Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 365 (15.5.1934)
- Date
- 1934-05-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 365 Arlosoroff-Mord und machte ihm das Angebot von 1000 Pfund, wenn er die Schuld auf sich nehme. Der Regierungsanwalt Musa el Alami fragte hier Zablawi: „Wer trug Ihnen auf, Abdul Medschid dieses Angebot zu machen?" Zablawi nannte den jüdischen Polizisten U r p h a 1 i, der seinerzeit im Zusammenhang mit den August-Unruhen 1929 wegen Tötung von zwei Arabern verurteilt worden war, und erklärte, ihm seien 500 Pfund zugesichert worden. Er erzählte weiter, Stavsky und Rosenblitt hätten Medschid genau instruiert, wie er den Mord an Arlosoroff schildern solle. Medschid hätte ilim darüber genaue Mitteilungen gemacht und er, Zablawi, habe dem Captain Rice alles erzählt. „Noch ein anderer Mord" Jetzt nahm Verteidiger Samuel den Zeugen Subhi Zablawi ins Kreuzverhör. „Erinnern Sie sich," fragte er ihn, „daß Medschid, von einem „bedeutenden jüdischen Doktor" sprach?" Zablawi: „Ja." Samuel: „Sagte Ihnen nicht Medschid, daß, wenn Issa Darwish die Teilnahme am Lutfi-Mord leugnet, noch ein anderer Mord da ist, den die beiden begingen?" Zablawi: „Ja." Samuel: „Fragten Sie Medschid, welcher zweite Mord gemeint ist?" Zablawi: „Dies ist in dem Protokoll meiner Aussage verzeichnet." Samuel verliest nun Subhis Aussage. „Medschid gab zuerst nicht zu, Lutfi ermordet zu haben, weil er hoffte, daß dieser Mord, wie ein ähnlicher früherer Mord, unaufgeklärt bleiben wird." Auf Samuels Frage bestreitet Subhi, Medschid ermahnt zu haben, sich dfcs Datum des Arlosoroff-Mordes zu merken, bs~ stätigt aber, daß Medschid ihm bestimmt gesagt hat*, daß Issa eine Nickel-Ross -Waffe besitzt. 2?r wisse nicht, warum Medschid nicht gleich gestand, Lrfi ermordet zu haben. Richter Corrie verlas aus dem Polizeiprotokoll ü'our Subhis Einvernahme die folgende Stelle: „Medschid sagte mir, daß sein jetziges Verbrechen ebenso unaufgeklärt bleiben wird wie ein früheres." Subhi erklärt nun vor Gericht: „Ja, Medschid sagte mir diese Worte im Gefängnis." Samuel: „Sagte er Ihnen, daß der frühere Mord in Tel-Awiw begangen wurde?" Als Antwort verliest Corrie die bezügliche Stelle aus Subhis Aussage vor der Polizei: „Medschid sagte mir, es war der Arlosoroff-Mor d." Von Samuel ins Kreuzverhör gezogen, wiederholte Subhi Zablawi die Schilderung Medschids, wie er, Medschid, über den Mord aussagen werde, und fügte hinzu: Medschid sagte noch, er und Issa haben, als sie Arlosoroff und Sima zur Baracke folgten, Sima sagen hören, sie fürchte sich, sie sollten nun zurückkehren. Medschid und Issa folgten ihnen weiter. Medschid leuchtete und Issa feuerte." Samuel: „Versuchte der jüdische Mann, Issa den Revolver zu entreißen?" Subhi: „Ja." Samuel: „„War es Issa, der feuerte?" Subhi: „Ja. Die Frau schrie auf und der Mann fiel hin." Samuel: „Sagte Ihnen Medschid, daß er nach Transjordanien zu fliehen gedachte?" Subhi: „Ja. Ich habe der Polizei auch erzählt, daß Medschid mir sagte, er wolle den Arlosoroff-Mord gestehen und auch, daß Issa mit einer Nickel-Ross-Waffe geschossen habe." Samuel: „Erinnern Sie sich, gesagt zu haben, daß Medschid nicht nach Transjordanien floh, .weil er hörte, daß ein Jude als des Mordes verdächtigt verhaftet wurde?" Subhi: „Ja." Regierungsanwalt Alami: „Haben Sie in Ihrer letzten Aussage alles Obige bestritten? Subhi: „Ja; nur was ich heute vormittag aussagte, ist Wahrheit." Richter Corrie: „Sagte Ihnen jemand, was Sie Medschid beizubringen haben?" Subhi: „Ja." Corrie: „Wer sagte es Ihnen?" Subhi: „Urphali." Corrie: „Sprachen Sie mit dem einen oder dem anderen der Angeklagten über Medschids Geständnis?" Subhi: „Nein. Ich konnte nicht mit ihnen sprechen, ich ,.Sprechen Sie nicht Hebräisch?" Subhi: „Ja." Cor- Sprechen Sie nicht Hebräisch?" Subhi „Ja." Corrie: „Sind Sie nicht mit einer Jüdin verheiratet?" Subhi: „Ja, mit einer orientalischen Jüdin." Damit schloß die Sitzung. BankenkonlroIIe in Palästina Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: Regierungsexperten fordern eine stärkere Regierungskontrolle über die Bankinstitutionen in Palästina, um eine Sicherheit für die riesigen Einlagegelder zu gewährleisten. Nach den zur Zeit geltenden Gesetzen kann jeder auch mit wenig Kapital ein eigenes Bankhaus errichten. Die Kontrolle der Regierung ist sehr milde und es fehlt der Schutz gegen etwaige Zusammenbrüche. Diese milde Haltung der Palästina-Regierung hat dazu geführt, daß es jetzt in Palästina über 150 Banken gibt, die bedeutend mehr Einlagegelder besitzen, als ihr eigenes Kapital beträgt. Unter diesen Banken gibt es auch einzelne mit ausgesprochenem Spekulatlonseharakter, die Geld gegen hohe Zinsen verleihen oder Hypothekarkredite oder Kredite auf Neubauten geben. Da anzunehmen ist, daß viele Häuser in Palästina an Wert verlieren werden, noch bevor die Hypotheken abgedeckt sind, sind die Regierungsexperten der Ansicht, daß die Regierung Mittel zum Schutzder Depositen ergreifen müsse, da sonst die Gefahr bestünde, daß die kleineren Banken im gegebenen Moment nicht in der Lage wären, den Einlegern Ihr Geld zurückzugeben. Die Palästinaregierung beschäftigt sich jetzt mit dieser Frage und hat eine spezielle Kommission mit der Aufgabe betraut, Maßnahmen zur Regulierung des Bankwesens auszuarbeiten. Gewisse Kreise verlangen, daß die Zeitungen keine Bankinserate annehmen dürfen, in denen nicht das Eigenkapital der Bank angeführt ist. Auf diese Weise soll das Publikum In die Lage versetzt werden, zu beurteilen, ob sie dieser und jener Bank vertrauen soll oder nicht. * In unserem Blatt vom 4. Mal 1934 hat der Bankier Hermann Ellern (Tel-Awiw) in einem Aufsatz „Zins, Geld und Kapital in Palästina" ein Bild der 'Anlagemöglichkeiten in Palästina gegeben und auf die Notwendigkeit einer Organisation des Bankwesens hingewiesen. Er hat ausgeführt, daß ein gut funktionierender Kapitalmarkt für das Wirtschaftsleben des Landes unerläßlich sei. In diesem Sinne könnte sich die in der vorliegenden Meldung erwähnte Bankenkontrolle günstig auswirken. Zweifellos nämlich bedarf das palästinensische Bankgeschäft einer Umgestaltung. Die brachliegenden Gelder müssen zu Investi- \ -^EPHIPt^Ä % DIRNDL ~ \iniito<wbwJenmiX \X.Sydm u>ugVe Sommerkleidung der Dame: e«9o K.-S.-FLAMISOL-BLUSE Mattqualität, reich m. Handajour S Jugendl. SOMMERKLEID aus K.-S;- 4 y|'90 Mongol-Imprime\ fesche Rüschenf. S lf« CRftPE-MONGOL - NACHMITTAGSKLEID mit aparter PlissGgarnitur, moderne Blumen- oder Streifendessins .... 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Arabische Arbeifer in den jüdischen Planlagen Aus Jerusalem: Die Jewish Agency hat eine Untersuchung über die Zahl der in rein jüdischen Orangenplantagen Palästinas beschäftigten arabischen Arbeiter angestellt, die — wie das Büro der Jewish Agency mtteilt — dasfolgende Ergebnis erbracht hat: Ende Februar 1934 waren in 1044 reinjüdisehen Plantagen 6800 jüdische und 4548 arabische Arbeiter beschäftigt. Die Araber machten demnach etwas mehr als zwei Fünftel der Gesamtarbeiterschaft in diesen Hainen aus. — Von 25 Kolonien, die zur Untersuchung herangezogen wurden, beschäftigten nur 14 aus-i schließlich jüdische Arbeiter. Jüdischer Sport Der Prophet (Elia mit dem Hakenkreuz Aus Tel-Awiw wird, uns geschrieben: Ein christlicher Araber in Jaffa, der sich mit dem Export palästinensischer Orangen beschäftigt, verfiel auf eine sonderbare Propagandaidee, die keinesfalls der Originalität entbehrt. Er ließ Papierhüllen (für die Orangen) anschaffen, welche das Bild des Propheten Elia mit dem Schwert in der Hand und mit zwei großen Hakenkreuzen zu beiden Seiten trugen. Dieser Orangenexporteur war nämlich der Meinung, daß Orangen, in solches Papier gepackt, im nationalsozialistischen Deutschland großen Erfolg haben und zu erhöhten Preisen werden abgesetzt werden können. Die Hakenkreuzler aber zeigten nicht viel Sympathie für diese Art Propaganda und ihr arabischer Verehrer mußte eine große Enttäuschung erleben. Als sich nämlich diese Orangen auf dem Hamburger Markt zeigten, erschien in den zwei großen Hamburger Zeitungen ein Artikel des Inhalts, daß die Juden in Palästina absichtlich die obenerwähnte. Zeichnung auf dem Orangenpapier anbringen ließen, um das Symbol des neuen Deutschland zu beleidigen... Auf Grund dieser Sachlage erließen die großen deutschen Orangenimporteure ein Zirkular an ihre Filialen, wonach „Vorsicht beim Ankauf, von Jaffa- Orangen aus Palästina" geboten sei und Orangen mit einer Packung nicht gekauft werden sollen, welche das neue Deutschland zu schmähen versuchen. Die Anbiederungsversuche des Jaffäer Orangenexporteurs an Hitler-Deutschland haben sich also nicht bezahlt gemacht. „Hebräisch — leicht gemacht" (Transkription). Anerkannt als einfachste (psychotechnische) Methode, Hebräisch sprechen zu lernen! 2. Auflage. — Preis: S 6.—- (kartoniert), nur gegen Vorauszahlung. „PAG", Kreditkassa und Wirtschaftsvereinigung für den Warenaustausch mit Palästina, reg. Gen. m. b. H., Wien, VI., Capistrangasse 2. Auslieferung: Montag bis Freitag, nur von 9 bis 12 Uhr. Fußball: W. A. C—Hakoah 2:0. Die jüdische Mannschaft absolvierte auch ihr letztes Meisterschaftsspiel ohne jede Ambition und mußte eine verdiente Niederlage in den Kauf nehmen. Für den W A C entschied der etwas besser spielende Angriff das Spiel. Die Tore erzielten Ludwig und Huber. Makkabi-Hasmonea-Viktoria 2 1 6:1. Ueberlegener Sieg der sich in ausgezeichneter Form befindlichen Hasmonea-Mannschaft. Die Tore schössen: Lutz (3), Heß, Wully und Ropper. Die Hockey-Meistrschäft. Hakoah gegen K. S. K. 3:2. Ausgezeichnetes Spiel der Kritzendorfer, die bereits 2 :0 führten. Der neue Meister konnte jedoch in einem prächtigen Endspurt Sieg und Punkte an sich reißen. Sämtliche Treffer der Hakoah erzielte Uli mann. Wasserball: Austria—Hakoah 7:3. In der letzten Runde der Frühjahrsmeisterschaft unterlag Hakoah gegen Austria. Hakoah nimmt mit 4 Punkten den 4. Platz ein. Die Tore warfen: Beck (2) und Mayer. Oesterreich siegt im Länderringkampf gegen Polen 14 :8. Der österreichische Kraftsportverband hatte der Ringsektion der Hakoah die ehrenvolle Aufgabe der Vorbereitung und Durchführung des Länderkampfes gegen Polen übertragen. Es war in jeder Beziehung ein. voller Erfolg, sowohl für den österreichischen Ringsport als auch für die Hakoah selbst. Der Zirkus Zentral war ausgezeichnet besucht. Der Leiter der Hakoah-Ringsektion, Grünfeld, begrüßte die Erschienenen, darunter Vertreter der polnischen Gesandtschaft, des polnischen und rumänischen Konsulates, den Vaterländischen Front und vieler anderer Organisationen. In der österreichischen Mannschaft starteten vier Hakoahner, die alle ihre Kämpfe siegreich; beendeten und so das meiste zum Siege Oesterreichs beitrugen. F i n c z u s errang gegen den Polen Dworak einen klaren Punktesieg. Dem Hakoahner wurde auch der Preis für den technisch schönsten Kampf zugesprochen. Im Leichtgewicht hatte Schlanger Bajorek zum Gegner. Nach einem äußerst hart geführten Kampf wurde Schlanger mit 2 :1 zum Punktesleger erklärt. Der ausgezeichnete Pole Gestwinsky unterlag gegen Bergmann, der den Polen in 7,30 Minuten auf beide Schultern brachte. Bergmann, der als Ersatzmann antrat, bot eine ganz hervorragende Leistung. Als letzter trat Hirschl gegen Puciata an. Schon in der dritten Minute bringt Hirschl seinen Spezialgriff an und der Pole liegt auf beiden Schultern. Mit der Durchführung dieses Kampfes hat die Hakoah für den Österreich sehen Ringsport wertvolle Arbeit geleistet Grabsteinlegung für Löbel Taubes s. A. Die Grabsteinlegung für den vor einem Jahr verstorbenen Herrn Löfcel Taubes findet am Jahrzeitstag, das ist am 2. Siwan 5694 (Mittwoch, den 16. Mai), um 12 Uhr mittags auf dem Zentralfriedhof, IV. Tor, statt. — Durch diese Mitteilung werden die Freunde und Gesinnungsgenossen des' Verblichenen seitens der Hinterbliebenen von der Grabsteinlegung verständigt. Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs. Dr. Oskar Teller rezitiert Dienstag, den 15. d., um 20 Uhr im Heim der Gruppe Leopoldstadt des „Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs", II., Praterstraße 66, aus jüdischer! Werken. 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