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Die neue Welt · 1934-05-31 · Heft 369 (31.5.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 369 (31.5.1934)
Date
1934-05-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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fltaefc 20 Groschen lahrgang 8 Donnerstag/ den 3 lv Mai 1034 NEUE Nr« 349 V* »♦ Zeitung vom Verleger versende! -Tonrnal exDe*die* Dar l'€diteut% »Journal expe"di6 par Titl. Universit«tsbi> BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30. vierteljährig S 4.—,?anzj;ihrif? S16.-;Folen monatlich Zloty 2.-, vierteljährig Zloty 6.— Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.-; Bulgarien monatlich Lewa 40.-, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire Ii.—; Schweiz und die übr igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, leL A-20-2-78 — ErscheintDienstag und Freitag REVUE Der Juden§laat§gedanke am Wendepunkt Von den politischen Tribünen ertönen Worte, die alles eher als eine friedliche Entwicklung bedeuten. Iii R o m sprach Mussolini von einer Konstellation, die sich zu einem Krieg verdichten könne. In P a r i s erklärte Barthou, daß es größter Zurückhaltung und Opferbereitschaft bedürfe, um die gegenwärtig vorhandenen Spannungen nicht zu Explosionen kommen zu lassen. In Genf scheut man sich, die Fülle ungelöster Fragen in ihrer brutalen Wirklichkeit der aufhorchenden Welt zu präsentieren. Die Problematik der geschichtlichen Situation war nie so gefährlich wie heute. Immerhin aber gibt es noch ein Forum, den Völkerbund, der wenigstens staatsrechtlich und theoretisch in die großen Weltprobleme eingreifen kann. Wir Juden sind gewiß nicht so blind, um zu verkennen, daß man in diesem geschichtlichen Umbruch, in diesem rings um uns geführten politischen Kampf, über uns zur Tagesordnung übergehen wird, wenn wir nicht selbst den Bewegungen und Spannungen unsere ei gen? Frage, unser eigenes Sein entgegenstellen. Die Entscheidungen, die. in der nächsten Zeit — ob auf friedlichem oder kriegerischem Wege — getroffen werden, müssen auch unser Schicksal mitbestimmen: Hier, in der Z e r s t r e u u n g, dort im jüdischen Palästina. Man braucht nicht im einzelnen darzustellen, Welche Zusammenhänge zwischen den Weltgeschehnissen und der Judenfrage, dem jüdischen Sein in der Welt, bestehen. Jeder weiß, daß Veränderungen der Machtverhältnisse im Bereich der Staaten sich auf unsere Lage auswirken, ja sogar unsere Lage v e rs'chärfen müssen. Wir haben diese Erfahrungen in allen Ländern gemacht, in denen sich ein grundlegender Wechsel der Regierung vollzog; die Erfahrung wird sich wiederholen, wenn neue internationale Gruppierungen auftreten. Es gab eine Zeit, wo die Grundlage der zionistischen Bewegung, der Judens-taatsgedanke Herzls, unser Verhältnis zur internationalen politischen Konstellation bestimmte. Die zionistischen Führer Weizmann, Sokolow, Ussischkin bedienten sich damals dieses Gedankens, dieser Substanz, als sie nach dem Weltkrieg, inmitten der Neuordnung der Dinge, den Völkern das jüdische Gesicht malten. Es war der Einheitsgedanke des jüdischen Volkes. Etwas Anderes, Besseres, Ueberzeugenderes, Legaleres hatten Wir nicht. TJnd .der Glaube an diesen Herzischen Judenstaatsgedanken war es, der den eben genannten Wortführern die Kraft gab, für das jüdische Volk jjror dem Forum der Völker zu sprechen. Alle Krisen, innere und äußere, wurden überwunden, solange der Herzische Judenstaats« gedanke und der Glaube an ihn in den Herzen der zionistischen Wortführer dominierte. Die Zionistische Organisation, die Vereinigung jpjler Juden, die eine Repatriierung des jüdischen iVolkes in Palästina anstreben, konnte sich als legitime Vertreterin dieses Strebens ausgeben; allerdings nur bis zu dem Augenblick, wo keine anderen Tendenzen und keine anderen Aspirationen ihr U n- Wesen trieben. Im Augenblick, als die Judenstaatsidee mit hlassenkämpferischen und binationalen Anhängseln Vermengt wurde und schließlich dieser Ballast zum Hauptträger der Organisation avancierte, war es Schluß mit der großen Zielsetzung. Die Ti'agik begann. Spaltungen setzten ein, ein Jagen nach parteipolitischen Vorteilen untergrub die Autorität des einzigen Instruments, welches das jüdische Volk auf seinem Weg zur physischen und seelischen Regeneration besitzt — die Autorität der zionistischen Agency, bis schließlich das Bild entstand, das wir heute vor uns sehen: Unsere „Führer" haben den Glauben an Herzls Judenstaatsidee und an deren wunderwirkende Kraft verloren. Es ist ein Charakteristikum unserer Tage, daß die Herren, denen das Schicksal des zionistischen Werkes anvertraut ist, sich ihre Herrschaft durch Niederhaltung wertvoller zionistischer, aufbauender Elemente sichern wollen, ohne Rücksicht auf das Ganze. So hat sie den traurigen Mut aufgebracht, der Gruppe, welche den Herzischen Judenstaatszionismus in reinster Form vertritt, der Judenstaatspartei, die vollen organisatorischen Rechte als Sondergruppe streitig zu machen. In dem empfindlichsten Moment unserer Volksgeschichte müssen wir eines einheitlichen, geschlossenen, judenstaatlerischen Willens entbehren. Es ist naiv, zu glauben, daß solch ein Zustand ohne Gefahr für das jüdische Volk und für das n a t i o n a 1 j ü d i s c h e G e baad e vorübergehen Beachten Sie Prei'§aus§direiben Seite 5 Erzählung von §♦ Sdincur Seite s BaIkan?Spei§en am Ro§l und feinste Wiener Küche im Spritzer* Restaurant (ehemals Zöllner) ■■■■■■ rll,llaifliner-Purosta]l-Gassi!7v!DSad, Dalmatiner Weine Bürgerliche Preise jetzt n u kann. Es ist aber auch naiv, zu glauben, daß die Mächte, welche die Neuordnung hier und dort vollziehen, uns als Partner berücksichtigen werden, wenn, die Autorität des judenstaatlerischen Willens fehlt. Wird die zionistische Organisation, wird deren Leitung den Sinn der Stunde verstehen? Wird sie die Wünsche und Hoffnungen des jüdischen Volkes in den düsteren Tagen seiner Geschichte verantwortungsbewußt vertreten können? Solange die zionistischei Exekutive nicht den engherzigen, parteipolitischen. Aspirationen entsagt und den Herzischen Judenstaatsgedanken in den Mittelpunkt des jüdischen Rechtes stellt, sind wir den Wellen des weltgeschichtlichen Geschehens'widerstandslos preisgegeben; . . Ifalieni§die Betrachtungen zu Bsalik§ Hitler*Kritilc Gehässige Worte über den Zionismus (Von unserem italienischen Mitarbeiter.) Seit einiger Zeit läßt sich in einem Teil der italienischen Presse ein antisemitischer, ja ein antizionistischer Ton vernehmen, obwohl noch vor kurzem von den Vorgängen in Deutschland als von „barbarischen Judenverfolgungen" und von einem „mittelalterlichen Regime" die Rede war. Da nun aber dem faschistischen Regime ein primitiver Antisemitismus nicht paßt, versucht man eine Konstruktion zu machen, die zur antisemitischen Pointe führt: Man erklärt einfach, daß der Zionismus ein anderes .Vaterland erstrebe und daher nationaler Verrat sei. Man könne sich nicht für Bürger mit „doppeltem Gesicht" einsetzen. Es gibt bereits einen faschistischen Kommissär, der das Judentum kontrolliert . . . Die Angriffe gegen den Zionismus eröffnete das Parteiorgan „Regima fascista", das ganz offen erklärte; „Wenn ihr, italienische Juden, bei uns nicht den Antisemitismus hervorrufen wollt, sagt euch von eurem Zionismus los . . ." Aber diese Stellungsänderung des italienischen Faschismus hat seinen äußeren Grund, seine Vorgeschichte. Ich habe am 20. April d. J. von einem Vorfall berichtet, der geeignet war, den Zionismus schwer zu kompromittieren. Es handelte sich um ein an der Schweizer Grenze beschlagnahmtes antifaschistisches Material, das eine antifaschistische Gruppe, welche zum größten Teil aus jungen Juden bestand, nach Italien schmuggeln wollte. Die römische Tageszeitung „II Tevere" setzte damals mit einer antijüdischen Attacke ein, die „Gazetta del-Popolo della Sera" setzte die Hetze fort und so gab Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Zionisten - Revisionisten Misrachi Judenstaatspartei Die oben genannten Organisationen veranstalten Montag, am 4. Juni, um halb 9 Uhr abends im Festsaal des Hotel Continental, 11, Taborstraße 6, eine Große Protestkundgebung gegen die SpClTC PclIclSllltllS durch die Palästina-Regierung Redner: Oberbaurat Robert Stricker, Dr. David Bukspan, Kultusrat Dr. M. Rotenberg u. a. Juden/ erscheinet in Massen! Es geht um Euer Reeht und Eure Zukunft! es plötzlich für die italienische Presse ein Objekt gehässiger Angriffe und Verleumdungen — den Zionismus, Zu den Angreifern gesellten sich dann auch noch die italienischen Assimilanten, die — wie ihre Artgesinnten in anderen Ländern — sich als die einzigen jüdischen Patrioten aufspielten. Wie ich in einem zweiten Bericht (Nr. 361 vom 1. Mai) feststellen konnte, hat die Aufdeckung und Verhaftung der jüdischen antifaschistischen Gruppe in Turin zu einem Stimmungsumschwung gegenüber den Juden geführt. Zu all diesen Vorgängen hatte Mussolinis Organ „Popolo d'Italia" bisher geschwiegen. Und nun, ganz plötzlich, erscheint in diesem Organ ein den schreienden Titel „Hitler und Jehova" tragender Artikel, der nicht mehr und nicht weniger ist, als eine Antwort auf eine Betrachtung Ch. N. B i a 1 i k s über Hitler-Deutschland (seinerzeit in unserem Blatt veröffentlicht!); eina Antwort allerdings, die sich in ihrer Polemik höchst unsauberer, niedriger und billig-antisemtischer Argumenta bedient. Man wird sich an die Worte erinnern, die den hebräische Dichter Bialik über den Hitlerismus und seine Folgen für die Judenheit gesprochen hat. Diese Worte, zuerst im New Yorker „Morning Journal" erschiene^ haben die Rundreise über die ganze Welt gemacht und sind auch nach Italien gekommen. Und da der Herausgeber des „Popolo d'Italia" sich im komplizierten jüdischen Problem nicht auskennt, hat er Bialiks Betrachtung mißverstanden. Bialik hat damals gesagt, daß der Hitlerismus in gewissem Sinne von wohltätiger Wirkung sei, da er viele Juden zu ihrem Volk zurückführe und den jüdischen Aufbau Palästinas durch das Vertreiben der Juden aus Deutschland beschleunige . . . Daa war natürlich nur die eine Seite der Kritik des deutschen Hakenkreuzes. Nichtsdestoweniger schreibt der „Popolo d'Italia" in.bezug auf Bialik: „In Tel-Awiw könnt ihr nicht nur Zionisten finden, sondern auch Propheten und prophetische Dichter. Ich weiß nicht, wozu wir jetzt diese paradoxalen Propheten nötig haben, aber sie sind tatsächlich vorhanden, und unter ihnen gibt es dort einen, den die jüdische Presse einen „Dichterpropheten" nennt, Ch. N. Bialik» dessen Name allerdings nicht in die hebräische Nomenklatur hereinpaßt." Dann zitiert das Blatt jene Stellet wo Bialik sagt^

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