin anwies. Die Wiener Tageszeitung „Telegraf" sandte einen Spezialberichterstatter dorthin, welcher über das Treiben der österreichischen Nazi u. a. berichtet: „Warasdiner Juden werden überfallen. Da eine Anzahl der österreichischen Hakenkreuzler die Warasdiner Gastfreundschaft in der Weise mißbrauchte, daß sie zur Korsozeit jüdische Einwohner der Stadt aufs ordinärste anrempelten, hielt der jüdische Vizebürgermeister der Stadt, ein hoher Funktionär der Kultusgemeinde, in der Gemeinderatssitzung eine scharfe Abwehrrede. Die Folge war, daß die Desperados alle Fenster seiner Wohnung einschlugen, ein Vorgehen, das allgemeine Empörung hervorgerufen und zur Einleitung einer Untersuchung geführt hat. Mit als deren Ergebnis wurde der Beschluß gefaßt, einen Teil der Leute in die Umgebung der Stadt zu versetzen." Aber die Tätigkeit der Nazi beschränkt sich nicht allein auf Warasdin. Mehrere von Hitler-Deutschland gekaufte Blätter benützen die Gelegenheit, und verbinden die Angriffe gegen Oesterreich mit einer wüsten, gegen die jugoslawischen Juden gerichteten Hetze. Jugoslawien gehört zu den Ländern, in denen sich die jüdischen Bürger der besten Behandlung erfreuen. Nun wird ihre Stellung von außenher bedroht. Der Hitler-Antisemitismus erweist seine Expansionskraft auch in diesem Lande. Es ist zu hoffen, daß die jugoslawische Regierung — wie bisher ■— die Ehre und Sicherheit der jüdischen Bürger zu wahren wissen wird. Um den jfi*la§dhen Weltkongreß Der Oberrabbiner von Italien für den Kongreß — Dr. Stephen Wise über die Gegner des Kongresses — Wie Hitler-Deutschland die Sache sieht In der Schlußsitzung der Genfer jüdischen Weltkonferenz, welche auch der Vorbereitung des Jüdischen Weltkongresses diente, führte der' Oberrabbiner von Rom, Commodore Dr. Angelo Sacerd o t i, als der Repräsentant des Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens, aus: Der Jüdische Weltkongreß ist eine gebieterische Notwendigkeit! In einer Welt, in der Organisation alles bedeutet, ist es absurd, isoliert bleiben und die Notwendigkeit eines zentralen Organs des Judentums nicht fühlen zu wollen. Wo gibt es eine nationale oder religiöse Kollektivität, dio ohne eine zentrale Führung imstande wäre, die gemeinsamen Kräfte in bestimmte Serbisch-Rumänisches Weinbaus II, Taborstraße 18, im Hotel National Alle ORIENTALISCHEN SPEZIALITÄTEN am Rost und Spieß I Bahnen zu lenken, sie jedem Teil der Gesamtheit zur Verfügung zu stellen, um so zur allgemeinen Vervollkommnung beizutragen? Die Gegner des Weltkongresses sagen: „Wie könnt ihr es wagen, die unter unseren Gegnern verbreitete Legende von einer jüdischen Internationale zu bestätigen?" Darauf antworte ich: Gerade darum ist der Weltkongreß notwendig. Gerade weil, was immer wir sagen und tun mögen, die Legende geglaubt wird, daß die Juden von einem zentralen Organ geführt werden, ist die einzige uns übrig bleibende Möglichkeit die: dieses Organ zu schaffen, statt glauben zu lassen, daß es in geheimer und verdächtiger Form besteht. Als glühender Bekenner der von Jerusalem ausgegangenen Religion und als ein Sohn Roms, der Stadt, die eben jetzt neue Formen des Rechtes ausarbeitet, sage ich: Möge das Judentum seine geistige Einheit wiederfinden, möge es der Welt noch einmal den Glauben an Gerechtigkeit, Wahrheit, an den einig-einzigen Gott schenken! In seiner Schlußansprache auf der Konferenz nahm der Führer der nationalen amerikanischen Juden, Pr, Stephen Wise, Bezug auf die von Morris WaWmann, Sekretär des American Jewish Committee, der Presse überreichte Erklärung, woach die Jüdische Weltkonferenz nicht berechtigt sei, im Namen aller Juden zu sprechen, da an ihr weder das American Jewish Committee (New York) nach der Jewish Board of Deputies (London) nch die Alliance Israelitc Universelle (Paris) teilnehmen. Was uns von diesen Gruppen scheidet, sagte Wise, ist, daß sie Furcht haben und keinen Glauben, wir aber h a;b en Glauben und keine Furcht. Wir glauben ah ,die Notwendigkeit des offenen Kampfes gegen unsere Gegner und der Zusammenarbeit aller jüdischen Gruppen in der Welt. Jene Organisationen weigern sich, mit den Vertretern der jüdischen Massen der osteuropäischen Judenheit zusammenzusitzen. Diese Komitees vertreten nur eine kleine Minderheit, während hinter uns, wie diese Konferenz gezeigt hat, die große Mehrheit des jüdischen Volkes steht. Wir werden den Gedanken des Weltkongresses verwirklichen! * Aus Berlin: Das offizielle Organ des deutschen Auswärtigen Amtes, die „Diplomatisch-Politische Korrespondenz", schreibt zu den Beratungen der Genfer Jüdischen Weltkonferenz: „Für einen deutschen Staat handelt es sich keines* wegs darum, die verschiedenen Nuancen des Judentums zu verstehen und ihnen Konzessionen zu machen» sondern für ihn ist lediglich entscheidend, die Lebensrechte und Interessen des deutschen Volkes wahrzunehmen. Außerdem wird die Jüdische Weltkonferenz nicht im Ernst daran glauben können, sie könne Deutschland Vorschriften für seine Justiz- und Verwaltungspolitik machen, noch dem deutschen Volk Ratschläge für seinen künstlerischen und literarischen Geschmack geben." Das Organ des Auswärtigen Amtes behauptet weiterhin, die Weltkonferenz habe sich auch deshalb so lebhaft für die deutsche Umwälzung interessiert, weil sie Angst habe, andere Länder könnten jene Prinzipien, die heute im Reich Anwendung finden, bald übernehmen. Deshalb bekämpfe die Konferenz auch alles, was zu dem Schluß führen könne, ihre deutschen Glaubens* genossen fänden sich mit dem gegenwärtigen Zustand der Dinge bereits ab,

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