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Die neue Welt · 1934-06-29 · Heft 377 (29.6.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 377 (29.6.1934)
Date
1934-06-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Rmmm MM mä' -m mam BEZUOSBEDINOUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S4.—, ganzjährig S16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.— m M Hl B™* Tscheöhoslowakel monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.-: Rumänien monatlich BjH| II ■ ■ BBI Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.-*: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig W^m U H ■ Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übr igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, viertel- |H |B iährig Scnweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion o. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel, A-20.2-78 — ErscheintDienstag und Freitag Arabische Arbeit überschwemmt Palästina 'Aus Jerusalem wird berichtet: Auf einer von dem Verband jüdischer Arbeiter „H i s t a d r u t h'* veranstalteten Pressekonferenz gaben die Führer offizielle Zahlen über den Umfang der Beschäftigung arabischer und jüdischer Arbeiter in den jüdischen Plantagen bekannt. Auf 90.000 Dunam jüdischen Bodens werden nur Araber und kein einziger Jude beschäftigt. Auf 40.000 Dunam weiteren jüdischen Bodens arbeiten Juden und Araber gemeinsam, hier sind aber bloß etwa 1000 jüdische Arbeiter beschäftigt. Nur auf 40.000 Dunam jüdischen Bodens sind einzig und allein jüdische Arbeiter beschäftigt. Die arabische Arbeit überschwemmt allmählich auch die Städte. Sogar in Te 1 - Avviw sind jetzt mehr als 1500 Araber bei Bauarbeiten beschäftigt. In Haifa arbeiten 500 Araber in jüdischen Betrieben. Bei jüdischen Bauten in Jerusalem sind mehr als 1000 Araber beschäftigt. Petach Tikwah beschäftigt mindestens 2000 Araber, in der Orangensaison sogar 3500. Bei den öffentlichen Arbeiten der Regierung, für die hunderttausende Pfund der jüdischen Steuerzahler verwendet werden, gibt es heute unter mehreren tausend arabischen Arbeitern im ganzen .SO Juden. Laut Meldungen der syrischen Presse wächst die Wanderung syrisch-arabischer Arbeiter nach Palästina täglich, heute arbeiten etwa 8000 syrische Araber in Palästina. Anderseits ist der Boykott jüdischer Erzeugnisse Palästinas in Syrien im Wachsen. Ein jüdischer Reisender, der in Damaskus in Palästina erzeugte Wirkwaren anbot, wurde mörderisch geschlagen, seine Musterwaren wurden auf der Straße verbrannt. Nichts charakterisiert den Widersinn der Klassenkämpferei im jüdischen Palästina markanter als diese Nachricht. Die „Histadruth" hat bis jetzt die Solidarität der jüdischen und arabischen Arbeiter und „Klassenbrüder" gepredigt und zu ihrem gemeinsamen Kampfe gegen den jüdischenKapitalismus aufgerufen. Jetzt wendet sie sich mit großer Klage an die Oeffentlichkeit und fordert Hilfe gegen das Vordringen ihrer arabischen „Klassenbrüder" gegen jüdische Arbeitsplätze. Die Phrasen der „Histadruth" vom Klassenkampf, welche schon soviel Unheil im Zionismus gestiftet haben, zerfallen in Nichts und sie ruft verzweifelt die jüdischnationale Solidarität zu Hilfe, für welche sie sonst nur Mißachtung und Hohn übrig hatte. //Hfeftadrsagh" sdhmäh* Rabbiner/ Jüdische Häuser werden zerstört Die Jüd. Tel.-Agentur bringt aus Jerusalem Meldungen über inn$rjüdische Exzesse ärgster Art. . Der palästinensische Arbeiterverband „Histadruth" (Organisation der sozialdemokratischen Arbeiter) hat im ganzen Lande große Plakate anbringen lassen, in welchen gegen die Oberrabbiner Kook und Jakob M.eir (Spaniolen) und 110 jüdische Führer in Palästina in den heftigsten Ausdrücken Stellung genommen wird, well diese In einer Erklärung gegen das im Mordprozeß Arlosoroff gegen Stavsky verhängte Todesurteil Stellung genommen haben. In dem Aufruf wird erklärt, daß die Oberrabbiner und ihre Freunde ihren Appell nicht erlassen haben, um Stavsky zu retten, sondern um die Wahrheit über Mord und Mörder zuverwischen... Neben diesen Plakaten wurden in Jerusalem und anderen Städten große Anschläge des Inhaltes angebracht: „Wehe dem Volke, dessen Priester Mörder schützen!" In der Kolonie Rechowoth haben bisher u nerkannt gebliebene Täter in der Nacht ein von revisionistischen Arbeitern neuerbautes Haus bis auf die Grundmauern niedergerissen. Die Zeitungen verdammen in groß aufgemachten Artikeln diesen Akt niederträchtigen Vandalismus. Das Organ der Histadruth, „Dawar", reagiert auf die Tat und die Alarmrufe der bürgerlichen Presse mit dem Satz©: „Das im jüdischen Palästina brennende Feuer ist groß genug, man soll es nicht noch mehr entfachen!" * Diese Haltung einer Partei, welche heute die Führung des Weltzionismus in Händen hat, muß die allerschwersten Besorgnisse um die nächste Zukunft der Z i onistischen Organisation und des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina hervorrufen. Schreckliche Verantwortung lastet auf der „Histadruth" und schreckliche Verantwortung auf der Partei der „Allgemeinen Zionisten", welche in bedauernswerter Verirrung — sowohl in Palästina als auch in der Galuth — der „Histadruth" Helfersdienste leisten, ihr die jüdische Jugend und die zionistisch enFonds ausliefern. Emir Abdullah für die Zulassung jüdischer Einwanderung nach Transjordanien Aus Jerusalem: Das arabische Pressebüro in Aegypten meldet, Emir Abdullah habe in London verlangt, daß das Mandat über sein Land Transjordanien nach dem Beispiel Iraks aufgehoben werde, und daß England sich um die Aufnahme Transjordaniens in den Völkerbund bemühen soll. Für diesen Fall habe der Emir sich bereit erklärt, für die Sicherung des durch Transjordanion führenden Teils der Oelleitung Mossul— Haifa Sorge zu tragen. Ferner soll der Emir bei seinen Verhandlungen mit dem Golonial Office erklärt haben, er sei bereit, jüdische Einwanderung nach Transjordanion unter der Bedingung zuzulassen, daß die Einwanderung nicht auf Grund der Balfour- Deklaration vor sich gehe. Oberkommissär Waudiope soll qehen Aus Jerusalem wird u. d. 25. Juni gemeldet: In den lüesigen gutinformierten Kreisen hat sich in der letzten Zeit die Meinung verstärkt, daß der Oberkommissär Sir Artur Wauchopo das Land verlassen werde. Wie es heißt, wird die Amtsdauer des jetzigen Oberkommissärs, welche bereits in einigen Monaten abläuft, nicht auf weitere zwei Jahre verlängert werden, wie ursprünglich angenommen worden war. Auf diese Weise ist es sehr leicht möglich, daß der Oberkommissär schon Ende des Sommers sein Amt in Jerusalem verlassen werde. Von den bisherigen britischen Oberkommissären ist bloß der erste, und zwar Herbert Samuel, fünf Jahro im Land geblieben, das heißt, er war der einzige, dessen dreijährige Amtsdauer um weitere zwei Jahre verlängert wurde, während beispielsweise der letzte Oberkommissär Chance^lor «och vor Ablauf seiner Amtsdauer abberufen wurde. »Die Neue Weif« Herausgeber ROBERT STRICKER Wien, IX. Bez., Universitätsstraße 8 erscheint am 6. Juli 1.1. anläßlich des 30. Todestages des großen Führers als er z I- Gedenknummer in verstärkter Auflage (illustriert) und in vergrößertem Umfang Bei allen Kolporteuren und Veiv schleißstellen erhältlich! Preis 20 Groschen Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch, ein beigefügtes E bezeichnet, RUNDSCHAU Pallenberg Mit einer Eindringlichkeit, die dem lebendigen Bild nahekommt, drängen sich die Gestalten, die Pallenberg auf der Bühne schuf, vor unser Auge. Man sprach vom großen Schauspieler Pallenberg, wenn man an seine Rollen dachte; aber, nicht in der Weise, wie man es beispielsweise bei Moissi, Bassermanri, Kortner tat. Es blieb ein Rest privaten Glücks, ein Stück Genießens, das außerhalb der Bühne lag, eine geheime Schwäche für den Pallenberg, der noch nach der Vorstellung etwas zu sagen hatte: Das war das Jüdische an ihm. Was man skurill, grotesk, springlebendig, tolpatschik, radebrecherisch nannte, das war das jüdische Element des Purimspielers, des Spaßmachers, des — im Sinne der jiddischen Bühne gemeinten — Komikers, der sich, wenn er andere lachen macht, selbst bespiegelt und selbst persifliert. Pallenberg war prädestiniert, die Figuren des größten jüdischen humoristischen Dichters Sc halom Alejchem zu verkörpern; die lange Reihe einmaliger Pechvögel, Schlemihle, Schief geratenen; aber auch die jüdisch Ewigen und Unzerstörbaren, Ein Charly Chaplin im Bereich des jiddischen Theaters hätte er sich als ^Menachem Mendel, als Simele Soroker, als Hotzmach ... ausleben können. Noch war es nicht zu spät. Denn gerade in den letzten Jahren, auf dem Gipfel seiner Gestaltungskunst und Popularität, hatte er Zugang zum Judentum, zum Judentum in seiner Totalität, gefunden. Als Gegenpol Rudolf Schildkrauts, des jüdischen „Heldenvaters", hätte Pallenberg, der Lustigmacher, das Symbol der „Irrenden Sterne", der Wanderkomödianten, den Hotzmach spielen können. Schade. Der jüdische Komödiant Pallenberg — um dieses Kapitel der Theatergeschichte sind wir gekommen. o. r, Pension Irma Meister. Meran Idealer nanzj&hrlger Aufenthalt, letzter Komfort, gerühmte Küche, herrl. Park, mäßige Preise. Verlangen Sie Prospektl Mordluge gegen die Juden Sie sollen den Minister Pierackl getötet haben Aus Warschau: Die Ausgabe vom 19. Juni des Warschauer Hauptorgans der Nationaldemokraten, „Gazeta Warszawska", wurde wegen eines Artikels beschlagnahmt, in welchem gefordert wurde, daß die Untersuchung im Zusammenhang mit dem Mord an Minister Pieracki sich auf die jüdischen Kreise erstrecken soll, da nach Meinung des Blattes die Juden ein Interesse daran hatten, Pieracki zu beseitigen. Auch die Führer der Radikalnationalen behaupteten bei ihrem Verhör, daß der Mord an Pieracki ein „Akt jüdischer Provokation" ar. Die Zeitung „Kurjer Poranny", das Organ des ermordeten Ministers Pieracki, meldete am 19. Juni, daß der Führer der Radikalnationalen, Jan M o s d o r f, kurz vor dem Morde den Minister Pieracki besuchen wollte, aber von Pieraokis Sekretär, Stavisky, den Bescheid erhielt, daß der Minister nicht vor Montag empfangen könne. Daraufhin hängte Mosdorf ab mit den Worten: „Es wird zu spät sein!" Anderthalb Stunden später wurde Pieracki ermordet. In politischen Kreisen war man dahin informiert, daß Pieracki gute Beziehungen zu mehreren Führern der Radikalnationaleä unterhielt, welche Tatsache den Radikalen bei ihren Angriffen auf Juden und Sozialisten in den Straßen Warschaus ein Gefühl der Sicherheit gab. Um so mehr hat das etwas verschärftere Vorgehen der Regierungsorgane gegen sie in den letzten Tagen vor dent Morde die Radikalnationalen erbittert. In politischen Kreisen wird angedeutet, daß die Untersuchung der Hintergründe von Mosdorfs Telephongespräch den Schlüssel zur Aufdeckung der Affäre liefern könnte. Aus Nürnberg: Die „Fränkische Tage*

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