Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 395 (31.8.1934)
- Date
- 1934-08-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 20 Groschen Jahrgang 8 Freitag/ den 31« August 1934 Nr* 39S V« b« b. Zeitung vom Verleger versendet „Journal exp^die par l'edlteur" REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30. vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; ToIen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—. vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—. vierteljährig Lewa 120.— : Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitäfsstr. 8, Tel, A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Aeroplane und Scheinwerfer gegen die judische Einwanderang Aus Jerusalem (J. T.-A.): Nachdem im Zusammenhang mit der kürzlich erlassenen Order des High Commissioner, betreffend Nichteinmischung privater Kreise in die Obliegenheiten der Polizei die arabischenjugendlichen sich in der Jagd* auf jüdische Einwanderer einige Reserve auferlegt hatten, haben nunmehr arabische Trupps die Unterstützung der Polizei bei der Absuchung der Küste nach illegal Eingewanderten in vollem.Umfange wieder aufgenommen. In Haifa und in Tulkarem hat die Polizei arabische Jugendliche für den Küstendienst angeworben und sie damit in den Bang einer offiziellen Hilfspolizei erhoben. Längs der Küste von Nathania und anderwärts suchen mit Scheinwerfern ausgestattete Aeroplane die Gegend ab. Infolge dieser verstärkten Jagd auf jüdische Einwanderer und der offiziellen Inanspruchnahme jugendlicher Araber ist die Spannung in Palästina gewachsen. Die hebräische Tageszeitung „Haaretz" erklärt im Leitartikel, der Palästina-Judenheit habe sich infolge dieser Machinationen Nervosität bemächtigt; man habe das Gefühl, daß sich etwas Schlimmes hinter den Kulissen vorbereitet. Die Zeltung fragt, ob man etwa die blutigen Unruhen von 1929 wiederholen will, um jüdische Leistung und Prosperität im Lande zu zerstören. Verstärkte Einwanderung Aus New York: Das englische Konsulat in New York stellte dem New-Yorker Palästina-Amt 650 Zertifikate zur Einwanderung nach Palästina für Personen mit einem Eigenvermögen von mindestens 1000 Pfund zur Verfügung. Drohender wirtschaftlicher Konflikt Palästina—Oesterreich Palästina fühlt sich benachteiligt Klage gegen die österreichisch-palästinensische Handelskammer Von der „Palnews"'ist-uns aus Tel-Awiw folgender, für die österreichische Wirtschaft sehr bedeutsamer BericHt übermittelt worden: <•■ ■'■ '■■ ln> den Oraii^enhandelskreisen Palästinas wird bekannt,-' daß 'unter-' dem'• Deckrnaritel einer 'privaten Institution in'Italien eine Organisation "in Tätigkeit getreten r ist, die den. s i zl l'i a h is c h e n " O ran g e npflanzern- Prämien zahlt', auf Grund' dereri'sie in die; Lage versetzt werden,' die; Orangen; zu besonders erniedrigten Preisen nach'O e s t e r r e i c h zu verkaufend Die gezählten Prämien werden der Organisation durch die österreichische I n d u s t r i e zurückvergütet, der als Gegenleistung dafür bestimmte Vorteile auf dem ftaJienischen Markt eingeräumt sind. Ein ähnliches Abkommen unter dem Deckmantel privater Vereinbarungen soll auch zwischen Italien und Schweden getroffen seih, nach dem gleichfalls eine italienische private' Organisation den Orangenexporteuren Exportprämien nach Schweden zahlt, die ihr von der schwedischen Industrie gegen industrielle Kompensationen auf dem italienischen Markt zurückvergütet werden. , Der ausgesprochene Zweck dieser Abkommen ist die Verdrängung der P al ä s t i n a - O r a n g e zugunsten sizilianischer Früchte. Diese Abkommen, auf die auch vom Obmann der Pflanzerorganisation, M. Smilansky, im „Bustenai". besonders hingewiesen wird, brauchen in ihrem u nfairen Charakter kaum noch . näher gekennzeichnet zu werden. Sie stellen. eine Verletzung von Treu und Glauben im internationalen Handelsverkehr dar. Italien wie Oesterreich und Schweden sind inten- 8iv um den Ausbau ihrer Handelsbeziehungen mit Palästina bemüht — mit folgendem Ergebnis: Italien: Export nach Import aus; Palästina Palästina : 1932 ...... 2Ö2.Q00 13.000 1933 ...... 357.000 ■ 14.000 I. Quartal 1934 . . 109.000 7.000 Oesterreich; Export nach Import aus Palästina Palästina ' 1932 . . . . . . 94.000 6.000 1933 . . . . . . 187.000 2.000 I. Quartal 1934 . . 80.000 2.000 Schweden: Export nach Import aus Palästina Palästina 14.00Q 25.000 12.000 1932 ...... 77.000 1933 ...... 122.000 I. Quartal 1934 . . 35.000 Der Ausbau der Handelsbeziehungen stellt sich also als eine sehr einseitige Angelegenheit heraus, In besonders krasser Weise ist das bei Oesterreich der Fall, dessen Import ' aus Palästina 1933/34 nur etwa 1 bis 2 Prozent des österreichischen Exports nach ..Palästina ausmacht. - Bei I t.ali.e n. und Schweden sind außerdem die großen Vorteile in Betracht zu ziehen, die diese beiden Länder' — insbesondere Italien — aus der Palästina- S chiff ah rt ziehen. Bei den Ziffern für das erste Quartal 1934 ist weiterhin zu berücksichtigen, daß in den Importziffern aus Palästina der Orangenexport vom Jänner bis März enthalten ist, der in den folgenden sechs bis acht Monaten in Fortfall kommt, während die Einfuhr weiterläuft, so daß sich die Handelsbilanz Palästinas mit diesen Ländern im weiteren Verlauf des Jahres sehr viel ungünstiger gestalten muß. Unter den handelspolitischen Bestimmungen des Mandatsstatuts, die unter ganz anderen handelspolitischen Voraussetzungen getroffen wurden, ist Palästina wehrlos den handelspolitischen Willkürakten und Drosselungsmaßnahmen der Völkerbundländer ausgesetzt, denen es bedingungslos offene Tür gewähren muß. Die Privatabkommen gegen den palästinensischen Orangenexport sind aber insofern lehrreich, als sie der palästinensischen Wirtschaft einen Wink geben, wie es zu machen ist. Importkartelle auf privater Basis könnten geeignet sein, dem palästinensischen Export manchen Weg zu ebnen. Schließlich ist die Frage auf zuwerfen, welchen Sinn Institutionen wie die Oesterreichischpalästinensische Handelskammer eigentlich haben: Handelt es sich dabei um eine österreichische Exportagentur nach Palästina, oder bemüht sie sich auch um Gegenseitigkeit? * Wir können den mit der ' Wahrung der österreichischen Handelsinteressen betrauten Institutionen, dem Handelsministerium, der Handelskammer, dem Industriellenverband usw., nur nachdrücklichst nahelegen, diesen Ausführungen, welche aus seriöser, gut informierter Quelle stammen, die größte Beachtung zu schenken. Oesterreich liefert in diesem Jahre um mehr als 10 Millionen Schilling Waren nach Palästina, Palästina aber nur Früchte im Werte von zirka 60.000 Schilling nach Oesterreich. Oesterreich hat sich in kurzer Zeit in Palästina ein gutes und aussichtsreiches Absatzgebiet erobern können.' Es hat daher alle Ursache, Klagen Palästinas die größte Beachtung zu schenken. Es darf nicht sorglos an Beschwerden, die von palästinensischer Seite erhoben werden, vorübergehen. Herbst Im sonnigen Meran Pension Irma Meister. Meran Idealer ganzj&hriger Aufenthalt. letzter Komfort, gerühmte Küche, herrl. Park, mäßige Preise. Verlangen Sie Prospekte MF DA NA »EWSIOW M1RAN ■:-»-i;»--^;-^-';|im(,^#.rjs;'.';. Deutsches Hans .' . unmittelbare: Nähei der;Kui,iir0menade:surid' de6 Kurhauses ■ Hffchrter Komfort / ButterkSche:; / Lire 25 Restrenom. Familienhaus Zentrale Lage / Gr.Qarten Geptl. Küche / Jede Diät Mäßige Preise HOTEL PRINCIPE EREDITARIO (ehemals Kronprinz) MEI$ ANO Gutbürgerliches Haus — Fließendes warmes und kaltes Wasser Mäßige Preise _ Besitzer Pechlaner-Kuba Jüdisches Advokatenelend In Wien haben zwei Juden, die Brüder Baumgarten, siebzig und zweiundsiebzig Jahre alt, Selbstmord begangen. Sie zählten noch vor wenigen Jahren zu den angesehensten Rechtsanwälten Wiens, in den Nachrufen werden sie als „Zierden ihres Standes" gerühmt. Keine komplizierten Motive lagen ihrer Tat zugrunde. Die Sache war ganz einfach: Sie hatten schon lange Zeit gedarbt und wählten im letzten Stadium des Verhungerns den kürzeren Weg. ins Jenseits. Verhungert am Ende eines langen Lebens voll ehrenhafter Arbeit, mitten in einer Millionenstadt, qualvoll dahingegangen in fürcherlicher Einsamkeit, wie ein todwundes Wild in einem verborgenen Waldwinkel. Mitten in einer Stadt, die sich ihrer „Fürsorge-Institutionen" rühmt, mitten in einer Judenschaft, die über zweihunderttausend Seelen zählt. Verhungert! * Es liegt bittere "Ironie darin, daß sie, die jüdischen Advokaten, in einem Zeitpunkte elend gestorben sind, da um ihren Berufsstand ein harter Streit tobt. Gerade jetet, da offene und maskierte Antisemiten gegen die „Monopolisierung der österreichischen Rechtsanwaltschaft durch Juden" schreiben und reden und von der Regierung fordern, Maßnahmen dagegen zu ergeifen, daß die Juden einen e i n f 1 u ß - und ertragsreichen Berufsstand fast voll besetzen und den armen christlichen Juisten keinen Platz in ihm lassen. Von jüdischer Seite wird erwidert und während man streitet, wird die ganze Sache gegenstandslos durch das immer wachsende Elend unter den glühend beneideten Advokaten Oesterreichs. Wohl gestalten die Begleitumstände den Fall der Brüder Baumgarten besonders tragisch, aber in seinem Wesen ist der Fall des jüdischen Anwaltes, der vor dem Nichts steht und ärger daran ist als irgend ein Arbeitsloser, kein Ausnahmsfall, sondern der typische Fall. Immer häufiger finden sich in den Zeitungen Meldungen über „Verfehlungen" jüdischer Advokaten, das heißt, über Verfehlungen in einem Stande, der noch bis vor kurzem zu jenen zählte, in denen die Berufsehre aufs peinlichste gewahrt wurde. Ist das Menschenmaterial dieses Standes schlechter geworden? Nein! Unzählige jüdische Anwälte sind in eine verzweifelte Lage geraten. Die harte Zeit hat den jüdischen Anwaltsstand, der einst ein hohes Aktivum der jüdischen Gesellschaft war, zu einem ihrer bedauernswertesten Sorgenkinder gemacht, Die Rosch s Haschanah s Nummer „DIE NEUE WELT" erscheint Freitag, den 7. September, in ver* stärktem Umfang und vergrößerter AulV läge. Preis 20 g Erhältlich in allen Trafiken, Versdileißstellen u. bei den Kolporteuren.