Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 378 (3.7.1934)
- Date
- 1934-07-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WEL1 Nr. 378 Um das ludische Recht auf Palästina Aus Jerusalem wird gemeldet: Die Frage der Errichtung eines Parlaments mit arabischer Majorität in Palästina wird in den Verhandlungen zwischen dem High Commissioner Wauchope und dem Londoner Kolonialamt wä.hrend des Besuches Wauchopes Ende Juli definitiv zur Entscheidung gebracht werden. Der Misrachi-Führer Rabbi Meir Berlin fordert Kampf gegen das Palästina-Parlament Aus Jerusalem: Rabbi Meir Berlin, der Führer des Welt-Misrachi, übergab der J. T. A. folgende Erklärung: Wenn nicht sofort der zielbewußte Kampf gegen die geplante Errichtung eines Parlaments in Palästina eröffnet wird, wird es zu spät werden. Ein verspätet aufgenommener Kampf wird zu Mißerfolg verurteilt sein. Die Frage steht vor der Entscheidung, die Proklamie- .ating kann früher kommen, als es manche erwarten. Diese Frage rührt an die Grundfesten des Zionismus. Wäre die jetzige Zionistische Exekutive politisch aktiv, sie würde an dieser Frage nicht so still vorbeigehen. Das Interesse für die zionistischen Fond3 ist schwach geworden. Gegen den Keren Hajessod (Aufbaufonds) wendet der Misrachi ein, daß dessen Verwaltung in den Händen einer vom Misrachi nicht anerkannten Exekutive liegt. Anders steht es um den Keren Kajemeth (Jüd. Nationalfonds), der beim Misrachi wie bei allen religiös gestimmten jüdischen Kreisen sehr beliebt ist. Leider aber hat dieser Fonds ebenfalls schwer darunter zu leiden, daß ein großer Teil derjenigen, die auf seinem Boden angesiedelt sind, Sabbat und Kaschruth nicht halten und auch sonst bewußt gegen die Tradition verstoßen. Daran trägt ebenfalls die jetzige Exekutive die Schuld. Solange die Histadruth und die kleine Gruppe Allgemeiner Zionisten, die Träger der jetzigen Exekutive sind, nicht einsehen werden, daß man unter den heutigen Bedingungen die zionistische Arbeit nicht führen kann; solange nicht eine Exekutive geschaffen wrid, in der alle zionisti- sc:he Parteien vertreten sind — besteht keine Hoffnung auf eine Besserung nicht nur mit Bezug auf die zionistischen Fonds, sondern auch mit Bezug auf alles, was mit zionistischer Politik und Arbeit zu tun hat. Leider aber ist der Machtwahn der Herrschenden so groß, daß eine Aenderung ihrer Haltung nicht so bald zu erwarten ist. Rabbi Berlin bezeichnet das Vorgehen der englischen Regierung in der Frage der jüdischen Einwanderung als brutal nicht nur vom politischen, sondern ' auch vom menschlichen Standpunkt. Tausende Menschen werden um ihres Glaubens oder ihrer Abstämmling willen verfolgt und ruhelos gemacht; in Palästina könnten sie ein Heim, Arbeit und Nahrung finden. Es ist ein Verbrechen, diesen Menschen die Tore ihrer Heimat zu versperren. Niemals in der Geschichte Englands ist eine enr:V--'-- Regierung so brutal vorgegangen. Die ' Mandatarüiaciit, die verpflichtet ist, das Jüdische Nationalheini errichten zu helfen, nützt ihre Macht dazu aus, um den Juden den Weg nach Palästina zu versperren. Kann man in der großen politischen Welt von einem Gewissen sprechen, so muß an ' dieses Gewissen gepocht werden; man darf Uber das \ an dem jüdischen Volk begangene Verbrecehn nicht mit Schweigen hinweggehen. Die Auflegung der Zwei-Millionen-Pfund- Anleihe seitens der Palästina-Regierung ist ein Beispiel dafür, wie wenig die Regierung auf die Meinung der Juden gitot. Gemäß der Balfour-Deklarat i o n und dem Mandat hätte eine solche Anleihe nicht ohne Befragung der Repräsentanten der Bevölkerung aufgelegt werden können. Die Auflegung der Anleihe in dieser Zeit, da das Schatzamt der Palästina- Regierung über große Reserven verfügt, die sich noch täglich vermehren, kann zweifach gedeutet werden: Entweder entspringt sie der Furcht, daß schlimmere Zeiten kommen können, oder dem bösen Willen, solche schlimme Zeiten herbeizuführen. Aber sollte auch In der Anleihe an sich eine böse Absicht nicht stecken, so ist jedenfalls die Verteilung des Ertrages der Anleihe von bösen Absichten gegenüber den Juden diktiert. Für die 'Erfordernisse des Jischuw wird weit weniger ausgegeben, als die Juden nach ihrer Bevölkerungsproportion und der auf sie entfallenden Steuerlast zu fordern berechtigt wären. Bau eines Großsenders in Jerusalem Aus Jerusalem: Die Palästina-Regierung hat Pläne zur Errichtung einer großen Radio-Sende- Btation in Jerusalem ausgearbeitet. Die Reichweite des Senders soll sich über alle Länder erstrecken. Es wird berichtet, daß die nötigen Apparaturen bereits in England bestellt wurden. „Ein schlimmes Beispiel englischer Justiz // Colone) WefB$wooe9 Aus London: In der Unterhaussitzung vom 2S. Juni kam es zu einem scharfen Wortwechsel zwischen dem Kolonienminister und dem Abgeordneten W e d g w o o d, der in Form einer Anfrage der Ansicht Ausdruck gegeben hatte, die palästiensische Justiz wende gegenüber Arabern und Juden nicht g 1 e i c h e s R e c h t an. Wedgwood hatte den Kolonienminister gefragt, ob gegen die Verurteilung des Arabers Dschemal Hussein i zur auffallend geringen Strafe von einem Monat Gefängnis wegen Anstiftung zu Unruhen eine Berufung eingelegt worden sei und ob der Verurteilte in der Zwischenzeit gegen Kaution freigelassen worden sei. Der Minister antwortete, Dschemal Hussein! sei zu einem Monat Zwangsarbeit verurteilt worden. Der Mann habe Berufung eingelegt. Der Minister sei unterrichtet, daß der Fall am 5. Juli verhandelt werden würde. Abg. Wedgwood fragte weiter, ob dies ein Beispiel englischer Justiz in Pal ästina sei. Der Minister: „Es wäre für mich höchst unangebracht, das Vorgehen der Justiz in dem einen oder anderen Fall zu kommentieren." Wedgwood: „Können Sie sagen, daß jetzt in Palästina Arabern und Juden gegenüber das Recht in gleicher Weise angewandt wird?" Der Kolonienminister: „Jawohl, mein Herr, es ist nicht Ihre Sache, eine Insinuation (Hört, hört!) gegen die Justizverwaltung in Palästina vorzubringen, die die englischen Grundsätze von Recht in jeder Hinsicht befolgt." (Hört, hört!) . Wedgwood: „Und Ihre Sache ist es nicht, mich darüber zu belehren, wie ich englische Interessen wahrzunehmen habe." (Zustimmende Rufe.) Warnung der Palästina-Regierung an das Oberrabbinat Aus Jerusalem: Der Distrikskommissar für Jerusalem, Campbell, lud die Führer des palästinenstefllft heikle Fragen sischen Rabbinats, die Obei;rabbiner Kook unä Jacob Meir, zu sich und erklärte ihnen, daß der vom Rabbinat zugunsten des zum Tode verurteilten S t a v s k y veröffentlichte Appell Stellen enthält, in denen eine Beleidigung des Gerichtes erblickt werden könne; Campbell warnte die Oberrabbiner vor den Konsequenzen. Oberrabbiner Kook erwiderte, es habe dem Rabbinat ferngelegen, das Gericht anzugreifen; das jüdische Gesetz schreibt aber vor, daß in Fällen, wo es sich um die Rettung eines unschuldigen Lebens handelt, nicht nur das Urteil eines irdischen Gerichts, sondern auch ein Gesetz der heiligen Thora außer Wirkung gebracht werden dürfe. Gegen eine judische" EisenbahnrSfalion Aus Jerusalem: Die arabische Exekutive hat dem High Commissioner einen Protest gegen die geplante Verlegung des Eisenbahnknotenpunktes von Ludd nach Te 1-Awiw überreicht. Die Mitglieder der Abordnung machten darauf aufmerksam, daß die Verwirklichung dieses Planes zu Unruhen führen könnte. In dem Protest wird die Verlegung der Bahnstation aus der arabischen Stadt Ludd in die jüdische Stadt Tel-Awiw als „Ergebnis zionistischer Ambitionen" bezeichnet. Auch an die Mandatskommission des Völkerbundes und an das Colonial Office in London ist ein Protest gesandt worden, * Ludd (das biblische Lod), ein kleines Städchen (unter 11.000 Arabern 30 Juden) bildet jetzt den Knotenpunst der Hauptlinien Tel-Awiw—Jerusalem und Haifa— Kantara (ägyptische Grenzstation). Die Station wurde zu einer Zeit angelegt, da die Entwicklung Tel-Awiws (heute rund 100.000 Einwohner) und die durch sie bewirkte Richtung des Hauptverkehres nicht vorausgesehen werden konnten. Heute bildet das Zentrum Tel-Awiw, die größte, verkehrsreichste Stadt Palästinas, den Endpunkt einer vom kleinen Ludd ausgehenden Zweigbahn. Ein vom verkehrstechnischen Standpunke aus unhaltbarer Zustand. ju*?SS2§*ä tt ^eVd ^■^fi^ >Aer " ^C^Ä?^!"* gr 6 ^S^g^^^ **&äk+^~ % ä^c' \ "V--8-' ue^äfrS6*9** A -*t3*^?ct***'* tyckSß1 alM««*f^. ^. für &a s4.*>, _.^g,eVt^-' - H^ToA-** - -9 *!8Ä* ' ö°T^)-?HvS^'^-P^ A 90. ' * V*» \ ^Ö&V***-®' °"ot?^ •^össft^; -98 VxS^ «ÖSÜjgt^ c^*?ltev. aUe*retf-pV90 * g$l *StteV tfrtrti»ter,J' atteV-s *1 Vvlk ls *gf#- rtöSC**1"" •p ' cwt"?iV*?S&*v * , ~ A««*V ,tai* dXe «Mi^^rS*0 fär *o*«»^*TJ&* 3 s ^s^ii^- t^k^^> <&t&fc>$!8&~' *GsSS2t&$&&$**" VU» atf * £50 > £90 *6 £<30 »j-90 •fÄäSrS; äSL '0^!f Eigentümer, Verleger, Her£Wgeber un^ Robert Stricker. — Druck: Brjjc.kfireln und, t^ilags-Aj-G, Igaaa Stetouaa», beide, ffiifin, ' IX* KöiyejsilÄtiattaßQ #-^8,