Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 393 (24.8.1934)
- Date
- 1934-08-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis (55 en lahrgang 8 Fveftag/ den 24« August 1914 Nr. 393 V«b«b» Zeitung vom Verleger versendet »Journal expecüe par reditenr/* 187 Titl. Universitätsh! BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.-.; Polen monatlich Zloty 2 — vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bnm&nien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljähriff Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14—? Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. HERAUSGE BER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätssir. 8, Tel A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag REVUE Die jüdische Weltkonferenz m Genf Am Montag, 4en 20. August, abends, wurde, wie bereits gemeldet, in Genf die III. Jüdische Weltkonferenz bei Anwesenheit von Vertretern der jüdischen Gemeinschaften aus fast allen Ländern der Welt eröffnet. Auf der Konferenz sind vorläufig die folgenden Länder und Organisationen vertreten: Algerien (Komitee für den Jüdischen Weltkongreß); Amerika (American Jewish Congreß); Belgien (Komitees zum Schutz der jüdischen Rechte in Brüssel und Antwerpen); Bulgarien (Zentralkonsistorium der Juden Bulgariens); Kanada (Canadian Jewish Congreß); Dänemark (Mosaisk Troessamfund); Dan zig (Verband der jüdischen Gemeinden); Aegypten (Jüdische Gemeinde in Alexandrien und Liga gegen den Antisemitismus in Kairo); Oesterreich (Komitee für den Jüdischen Weltkongreß); Südafrika (South African Jewish Board of Deputies); Spanien (Jüdische Gemeinde Madrid); Estland (Jüdischer Kulturbund); Frankreich (Comite" pour le Congres Mondial Juif); England (Federation of Synagogues, Federation of Jewish Relief Organisations, Jewish Rcpresentative Council); Griechenland (Verband der jüdischen Gemeinden); Italien (Verband der jüdischen Gemeinden); Lettland (Komitee für den Jüdischen Weltkongreß); Marokko (Komitee für den Jüdischen Weltkongreß); Palästina (Waad Leumi); Polen (Jüdischer Parlamentsklub, Vereinigtes Jüdisches Komitee, Jüdische Gemeinde Wilna); Rumänien (Jüdische Partei); Schweiz (Verband der Schv/eizerischen Zionisten, Jüdische Gemeinde Genf); Tschechoslowakei (Jüdische Partei); Tunesien (Jüdische Gemeinde); Jugoslawien (Verband der jüdischen Gemeinden). Außerdem sind Repräsentanten der folgenden interterritorialen Organisationen anwesend: Weltverband der Allgemeienen Zionisten; Poale Zion-Hitachduth; Weltmisrachi; Verband der Radikalen Zionisten; Zentralkomitees der Zionisten Westgaliziens und Ostgaliziens sowie Kongreßpolens; Judenstaatspartei; Emigdirect. Dr. Nahum Goldmann, Präsident des Comit6 des Dölegations Juives in Paris, eröffnete die Konferenz mit einer Ansprache, in der er u. a. ausführte, die Konferenz sei einberufen worden, um die wichtigsten und dringlichsten Probleme der augenblicklichen jüdischen Lage zu erörtern und die Richtlinien der weiteren Arbeit und der Tätigkeit der angeschlossenen Gruppen und Organisationen festzulegen, und Leo Motzkina als des Symbols dieser Tagung gedachte. Die Aufgaben dieser Konferenz, führte Dr. N. Goldmann weiter aus, bestehe darin, die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern zu analysieren und die spezifischen Fragen, die sich aus dieser Situation ergeben, zu erörtern. Neben der deutschen Judenfrage handelt es sich dabei in erster Reihe um die Sicherung der Rechtspositionen der Juden in den Ländern des Ostens und Mitteleuropas, in denen sie als Minorität anerkannt sind und als solche unter den Schutz des Völkerbundes gestellt sind. Die Frage der Minoritätenrechte wird die diesjährige Hauptversammlung des Völkerbundes eingehend zu beschäftigen haben. Die weitere Entwicklung kann nur im Sinne einer Verstärkung der Minoritätenrechte, nicht irgend eines Abbaues vor sich gehen. Wir werden hier auch zu sprechen haben über die Lage der Juden in Sowjetrußland, die die ernsteste Aufmerksamkeit des Weltjudentums erfordert. Neben all diesen Fragen wird die Konferenz sich auch befassen müssen mit der neuen Welle des Antisemitismus, die durch die Welt geht und gegen die sich zur Wehr zu setzen Pflicht der Selbsterhaltung des jüdischen Volkes ist. Wir haben diese Konferenz nach Genf einberufen, weil Genf die Stadt des Völkerbundes und der internationalen Kooperation ist. Ich schlage vor, das Präsidium dieser Eröffnungssitzung dem unermüdlichen Vorkämpfer für jüdische Rechte Dr. Stephen S. Wise zu übertragen. Dr. Stephen S. Wise, Ehrenpräsident des American Jewish Congreß, führte aus: Das jüdische Volk hat in diesem Jahre Leo Motzkin und Cbaim Nachman Bialik verloren. War Bialik die Seele des Volkes, so verkörperte Motzkin die Sorge um die Sicherheit des Volkskörpers. Aber dies ist ja nur die halbe Wahrheit; so wie Bialik sich ganz gab, so gab auch Motzkin sein Bestes und Tiefstes. Dr. Wise gab einen Abriß von Motzkins Leben und Wirken im Dienste des Judentums und des Zionismus und schloß: „Israel frei und Palästina wiedererbaut, das wird die Verwirklichung des Lebensideals von Leo Motzkin sein." Blick auf die jüdische Situation Dr. Nahum Goldmann hielt ein umfassendes Referat über ,,Die gegenwärtige Lage des jüdischen Volkes", in dem er u. a. ausführte: Es gibt kaum eine Epoche in der Geschichte des jüdischen Volkes, in der die Gefährdung der Volksexistenz so groß war wie heute. Die heutige Krise wird durch zweierlei charakterisiert: Sie ist eine Krise, die nahezu alle Zentren des jüdischen Volkes umfaßt. Hinzu kommt, daß wir heute infolge der Weltwirtschaftskrise und der nationalistischen Wirtschaftspolitik keine Zufluchtsländer haben. Abgesehen von Palästina gibt es kein Land für eine größere jüdische Emigration. Das zweite spezifische Charakteristikum der heutigen jüdischen Existenzkrise betrifft unsere innere Verfassung. Das Judentum des Ghettos hatte Abwehrwaffen seelischer Natur. Wir Juden von heute haben in einem Jahrhundert der Emanzipation die Waffen abgelegt. Es ist notwendig, sich über die wichtigsten Ursachen, die zu der neuen Welle des Antisemitismus Und dem Ansturm auf unsere Existenz geführt haben, Idar zu werden. Die erste dieser Tendenzen ist das Ucberhandnehmen des Staatsgedankens. Nicht der Nationalismus bedroht uns — wir sind selber nationale Juden und wissen den Wert nationaler Selbstbewahrung zu schätzen —, sondern die U e b e rspitzung des Staatsgedankens, die Lehre vom Totalstaat. Eine andere uns gefährdende Tendenz ist die Verherrlichung des Rassegedankens. Wir Juden, die mehr als irgend eine andere Rasse der okzidentalen Welt unseren Rassecharakter zu wahren gewußt haben, sind gewiß die Letzten, die den Wert des Kassenfaktors negieren werden. Aber zwischen der Anerkennung des positiven Wertes des Rassegedankens und seiner Erhebung zu einen omnipotenten Prinzip, auf dem man ein ganzes Reich aufbauen will, ist ein großer Unterschied. Wir sind ein altes Volk und haben größere Machtgebilde gegen uns kämpfen gesehen, als es das Dritte Reich ist, und haben diese überdauert. Die Situation in Deutschland ist zur Genüge bekannt. Was wir hier erklären müssen, ist, daß keine noch so brutale Judenverfolgung in Deutschland uns Juden zu irgend einem Paktieren oder Kompromiß nötigen wird. Wir fordern das Minimum, nämlich die ' lj' E fl-'iüT K *BNSIONMIRAN;;n,;Pp':;K.M;.|p.' W \ Deutsches Hau» des Kurbauues Höchster Komfort , / . Butterküche / Lire 25 Eine billige Delikatesse BERNA-Käse volle Gleichberechtigung. Wir wollen Deutschland nicht beherrschen und haben es nie beherrscht. Wir wollen nichts weiter als Gleichberechtigung für die deutschen Juden, und zwar auf der Basis ihrer. Anerkennung als Minorität. Als ZI oni st sage ich: Die Forderung nach Palästina kann für das jüdische Volk nicht der mindeste Anlaß sein, auf ein Jota seiner Gleichberechtigung in den Ländern zu verzichten. Wir haben im vorigen Jahre von der Tribüne unserer Konferenz den Boykott gegen das hitleristische Deutschland proklamiert; wir werden an dieser Parole festhalten, bis die volle Gleichberechtigung der Juden in Deutschland erfolgt sein wird, Alle jüdischen Gruppen und Führer sind sich darüber einig, daß jeder Judo Deutschland boykottieren muß, und niemand wird von uns erwarten, daß wir diese unsere einzige Waffe beiseite legen, solange das Minimum unserer Forderung, die Wiederherstellung der jüdischen Gleichberechtigung in Deutschland, nicht voll erfüllt ist. Neben Deutschland gilt unsere besorgte Aufmerksamkeit dem osteuropäischen Judentum. Die Majorität der Millionen Juden in Osteuropa hat heute keinerlei ökonomische Existenzbasis. In dieser Notlage haben wir zweierlei zu tun: Mit aller Energie den Kampf zu führen für eine gerechte Behandlung der Juden in wirtschaftlicher Hinsicht und daneben eine umfassende konstruktive Hilfstätigkeit mit eigenen Mitteln zu organisieren. Ein besonderes Kapitel bildet die Lage der Juden in Sow^etrußland, mit der s'xh das Weltjudentum Bestrenot». Famillenhaus Zentrale Lage / Gr.Garten Gcpll. Kfldi« / Jede Diät Mäßige Preise ernsthaft beschäftigen muß. Niemand wird die Sowjetregierung antisemitischer Tendenzen beschuldigen wollen. Aber auf der anderen Seite verfolgt diese Regierung eine Politik, durch die all das, was früher jüdischer Mittelstand war, wirtschaftlich völlig depossediert wird und durch die jedes Eigenleben des russischen Judentums faktisch unmöglich gemacht wird: Zionismus, jüdische Religion, hebräische Sprache werden verfolgt. Wir glauben, daß jetzt, da Sowjetrußland sich anschickt, in den Völkerbund einzutreten, die Aufmerksamkeit der Welt auf diese Probleme gelenkt werden muß. Im letzten Jahr war auch das österreichische Judentum Objekt unserer Sorge. Starke antisemitische Tendenzen haben sich in Oesterreich bemerkbar gemacht. Die neue österreichische Verfassung hat die Gleichberechtigung aller Bürger und damit auch der Juden, wenn auch mit einigen etwas unklaren Klauseln, festgelegt, außerdem ist die Gleichberechtigung der österreichischen Juden durch die Minoritätenrechte, die ihnen der Friedensvertrag von St.-Germain gewährleistet hat, international garantiert und unter den Schutz des Völkerbundes gestellt. Aber man muß leider konstatieren, daß die administrative Praxis zahlreicher Behörden in Oesterreich antijüdische Tendenzen manifestiert. Wir hoffen, daß die österreichische Regierung iu dem Maße, in dem sie ernsthaft den Nationalsozialismus bekämpft, auch diese antisemitischen Tendenzen, nicht aufkommen lassen wird. Die Lage der Juden in den westeuropäischen Staaten — und geistig gesehen gehört auch die Tschechoslowakei dazu — ist zum Glück noch einigermaßen stabil Es ist nur der Ausdruck einer natürlichen Pflicht, der liberalen und großzügigen Haltung zu gedenken, die im vorigen Jahre die Westländer und vor allem Frankreich gegenüber einer großen Zahl jüdischer Flüchtlinge aus Deutschland eingenommen haben, und wir hoffen, daß diese Haltung sich nicht ändern werde. Die Bede der französischen und englischen Vertreter in der vorjährigen Völkerbundversammlung über die Judenfrage und Deutschland bildeten einen Lichtblick in der Tragödie jüdischer Verfolgungen. Diese sehr flüchtige Skizzierung der Lage der Juden in verschiedenen Ländern — ich habe von vielen Erscheinungen des Antisemitismus in manchen Ländern, Judenvertreibung in Thrazien, Pogrom in Constantine, Antisemitismus in südamerikanischen Staaten, hier nicht einmal gesprochen — gibt ein Bild unserer Lage in vielen Ländern: In unserer rechtlichen und politischen Situation erschüttert, ökonomisch in einem Zustande völliger Pauperisierung der Massen, innerjüdisch und geistig infolge eines Jahrhunderts der Assimilation geschwächt — so ist das Bild des jüdischen Volkes, von dem antisemitische Hetzer behaupten, daß es die Welt beherrscht oder beherrschen will. Seit langen Jahrhunderten waren wir nicht so bedroht in unserer Existenz wie gerade jetzt. Wir müssen heute noch einmal den Kampf für die Sicherung der elementarsten Gleichberechtigung, für das Recht ökonomisch zu existieren, politisch und geistig Anteil zu nehmen am Leben der Länder, mit deren Schicksal wir verknüpft sind, und kulturell unsere jüdische Eigenart zu wahren, neu führen. Es gibt zum Glück einen Lichtblick in unserer heutigen Lage: Palästina. Aber Palästina macht den Kampf um die Wahrung unserer Position in der Diaspora nicht entbehrlich. Wir können diesen Kampf durchkämpfen, wenn wir geeinigt sind. Der Jüdische Weltkongreß ist für uns das Symbol und das Mittel zu dieser Konzentration unserer Energien. Unsere Aufgabe, die Aufgabe der jüdischen Generation, die ein großes, aber hartes Schicksal in diese heutige Situation gestellt hat, ist es, das jüdische Volk, dessen Schicksal ihr anvertraut ist, dieser lichteren Zukunft entgegenzuführen. Der Jüdische Weltkongreß im Herbst 1935 Das Exekutivkomitee zur Vorbereitung des Jüdischen Weltkongresses hielt gemeinsam mit dem Comite des Delegations Juives eine interne Beratung ab, in der die Resolution betreffend Einberufung des Ersten Jüdischen Weltkongresses, die von der gegenwärtig in Genf tagenden Dritten Jüdischen Weltkonferenz zu fassen sei, formuliert wurde. Die Resolution wird der Führer der amerikanischen Delegation, Dr. Stenhen S. Wise, in der Weltkonferenz begründen. Dr. Nahum Goldmann setzte die Gründe derr Verzögerung der Einberufung des Weltkongresses auseinander, das Mitglied der amerikanischen Delegation Dr. Margoshes berichtete über die Festsetzung der Wahlen im amerikanischen Judentum für den 29. April Pension Irma Meister Heran Idealer aanzjiihrlger Aufenthalt, letzter Komfort, gerühmte Küche, herrl. Tark, mäßige Preise. Verlangen Sie Prospektt