Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 374 (19.6.1934)
- Date
- 1934-06-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite l DIE NEUE WELT Nr. 374 Notizen Der High Commissioher entscheidet allein Aus London: Auf die Frage von David Adams im Unterhaus, ob die Regierung die jüdischen Proteste gegen die Unzulänglichkeit der bewililgten Einwandererquote sur Kenntnis genommen habe und Schritte unternehmen wolle, eine Revision dieser Quote herbeizuführen, erwiderte Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister schriftlich: Es hat stets Uebercinstimmung darüber geherrscht, daß die Verantwortung für die Festsetzung der Halbjahrsquote für Arbeiter-Einwanderer dem High Commissioner für Palästina überlassen werde n m u ß, der am besten in der Lage ist, die wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit des Landes zu beurteilen. Das Urteil gegen Stavsky im Unterhaus Aus London: Im Unterhaus fragte Abgeordneter Wedgwood den Minister für die Kolonien, ob das Berufungsverfahren im Fall Stavsky vor einem englischen Gericht und von einem englischen Richter durchgeführt werden würde, und ob der Prozeßbericht von der Rechtsabteilung des Colonial Office durchgesehen werden würde. Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte: „Das Appellations-Strafgericht in Palästina besteht in der Regel aus drei aus der Mitte der Richterschaft des Obersten Gerichtshofes ausgewählten Richtern, der Vorsitzende ist ein englischer Richter. Der Oberste Gerichtshof bsteht aus einem englischen Oberrichter, einem weiteren englischen Richter und vier palästinensischen Richtern. Was den zweiten Teil der Anfrage betrifft, so wird der Bericht über den Prozeß, sobald er eintrifft, sicherlich von meinen Rechtsberatern durchgesehen werden. Das geeehrte Mitglied des Hauses wird verstehen, daß dies nicht zu dem Zwecke geschehen wird, die Entscheidung des Gerichtes zu revidieren, da ich hierzu nicht das Recht habe." 78.000 Juden in Jugoslawien Aus Belgrad: Laut Bericht des Statistischen Amte3 gab es bei der Volkszählung im Jahre 1931 in Jugoslawien unter einer Gesamtbevölkerung von etwa 14,044.000 Seelen rund 78.000 Juden, also 0,55 Prozent. Eine judenchristliche Gemeinde in Deutschland Aus Berlin: Juden, die zum Protestantismus übergetreten waren oder von solchen Uebergetretenen abstammen, haben sich in Berlin zu einer eigenen kirchlichen Gemeinschaft zusammengeschlossen. Angesichts ihrer Verfemung wegen ihrer rassischen Abstammimg wollen sich diese Juden-Christen, ohne ihr Christentum aufzugeben, zu ihrer Abstämmling bekennen. Kleine judenchristliche Gemeinden bestehen in Jerusalem, Budapest und vier anderen Punkten der Welt. Diese Gemeinden jedoch haben, auch wenn sie äußerlich das jüdische Volkstum betonen, Proselytenm a c h e r e i unter den Juden zum Ziel. Dies scheint bei der neugegründeten deutschen judenchristlichen Gemeinde nicht der Fall zu sein. Glänzender VerKeujf des §dmmim;Meetings der B$a&$^a£ft Das Schwimmfest der Haköah gestaltete sich zu einem ganz großen sportlichen und gesellschaftlichen Ereignis. Prominente Gäste gaben ihm einen glänzenden Rahmen. Von der Regierung war Minister Major F e y, von der Stadtgemeinde Vizebürgermeister Major L a h r, von der Kultusgemeinde Präsident Dr. Friedmann erschienen. Zahlreiche Zuschauer — am Samstag über 2000, am Sonntag 3000 — besetzten die herrliche Stadion Schwimmbahn. Die sportlichen Leistungen waren ganz hervorragende. Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete naturgemäß das Auftreten der Weltrekordlerin Willi den Ouden. Sie gewann nicht nur ihre Schwimmbewerbe in ganz fabelhaften Zeiten, sie zeigte sich auch als glänzende Kunstspringerin. Neben ihr sind die Ungarn C s i k und L e n g y c 1, der Italiener C o s t o 1 i c und der Prager Getreuer zu nennen, die weit über ihren österreichischen Konkurrenten standen. Nur die Ewask-Leute, Hölzl, die Hakoahnerin Wertheimer konnte in die Entscheidungen eingreifen. Es wurden ein österreichischer und zwei tschechische Rekorde aufgestellt. Frenetischen Beifall spendeten die Zuschauer den glänzenden Leistungen und dankten gleichzeitig dem Schwimmklub Hakoah, insbesondere seinem rührigen Präsidenten, Herrn Robert Glücksmann, der ihnen Gelegenheit bot, die Bekanntschaft mit diesen herrlichen Schwimmern zu machen, und dadurch dem österreichischen Schwimmsport neue Impulse gab. Jüdische Sportler fuhren in der jugoslawischen Meisterschaft Aus Belgrad: An den soeben stattgefundenen Meisterschaftskämpfen im F e ch te n nahmen die besten acht Klubs des Landes teil, unter ihnen drei jüdische. Die judischen Klubs erzielten große Erfolge. Die Meisterschaft des Staates im Schwertfechten errang Josef Stein vom Zagreber Makkabi. Den zweiten Platz im Säbelfechten nahm Ing. Fröhlich aus Sübotica ein. Den ersten Juniorenplatz im Schwerte errang Josef Weiß vorn Zagreber Makkabi. Im Damen-Florett errang Ruth Müller den zv/eiten Platz. Verbilligter Sonder-Schnellzug der „Czernowitzer Allgemeinen Zeitung", am 8. Juli nach Krakau—Lemberg —Czernowitz und allen Zwischenstationen. Rückkehr: 5. August und 6. September. Reisedienst der „Czernowitzer Allgemeinen Zeitung", I., Schulerstraße 1-3 („Der Tag"), Tel. R-21-6-78. Ueberau knitterfeste Krawatte, Marke „Phoenix", aus Tootals patent. Stoffen, S 5.50. Ferienreisen nach Polen. Unter bewährter Leitung finden die bekannten billigen Reisen nach Polen auch im Juli statt. Krakau, Lemberg, Stanislau usw. Reservierte Plätze. Billigste Preise. Näheres: Büro Dr. S. Tocker, I., Kärntnerring 12. Tel. U-40-301. Kulfturbilder au§ HitfIer*Deut§diland Pembroke Stephens, der aus Deutschland ausgewiesene Korrespondent des Londoner „Daily Expreß", schreibt in seinem Blatte: In einem Zuge der Berliner Untergrundbahn fuhr eine Anzahl uniformierter SS. und begann im Chor zu rufen: „Juden dürfen nicht im Zuge sitzen!" Die mitreisenden Juden wurden mit Gewalt gezwungen, ihre Sitze zu verlassen und beim Eingang des Waggons bis zur nächsten Station zu stehen, bei der sie dann den Zug verließen. Einige junge, hübsche, blonde Jüdinnen, die in ihrem Aeußern keine Merkmale ihrer Rasse haben, saßen in einem Kaffeehaus mit einigen nicht-blonden Juden. Sie wurden von anwesenden Nazi-Leuten mit dem Zuruf: „Rassenschänderinnen" beschimpft. Um sich vor derartigen Angriffen zu schützen, tragen die blonden Jüdinnen in Berlin ihre Pässe und Geburtsscheine bei sich und weisen, bei auch freundschaftlichen Annäherungsversuchen reinrassiger Nazijünglingc, ihre Dokumente sofort vor, worauf die Helden zu verschwinden pflegen. * Das „Westfälische Volksblatt" schrieb: „Anläßlich des Todes des Kaufmannes Ludwig Herzheim gingen Beileidsbriefe von der Handelskammer Bielefeld, dem Landrat von Laer und von verschiedenen Anstalten ein, denen er sich als Wohltäter erwiesen hat. Der verstorbene Seniorchef des Hauses Herzheim starb in Berlin eine Viertelstunde nach einem Besuch bei seiner hochbetagten Mutter. Die vielen, die den Verstorbenen auf seinem letzten Gange begleiteten, bewiesen diese letzte Ehre einem allseitig geachteten Mann e." Dazu schreibt der vom Intimus Hitlers, Streicher, herausgegebene „Stürmer": „Die Schande von Paderborn. Das .Westfälische Volksblatt' hat dem verstorbenen Manufakturjuden Ludwig H e r z h e i m einen Nachruf gewidmet, der jedem Deutschen die Schamröte ins Gesicht treibt. Statt zu sagen: ,Gott sei Dank! Ein Rassegenosse der Mädchenschächter Meyer ist in den Schoß seiner Väter eingegangen', ist man charakterlos genug und singt einem Juden ein Loblied." * Oberregierungsrat Schraut vom Reichsjustizministerium forderte in einem Vortrag in der Hochschule für Politik harte Bestimmungen gegen mischrassige Ehen und außereheliche Vermischung: zwischen verschiedenrassigen Menschen, Aus Prag: Immer mehr Kurorte und Sommerfrischen in Deutschland sperren sich gegen die Juden ab. Auf die Anfrage, ob deutsche Juden zum Kuraufenthalt Westerland aufsuchen dürfen, erwiderte die Städtische Badeverwaltung Westerland-Sylt, daß der Gemeinderat beschlossen hätte, daß jüdische Gäste unerwünscht seien. Eine gesetzliche Handhabe, Juden fernzuhalten, bestehe zwar nicht, aber die» Stimmung der SA. sei scharf judengegnerisch; der Jude, der Westerland aufsucht, trage selbst die Polgen. Aus Hamburg: Die Verwaltung des staatlichen Nordseebades Norderney hat die j üdi s c h e n Zeitungen ersucht, die Juden vor einem Besuch von Norderney zu warnen; in Norderney eintreffende Juden müssen sofort die Insel wieder verlassen. Aus Berlin: Der Hauptausschuß der Gemeindeverwaltung des Ostseebades Arendsee hat beschlossen, allen jüdischen Besuchern, auch den Angehörigen der jüdischen Hausmann-Stiftung in Arendsee, die Benützung des Strandes innerhalb der Grenzen des Badeortes Arendsee zu verbieten. Eingeschlossen in diese3 Verbot ist auch selbstverständlich das Betreten der Seelandungsbrücke, der Lesehalle und des Konzertgartens. Die Siedlungsgesellschaft „El Hahar" in Tel-Awiw hat Herrn Ing. J. Laszkowitz zu ihrem Generalrepräsentanten für Oesterreich ernannt. , u£ fO** rtftmani^ii ©tUi|tft rnahw in dnffiUn n Waschstoffe: Etamine-Faconnö in dunklen Farbentönen, per Meter . S Gewebte Dirndl-Stoffe, lichtu. waschecht......S Leinenartige Voile für jeden Geschmack......S Etamine in Karo und Raye\ 70 cm breit......S Waschseiden-Imprim6 für Kleider und Blusen.....S K.-S.-Boucle, 70 bis 100 cm breit........S 59 Seiden- und Wollstoffe: K.'S. - Crepe - de - Chine - Raye, , 90 cm breit......S Crepe-de-Chine-Imprim6, Rein- Seide, 90 cm breit. . . . S Matt-Flamisol-Raye, 90 cm brM für Kleider und Blusen . . S Matt-Crepe-Iroprimfe, 90 cm br., in neuesten Dessins . . . S Fresco, K.-S. mit Wolle, 100 cm breit........S K.-Seiden-Leincn für Kleider und Kostüme, 100 cm br. . 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