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Die neue Welt · 1934-06-12 · Heft 372 (12.6.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 372 (12.6.1934)
Date
1934-06-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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186 Titl. Universitätsbibliothek Wien, 1. Preis 10 Groschen Jahrgang 8 IKenffag/ den 12* Juni 1938 Nr« 37 S V* b* b* Zeitung vom Verleger versendet «Journal expedi6 par rediteur*b RF7UQSBEDINQUNGEN- Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S4.—. ganzjährig S16.-;Polen monatlich Zloty2.—.vierteljährig Zloty 6.— Ts&echoslowak^^^ vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.-, vierteljährig Dinar 40.-: RttmSnlen monatlich K 40 - Ä »—» vierteljährig Mark 3.-; Bulgarien monatlich Lewa 40.-, vierteljährig Lewa 120.-; Italien monatlich Lire 5.-, vierteljährig Lire 14.—r Schweiz und die übr igen Länder monatlich Schweizer Franca 1J50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, 7 eL A-20-2-78 — ErsdieintDienstag und Freitag REVUE Nächste Nummer Freitag früh Abraham Stawsky nimmt Abschied von seiner Mutter XX Zw/ Rosenblatt //Eine Provokation seitens der jüdischen Arbeiterpartei und der a: uerung // Ueber die Schlußsitzung des Arlosoroff-Mordproxesses wird uns aus Jerusalem berichtet: Nach Verkündung des Urteilspruches schrie Stawsky von der Beschuldigungsbank auf: „Ich bin unschuldig!" Stawskys Mutter rief aus: „Mein Sohn ist unschuldig!" Nachdem der Schuldspruch kundgegeben war, gestattete das Gericht Stawsky, „sein letztes Wort" zu sagen. Stawsky erhob sich und wendete sich mit bebender Stimme zu den Richtern: „Ich weiß von der ganzen Angelegenheit nichts. Der Mord wurde in Tel-Awiw ausgeführt, während ich im Hotel Turgemann in Jerusalem schlief. Der Prozeß gegen mich ist eine Provokation seitens der jüdischen Arbeiterpartei und der Palästina-Regierung. Ich bin absolut unschuldig. Sie, meine Richter, werden verantwortlich sein für mein Leben und für das Leben meiner Eltern. All diejenigen, welche hier vor Gericht falsch ausgesagt haben, werden von ihrem unruhigen Gewissen, gepeinigt werden. Ich glaube an die englischo Gerechtigkeit, welche bezeugen wird, daß man einen unschuldigen Menschen nicht verurteilen kann. Mit Ihrem Urteil haben Sie die Ehre Ihres ganzen Volkes in Frage gestellt. Ich bin unschuldig." Nachher wurden beide, Stawsky und Rosenblatt, gesondert aus dem Gerichtssaal geführt und in das Gefängnis gebracht. ion! Der Verteidiger Horace Samuel kündigte an, daß er gegen die Verurteilung Stawskys Berufung einlegen werde. Zum Freisprach Rosenblatts Aus Jerusalem wird uns berichtet: Das Urteil wurde vom Richterkollegium mit drei Stimmen gegen eine gefällt. Bezüglich der Motivierung des Urteils erklärte das Gericht, daß Rosenblatt freigesprochen wurde, weil zu seiner Schuklsprechung noch ein Zeuge außer Frau Arlosoroff fehlte. — Laut englischem Gesetz sind für einen Schuldbevvcis bei vier Personen zwei Zeugen notwendig. Rosenblatt in Klar Saba Nach der Urteilsverkündung herrschte im ganzen Land ungeheure Erregung. Ein großes Wacheaufgebot hatte die Aufgabe, die Ordnung rings um das Gerichtsgebäude aufrechtzuerhalten. Zwi Rosenblatt wurde unbemerkt in einem geschlossenen Polizeiauto nach Kfar Saba, seinem ursprünglichen Wohnort gebracht, damit Demonstrationen vermieden werden. ^^^jj^j^^^J^^S^S^ Zionistisches Geld für britische Henkersknechte — Ein Prozeß der Schande, der Frivolität und der Ehrenschändung Die J. T. A. meldet unter dem 8. Juni aus Jerusalem: Das Gericht fand Stawsky des vorbedachten Mordes schuldig und verurteilte ihn zum, Tode. Der zweite Angeklagte Rosenblatt wurde freigesprochen. Das Gericht nahm den Alibibeweis Roscnblatts für gelungen an, während es den Alibizeugen Stawskys, denen andere Zeugenaussagen gegenüberstanden, keinen Glauben schenkte. Das Urteil hat in der palästinensischen Oeffentlichkeit eine ungeheure Erregung gemacht. Nach dem Verlauf des Prozesses wurde allgemein ein Freispruch beider Angeklagter — nachdem der dritte Angeklagte Achi-Meir noch mitten im Prozeßverlauf außer Verfolgung gesetzt worden war — erwartet. Wien, im Juni 1934, Die Gerechtigkeit wurde erschlagen „Schon die Erhebung der Anklage läßt erkennen, daß Mißtrauen berechtigt ist. Es ist gefährlich, eine optimistische Prognose zu stellen . . . Die Justizbehörde hat Blamagen der ihr unterstellten Polizei zu vertuschen und im Weg zu stehen, wo die Unterlassungssünden der englisch-arabischen Voruntersuchung enthüllt werden könnten. Es geht also nicht allein um die Erforschung der Wahrheit, sondern auch darum, das Prestige der Palästina-Administration, beziehungsweise der Justizverwaltung zu schützen. Und das kann der Gerechtigkeit gefährlich werden." So schrieben wir nach der ersten Prozeßwoche, in unserer Ausgabe vom 1. Mai. Die Wirklichkeit hat uns recht gegeben. Die Sorge der britischen Behörden um ihr Prestige ist der Gerechtigkeit gefährlich geworden, hat die Gerechtigkeit erschlagen. Abraham Stawsky wurde schuldig gesprochen und zum Tode auf dem Galgen verurteilt. Damit schließt der erste Teil einer schaudervollen Justizkomödie. Die kriminellen Machinationen Man wird sich erinnern, daß der Anklage die „Tatsache" zugrundelag, Achi Meir sei der intellektuelle Urheber und Anstifter, Zwi Rosenblatt und Abraham Stawsky die Vollstrecker des Mordes an Dr. Arlosoroff. Aber gleich am ersten Verhandlungstag, am 23. April, mußte der Prokurator Trusted sich zu einer Modifizierung des Anklagetextes in bezug auf Achi Meir bequemen. Der Passus „Er hat zur Ermordung Dr. Arlosoroffs geraten und sie veranlaßt", wurde in den nebulosen Text „Aufreizung zu Terrorakten" (!) umgeändert. Der Prozeß ging seinen Gang. Wir keimen die Reihe Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelte liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Judenstaatspartei Zionisten - Revisionisten H i s r a c h i Ein politischer Justizmord! Mittwoch, am 13. Juni, um y2 9 Uhr abends, im Saale des Hotel Continental, II, Taborstraße Große Versammlung Thema: Wahrheit über Arlosoroff den Mordproseß Redner der veranstaltenden Organisationen Juden, erscheint in Massen! Höret die Wahrheit! der Zeugen der Anklagebehörde, die außer der Tatzeugin Sima Arlosoroff ein Panoptikum der moralischen Unterwelt dem Gerichtshof vorführte. Nach zehnmonatiger Voruntersuchung und nach fünfwöchiger Prozeßführung wurde das englisch-arabische Gericht gezwungen, den Mann, den sie sich zum intellektuellen Urheber und Anstifter des Mordes auserwählt hatte, Achi Meir, freizulassen. Es blieben also nur mehr die manuellen Täter — Stawsky und Rosenblatt, der Leuchter und der Schießer. Achi Meir wird zwecks der infernalischen Beschuldigung einer Verschwörung (Brith Birjonim), gefesselt und in Reserve gehalten. Wenn wir nun das Plädoyer des britischen Staatsanwalts Trusted mit dem des Verteidigers Horace' Samuel konfrontieren, erhellen wir gleichzeitig die Hintergründe und Absichten dieses Prozesses, den Stawsky gelegentlich einer Zeugenaussage intuitiv als eine Variante des hitleristischen Reichstagsbrandprozesses bezeichnet hat. Herr Trusted verlangte den Galgen für Rosenblatt und Stawsky hauptsächlich auf Grund der Zeugenschaft der Sima Arlosoroff, die sich für die ganze Welt als lügnerische, hysterische, leicht beeinflußbare und moralisch feige Frau enthüllte; des Cohen, der ein abgestrafter Polizeispitzel ist; des Öscher C h a s a n, dem es am die Ergreiferprämie ging, des Arabers Abdul Medschid, der seinem Volksgenossen Lufti den Kopf abschnitt und zur Zeit int Gefängnis sitzt; der Spurenkenner Abu Ruz und Abu Regaig, die nicht einmal imstande sind, eine primitive Zeichnung anzufertigen, nicht zu reden von ihren unter Polizeiassistenz. bewußt falschen Expertisen; des Protokolls von Kfar Saba, wo Rosenblatt die Mordnacht verbrachte. Der Sachverhalt war klar. An der Völligen Unschuld der beiden Juden konnte nicht mehr gezweifelt werden. Kein Staatsanwalt der Welt würde gewagt haben, mit solch fadenscheinigen, wahllos zusammengetragenen „Indizien" vor ein Kriminalgericht zu treten, kein britischer Staatsanwalt die Stirn haben, einen Briten auch ur 24 Stunden lang zu verdächtigen, und dennoch . . -. Horace Samuel, der Verteidiger, legte Steinchen neben Steinchen, brachte ein Mosaikbild zustande, in dem es keine Lücke — weder eine substantielle noch eine intellektuelle — gab. Die Polizei, begründete er, hat ein Interesse;; gehabt, um jeden Preis einen Mörder ausfindig zu machen, nachdem ihr jahrelang nicht gelungen war, i arabische Mordtaten an Juden aulzudecken, und nachdem ihr Prestige auf ein Minimum gesunken war. Früher, in Dingen nachweisbar arabischer Mörder, war die britisch-arabische Polizei lässig, gleichgültig, von zynischem Leichtsinn. Diesmal wollte sie sich Opfer holen, wurde „gewissenhaft", fälschte einen Affektmord in einen politischen um, wobei sie den zwischen den Arbeiterparteilern und Revisionisten be« stehenden Gegensatz für ihre Zwecke ausnützte. Die Polizei der Mandatsregierung hat gesetz«; widrige, frivole, schändliche Handlungen begangen.; Protokolle, Dokumente, Corpora delikti sind ver- \ schwunden, Alibizeugen feindselig behandelt, Stawsky; 'i geprügelt worden. Frau Sima Arlosoroffs 100 Prozent Stawsky traf am 16. Juni 1933 um 6 Uhr nachmittags aus Tel-Awiw in Jerusalem ein, am gleichen Nachmittag kam Dr. Arlosoroff nach Tel-Awiw. Wie konnten Stawsky und Rosenblatt, die einander nicht kannten und in weit von einander liegenden Orten wohntent miteinander in Verbindung treten und wissen, wo Arlo« soroff den Abend verbringen werde? Sima Arlosoroff erzählt von einem Leuchtenden und einem Schießenden, konnte nach Aussage des Sachverständige» das Gesicht weder des einen noch des anderen sehen» fühlte aber dennoch etwas Unheimliches, wobei sich füf

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