Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 371 (8.6.1934)
- Date
- 1934-06-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 371 fi>er Arlosoroff* Mordprozeß Geyen Hereinziehung politischer Momente In der Verhandlung am 1. Juni wandte sich der Vorsitzende, Richter C o r r i e, scharf dagegen, daß der Verteifiiiger Horace Samuel durch die Art, wie er das Kreuzverhör führe, den Eindruck zu erwecken suche, daß die Histadruth aus dem Arlosoroff-Fall politisches Kapital gegen die Revisionisten schlagen will. Der Vorsitzende erklärte, diese politischen Fragen gehörten Uberhaupt nicht zur Sache. Den Anlaß zu dieser Bemerkung des Vorsitzenden gab die Vernehmung de3 Misraohi-FUhrers Rabbi J. L. F i s h m a n, an den der Verteidiger Fragen, betreffend die politischen Verhältnisse Im Zionismus zur Zeit des Arlosoroff-Mordes, gestellt hatt?, Rabbi Fishman erklärte, die, politischen Verhältnisse im Zionismus seien nicht so zugespritzt gewesen, daß sie Revisionisten veranlassen konnten, einen Führer der Histadruth zu ermorden. Es wurden dann noch sechs Zeugen vernommen. Brith Habirjonim-Prozeß am 12. Juni Aus Jerusalem: Wie offiziell bekanntgegeben wird, wurde der Prozeß gegen die wegen Zugehörigkeit zu dem revisionistischen Geheimbund Brith Habirjonim angeklagten Personen, unter ihnen den im Arlosoroff-Prozeß freigesprochenen, aber weiter in Haft gehaltenen Revisionistenführer Abba Achi-Meir, auf den 12. Juni angesetzt. Rassentypen der Juden Die Wiener Anthropologische Gesellschaft hat im Verein mit der Gesellschaft für Rassenkunde unter Leitung von Hofrat Prof. Dr. Wagner- Jauregg Versammlungen veranstaltet, in denen wissenschaftliche Forschungen, die in der letzten Zeit in Wien über das Problem der jüdischen Rasse vorgenom* men wurden, diskutiert wurden. Die Arbeiten wurden durchgeführt von Frau Hella P ö c h, der langjährigen Assistentin ihres verstorbenen Gatten, des Anthropologen Professor Dr. Raimund Pöch, und von dem Assistenten des Anthropologischen Instituts Dr. Robert R o u t i 1. Maßgebend waren dabei die in Wien ausgebildeten Methoden der Messungen und Beobachtungen, wie sie auch schon Professor Pöch an den Buschmännern der Wüste und an den Kriegsgefangenen erprobt hatte. Es waren schon früher auf langen Forschungsreisen im Jemen Aufnahmen und Messungen an Arabern und Juden gemacht worden. Dieses Material wurde den Wiener Forschern zur Verfügung gestellt, die es dann noch erweiterten. Das vorläufige Ergebnis geht dahin, daß mindesten« sieben verschiedene Rassentypen sich unter den Juden vereinigt finden und daß die Weiterführung der Arbeit wahrscheinlich noch weitere Typen ergeben wird. Die jemenitischen Juden (Südarabien), von denen die Forschungen ausgingen, besonders in den Oasen, haben ein sehr altertümliches Aussehen. An ihre Rasseneigentümlichkeiten anknüpfend, läßt sich eine Gliederung auch unter den anderen Judengruppen vornehmen, die alle bisherigen Deutungsversuche korrigieren. Es hat sich gezeigt, daß die Juden Elemente von Rassen aufbewahren, die längst ihren ursprünglichen Siedlungsraum verlassen haben. Dahin gehören namentlich zwei altsemitische Rassen: 1. die alten Kanaaniter, deren Spuren sich heute noch unter den Samaritanern in Palästina finden. Sie sind groß, hochgewachsen, großnasig und mittellangköpfig; 2. die akkadische Rasse, das sind die Babylonier und Assyrier Mesopotamiens; mittelgroß, mit konvex gekrümmter „Sechsernase". Einige Rassen sind den Juden besonders eigen und finden sich schon auf ägyptischen und assyrischen Reliefs. Sie sind schmalgesichtig, langköpfig* gradnasig und hochwüchsig. Heute finden sich ihre Vertreter besonders unter den spaniolischen Juden. Besondere' Judentypen findet man dann auch wieder in Marokko, mit kleiner konvexer Nase, schmalem Gesicht und langköpf ig. Auf die rassenmäßig verschiedenen „Ostjuden" und „W e s t j u d e n" dürfte die syrischaramäische Kurzkopfkomponente besonderen Einfluß genommen haben, die wiederum den Juden des westlichen Mittelmeerbeckens vollkommen fehlt. Das fremde Blut haben die Juden schon in Palästina; dem bevorzugten Durchzugsland fremder Völker, aufgenommen, dann aber wieder auf ihren eigenen ausgedehnten Wanderungen. Hettiter, Amoniter lassen sich nachweisen. Ihre späteren Wohngebiete in Südosteuropa haben neue Elemente hinzugefügt. Die weitere Forschung wird nun dahin gehen, jedes dieser Elemente von dem eigentlichen orientalischen Grundstock herauszuerkennen. Alle diese Kennzeichen fanden sich schon an Schädeln und Bildwerken vor 5000 Jahren und sind heute genau so nachzuweisen. Wir sehen, daß die Typen Dauertypen sind. Seit Tausenden von Jahren sind keinerlei Grundveränderungen an den Menschenrassen vorgekommen, sondern lediglich Vermischungen. Die Rassenmischung der Juden weist die Merkmale orientalischer Völker auf, die selbst aber wieder dem Norden entstammen. Sie enthalten aber auch Rassenmerkmale nordafrikanischer Berber, abessynischer Neger, alter ägyptischer Rassen und schließlich auch Rassenmerkmale, die aus der Vermischung mit allen europäischen Völkern zu erklären sind. Aus Rumänien Aus Bukarest: Die jüdischen Studierenden der Universität Bukarest haben eine Eingabe an den Ministerpräsidenten Tatarescu gerichtet, in der sie Klage führen darüber, daß sie durch antisemitische Umtriebe an dem regulären Besuch der Vorlesungen gehindert werden. Jetzt vor den Prüfungen wäre die Situation noch alarmierender geworden. Eine Gruppe cuzistischer Studenten hindere die jüdischen Kandidaten, sich zur Prüfung einzuschreiben, dabei würden die Juden verprügelt. Der Ministerpräsident wird gebeten, Maßnahmen gegen die Terrorisieru^g jü^isc]ier Studenten, zu treffen. DIE NEUE WELt Seite 7 1 3efct mfiffett 6ie laufen! Seber Cctnfauf — fdjafft Arbeit! Um Arbeit 511 föaffen, mufe baber btc Äaufhift befonbers äußerest werben:, Dtefem 3roecfe bient btc „SBIaue^Slbler^otfie" (3. bis 10. 3uni). 93efonbers günstige Singebote in allen ÜBebarfc* moren follen alle Sparsamen oeranlaffen, fegt iljre ©tnfäufe 311 beforgen. Sßte immer, ift aud) btesmal Stfjiff* manne 2ßarenr)aus ber Sparsamen in © i 11 i g f e i t führenb. 3111c Slbtetlungen bringen aafilretcrje „Sommer* Sdjlager" flu greifen, bie fo unglanblirf) billig finb, baft fie <jum Kaufen jjtöingen. Ccine gro&e Slustoafjl in neueften 2Bafä> unb Seibenftoffen, enljudenbc mobertte Sommerfletber, £üte, Gcfjuljc, iöabcartifel, 213äfä)e, Herren* (letbung uftü. in jeber Sualttät unb Preislage, jebem Stebarf unb ©efcfjmad* entfpteä)eub, ermattet Sic. Einige ^U-eisbetfaMck: ©etöefcte $trnblftoffe, neue 9Jiufter, licf)tunb roaftfjecfjt...... ... . . .. „' . "S —.98 ßeinenartige 5ßoile, oiele |d}öue neue 2ttufter......<.........., . 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Sd)aftDollj58abean3ug für Tanten, ein; ober 3tr>etfärbig............S 5.90, 3.90 T)amen=Sd)afroolltrifot, ftm^fpangenoerferjlufo, fcfjtoere Qualität ........... S 5.80 3)ümeniStranb^rjiama, 3töctteilig ($öfe unb 5ßlu[e)...............S 4.50 2einen=s£abefü)uf)e (ober (Summt), alle gatben unb (Sräfeen . . . . <...... . S —.98 ftrottiersSßabemöntel für 3)amen unb Herren......, ......S 12.50, 9.80, 7.90 WHc, bie fparen motten ober muffen, laufen jetjt alles für Stabt unb'Ganb, für 33ab unb Straub 3U fenfationell billigen greifen bei Sd)tffmaTtn, II., Saborftrafee 48. gSoftoerfanb. per 9lad)nahme. : Als Professor für Geometrie am Bukarester Polytechnikum ist Ernest A b a s o n berufen worden, dessen Werk „Elemente der Mechanik" soeben von der Rumänischen Akademie preisgekrönt wurde. Gegen die Berufung Abasons, der Jude ist, protestiert „Tara Noastra", das Blatt des früheren Ministers Goga, und schreibt, die Berufung „eines Fremden unseres Volkes" werde eine „dauernde Beunruhigung der für dienationale Idee entflammten Jugend" bilden. Die Zahl der Schweizer Juden Aus Z ü r i c h: Der Direktor des Eidgenössischen Statistischen Amtes, Dr. Carl Brüschweiler, teilte auf der letzten Tagung der Schweizerischen Statistischen Gesellschaft mit, daß „die Juden nach der letzten Volkszählung mit 0,4 Prozent Anteil an der Gesamtbevölkerung eine noch kleinere Minderheit bilden als vor 10 oder 20 Jahren". 1920 bildeten die Juden mit 20.955 Seelen noch 0,54 Prozent der Vier-Miilionen- Bevölkerung der Schweiz. Warum Stephens ausgewiesen wurde Aus London; Der Berliner Vertreter des Londoner „Daily Express", P e m b r o k e Stephens, ist aus dem deutschen Reichsgebiet ausgewiesen worden. Das offizielle Deutsche Nachrichtenbüro begründet diese Maßnahme damit, daß Stephens „in. entstellender und frivoler Weise über deutsche Verhältnisse berichtet" und versucht hat, die „guten Beziehungen zwischen Deutschland und anderen Ländern" zu stören. Stephans hatte im „Daity. Express" eine Schilderung der jüdischen Tragödie in Deutschland veröffentlicht, die überall in der Welt einen erschütternden Eindruck gemacht hat. Er schrieb: ... In der Kantine eines sehr bekannten Berliner Warenhauses, in dem auch Juden beschäftigt sind, befindet sich folgender Anschlag auf dem Brett: „Im Mittelalter war es üblich, Frauen, die sich des Verkehrs mit Juden schuldig gemacht hatten, an den Pranger zu stellen. Wir raachen die Frauen in diesem Geschäft darauf aufmerksam, daß sie ein ähnliches Geschick ereilen wird, wenn ihr Verkehr mit Juden nicht sofort aufhört" Jüdischen Gefangenen werden in Zukunft an religiöses Feiertagen keine rituellen Speisen mehr gestattet werdn. Die Juden in Bayern dürfen die Schwimmbäder nicht besuchen; ' Eine jüdische Synagoge ist in Ostpreußen mit Schmutz besudelt und entweiht worden und jüdische Friedhöfe werden ständig überfallen. Die kleine , Stadt Arnswalde in Pommern ist typisch für den heutigen deutschen Antisemitismus. Ich habe die Holzplanken gesehen, die aufgenagelt worden waren, um die zerbrochenen Fensterscheiben in der Synagoge und ixi den jüdischen Häusern zu ersetzen. Ohne ein Warnungswort waren um Mitternacht von Nazitruppen alle Fenster der jüdischen Geschäfte, der Synagoge und der jüdischen Wohnungen zerbrochen worden. Die deutschen Kinder nahmen sich am nächsten Morgen auf ihrem Schulweg Zahnpaste, Seife und Schwämme mit, die unter den Trümmern einer jüdischen Apotheke lagen, während die Eltern und Lehrer zusahen. In einer Groß-. Stadt kann sich der Jude verbergen. In einem Dorf ist <:r isoliert, und preisgegeben. Leute, die seit 50 Jahren mit Juden befreundet waren, grüßen ihre alten jüdischen Freunde nicht mehr^ wenn sie ihnen im Dorf begegnen. Jüdische Kinder werden von ihren früheren Schulkameraden boykottiert, als ob sie die Pest hätten. Bauern, die von dem kleinen jüdischen Handelsmann in demokratischen Zeiten gern Geld borgten, nehmen ijhffi SchHldfia nipJUt ft.rnst, und Sturmtruppen stehen vor den Toren jüdi.scher Kinos, um die Besucher zu verscheuchen. Die deutschen Juden leben von ihrem Kapital, aber die Ersparnisse werden bald erschöpft sein und dann wird die e i g en 11 ich e Tr a g ö di e beginnen. Armut und Verfolgung haben die deutschen Juden geeint. Beweise über Ermordungen von Juden sind äußerst schwer zu erhalten, die Leute fürchten sich zu enthüllen, was sie wissen, und emphatische Dementis werden unweigerlich von der Q e« h e i m p o,l i z e i geliefert ... mS-r. Hitler kann auch anders; Aus Paris; Vor dem Pariser Gericht begann der Prozeß . des Münchener Verlegers des Buches Hitlers ,;Mein Kampf" gegen einen Pariser Verlag, der ohne Erlau b'ri i s des Autors eine französische Uebersetzung des Buches herausgab, um die französisphe. Oeffentlichkeit über die Gefährlichkeit der Hitlerschen Ziele aufzuklären. Der Advokat des : Pariser Verlages erklärte, in jedem Staate sähe die Uebersetzung des Buches Hitlers anders aus. So, zum Beispiel. habe Hitler in der englischen Ausgabe,.die Ausführungen über die Juden, in der, i t a 1 i e ni s c h en' Ausgabe die Stellen über den An- Schluß Oesterreichs usw, streichen lassen. Deutschland bezahlt die Nazi-Propaganda in USA. Aus Washin.gton: Die Zeitungen berichten in großer Aufmachung, über die erste Sitzung; der Untersuchungskommission des Washingtoner Repräsentantenhauses über die H i 11 e r - P r 0 p a g a n d a, welche von den diplomatischen und. Konsularbehörden Deutschlands in den Vereinigten Staaten betrieben wird. Pastor Francis Groß, ein amerikanischer Priester unga* rischer Abstammung, der Verfasser der Broschüre „Gerechtigkeit für Ungarn, Deutschland und Oesterreich", er? klärte in seiner Zeugenaussage, daß ihm. der deutsche Botschafter in Washington, Dr. Luther, die Finanzierung seines Buches zugesichert und daß ihm der deutsche Generalkonsul in New York, Otto Kiep, das. G e 1 d a u sgefolgt habe. Der Vertretereines publizistischen Büros, Karl D i c k e y, erklärte, Generalkonsul Kiep habe ihm .4000 Dollar für die Verbx*eitung günstiger Nachichten.« über die Nationalsozialisten gegeben. Nazi-Terror in Brasilien Aus Rio de Janeiro: Die brasilianischen Blätter berichten über eine .wachsende Hi11 e r- Pr0paganda in Brasilien und^, eine systematische Spionage t a t i g k e i t von Agenten Hitlers gegen deutsche Staatsangehörige in Brasilien, denen mit Repressa- 1 i e'n an deren in Deutschland lebenden Eltern und anderen Verwandten gedroht wird, falls sie sich nicht im nationalsozialistischen Sinne in Brasilien betätigen, Ein neues HerzI Buch Zum dreißigsten Todestage Theodor Herzls erscheint im Fiba-Verlag „Theodor Herzl, Des Schöpfers erstes Wollen", von Josef Frankel. Aus. dem Inhalt: „Causa Hirschkorn", „Was wird; man sagen?" „Der Flüchtling", „Wilddiebe", „Tabarin'V „Prinzen aus Genieland", ,1 love you", „Jakob Herzl"; Dokumente der Polizeidirektion und des Statthaltereipräsicliums über „Das neue Ghetto", „Theodor Herzl in der! akademischen Burschenschaft .Albia"* und vieles andere^ Das Buch ist reich illustriert und bringt Reproduktionen bisher unbekannter Briefe, Karikaturen usw. Dio Kleideiötello der Fürsorge-Zentrale bittet dringendst um Zuweisung von brauchbaren BeWeidungsgegensttinden jeder Art, Wäscjie. Schuhe usw.. für Männer, Fnuien und Kinder. Telephonische oder schrietliche Benachrichtigung erbeten an dff Fürsorge-Zentrale der isr. Kultussemeinde Wien, I.. Seiten» ^« Üb TeJL l^<$t di« Ab^ung veranlaßt«