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Die neue Welt · 1934-05-01 · Heft 361 (1.5.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 361 (1.5.1934)
Date
1934-05-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Rmmm mm mm tmm ßEZUOSBEDINOUNQEN: Oesterreich monatlich S 1.50. vierteljährig S 4.20, ganzjährig S16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty G.— m^m mm mm m^m Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rnmänleo monatlich mm\ II ■ ■ Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.-; Deutschland monatlich Mark 1.-, vierteljährig Mark 3.-; Balgarien monatlich Lewa 40.-, vierteljährig m^^ WM m^m Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übr igen Linder monatlich Schweizer Francs 1.50, viertelmmA Wm mmW WmW 1ähri* Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX,Universitätsstr. 6-8, 7 e t. B-48-504 —Erscheint Dienstag und Freitag JÜDISCHE VOLKSPARTEI ÖSTERREICHS Donnerstag, den 3. Mai, um halb 9 Uhr abends im Klublokal des Cafe Lovrana, III, Löwengasse 36, großer VORTRAGSABEND Dfe^udenfrage immer dringender Referenten: Oberbaurai Ing. Robert Stricker, David Nebenzahl Regiebeitrag Konflikte in der Wiener Judenidiaft" // Unter diesem Titel setzt das Wiener chrislichsoziale Hauptorgan „Reichspos t", welches trotz der Ausschaltung der Parteien als der Regierung sehr nahestehend gilt, die Serie seiner Mitteilungen über den Vorstoß der trennungsorthodoxen „Agudah" und der antizionistischen „Union" gegen die unter zionistischer Führung stehende Kultusgemeinde fort. In ihrer Sonntagsnummer bringt die „Reichspost" in großer Aufmachung eine Darstellung der Vorgänge von „unterrichteter Seite", die einen Rattenschwanz von Entstellungen und offenkundigen Lügen darstelltt Um nur einige herauszugreifen: Nach der „unterrichteten" Seite der „Reichspost" haben die Ziönisten seinerzeit eine Frau — genannt wird die jüdische Führerin Anita Müller — in den Vorstand aufgenommen, dadurch gegen das jüdische Religionsgesetz verstoßen und einen „Sturm" der religiösen Judenschaft hervorgerufen. Tatsache ist, daß nie eine Frau, also auch nicht Anita Müller, im Kultusvorstand saß. Nach versteckten Andeutungen über Cliquenwirtschaft und „östliche" Orientierung der Ziönisten und „westliche" der „religiös-liberalen" Union wird der Kultuspräsident Dr. Friedmann als Schwager des Präsidenten der Advokatenkammer, Dr. Kantor, bezeichnet und der Finanzreferent und Vizepräsident Dr. Josef Löwenherz als Verdränger des früheren Finanzreferenten Regierungsrat Dr. Oppenheim. Tatsache ist, daß Dr. Friedmann und Dr. Kantor miteinander nicht verwandt sind uqd der „verdrängte" Regierungsrat Dr. Oppenheim bei der letzten Wahl überhaupt nicht kandidiert hat, also gar nicht Mitglied des Vorstandes ist. Mit Hilfe der sozialistischen „Poale Zion" hätten die Ziönisten der liberal-religiösen „Union" und der „Agudah" die Herrschaft entrissen. Tatsache ist, daß die bürgerlichen Ziönisten und derzeitigen Leiter des Vorstandes auf eigener Liste kandidiert haben. Dann wird behauptet, die Ziönisten hätten dem greisen unionistischen Vizepräsidenten Dr. J. Ornstein unter Ausnützung seines „schweren Augenübels" Unterschriften für eine Eingabe an die Regierung wegen Ernennung von Ziönisten zu Ständevertretern und Ernennungsdekreten für zionistische Beamte — sie werden mit Namen genannt — entlockt. Tatsache ist, daß weder eine solche Eingabe an die Regierung ergangen ist, noch auch die behaupteten Ernennungen vorgenommen wurden. Zum Schluß wird von einem Konflikt auf der Konferenz der „Allgemeinen Ziönisten" mit dem „Judenstaatszionisten" Oberbaurat Robert Stricker gesprochen, weil letzterer angeblich in seinem Blatte für die Abschaffung der Habsburger eingetreten sei. Oberbaurat Stricker sei auch der Konferenz „ostentativ" ferngeblieben. Tatsache ist, daß die Teilnahme Strickers an dieser Konferenz nie in Frage kam, weil er dem Verband der „Allgemeinen Ziönisten" nicht angehört, sondern der „Judenstaatspartei". Tatsache ist, daß Stricker in seinem Blatte auch nicht ein Wort über die Habsburgerfrage im allgemeinen oder gar gegen die Habsburger geschrieben hat, und eine faustdicke Unwahrheit ist es, daß über diese Dinge jemals im Zusammenhang mit Oberbaurat Stricker auch nur gesprochen wurde. ■X- Einc Fülle von Entstellungen, die um so trauriger wirken, als sie offenbar nicht auf dem Boden der „Reichspost" entstanden zu sein scheinen. Die afieichspost" trifft der Vorwurf, daß sie ungeprüft bösartige Unwahrheiten und Entstellungen wiedergibt. Aber feststehend ist, daß die Urheber dieser Verleumdungen Juden sind, „trenungsorthodoxe" und „liberal-religiöse" Juden — wie sie sich mit Umschreibung des Begriffes antinational und antizionistisch nennen —, welche die Neugestaltung Oesterreichs dazu benützen wollen, die' jüdische Einheitsgemeinde zu sprengen. Sie wollen kein einheitliches Vorgehen der Juden in dieser schweren Zeit. Der Mangel einer „jüdischen Einheitsfront" in Oesterreich ist zu beklagen, aber es hat keinen Sinn, sich mit Vertuschungen über ihn hinwegsetzen zu wollen. In den Grundfragen der jüdischen Politik besteht eine scharfe Trennung zwischen der nationalen- Judenschaft und der assimilatorisch eingestellten, mag "sie trennungsorthodox oder liberal-religiös heißen. In diesem Punkte Unklarheiten bestehen zu lassen und die Außenwelt über ihn hinwegtäuschen zu wollen, führt nur zu häßlichen, das Judentum schädigenden Auswüchsen des Kampfes, wie die Auslassungen der christlichen „Reichspost" beweisen. Die volksbewußte Judenschaft hat ihr Programm zu verfechten, die anderen mögen ihren Standpunkt vertreten. Daß sich die jüdischnationale Idee letzten Endes durchsetzen Wird, steht heute außer Zweifel. Das haben die Nächste Nummer Frritao früh mit den vorzüglichen, groRan Salonschiffen dar direkten Eillinie TRIEST—JAFFA dei LLOYD TRIESTINO Abfahrten jeden Mittwoch u m 13 U h r Ferner: Luxuseillinien nach Athen« Istanbul, Alexandrien, Bombay, Colombo, Singapore, Shanghai Schnellste Schiffe Höchster Komion Auskunft: .■ . .... > , Lloyd Triestino, Wien I, Kärntnerring *,TelrU»47»5>60 letzten jüdischen Wahlen in Oesterreich bewiesen und das beweist der Umstand, daß sich die Anerkennung der jüdischen Frage als einer im Grunde nationalen bei allen großen Kulturvölkern und ihren Regierungen durchgesetzt hat. Eine Verzögerung dieses Prozesses durch unhaltbare Kompromisse bringt allen Juden nur Schaden und setzt das Ansehen der Judenschaft herab. Der Mordprozeß ArIo§oroff Aus Jerusalem wird uns von unserem Mitarbeiter gleschrieben: „Obwohl mit einem großen Interesse an dem Mordprozeß Arlosoroff schon auf Grund des Verlaufes der Voruntersuchung zu rechnen war, so hat doch die über das ganze Land verbreitete Spannung alle Erwartungen übertroffen. Die Vorgänge im Jerusalemer Justizgebäude stehen im Mittelpunkt des Interesses des jüdischen und auch nichtjüdischen Jischmv. Man darf nicht vergessen, daß gleich nach der Mordtat in der Stadt des 16. Juni 1933 die Atmosphäre des Landes von einer Seite vergiftet wurde, die eine Gelegenheit suchte, für sich auf billige Weise politisches Kapital herauszuschlagen. Seither hat sich dieser Zustand eher noch verstärkt. Persönlichkeiten, die den Methoden der britischen Untersuchungsbehörde, beziehungsweise dem englisch-arabischen Polizeiapparat Mißtrauen entgegenbrachten, wurden in unerhörter Weise von den Führern und der Presse der hiesigen Linken angegriffen. Die Justizbehöde hat den Mut aufgebracht, sozusagen aus dem Nichts einen Anklageakt zusaramen- * Anklageschrift abgeändert Am ersten Verhandlungstag (Montag, den 23. April) wandte sich der Verteidiger zunächst gegen den Text der Anklageschrift, in der gegen alle drei Angeklagten in gleicher Weise die Beschuldigung des Mordes erhoben wird. Rechtsanwalt Samuel erklärte, die Anklageschrift spreche selbst davon, daß Stavsky Dr. Arlosoroff nur ins Gesicht geleuchtet habe; somit könne er den Mord selbst nicht begangen haben. Was Achi-Meir betreffe, so sei der Passus in der Anklageschrift: „Er hat zur Ermordung Dr. Arlosoroff s geraten und sie veranlaßt, völlig bedeutungslos, da keinerlei Einzelheiten angeführt seien, aus denen hervorgehe, in welcher Weise Achi-Meir zu dem Morde geraten habe. Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt- Heben Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet, zuzimmern und dem Intellekt des Jischuws im Laude und der jüdischen Öffentlichkeit den Glauben an einen Wahrheitsgehalt der Anklageschrift zuzumuten. Das Material des Gerichts kann keinem Laien, geschweige einem Juristen auch nur im geringsten imponieren. Aber gerade deswegen hat es keinen Wert, Mutmaßungen über den Ausgang des Prozesses anzustellen. Hier ist man nicht absolut fest auf die Objektivität und Gewissenhaftigkeit des britischen Gerichts. Schon die Erhebung der Anklage läßt erkennen, daß Miß« trauen berechtigt ist. Es ist gefährlich, optimistische Prognose zu stellen. Der Prozeß ist im Gang. Die Jestizbehörde hat doch Blamagen der ihr unterstellten Polizei zu vertuschen und im Weg zu stehen, wo die Unterlassungssünden der englisch-arabischen Voruntersuchung enthüllt werden könnten. Es geht also nicht allein um die Erforschung der Wahrheit, sondern auch darum, das Prestige der Palästina - Administration, beziehungsweise der Justizverwaltung zu schützen. Und das kann der Gerechtigkeit gefährlich werden. * Auf Grund der von Rechtsanwalt Samuel vorgebrachten Einwände beschloß das Gericht, den Text der Anklageschrift abzuändern und in ihn die von AchisMeir in Haifa gehaltene Rede und den von ihm in „Chasith Haara" veröffentlichten Artikel einzufügen, die beide als Aufreizung zu Terrorakten gedeutet werden. Der übrige Teil der Verhandlung war hauptsächlich einem Ueberblick über die Untersuchungsergebnisse in dem Mordfall gewidmet, den der Generalstaatsanwalt in zweistündiger Rede gab. Der Staatsanwalt legte hiebei das Hauptgewicht auf die politische Fehde zwischen Ärbeiterparteilern und Revisionisten und vertrat den Standpunkt, daß dieser Zwist im Grunde zu dem Morde geführt habe Die Frage nach dem Täler Während die .Vormittagsverhandlung der Vw> lesung und Abänderung der AuJUageaclirlH siwWmtt

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