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Die neue Welt · 1934-08-07 · Heft 388 (7.8.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 388 (7.8.1934)
Date
1934-08-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen Mitsang 8 Dienstag, den 7« August 1934 Nr* 388 V. b« b* Zeitung vom Verleger versendet »Journal exp6dI6 pa* 1'edlteur" Titl. Universitätsbibliothek Wien, I. IE U Kl! HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30, viertel jährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc G.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Binar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Dentschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—: Schwei« und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion u,Verwaltung: IX, Universitätssir»8, TeLA-2Q-2»78 — Erscheint Dienstag u.Freitag Aktion der Judenstoaf§partes Zum Burgfrieden in Palästina In unserer Ausgabe vom 3. August veröffentlichten wir aus der Feder JVIei'r Großmanns einen Aufsatz, der sich unter dem Titel „Genug! Schluß damit!" mit der innerjüdischen Stimmung in Palästina beschäftigt und die Liquidierung des Arlosoroff-Prozesses als Notwendigkeit und Voraussetzung eines Burgfriedens begründet. Es ist innerhalb eines verhältnismäßig kurzen Zeitraums das zweite Mal, daß die Judenstaatspartei zur Inneren Befriedung des zionistischen Lagers aufruft. Gleich nach dem ersten Stawsky-Prozeß hat sie sich an Bürgermeister Me'ir Dizengoff mit dem Ansuchen gewendet, die Einsetzung einer unparteiischen Kom* mission in die Wege zu leiten, die alle das zionistische Leben zerstörenden Umstände und Tatsachen zu eruieren und der Wahrheit auf den Grund zu gehen hat. Ueber die jüngste Aktion der Judenstaatspartei, dessen Vorsitzender Meir Großmann durch den obenerwähnten Aufsatz das Signal zum Burgfrleden in Palästina gegeben hat, meldet die J. T. A. unter de«: 1. August: Auf Anregung der Judenstaatspartei haben die hebräischen Tageszeitungen in ihrer Mehrzahl vereinbart, die weitere Erörterung des Arlosoroff-Mordes einzustellen, um so zur Wiederkehr von Ruhe und Frieden innerhalb der jüdischen Bevölkerung Palästinas beizutragen. Die jüdische Presse beginnt sich mit dieser Anregung zu beschäftigen. Der Warschauer „Moment" brachte die J.-T.-A.-Meldung mit Himvcglassung des Passus „Auf Anregung der Judenstaatspartei", der Warschauer „Hajnt" nahm sie vorläufig nicht zur Kenntnis. * Wie das Organ der Judenstaatspartei in Palästina „Iton M e j u c h a d" mitteilt, ist in der letzten Woche in Tel-Awiw eine Beratung unter Teilnahme der in Palästina wohnenden Mitglieder des zionistischen Aktions-Komitees, welche dem Misrachi, den Allgemeinen Zionisten, dem Hapoel Misrachi und der Judenstaatspartei angehören, abgehalten worden. Die Sitzung war der Frage gewidmet, auf welche Weise die Beziehungen innerhalb des zionistischen Lagers pazifiziert werden können und mit welchen Mitteln man den scharfen Kampf im Jischuw abstellen kann. Nach einer längeren Diskussion wurde beschlossen, sich an die zionistische Exekutive zwecks Einberufung einer gemeinsamen Beratung in dieser Sache zu wenden. Faschist Mosley kommt mach Palii Aus Jerusalem wird gemeldet: Hier hat große Sensation die Nachricht hervorgerufen, daß in kurzem der Führer der englischen Faschisten Sir Oswald Mosley nach Palästina kommen werde, um eine mächtige faschistische Organisation unter den Arabern zu schaffen. Die arabische Exekutive, welche bekanntlich die extrem-chauvinistischen Nationalisten vertritt, soll nach jüngsten Meldungen große Vorbereitungen für den Empfang dieses Gastes getroffen haben. Obwohl einzelne arabische Blätter diese Meldung a 1s Tatsache bezeichnen, muß zunächst abgewartet werden, in welcher Weise die Sir Mosley nahestehenden Organe in London die palästinensische Sensationsnachricht aufnehmen werden. Hindenburg/ der //ludenkandidat" Am 2. August starb auf seinem Landgut in Neudeck der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg. Sein Amt ging durch ein Gesetz auf den Reichskanzler Adolf Hitler über. Als im April 1925 Hindenburg zum Reichspräsidenten gewählt wurde, begrüßte die antisemitische Presse seine Wahl als Sieg über die Juden, während die Juden selbst von Besorgnis über seine Haltung erfüllt waren. Hindenburg bewahrte in der Judenfrage Zurückhaltung, Die Hoffnungen der Nationalsozialisten gingen nicht in Erfüllung, weshalb diese ihm Judenfreundschaft vorwarfen und ihn im Reichstag als den „Judenkandidaten" angriffen. Bei der letzten Päsidentenwahl 1932 erhielt Hindenburg die Stimmen fast aller Juden. Aber ein offenes, autoritatives Wort zur Judenfrage und zum hakenkreuzlerischen Antisemitismus vvar von Hindenburg nicht zu bekommen. Dem alten Mann fiel es nicht ein, sich hierüber zu äußern. Kurz nach seiner Wahl zum Präsidenten lehnte er es ab, eine Abordnung des deutschen Rabbinerverbandes, der ihm gratulieren wollte, zu empfangen. Nach Durchbruch des Hitler-Regimes, dem er machtlos gegenüberstand, weigerte er sich, eine Abordnung des Reichsverbandes deutscher Juden anzuhören; auch ließ er alle aus den* Ausland — auch von regierenden Kreisen — an ihn ergangenen Anregungen, zugunsten der vom Pogromantisemitismus angegriffenen Juden einzugreifen, unbeachtet. Mag man auch Hindenburgs „Neutralität" als Folge seines soldatischen Geistes ansehen, 80 muß man doch feststellen, daß sein« Reichspräsidentschaft mit der schimpflichsten Judenverfolgung und entrechtung in der Geschichte der Menschheit verknüpft ist. Unbestreitbar ist die Tatsache, daß er Hitler zu einer Zeit, als dessen Bewegung bereits im Rückgang begriffen war, die Kanzlerschaft übertrug und dadurch die hakenkreuzlerische Schreckensherrschaft in Deutschland und die nationalsozialistische Propaganda in der ganzen Welt ermöglichte. Aber selbst diese gewiß nicht einmal Objektivität gegenüber den jüdischen Staatsbürgern Deutschlands bezeugende Stellungnahme Hindenburgs hat in gewissem Sinne vielleicht das Allerschlimmste verhütet. Seitdem ein Reichsregierungsgesetz Hitler auch zum Träger der Reichspräsidentenwürde gemacht hat, braucht das nationalsozialistische Regime nicht einmal mehr vor dem schwächsten Damm haltzumachen. Da den Juden im heutigen Deutschland die Teilnahme am politischen Leben und an allen öffentlichen Angelegenheiten versagt ist und da die ausländischen Mächte alle antijüdischen Maßnahmen des Dritten Reiches als eine interne Angelegenheit Deutschlands erklärt haben, gibt es nur zwei die Situation der deutschen Juden erleichternde Möglichkeiten: eine großzügige Auswanderung nach Palästina, was ohne intensiven Druck auf die britische Mandatarmacht undurchführbar ist; und die Portsetzung des antideutschen W a r e n.b o y k o 11 s, wie ihn die Herzl-Zionisten auf dem Prager Kongreß gefordert haben. Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Die Aufgaben der Jüdischen Wellkonferenz in Genf Aus Paris wird uns geschrieben; Der Vorsitzende des Comite" des Delegations Juives, Dr. Nachum Goldmann, erklärte mit Bezug auf die Aufgaben der bevor-'' stehenden Jüdischen Weltkonferenz in Genf, folgendes: Die vom Comite" des Delegations Juives für den 20. bis 23. August 1934 nach Genf einberufene Konferenz ist nicht als eine dritte Vorkonferenz für den Jüdischen Weltkongreß zu betrachten. Nachdem zwei Vorkonferenzen in den Jahren 1932/33 einstimmig die Einberufung des Weltkongresses beschlossen haben, erschien es nicht notwendig, noch einmal ein Vorkonferenz zur Erörterung der Frage des Weltkongresses einzuberufen. Vielmehr is es die Aufgabe des Exekutivkomitees für die Vorbereitung des Jüdischen Weltkongresses, welches am 19. August eine Tagung in Genf abhalten wird, über das Datum und die Modalität des Weltkongresses Beschluß zu fassen. Da jedoch fast alle Gruppen, die auf dem Boden des Weltkongreß-Gedankens stehen, an der Genfer Konferenz teilnehmen werden, wird es durchaus möglich und wohl auch wünschenswert sein, mit den Delegireten der Konferenz die Frage des Weltkongresses zu erörtern. Der eigentliche Zweck der Konferenz besteht in der Beratung wichtiger aktueller Fragen der gegenwärtigen jüdischen Frage in den Ländern der Diaspora. Da ist zunächst die deutsche Judenfrage, die in ihrer vollen tragischen Schärfe fortbesteht und nach wie vor die unausgesetzte Aufmerksamkeit und Stellungnahme der jüdischen Oeffentlichkeit erfordert. Im Zusammenhang mit der deutschen Judenfrage wird auch die Frage des antideutschen Boykotts zu besprechen sein. Neben diesem Problem wird die Konferenz sich mit den Fragen der jüdischen Minoritätenrechte zu befassen haben. Die bevorstehende Tagung des Völkerbundes wird sich sehr eingehend mit den Minoritätenfragen beschäftigen. Schon im vorigen Jahre standen diese Fragen im Mittelpunkt der Erörterung der sechsten (politischen) Kommission der Völkerbundversammlung. Dieses Jahr wird dies vielleicht in noch höherem Maße der Fall sein, besonders im Hinblick auf den von der polnischen Regierung angekündigten Antrag bezüglich der G eneralisierung des Minoritätenschutzes. Wir Juden sind an all diesen Fragen in erster Reihe interessiert. Das jüdische Volk, vertreten durch das Comite" des Delegations Juives, hat mit am meisten zur Durchsetzung der Minoritätenrechte in den Friedensverträgen beigetragen. Heute, da diese Fragen neu zur Erörterung stehen und Versuche einer Revision der Minoritätenrechte nicht ausgeschlossen sind, muß sich das jüdische Volk wieder an die Spitze der Vorkämpfer und Verteidiger der Minoritätenrechte stellen, um so mehr, als der Minoritätenkongreß sich in einer kritischen Lage befindet. Die Konferenz wird die vielen Fragen, die mit dem Problem der Minoritätenrechte, der Behandlung dieser Materien durch den Völkerbund, die Lage der jüdischen Minoritäten zusammenhängen, ausführlich und gründlich zu erörtern und die Richtlinien der Politik des C. d. D. J. in diesen Fragen zu beschließen haben. Neben allen diesen Fragen wird die Konferenz auch das ernste Problem der neu erwachten antisemitischen Propaganda in vielen Ländern zu behandeln haben und die Notwendigkeit einer Konzentration der Bekämpfung dieser, in ihrem Ausmaß und der Brutalität ihrer Methoden neuartigen antisemitischen Propaganda erörtern müssen. Zum Andenken Leo Motzkins Genf, den 3. August. Die Eröffnung der vom Comite des Delegations Juives für den 20. August 1934 nach Genf einberufenen Konferenz wird dem Andenken des im November vorigen Jahres verschiedenen Mitbegründers und langjährigen Vorsitzenden des Comite des Delegations Juives, Leo Motzkin, gewidmet sein. Doktor Stephen S. W i s e, Dr. Nachum Go 1 d m an n und andere werden das Leben und die Leistungen Motzkins sowie die Bedeutung seiner Wirksamkeit als Vorsitzender des Comite" des Delegations Juives würdigen. Zur Beteiligung an der Genfer Jüdischen Weltkonferenz sind vorläufig Delegierte aus folgenden Ländern angemeldet: Aegypten (drei Vertreter der jüdischen Gemeinde in Kairo), Belgien, Kanada (ein Vertreter des Canadian Jewish Congress), Estland, Frankreich (Andr6 Spire, A. Bollack, Corcos, Bernheim, Yefroikin u. a.), England (ein Vartrcter des Jewish Representative Council), Italien (ein oder zwei Vertreter des jüdischen Gemeindebundes), Polen (acht Vertreter des Vereinigten jüdischen Komitees und der Wilnaer Rabbiner I. Rubinstein), Palästina (zwei Vertreter des Waad Leumi, die Rabbiner Fishman und Gold als Vertreter des Misrachi und Bürgermeister I. Dizengoff in seiner Eigenschaft als Mitglied des Exekutivkomitees für den Weltkongreß), Schweiz (Vertreter der Genfer Israelitischen Gemeinde), Rumänien (Vertreter noch unbekannt), Amerika (Dr. S. Wise, Prof. Kallen, Prof. I. Michael, Red. Margoshes, Dr. Tennenbaum u. a.)t Jugoslawien (Oberrabbiner Alkalay), G r i e c h e nland (Vertreter noch unbekannt). Weitere Anmeldungen stehen noch bevor. Eine vollkommene Teilnehmerlisto wird erst kurz vor Beginn der Konferenz zur Veröffentlichung gelangen. Dr. Stephen Wise weilt bereits in der Schweiz.

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