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Die neue Welt · 1934-06-26 · Heft 376 (26.6.1934) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 376 (26.6.1934)
Date
1934-06-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. m DIE NEUE WELT Seite 3 rienreisen nach Abreise 1. u. 8. Juli Paßerleichterungen für polnische Staatsangehörige! Nähere Rürn T\r Q Tnnlror I, Kärntneiring 12 Auskünfte: DUrO M. O. I OCRBr Telephon U-40-301 Billige Fi POL Hifualmord und judfsdie Religion Die Juden sind in Deutschland staatlich nicht anerkannt — nicht als Volk, nicht als Minderheit, nicht als soziale Gemeinschaft. Nur im religiösen Bereich sind sie bisher verschont geblieben. Ihre Existenz als Religionsgemeinschaft konnte selbst vom radikalsten Hitler- Deutschen nicht bestritten werden. Nun soll auch dieser letzte Rest eines imaginären Rechts verschwinden. In der Schriftenreihe „Der Weltkampf" fragt ein nationalsozialistischer Führer, ob die staatliche Anerkennung der jüdischen Religion bestehen bleiben könne. Die Antwort lautet: nein! Aber diese Antwort kommt nicht auf Grund irgendwelcher kulturpolitischen Erwägungen zustande. Keine Spur. Der Verfasser begründet seine Ansicht damit, daß der Ritualmord trotz aller Ableugnung seitens der Juden und gewisser wissenschaftlicher Kreise geschichtlich erwiesen sei und daß eine Blutreligion im Rahmen des christlichen Bereiches nicht geduldet werden dürfe. Die Ausstoßung alles Jüdischen, die völlige und endgültige Ausrottung des Judentums wird also mit der Sorge um das christliche Deutschland und im weiteren um die ,,gesicherte Fortexistenz der christlichen Völker" motiviert. Wenn der jüdischen Religion die staatliche Anerkennung versagt wird, dann gibt es auf dem Weg zur Vernichtung des Judentums kein Innehalten mehr, dann wird der Ruf „Juda verrecke!" zur Realität. Die Mentalität des zitierten Verfassers entspricht also dem Geisteszustand, den die christlich-konservativen Kreise 4er ganzen Kulturwelt, vornehmlich Oesterreichs, den „ibraunen Bolschewismus" nennen. t i o n e n kommen reichste u k r a i ii Aus Polen Aus Lemberg: In Stanislau (Ostgalizien), wo die jüdische Bevölkerung seit längerer Zeit unter antisemitischem Terror lebt und wo erst vor wenigen Tagen das Lokal der jüdischen Scouts-Organisation „M e n orah" durch einen Bombenwurf demoliert wurde, ist jetzt das Goldfaden-Haus (so genannt nach dem verstorbenen jiddischen Theater-Pionier und Dramatiker Abraham Goldfaden) angezündet worden, wobei das Gebäude samt den wertvollen Theaterdekor a- und dem seltenen Kostüm-Fundus vollvernichtet wurde. Dieser Fundus war der in ganz Polen, alle polnischen und; s c h e n Theater nahmen ihn in Anspruch. Die Poliz.i glaubt, daß zwischen den Terrorakten in Stanislau undn dem Bomben- und Brandattentat gegen das Lokal der Zionistischen Organisation in Lemberg ein Zusammenhang besteht. * Am Tage des Eintreffens des deutschen Propaganda-Ministers G oe b b e 1 s in Polen fand in Lemberg eine spontane Trauer- und Protestzeremonie über die Verletzung der jüdischen Gefühle durch den Besuch statt. Schlag 4 Uhr nachmittags ertönte in der ganzen Stadt wie ein einziger Sirenenlaut das Fallen der Rolläden in den Geschäften. Das ganze Leben stand still. In den Werkstätten wurde stumm die Arbeit niedergelegt, die jüdischen Fuhrleute und Chauffeure hielten ihre Gefährte an. Eine Stunde dauerte die Arbeitsruhe. Hindenburgs jüdischer Kriegskamerad wird totgeschwiegen Aus Prag: Vor ein paar Tagen ging durch die ausländische Presse die Nachricht des „Deutschen Nachrichtenbüros", daß der Bootsbauer Max Grünberger in Altmünster am Traunsee seinen 95. Geburtstag gefeiert hat. Da der Greis im Jahre 1864 gemeinsam mit dem damaligen Kadetten Hindenburg die Schlacht bei Oeversee mitgemacht hat, habe der Reichspräsident seinem ehemaligen Kriegskameraden sein Bild mit seiner eigenhändigen Widmung übersandt. Selbstverständlich hat das „Deutsche Nachrichtenbüro" diese Nachricht auch an die deutschen Zeitungen gegeben. Zwei Stunden später jedoch verbreitete das „Deutsche Nachrichtenbüro" auf Anordnung des Propagandaministers Goebbels an die Blätter folgende Mitteilung: „Ein Kriegskamerad des Reichspräsidenten wird hiermit zurückgezoge n". Keine deutsche Zeitung durfte diese Nachricht veröffentlichen, weil inzwischen das Propagandaministerium feststellte, daß der Kriegsheld aus dem dänischen Krieg ein Jude ist. iiMii^an mit dem Riesenozeandampfer „Roma" . . (34.0Ü0 t) Abfahrt ab Wien: 15. Juli Für Einzelreisende Schiffskarten nach Palästina zu Originalpreisen Offizielles Propagandabüro der Stadtgemeinde Tel-Awiw Wien IX, Spitalgasse 3, Telephon B-42-5-38 Compass Tours Zur Rettung Stavskys Für die Revision dos Todesurteiles Empörung über das vom Jerusalemer Gerieht wegen des Mordes an Dr. Arlosoroff über Stavsky verhängte Todesurteil und Sorge um das Schicksal des nach aller Ansieht Unschuldigen haben dir weitesten jüdischen Kreise, in aller Welt erfaßt. Die in der letzten Nummer unseres Blattes veröffentlichten Erklärungen des 11 i e toter s de Valero s, welcher gegen seine drei Kollegen (2 englische und J arabischer Richter) für die F r e isprechung Stavsky s gestimmt hat, haben die Ueberzeugung, daß hier ein grauenhafter Justizmord im Zuge ist, verstärkt. 16 palästinensische Rabbiner für SSavsky Aus Jerusalem: Ueberall in Palästina wurde ein Plak at angeschlagen, In dem ein Aufruf palästinensischer Rabbiner an den Jischuw im Zusammenhang mit dem Fall Stavsky gerichtet wird. Gestützt auf das V otum Richter de V a I e r o 9 fordern 1(5 führende palästinensische Rabbiner, an ihrer Spitze Oberrabbiner K o o k, Oberrabbiner Jacob Meir und Rabbi U s i e 1, den Jischuw auf, an der Herbeiführung eines Frei - Spruches Stavsky s mitzuhelfen. „Wir bezeugen vor Gott und den Mensche n", heißt es in dem Aufruf, „daß Stavsky mit dem Arlosoroff-Mord nichts zu tun ha t." 110 (führende Persönlichkeiten Palästinas schließen sich an Aus Jerusalem: 110 führende jüdische Persönlichkeiten Palästina^, unter ihnen der Bürgermeister von Tel Avr.»f Mair Dizengoff und der Vizebürgermeister Rokeach, der Vorsitzende des Verbandes der jüdischen Landwirte Mosehe Smiliansky, die Vorsitzenden der jüdischen Gemeinden von Jaffa, Tel A xv i w, Rechowoth, P e t a c h T i k w a h und Rischon le Zion, Dr. Saul Tschernichowski und viele andere Dichter, Schriftatelier und Journalisten, ferner Industrielle und Kaufleute, Führer der Allgemeinen Zionisten, des Misr a c h i und der Juden staatsparte i, wie H. Farbstein, Rabbi Meir Berlin, und Rabbi J. L. Fishman, Meir Großmann, haben im Anschluß an die Aktion der Oberrabbiner Kook und Jacob Meir, Rabbi Uziels und des gesamten palästinensischen Rabbinata eine Kundgebung veröffentlicht, in der es heißt: „An d< ji J.if-chuw und das jüdische Volk in der Diaspora: Wir sind tief davon überzeugt, daß das Gericht ein Urteil gefällt hat, das auf einem schweren Irrtum beruht. Ein Unschuldiger ist durch ein Mehrheitsvotum zum Tode verurteilt worden. Stavsky ist das Opfer eines schrecklichen Irrtums. Wir halten es für unsere Pflicht, die jüdische öffentliche Meinung zur Rettung dieses U n s e h u 1 d i g e n aufzurufen. Die Arbeit der Verteidigung für Wahrheit und Recht muß fortgesetzt werden. Wir hoffen und glauben, daß die Wahrheit siegen wird." Das Yerteidigungskoniotee an Amerika Aus New York: Zur Förderung seiner Bestrebungen, Mittel für die Verteidigung Abraham Stavsky s aufzubringen, hat das amerikanische parteilose Verteidigungskomitee für Stavsky am 17. Juni eine Konferenz nach New York einberufen, in der technische Maßnahmen zur Organisierung der Kampagne besprochen wurden. Namens des Komitees erlassen Jacob de H a a s, Prof. Chaim Tschernowitz und Rabbi Louis I. N e w m a n einen Aufruf, in dem erklärt wird, daß die Leitung des Komitees beschlossen hat, an der Aktion Rabbi Kooks zur Aufbringung der für die Verteidigung im Berufungsvcrfahren notwendigen Mittel auch weiterhin teilzunehmen. Das Komitee glaube, daß jeder rechtlich denkende Mensch den Anspruch Stavskys auf jegliche gesetzlich vorgesehene Möglichkeit, sich von einer Anklage reinzuwaschen, der gegenüber er seine Unschuld beteuert, anerkennen wird. Die Führer des amerikanischen Zionismus haben fast ohne Ausnahme anläßlich der Verurteilung Stavskys Erklärungen abgegeben, in denen sie ihr Bedauern über diese Tatsache zum Ausdruck bringen. Das Urteil wird in diesen Erklärungen als „ü b e r - raschen d", als „empörend" und als „ein U nglück" bezeichnet. So äußerte sich der Vorsitzende der Zionistischen Organisation Amerikas Morris Rotenberg: „Das Schuldverdikt gegen Stavsky erfüllt mich mit Trauer. Um der Ehre des jüdischen Namens willen hatte ich gehofft, daß der Prozeß zu einem Freispruch aller Angeklagten führen werde. Ich hoffe, daß das Berufungsverfahren den Freispruch Stavskys bringen wird." pidi§dten Wirt§diaft in Industrie, Orangen, Baubewegung -In dem jetzt veröffentlichten Bericht des Handels- Departments der Palästina-Regierung für das Jahr 1933 werden die wirtschaftlichen Leistun- Juden lobend hervorgehoben. Es wird auf die große Rolle hingewiesen, die diese Einwanderer bei der Entwicklung der Kleinindustrie durch Verwertung ihrer Fachkenntnisse und Errichtung kleiner Fabriken gespielt haben. Im allgemeinen wird festgestellt, daß die jüdische Industrie Palästinas sich im abgelaufenen Jahre wesentlich vergrößert hat. Der Import ist von nicht ganz gen der aus Deutschland eingewanderten 8 Millionen Pfund im vorangegangenen Jahre auf rund 11 Millionen Pfund in diesem Jahre gestiegen. An Zöllen hat die Palästina-Regierung im Jahre 1933 über 2 Millionen Pfund eingenommen. Der Bericht enthält eine interessante Statistik über die von Juden vorgenommenen Investitionen. In Wohnbauten allein wurden über 5,5 Mi 11 i o n e n Pfund investiert, d o p p e lt so viel wie im vorangegangenen Jahr. Das Plantagen-Areal (Orangen) wurde auf 175.000 D u n a m vergrößert. 89 neue Geschäftsbetriebe mit einem Kapital von über 500.000 Pfund wurden eröffnet. 15 Gesellschaften haben ihr Kapital von 87.000 Pfund auf 180.000 Pfund erhöht. Aus Deutschland wurden. i. J. 1933 Waren im Wert von 1,200.000 Pfund gegenüber 775.000 Pfund im vorhergegangenen Jahr eingeführt. Der Import aus England ist von 1,500.000 Pfund auf 2,000.000 Pfund gestiegen. Die steigende Einfuhr in Ziffern Die palästinensische Gesamteinfuhr stieg nach den jetzt bekanntgewordenen amtlichen Ziffern von 1932 zu 1933 von 7,92 Millionen auf 11,2 7 Millionen Pfund. An dieser Steigerung sind Konsumgüter (Lebensmittel, Kleider, Wäsche, Fertigwaren usw.) in Höhe von etwa 1,5 Millionen Pfund und Investi- HerzlsGrahgang im 30« Todesjahr Wien, 25. Juni. Der traditionelle Herzl-Grabgang nahm auch heuer einen imposanten Verlauf. Viele tausende Wiener Juden marschierten am Grab des großen Führers vorbei und man hatte den Eindruck, daß insbesondere die Jugend sich um die blauweiße Fahne Herzls geschart hat. Da die Polizei mit Rücksicht auf die innerösterreichischen Verhältnisse einen Aufmarsch in. geschlossener Form nicht bewilligte, waren ammer wieder nur lose Gruppen auf dem Weg zum Döblinger Friedhof zu sehen. Nichtsdestoweniger konnten sich die zu einander gehörenden Gruppen zusammenschließen, so daß die einzelnen Fraktionen, Jugendbünde, Studentenkorporationen und sonstige Anhänger mit ihren Standarten einheitlich vor dem Herzl-Grab defilieren konnten. Großen Eindruck machten die Organisationen der zionistischen Jugend, welche teilweise in parteimäßiger Adjustiernug erschienen waren. Der Vorbeimarsch begann bereits am frühen Vormittag und ging ohne jede Störung um 1 Uhr mittags zu Ende. tionsgüter (Maschinen usw.) mit 1,25 Millionen Pfund beteiligt. Der Rest entfällt auf Spezialartikel. Nachfolgende Gegenüberstellung zeigt die E i nfuhrSteigerung in einigen besonders wichtigen Positionen: 1932: pal. Pfund . 1,345.475 316.893 84.478 Textilwaren und Kleidungsstücke Eisen- und Stahlwaren . . . . Metalle und Metallerzeugnisse . . Eisen-, Stahl-, Metallwaren-Geräte und -ereugnisse....... 115.103 Elektrische Artikel...... 76.569 Maschinen ......... 219.656 Auto, Lastwagen, Motorräder, Traktoren ........... 196.422 Töpferei und Glaswaren (einschl. Zement)......... 161.936 Chemikalien, Drogen, Farben, Benzin, Kerosene, Schmieröl . . . 439.486 Verschiedene Fertigwaren .... 268.251 1933: pal. Pfund 1,649.841 721.126 139.859 197.690 144.865 532.963 435.921 309.275 515.742 339.268 Handel mit Deutschland 1929 1930 1931 1932 1933 Deutsche Ausf. nach Palästina RM. 11,737.000 11,871.000 9,540.000 8,036.000 11,359.000 Deutsche Einf. aus Palästina RM. 3,943.000 7,584.000 6,248.000 5,429.000 5,648.000 Deutscher Ausf.- Uebersch. RM. 7,794.000 4,287.000 3,292.000 2,607.000 5,711.000 Sprunghafte Steigerung des österreichischen Exports In den Monaten Jänner bis April 1934 wurden von Oesterreich nach Palästina 19.346 Meterzentner Waren im Werte von fast dr e i Millionen Schilling, gegenüber 7291 Meterzentner, bezw. 965.000 Schilling in der gleichen Zeit des Vorjahres, ausgeführt. Weitaus der größte Teil der österreichischen Ausfuhr nach Palästina entfällt auf Fertigwaren. Auch die Ausfuhr an metallurgischen Waren gewinnt immer mehr an Bedeutung. Derzeit werden insbesondere größere Posten in Blechwaren, Schrauben, Drahtwaren, Schlössern, Gußwaren, Metallwai'en, ferner Werkzeuge und Werkzeugmaschinen, Buchdruck- und Papierbearbeitungsmaschinen, Pumpen und Elektromaterial nach Palästina geliefert. Die gute alte Teit kommt wieder. Immer mehr verfertigt sich heute schon wieder der Backfisch, das Fräulein und Dame, und die Mutter überdies für ihr Kind, das Kleid, besonders aus Seiden- oder Wasch-Stofi'en, selbst wieder. Diesen Rückkehr zum Familiensinn beobachtet man immer mehr bei Schiffmann, im Warenhaus Aller, die sparen wollen oder müssen. Jeder Leser unseres Blattes kann sich selbst von der großen Bewegung speziell in der Sommerstoff-Abteilung überzeugen. Was dort aber auch alles um Spottpreise zu haben ist, geht über Ihre Vorstellung. Haben Sie z. B. schon gehört, daß man einen Seiden-Woll-Rips in Schwarz, für Paletot, 110 cm breit, um nur S 2.98 bekommt? Schiffmann beweist es Ihnen, daß auch das möglich ist. Das ist nur 1 Beispiel und hunderte andere Gelegenheitskäufe finden Sie noch. Natürlich gibt es noch Bade- und Weekendartikel, Herren- und Damen-Wäsche, Kleider, Mäntel, Schuhe, Hüte, Strümpfe für Damen, Herren und Kinder in so großer Auswahl, daß jeder Anspruchsvolle das Gewünschte finden muß. Beeilen Sie sich, kommen Sie womöglich noch heute, so lange Sia noch im „Vollen" wühlen können. Also, Ihr erster Weg heute zu Schiffmann, II., Taborstraße 48.

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