Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 381 (13.7.1934)
- Date
- 1934-07-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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P*efe 20 Groschen Jahrgang 8 Freitag, den t!♦ IulH9? Nr* 381 186 - vom Verleger versende! - i'edHemj% ' Unive^^i,biWiotiiek H'ien, f. BEZUOSBEDINOUNOEN: Oesterreich monatlich S 1.30. vierteljährig S4.—, ganzjährig S16.—; Polen monatlich Zloty 2.—.vierteljährig Zloty 6— Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rnmänlen monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Balgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.»; Schweiz und die üor Igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, viertelfährig Schwerer Francs 4.30 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion a.VerwaUang: IX, Unwersitätsstr* 8, lel A-20-2-78 — ErscheintDienstag und Freitag REVUE Weitere jüdische Opfer der deutschen Mördnadit Aus Trag (J. T.-A.): Die Ansicht, daß die blutigen Auseinandersetzungen in Deutschland die Situation der Juden unberührt lassen werde, hat sich als i r r i g erwiesen. Zur Ablenkung der über die Ermordung führender Persönlichkeiten erregten Stimmung fahren die nationalsozialistischen Zeitungen mit der Pogrom- und Ritualmordhetze fort. Die Wirkung ist nicht ausgeblieben. Aus Hirschberg in Schlesien trifft die Nachricht ein, daß der Pogrom, den dort die zur Ablösung der beurlaubten SA einmarschierte SS gemacht hat, nicht weniger als sechs jüdische Todesopfer — wie bis jetzt festgestellt wurdo — gefordert hat, wobei man befürchtet, daß es bei dieser Zahl nicht sein Bewenden haben wird. Von den verhafteten neunzehn Juden sind fünfzehn entlassen worden, über den Verbleib der restlichen vier Verhafteten macht man sich ernsteste Sorgen. Dem auf dem Wege nach Görlitz vorgenommenen Pogrom gegen jüdische Häftlinge fielen außer den bereits gemeldeten Rechtsanwalt Förster, Kaufmann Charry, Arzt Dr. Zweig und dessen Ehegattin Frau Zweig noch der Jude Jacobsohn und ein weiterer jüdischer Bürger zum Opfer. Bei den beiden letzteren trat der Tod nicht durch Erschießung ein, sondern sie sind nachträglich den ihnen zugefügten bestialischen Mißhandlungen erlegen. Aus der schlesischen Stadt G 1 o g a u wird berichtet, daß im Verlaufe antisemitischer Unruhen zwei Juden g etötet und mehrere verletzt wurden. In Berlin hat sich ein erschütternder Vorfall abgespielt. Polizei kam In die Wohnung 'des hervorragenden Rechtsgelehrten Justizrat Dr. Maximilian Stein und führte dessen 20jährigen Sohn mit sich fort. Am selben Abend schon wurde der verBtUmmclteLoichn a m des jungen Mannes den Eltern zurückgeschickt mit der Erklärung, daß er sich im Polizeigebäude aus dem Fenster gestürzt habe. Die Bestattung des jungen Stein mußte in aller Stille stattfinden. Die Eltern sind Vollständig gebrochen. Große Proiestversammlung 8 JUDEN STAATS PARTEI ÖSTERREICHS Samstag, den 14. Juli, um Ys9 Uhr abends im Herzl-Saal, I, Werdertorgasse 14 gegen Mißbrauch und Partei-Willkür bei Verteilung der Palästina-Zertifikate! Redner: Theodor Grubner,. Oberbaurat Robert Stricker u. a. Vertreter des Misrachi und der Revisionisten sind geladen.' - . .. . .. .— : Juden erscheint In Massen 1 Lasset euch und eurer Jugend das Recht auf Palästina, auf Leben und Zukunft nicht durch Machinationen einzelner Gruppen rauben 1 Höfel/ Jüdinnen! Zioni§finnen! Eine Engländerin ruft zu Theodor Herzl! Aus London wird berichtet: Bei der hier abgehaltenen Herzl-Gedenkf eier hielt' Lady . Simon, die Gattin des englischen Außenministers, eine begeisterte Ansprache, in der sie an die Juden'den Appell richtete, den von Herzl vor gezeichneten Weg zu gehen. Lady Simon' bekannte sich als glühende Bewunderin der zionistischen Auffassung. „Wäre ich nicht eine bejahrte irische Frau", rief Lady Simon, „sondern eine junge Jüdin, dann würde ich mich mitten in den Kampf um die Schaffung einer machtvollen zionistischen Bewegung stellen." Nach einem Hinweis darauf, daß sowohl sie wie ihr Gatte durchaus nichtjüdischer Abstammung sind und keinen Tropfen jüdischen Blutes in ihren Adern haben, sprach Lady Simon über ihre Beziehungen zur zionistischen Bewegung, die sie schon früh, zu einer Zeit, da Herzl auf dem Höhepunkt seines Wirkens stand, angeknüpft habe. In jenen Tagen habe sie von Herzl aus Basel eine Reihe von Schreiben empfangen. „Ich habe mich", fuhr die Rednerin fort, „rings in der Welt umgesehen, ich sah die Not der Juden und sagte mir: Warum kann dieses Volk nicht ein eigenes Land haben? Warum sollen die Juden nicht Gerechtigkeit für sich verlangen können? Wenn ich noch auf Juden stoße,'die Gegner des Zionismus sind, dann erscheint mir dies als Schande. Ich sage ihnen: Euch mag es hier gut gehen, aber warum kümmert ihr euch nicht um die Menschen eures Stammes, denen es anderwärts schlecht geht? Als gute Taktikerin wünsche ich euch: Seid taktisch und vergesset nicht, daß altes Stammbe wußtsein aus der Welt nicht verschwunden ist, vergesset dies nicht auch in eurem behaglichen Heim. Der Zionismus bedeutet Rettung für Tausende von Juden überall auf der Welt. Mein Rat für euch ist der: Gehet den Weg Theodor Herzls!" * So spricht die christliche Engländerin von -Herzl ... Wieviele Jüdinnen gibt es doch, die keine Ahnung von Theodor Herzl haben! Und wieviele, die sich „Zionistinnen" nennen und seines Geistes Hauch nie Vitaminreich, nahrhaft, delikat, BERNA-Käse verspürt haben, seinen „Judenstaat", seine Reden und Schriften nicht kennen. Die da glauben, „Zionistinnen" zu sein, wenn sie sich von irgend einer Gruppe oder einem Fondsbüro zu Meiner Vereins- und Sammelarbeit einspannen lassen, ohne zu wissen, daß diese Arbeit erst dann zwecUvoll und heilig wird, wenn sie dem Herzischen Judenstaatszionismus dient, und sonst klein und letzten Endes nichtig bleibt. Höret, Jüdinnen! Höret, Zionistinnen! Gehet den Weg, den euch die von Begeisterung für Herzl entflammte englische Christin weist, den Weg Theodor Herzls, den Weg zum Judenstaat! Türkische Juden'Vertreibung Aus Konstantinopel wird gemeldet: In der türkischen Nationalversammlung in A n g o r a wurdo an die Regierung von Abgeordneten die Frage gerichtet, ob die Vertreibung von einigen hundert jüdischen Familien aus dem Distrikt der Dardanellen bei KonstantSnopel auf ihre Anordnung zurückzuführen Bei. Der Premierminister erwiderte, die Regierung habe keineswegs einen Befehl zu einer so grausamen Handlung gegeben, es handle sich um einen Akt untergeordneter Beamter, die streng bestraft werden würden. Die Regierung werde den geschädigten Juden legale Wiedergutmachung gewähren. Kurz nach der Parlamentssitzung veröffentlichte die türkische Regierung eine offizielle Erklärung, in der die Vortreibung der Juden aus den üaruanellen auf eine falsche Interpretation eines Gesetzes »urückgeführt wird. Gleichzeitig kündigt die Reglet ung üchärfsto Maßnahmen gegen j u d o n f e i n d 1 i c h e Handlungen an, woraus zu ersehen ist, daß die Regierung selbst die Judenaustreibung als einen Akt judengognerischer Gesinnung beurteilt. Inzwischen hört man, daß sich die aus den Dardanellen vertriebenen hunderte jüdischer Familien in einer verzweifelten Lage befinden. Um sich zu ernähren, haben sie ihre letzte mitgenommene Habe verkaufen, müsseh. Aus dem Versprechen der Regierung, den Juden * eine legale Wiedergutmachung zu gewähren, ist nicht klar zu ersehen, ob die Vertriebenen wieder in ihre Heime zurückgebracht werden würden und ob ihnen eine Entschädigung für erlittene Unbill gewährt werden wird. Mehrere der aus den Dardanellen vertriebenen Juden sind in O r e s t a d i a, in der Nähe von Istanbul, in einem sehr bejammernswerten Zustand eingetroffen. Die Männer gehen zu Fuß, Frauen und Kinder sind auf Wagen und Autos untergebracht. Mehrere der Vertriebenen sind vor Ermüdung erkrankt, drei Kind b r starben unterwegs, man befürchtet weitere Opfer. Die gesamte Judenheit der Türkei ist über die Vertreibungsmaßnahmen außerordentlich bestürzt. Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelti liehen Notizen sind durch ein beigefügtes B bezeichnet, 1 Pension Irma Meister, Meran Idealer ganzjähriger Aufenthalt, letzter Komfort, gerühmte Küche, herrl. Park, mäßige Preise, verlangen Sie Prospekt Verzweifelte Lage der Vertriebenen Aus Saloniki: Die täglich aus Adrianopel in Orestiada eintreffenden Züge sind voll von jüdischen Frauen und Kindern, die mit unbestimmtem Reiseziel weitertransportiert werden. Sie berichten, daß die Männer in der Otrschaft Ouzoinkiipru konzentriert wurden. Ihr Schicksal ist unbekannt. Eine Anzahl von Kindern wird vermißt. Die Flüchtlinge erzählen, alle Juden, des türkischen Teiles von Thrazien hätten ihre Wohnorte verlassen müssen, nachdem sie ihre Habe zu Spottpreisen losgeschlagen oder überhaupt im Stiche gelassen hatten. Die Eisenbahnstationen Alboulou, Alulebourgas und Tylolois seien von tausenden Juden überfüllt, die auf Waggons zur Reise nach Konstantinopel warten. Doch stünden nur wenige Viehwagen zur Verfügung. Die Lage sei katastrophal, man befürchte den Ausbruch von Epidemien. Die in der Grenzstadt D e m o t i c a erscheinende griechische Zeitung „Ebro s" berichtet, die türkische nationalistische Organisation „H a 1 i Ferkassi Israeli" habe einen Boykott der jüdischen Kaufleute proklamiert und vor allen jüdischen Geschäften Boykottposten aufgestellt. Der Gouverneur von Adrianopel habe sich geäußert, jüdische Proteste könnten die Durchführung des nationalen Willens nicht hindern. Aus Konstantinopel: Im Gegensatz zu der Mitteilung der türkischen Regierung, daß bloß hundert jüdische Familien infolge „Mißverstehens" einer Order aus der europäischen Türkei vertrieben worden waren und daß die Regierung Maßnahmen zur Wiedergutmachung getroffen hat, meldet das Büro Reuter, daß aus Thrazien, der Dardanellen- und Marmarameerküste nicht weniger als 1700 jüdische Flüchtlinge in Istanbul eingetroffen sind und daß weitere hunderte Juden unterwegs auf der Wanderschaft sind. Die türkische Regierung erklärt, sie ergreife Maßnahmen, um jede antisemitische Propaganda zu unterbinden. Das Weitererscheinen eines Istanbuler antisemitischen Wochenblattes wurde verboten. Bei der jüdischen Gemeinde in. Saloniki sind entsetzenerregende Nachrichten über die Lage der jüdischen Flüchtlinge eingetroffen. Viele der Flüchtlinge verschwanden; man weiß nicht, was aus ihnen geworden ist. Aus Türkisch-Tlirazien sollen fast alle Juden vertrieben worden sein, ohne etwas für ihren weiteren Lebensunterhalt mit sich führen zu können. Die griechischen Eisenbahnstationen auf dem Wege von Thrazien nach Konstantinopel, wie Albulon, Lüleburgas und Tialouis sind belagert von Hunderten von jüdisch jüdischen Flüchtlingsfamilien. Ein aktiver General — Prä§ident der Sudenstaatsqemeinde in Turin Die J. T. A. meldet aus Rom: Der Kommandant der Garnison von Turin, General Guido Lluzzi, wurde zum Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Turin ernannt. General Liuzzi Ist einer der bedeutendsten Militärs Italiens. Im Kriege war er Chefintendant der italienischen Armee. In der faschistischen Partei nimmt der neue Vorsitzende der Turiner Jüdischen Gemeinde eine bedeutende Stellung ein. * Diese Ernennung hat keinen erfreulichen Hintergrund. Die Auflösung des bisherigen Vorstandes und der Rücktritt seines Präsidenten erfolgten nicht freiwillig. In Turin wurde eine fast ausschließlich aus jungen jüdischen Leute bestehende Gruppe von sozialistischen und kommunistischen Agitatoren gegen die italienische Regierung ausgehoben. Wir haben über den Fall und seine traurigen Folgen , für das Judentum in Italien berichtet. Unter den Verhafteten befand sich auch ein zionistischer Jugendführer. Es setzte eine Kampagne gegen den bisher wohlgelittenen Zionismus ein, die unter anderem die Einstellung der Sammlungen für die zionistischen Fonds zur Folge hatte. Diese Begleitumstände verleihen der Ernennung des aktiven Generals den Charakter einer Maßregelung, die sehr zu bedauern ist und hoffentlich nur eine vorübergehende sein wird. ^IIJIIIIIIIIlIfflllflllllllillllllllllllllllilflKilillllflllilliSilllllllJf | Restaurant-Hotei „Stefanie" I | ItSO II, Taborstraße 12, Tel. R-46-5-57 | S empfiehlt seine reichhaltige Speise- 5 S auswahl bei erstklassiger Zubereitung E 5 und exakter Bedienung. Menü schon 5 5 von S 1.60 au s Schöner schattiger Garten / Speisen am Rost 5 5 Täglich frische Fische «5 Tlllllllll3ll1llillllR1lllllllllllS!U!lllUllllllllllll||!ll|||||||i||||li3 * Ii \ '- .1!'|.