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Die neue Welt · 1934-07-17 · Heft 382 (17.7.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 382 (17.7.1934)
Date
1934-07-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen « REVUE I 'S« I wmm~*m-~ 1L4*# J!r<**niie vom Heefeger versende! '^par Bediteur*, THl ^"versitätsbibliothc, BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatUch S 1.30. vierteljährig S4.~, ganz! Tgchechogkwrafcei mopatftch Kcfto vtaieWglirlg Ke IS^-sJujflwäwfeu tnon " Lei 40.—, viertrfßhrJg Lei ttfe-c rfetitocbtand mooaflhft Mai* V-^ **ette Lewa 120.—; Itaaeti monaflteb-IJre 5.--,viertef}a!iffg<Lfe»3& jährig Schweizer Francs 4.50;Poten monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6^— ^nar M*~, vkrte^SwIg Dhtar 40.—: Rumänien monatlich; Made Bulgarteil monatlich Lewa 40—, vierteljährig wJge'iw» goxter mooafflcl» SchwetzerPranca 1.50, viettel- BCRA-USGEBER: ROBERT STR-ICKER RediüctionuMerwaltungi TXrünivw Nazigeld für die arabischen Heizer Minister Dr. Frlck beim Cfroßmirfti Man wird sich erinnern, daß der deutsche Reichsinnenminister! Dr. F r i c Ic im heurigert Frühjahr Palästina besuchte und daß dieser Besuch eine große Sensation bedeutete. Allmählich worden die Hintergründe dieses Besuches klar. Von arabischer Seite erfährt man, daß Minister Frick eine mehrstündige Unterredung mit dem Großmufti und mit anderen führenden arabischen Nationalisten in Jerusalem hatte. Hiebet Übermittelte er Instruktionen zur Verschärfung der arabischen Kampagne gegen die Juden in Palästina und in weiterer Folge gegen das Welt Judentum. Dieser von Nazideutschland inspirierte antijüdische Feldzug soll ein Racheakt gegen den Boykott sein, der von jüdischer Seite gegen Deutschland geführt wird, und gleichzeitig eine Aktion in Palästina und Syrien gegen England und Frankreich. Es ist auch bekanntgeworden, daß Frick eine große Geldsumme zu Propagandazwecken für die arabischen Chauvinisten zurückgelassen hat. Der Großmufti von Jerusalem bekam einen Scheck von 12 0,000 Pfund Sterling auf eine ägyptische Bank unter dem Titel der Unterstützung arabischer Spitäler und religiöser Institutionen. Tatsächlich hat mit der Ankunft Fricks in Palästina eine verstärkte arabische Kampagne gegen die Juden eingesetzt. Sensationelle Wendaang int MordprozeS Ärlo§oroff BMHMW^ Araber sind die Mörder Aus Jerusalem meldet die Xta unter dem 15. Juli: Der Advoliat Dr. Eliasch hat folgende,eidesstattliche schriftliche Erklärung abgegeben: Der Araber Abdul Medschid hat die Richtigkeit seines ersten Geständnisses bestätigt und er erklärt jetzt, daß sein Freund Issa Dar wisch den Dr. Chaim Arlosoroff ermordet hat, während er selbst, Abdul MedschM, ihn bei der Mordtat begleitet hat. der Berufungsverhandlung im Stawsky-Fall zu erlangen, damit der Prozeß nicht an einem Tagie stattfindet, an dem der Jischuw seinen großen Toten, Chaim Nachman Bialik, bestattet. Die Gemeinschaft der Trauer dürfe nicht gestört werden. BWS e Eine weitere Meldung besagt: Die britische Polizeibehörde unter Führung des Polizjeikommandanten S p i c e r hat aufs neue eine Untersuchung der ganzen Angelegenheit eingeleitet. Abdul Medschid wird wahrscheinlich nochmals vor dem Untersuchungsrichter erscheinen, um eingehendst verhört zu werden. Adyokat Dr. Eliasch, der zu den angeschensten Rechtsanwälten Palästinas gehört, ist der Verteidiger Abdul Medschids in einem anderen Mordprozeß. (Abdul Medschid und sei« Freund Issa Darwisch befinden sich seit vielen Monaten wegen der Ermordung des arabischen Barbiers Lufti aus Jaffa in Haft. Die beiden Araber halben als Zeugen im Arlosoroff-Prozeß erklärt, sie seien von den beiden Angeklagten Rosenblatt und Stawsky verleitet worden, die Mordschuld auf sich zu nehm««, da ihnen eine Bestechungssumme von 1000 Pfund zugesichert worden sei. Das, was alle einsichtigen Menschen, Juden und Nichtjuden, sofort als Schwindel erkannten, wird nun durch die Erklärung des Dr. Eliasch bestätigt. Anm. d. Red.) $ Aus Jaffa wird unter dem 14, d." M. gemeldet: 6000 jüdische Mutter haben einen Aufruf zur Rottung Stawskys unterschrieben .Dio Sammlung der Unterschriften dauert an. Das in Tel-Awiw gebildete Frauen-Verteidigungskomitee für Stawsky hat bis jetzt 7000 Unterschriften unter eine Petition zu seinen Gunsten gesammelt. Oborrabbinor Kook fordert in einem Aufruf alle Synagogenleitungen des Landes auf, am Montag, den 16. Juli, an welchem Tage die Berufung gegen das Todesurteil vor dem Appellationsgericht stattfindet, Fürbitte-Psalmen sprechen zu lasseil, damit „Gott die Augen der Richer öffne". Inzwischen hat der Stadtrat von Tol- Äwiw Schritte unternommen, um eine kurze Vertagung lomvevi wafarsdiesEflfidi verschoben Aus zuverlässigen Quellen wird mitgeteilt, daß die Möglichkeit einer vollständig neuen Wendung im Prozeß wegen dos Arlosoroff-Mordes besteht. Diese neue Wendung nimmt ihren Ausgang vom Geständnis des Abdul MedscMd, daß er und sein Freund Issa Darwisch die Mörder des Dr. Arlosoroff seien. Allgemein wird damit gerechnet, daß der für Montag, den 16. d., anberaumte Appellations-Prozeß verschoben werden wird. Die Ansicht der Juristen Hervorragende palästinensische Juristen erklären, in dem aednerzeitigen Geständnis Abdul Medschids, daß er Arlosoroff ins Gesicht geleuchtet habe, während sein Freund Issa ei Darwisch den tödlichen Schuß abgab, sei dem Appellationsgericht eine juristisch einwandfreie Handhabe gegeben, das Todesurteil zu revidieren. Das Erstgericht hatte nämlich diesen Punkt durchaus nicht geklärt. Unbequeme Zeitungen Das Jerusalemer Oberste Gericht verurteilte die revisionistische Tageszeitung „Hajarden" zu Pfund Sterling 75.—, die Tageszeitung der Judenstaatspartoi ,,Iton Mejuchod" zu Pfund Sterling 40.— und „Doar Hajom" zu Pfund Sterling 35.— Geldstrafe, weil die genannten Zeitungen das Urteil gegen Stawsky in einer das Gericht verächtlich machenden Weise kritisierten. Zur Frage der illegalen Einwanderung Das Jerusalemer Gericht hat zur Frage der Folgen illegaler Einwanderung nach Palästina ein Urteil von grundsätzlicher Bedeutung gefällt. Gegen'die aus Rußland stammenden Boris Gompolski und Meier Reznick war ein Ausweisungsbefehl ergangen. Die beiden waren im Juli 1933 aus Palästina ausgewiesen worden, kamen aber am 28. August auf Grund von Einwanderungs-Zertlfikaten, die sie in Triest erhalten hatten, nach Palästina zurück. Ihre Rückkehr erfolgte somit vor der .Veröffentlichung der neuen Einwanderungsvorschriften vom 31. August, denen zufolge aus Palästina wegen illegaler Einwanderung Ausgewiesene nicht mehr zurückkehren dürfen. Das Gericht entschied, daß diese Verordnung nur auf solche Personen anzuwenden ist, die nach dem 31. August zurückkehren. Bezüglich der anderen gelten die früheren Vorschriften, auf Grund derer die Anklage spätestens drei Monate nach verübter Gesetzesverletzung erfolgen muß. Der Ausweisungsbefehl gegen Gompolski und Reznick wurde als ungültig erklärt. RUNDSCHAU In Bangigkeit und Besorgnis Das Jerusalemer; Appellationsgericht (in der: Berufung", die Abraham Stawsky und sein Verteidiger Horace S am u e 1 gegen das yom Jerusalemer Erstgericht .verhängte Todesurteil eingelegt haben) beginnt heute Montag, den 16. Juli, zu tagen. Ein Monat ist seit dem Todesurteil gegen Stawsky vergangen; ein Monat, der reich an Spannungen, Erschütterungen und Hoffnungen war. Obwohl schon im Verlauf der Voruntersuchung und des Prozesses alle patriotisch und gerecht denkenden Elemente Palästinas und der jüdischen .Welt überzeugt waren, daß politische Motive die englisch-arabischen Behörden beeinflußten, 3st diese Stimmung durch den Ausgang des Prozesses noch verstärkt worden. Der Freispruch Achi-Meirs als des „intellektuellen Urhebers" und Zwi Rosenblatts als des den tödlichen Schuß abgebenden „Mörders" hat einen Augenblick lang an die Loyalität des Gerichts glauben lassen, aber das Todesurteil über Stawsky hat diesen Glauben jäh zerstört. Darum muß mit größter Besorgnis das heutige Verfahren betrachtet werden.- Die Intensität, mit der die Histadruth, die Organisation der palästinensischen linken Arbeiterschaft,- zur Verurteilung Stawskys und seiner Gesinnungsgenossen hetzte, hat sich, wie man weiß, bezahlt gemacht. Die englisch-arabischen Behörden haben mit zum Teil unverhohlener Schadenfreude ausschließlich, jüdische Spuren .verfolgt und auch das gewünschte Resultat zustandegebracht. Aber mit derselben, aus edelsten Motiven geschöpften Intensität rief die Joidenschaft der ganzen .Welt — ausschließlich der Linken, die sich um eines schälbigen Prestiges willen außerhalb «der jüdischen Solidarität gestellt hatte — mit dem OberraJbbiner von Jerusalem, Kook, an der Spitze, zur Verteidigung und zur Befreiung Stawskys auf. Zuletzt hat Stawskys Heimatgemeinde Brisk (Brest-Litowsk)' ein Memorandum (mit 3000 Unter* Schriften)] zugunsten Stawskys an den Otoerkomimissär Wauchope geschickt. Dieses Memorandum stellt fest, daß 3000 Brisker Juden Stawsky von Kindheit an als einen vornehmen Menschen mit edlem, sittlich festem Charakter kennen, und bittet den Oberkommissär, für ein einwandfreies Verfahren bei der Appellationsrverharidihmg zu sorgen. Eine Kopie dieses Memorandums ■ erhielt der polnische Konsul in Jerusalem mit dem Ersuchen, dem Oberkomsmissär den Ausdruck der Gefühle der Brisker Judenschaft zu überbringen. Sogar ein Teil der e n g 1 is c h e n Presse nimmt gegen das Stawsky-Urteil Stellung. Das große Londoner Abendblatt „Evening Standard" erklärt, daß das Verfahren gegen Stawsky an den Sacco-und-Van* zetti-Prozeß erinnere und im >.Daily Sketch" schreibt der bedeutende Publizist Herbert Sidefootham, daß die Politik den Prozeß wesentlich beeinflußt habe, beeinflußt zugunsten der Araber und zuungunsten der Juden. Millionen jüdischer Augen blicken heute nach Palästina. In Bangigkeit und Besorgnis. . * » Nodi einmal Gerda Es ist natürlich, daß sich die Empörung über Frau Gerda Luft-Arlosoroff, die linke Stawsky- Hetzerin, Luft machen mußte. Wir brandmarkten in einer Glosse „Gerda und Sima" die Schamlosigkeit, mit der noch nach1 dem Gerichtsverfahren die Lunken die Schuld Stawskys festzunageln versuchten. Nun meldet sich in der Prager „Seitostwehr" der in der Mitte stehende Dr. Egon Michael Zweig (Jerusalem)] zu Wort. Er weist die Ausführung der Frau Gerda Luft zurück, beschuldigt mit Recht die Linken der Mithelferschaft am Justizmord, indem er unter anderem schreibt: „Faktisch hat sich die Linke schon ein paar Tage nach dem Mord, von ihrem fralktiösen Mißtrauen und Haß gelenlkt, gerade auf diese eine Spur geworfen und sie mit einer yenbiasenheit wedterverfolgt, die längst zu einer verhängnisvollen Autosuggestion ausgeartet ist. Haben wir denn' nicht alle miterlebt, wie selbstsicher und planmäßig die Linke ihre Uefoenzeugung von der Bhitschulä der Revisioniisten im Kampf um die Kongreß- Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt« liehen Notizen eind durch ein beigefügtes £3 bezeichnet

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