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Die neue Welt · 1934-08-17 · Heft 391 (17.8.1934) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 391 (17.8.1934)
Date
1934-08-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT ie Muller Rahel von Mexiko Refeebilder von A* Coralnik Dr. A. Coralnik, der New Yorker Schriftsteller, bereiste kürzlich die südamerikanischen Staaten, um die Einwanderungsmöglichkeiten für Juden zu prüfen. Ich schlendere durch die Gassen und Gäßchen von Mexiko. Eis ist heiß, obwohl eben erst — wie in den Regenmonaten — der Regön alles überschüttet und die Luft erfrischt hat. Würde das Herz nicht so sehr erregt sein, so könnte man leichten Sinnes über die schmalen, langen, verwirrenden Straßen der „Stadt von Palästen" gehen — so nennen sie die Hauptstadt in der klingenden, romantisch tönenden spanischen Sprache. Und diesmal ist der Sinn der Phrase wirklich berechtigt . . . Eine Stadt voll großartiger Villen und atemberaubender Pracht, ein Stück barbarischen Traums, der Wirklichkeit geworden ist. Hoch oben auf einem Berg — vielleicht eine der höchsten Städte der Welt — liegt Mexiko als Bestätigung des altkastilianischen Wortes: „Wer will, der kann." Ein kleines Häuflein spanischer Abenteurer, gold- und machthungrig, ist in das schwerzugängliche Land hineingekommen, Über Berge und Seen und durch tropische Hitzen. In schwindelnder Höhe, eine glänzend organisierte Macht von Millionen Menschen mit einer disziplinierten Armee, ist das Aztekenland in kurzer Zeit, von 1519 bis 1520, von diesen Abenteurern zerbrochen und vernichtet worden, und Mexiko ward eine spanische Provinz. All das ist ein Rätsel, ein Wunder. Die Spanier selbst konnten es nicht vsrstehen. Die Indianer — noch weniger. Ein paar Jahrhunderte liegt das zurück und doch liegt alles im Nebel. Und ich stehe auf dem Hauptplatz von Mexiko, dem Zentrum der Stadt. Da: der Palast, der Zentralsitz der Regierung; da die mächtige Kathedrale; da das Denkmal des letzten Königs der Azteken — Montezuma, der legendarische, von den Cortez gemarterte. Ich betrete die Kathedrale. Riesengroß, grau und leer. Die Kirche steht heute nicht in Blüte — in der revolutionären Republik. Man findet hier kein Gold und keine L,::.-. Isteine wie in den alten spanischen Kirchen; auch k'.i.-.e wertvollen Bilder und Plastiken. Auch der Stil entcht nicht dem europäisch-katholischen. In einem Winkel, über einem Altar, hängt das Bild cüior Madonna. Die „Madonna der Vergebung" h;;::'t sie beim Volk und eine interessante Legende schwebt u;a sie. Es lebte in Mexiko im 16. Jahrhundert — so erzählt d-'-r Volksmund — ein Jude, der so starr an seinem Glauben daß die heilige Inquisition sich seiner sündigen S-:ü!'J annehmen mußte, um ihn vor den ewigen Höllenqualen zu retten. Man setzte ihn selbstverständlich in die Tiefedes Gefängnisses, wo die Inquisition ihre unglücklichen Opfer festhielt. Der Jude war aber so hart und stolz, daß er mit niemand reden und keine Sünde gestehen wollte. Ei'.os Tagss bat er seinen Wächter, ihm Pinsel, Farben und L_:ir.vand r.u geben, damit er sich die Zeit vertreiben könne hi.-j zuic Tode auf dem Scheiterhaufen. Der Wächter willfahrte seiner Bitte und er begann zu malen. Und wie von eolbst entstand ein Bild der Madonna — so schön, so süß und hf'd, wie man es in Mexiko noch nicht gesehen hat. Die Kunst Italiens und Hollands, wo der Jude früher gelebt hat, fand sich hier in reinster Verschmelzung. Als der Inquir.icor das Bild sah, konnte er sich nicht sattsehen. Er Mexiko gegen antisemitische Verbände Aus Mexiko City: Die national-revolutionäre Regierungspartei hat ihr hervorragendes Mitglied J.-,:r' Madero, einen Bruder Francisco Maderos, ausgh'".s3en, v/eil er sich geweigert hat, auf seine Mitgliedsc': IL bei den „Goldhemden", einer antisemitis c ':: -"i n Organisation von militärischem Charakter, zu verzichten. Nach einem Parteibeschluß ist den Parteimitg}:"l2rn die Zugehörigkeit zu einem derartigen Verband Verboten. (J. T. A.) „Haganah", Jüdischer Wehrsport- und Schützen- Verein, Wien, IX., Nußdorferstraße 16. Uebungsabeade finden auch in den Sommermonaten Montag und Donnerstag von 20 bis 22 Uhr statt. Erste-Hilfe- Kurs: Vortragender Herr Dr. Rechnitzer, jeden Montag 21 Uhr. Ab September finden wie im Vorjahre Hebräischkurse statt und sind Anmeldungen hiezu womöglich jetzt schon im Heim, Nußdorferetraße 16, Montag und Donnerstag, wo auch Auskünfte erteilt werden, vorzunehmen. Die Boxkurse werden auch wieder im September aufgenommen und gilt für Anmeldungen dasselbe wie für die Hebräischkurse. Turnverein Makkabi II (Turnsaal; Knabenvolksschule, II., Leopoldsgasse 3) beginnt Montag, den 3. September 1. J., wieder mit dem Saalturnen. Turnzeiten für Damen und Herren: Montag und Mittwoch von 7 bis 9 Uhr Geräte, Donnerstag von 7 bis 9 Uhr Gymnastik. An denselben Tagen von 5 bis 6 Uhr Kinderturnen und von 6 bis 7 Uhr Zöglingsturnen. Jeden Dienstag Heimabend mit aktuellen Vorträgen, jeden Freitag Tischtennis und jeden Sonntag gemeinsame Ausflüge. Beitrag neuerdings ermäßigt, und zwar für alle Abteilungen S 1.50 monatlich. Bei genügender Teilnehmerzahl wird unter bester Leitung und allerbilligstem Beitrag ein Hebräischkurs für Anfänger geschaffen. Wiener Jüdischer Turnverein „Makkabi", gegründet 189S. 36. Vereinsjahr, Mitglied der „Makkabl"-Weltglaubte zu verstehen, daß hier etwas Ueberirdisches, ein Wink der Madonna sei. Und sein Herz wurde weich, und des Juden Herz ebenso. Sein eigenes Werk machte ihn zu einem gläubigen Christen. Man befreite ihn und nannte das Bild „Die Madonna der Vergebung". Eine naive Legende! Aber wieviel Blut, jüdisches Blut pocht in ihr, noch nicht verwischt von der Zeit! * Auf dem Diebsmarkt von Mexiko, den man „Tepito" nennt. Heiligenbilder, alte Almanachc, Sandalen und sogar Schuhe — all das ist hier zu finden. Und noch mehr als ein Kunde kann die Polizei finden, wenn sie sich auf die Suche begeben will. Man weiß es in Mexiko: Wenn etwas verloren geht, so findet man es auf „Tepito". * Ein mexikanischer jüdischer Dichter hat mir stundenlangdie Wunder von Tepito aufgezählt, wo die Messer locker hinter dem Gürtel sitzen. Er hat ein Buch über Tepito geschrieben, aber auf mich hat es keinen so gewaltigen Eindruck gemacht. Der „Galizky bazar" in Kiew z. B. und die Moldawenka in Odessa stecken in bezug auf Messerstecherei und Schlägerei zehn solche Tepitos in den Sack. * Die Apachen stammen aus der Gegend von Mexiko, aber selbst sie mußten den langen Weg europäischer, französischer Kultur durchmachen, um echte Pariser Apachen zu werden. Auch ein Dieb ist nicht interessant, wenn nicht hinter ihm die Tradition eines Francois Villon steht, des berühmten Dichter-Banditen mit seinen wunderbaren Poesien. * Ein Ausflug in den Vorort „Hippodromo". Gegen 11 Uhr nachts, beim Schein des Monds, ein Spaziergang durch die neuerrichteten Straßen. Die Palmen glänzen silbern, Zypressen zittern in ihrem Laub, von den Bergen kommt ein kühler Wind daher. So schlendern wir, ich und der Museumsprofessor, und sprechen von fernen, fernen Dingen — von Heidelberg, Philosophie, Europa — und vergessen ist die mexikanische Wirklichkeit. Plötzlich vor irgendwoher ein langgezogener, klagender Ton, fast wie ein Gewein. Der Professor lächelt: „Vielleicht eine Katze oder gar irgendwo in der Ferne ein Schakal, der heult. Wenn ich Ihnen irgend eine schöne Legende erzählen wollte, mit der alte Frauen Kinder schrecken wollen, würde ich sagen: Es ist die .Liorana', die. Klagende." „Sie wissen, daß es solch eine Lebende in Mexiko gibt. Jede Nacht kommt vom Gebirge eine Frau in Weiß — weiß die Kleider, weiß der Schleier auf ihrem Gesicht. Es ist die Mutter von Mexiko, die Göttin Sivalt. Sie geht durch die Gassen und klagt: ,Wie lange noch wird das Unglüok meiner Kinder dauern? Weh über mein Volk, das zusammengebrochen ist!' So geht die Klage, seitdem Cortez die Herrschaft der Azteken vernichtet hat. Und wenn sie zu der Placa Major kommt, verschv/indet sie wie im Nebel. Und heute noch, wenn bei Nacht ein Heulen anhebt, tuscheln die alten Mexikanerinnen und flüstern: Die Liorana, die Klagende." „Eine Mutter Rahel-Motiv! Sie wissen, daß hier irgendwie eine Aehnlichkeit zwischen dem Schicksal der beiden Völker besteht, des mexikanischen und des jüdischen . . ." »♦»»»»»»»♦■»«♦♦<> »»»» » Organisation London. Adressen der Turnlokale: II., Leopoldsgasse 3 (Volksschule), IX., Liechtensteinstraße 20 (eigener Turnsaal), X., Uhlandgasse l (Volksschule) X., Quellenstraße 52 (Volksschule), XV., Herklotzgasse 21 (eigener Turnsaal im jüdischen Vereinshaus), XVII., Rötzergasse 9 (jüdisches Vereinshaus), ferner Turn- und Spielplatz der IKG. im Augarten, Wien, II. (Eingang Lampigasse), ferner Schönbrunner Vorpark (jeden Montag abends!), weiters eigenes Bad in der Kuchelau (neben dem städtischen Bad). Im September wird auf allen Turnplätzen und in allen Abteilungen der volle, regelmäßige Betrieb aufgenommen. Jüdische Turner und Turnerinnen aller Altersstufen (Kinder, Jugendliche und Erwachsene) melden sich an obigen Adressen als Mitglieder an. Jedermann herzlichst willkommen. (Mitgliedsbeiträge sind für Arbeitslose und unbemittelte Hochschuler, Jugendliche und Lehrlinge ermäßigt.) — Im Dezember finden bereits die turnerischen Ausscheidungswettkämpfe für die Makkabiah 1935 statt. Wer im März 1935 zur „Makkabiah" fahren will, entweder als aktiver Sportler, beziehungsweise Turner oder als Schlachtenbummler, muß sich im Herbst bei den jüdischen Turn- und Sportorganisationen („Makkabi", „Hakoah" usw. usw.) als Mitglied anmelden! Der „Makkabi" ist der Sammelpunkt aller jüdischer Turner und Turnerinnen. O. F. Konkursaussdireabung Im Spital der israelitischen Kultusgemeinde, Wien, XVIII., Währinger Gürtel 97, gelangt an der urologischen Abteilung eine Sekundararztenss teile zur Besetzung. Zur Anstellung sind erforderlich: die österreichische Bundesbürgerschaft, lediger Stand, die Berechtigung zur Ausübung der Heilkunde im österreichischen Bundesstaate, die körperliche Eignung (nachgewiesen durch ein GRABSTEIN FRIEDLÄNDER & DEUTSCH Wien, t. Bez., Seitensteitengasse2, Telephon V-28-UPJ XL, Zentraliriedhof neb. d. 7. Tot, Tetephon U-18-0 85 von einem Primararzt des eigenen Spitals ausgestelltes Zeugnis) und ein Alter von unter 35 Jahren. Mit der Stell© ist nebst dem in der Besoldungsordnung für die Abteilungsärzte des Spitals der israelitischen Kultusgemeinde Wien fixierten Barbezug die Benützung einer möblierten Naturalwohnung samt Beleuchtung, Beheizung und Bedienur:;' sowie die volle Verköstigung verbunden. Für die letztere werden die Eigenkosten von den Monatsbezügen in Abzug gebracht, wobei der Abzug ein Viertel der Bezüge nichtz überschreitet. Mit den Personaldokumenten (Geburtsschein, Heimatschein, Diplom, Nachweis der Zugehörigkeit zum Judentum, Zeugnisse über die bisherige fachliche Verwendung) belegte Gesuche sind beim Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde, Wien, I., Seitenstettengasse 4, bis längstens 7. September 193 4, mittags, zu überreichen. Empfehlenswerte Firmen Restaurants, Cafes etc. Hotcl-Beatnurant „Stephanie", II., Taborstraße 12. Vorzügliche Wiener Küche. Speisen am Rost. Menü ab S 1.60. Täglich frische Fische. Restaurant Billet, vorzügliche streng orthodoxe Küche, II., Hammer-Purgstall-Gasse, bei Salztorbrücke. C»f6-Itcstaurant Edison (Inn. Flcischmann), VIII., Aiseratraße 9, . Tel. .B-43-0-47, B-43-0-86. . Cafü-Kestftiirant Espresso, 1., Rotenturmstraße 1. Internationale kalte und warme Küche. Menüs zu billigen Preisen. Cafo Schottentor, I., Ring des 12. November 10, Telephon U-26-5-90, vis-ä-vis der Universität. Restaurant Max Lazar, vorzügliche,. streng orthodox»1 Küche und Selchwaren, II., Untere Augartenstr. 19. Tel. A-41-8-12. Cafc-Konditorci Neumann, II., Gredlerstraße 2 (Telephon A-42-3-81). III.. Löwengasse 47 (Tel. U-10-5-78). Restaurant Ncugröschl, renommierte jüdischo Küche. II., Lilienbrunngasse 12, Tel. A-48-5-86. Restaurant „Spritzer", früher „Hotel National", jetzt II., Hammer-Purgstallgasso 7. Vorzügliche Wiener und internationale Küche, Tel. A-45-5-42. „Vegetaria", Restaurant, Diätküche, Milchspeisen, II., Obere Donaustraßo 89 a; IX., Währingerstraße 21. Bekleidung, Wüsche Fein & Landsmann, Lederbekleidung, XX,, Gaußplatz 6, tion, II.. Obere Donaustraße 35, Tel. A-49-0-86. ülanzmann, Epstein & Co., Herren- und Damen-Konfek- Tel. A-42-0-10. Schuhe S. Abrahamovicr, Schuhhaus, II., Taborstraße 33. Telephon A-48-1-62. ... Birnbaum Leo, Schuhreparaturwerkstätte. II., Franzensbrückenstraße 9; XX., Karl-Meißl-Straße 3; XX., Pappcnheimgasae 66. Pelze Pelze jeder Art, M. 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Anfragen und Wünsche, welche diese Rubrik betreffen, sind an die Verwaltung, des Blattes, IX., Univcrsifätsstraße 8. Telephon A-20-2-78, zu richten. Restaurant ROTH«" ^SÄTSStÄS empfiehlt seine reichhaltigen Menüs Suppe, Braten, Gemüse, Mahlspeise............Ji.jt Suppe, Braten oder V, Huhn, Gemüse, Kompott, Mehlspeise S T.6C Kalbs- und Rindsbraten ä la carte. ........90 Croscher 10 dkg. gebratenes Gartsl..............60 Croscher Lebensversicherungs-Gesellschaft PHÖNIX Aus dem Jahresberichte 1V33: Versicherungsbestand S 3.107,000.000-— Prämien- und Zinsen- Einnahmen Oarantietnittel Auszah ungen an die Vetsicherten 211,000.000-- 6fc0,000.000-- 72,0C0.000.- Tätlgkeltsgeblet: Oesterreich, Deutsches Reich Saargebiet, Cechoslovaklsche Republik, belgien, Holland, Frankreich, Spanien, Italien, Fürstentum Liechtenstein, Ungarn, Polen, Jugoslavien Bulgarien, Griechenland, Rumänien, Palästina, Syrien, Türkei, Tunis, Marokko Irak und Aegypten. 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