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Die neue Welt · 1934-04-27 · Heft 360 (27.4.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 360 (27.4.1934)
Date
1934-04-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 20 Groschen Jahrgang 8 Freitag, df rf* April 1914 Nr« 3<M> Zeitung vom Verleger versendet Journal exp&Iie par l'6diienr*. NEUfc REVUE (ährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 6-8, 1 el. B-48-504 — Er scheint Dienstag undFreitag Ein chri§tli'ch*deut§chcr Redner übet die Judcnfraqc In einer vom „Bund christlicher Arbeiter und Angestellten Oesterreichs" veranstalteten Massendemonstration hielt der langjährige Führer Abg. Kunschak eine Rede, in welcher er auch auf die Judenfrage zu sprechen kam. Er sagte: „Pflege des Volkstums heißt treues Bekennen der Schicksalsverbundenheit aller Volkszugehörigen. Volkstum heißt aber auch Leben in der aus Geschichte und Schicksal erwachsenen Eigenart. Volkstum heißt schließlich opferfreudige und konsequente Wahrung der Eigenart. Von diesem Standpunkte aus rückt auch die Judenfrage in den Kreis ernster Betrachtung. Nicht ohne Interesse und Befriedigung können wir feststellen, daß innerhalb der Judenschaft die Betonungdesreligiösenunddesnationalen Momentes immer schärfer hervortritt. In dieser Tatsache scheint mk der Schlüssel zur Behandlung und Lösung der Judenfrage zu liegen. Die Reinerhaltung des eigenen Volkstums durch eine reinliche Scheidung in religiöser und nationaler Hinsicht scheint mir der Weg zu sein, der uns der Lösung der Judenfrage näherbringt." Diese Worte heben sich wohltuend von den meisten Reden über das jüdische Problem ab, die jüngster Zeit in Oesterreich gehalten wurden. Sie sind frei von unklar gehaltenen Wendungen, versteckten Drohungen und zweideutigen Lockungen. Abgeordneter Kunschak geht der Frage auf den Grund und stellt sich in seiner Rede auf den Boden, auf welchem einzig und allein eine klare, unzweideutige und daher ersprießliche Behandlung der Judenfrage erfolgen kann. Er stellt sich auf den Boden der Ve r s t ä n d igung von Volk zu Volk. Auf diesem Boden fußt auch die Jüdische Volkspartei die Organisation der national-bewußten Juden Oesterreichs. Reinliche Scheidung von allen fremden Bestrebungen und Festhalten am jüdischen Volkstum! Das waren und sind die Grundzüge der Politik der Jüdischen Volkspartei. Jede andere Politik hat die Lage verworren gemacht und die Juden ins Unglück gestürzt. Immer und immer wieder haben die Männer der Volkspartei die Verleugner des jüdischen Volkstums bekämpft und vor den Folgen der Einmengung in fremde Angelegenheiten und des Einschleichens in fremde Parteilager gewarnt. Sie haben die jüdisch-liberale Assimilation bekämpft, welche sich anderen Nationen angebiedert, sich in fremdnationale Kämpfe eingemengt, dem deutschen, ungarischen, polnischen und sonstigen Chauvinismus als Vorspann gedient und damit den Antisemitismus ins Ungeheure gesteigert hat. Sie haben die jüdisch-sozialdemokratische Assimilation bekämpft, welche die Juden in Klassen- und Kulturkämpfe verwickelt hat, deren Folgen wir heute schaudernd erleben. Verstärkter Antisemitismus und Tauf- und Austrittsbewegung waren das Ende des Weges, vor dessen Beschreiten die Jüdische Volkspartei, leider oft vergeblich, aber unermüdlich gewarnt hat. Es ist gut, bei dieser Gelegenheit an Vorgänge aus der jüngsten Vergangenheit zu erinnern. Noch bei den letzten politischen Wahlen hat die Volkspartei eine jüdische Kandidatur aufgestellt, die Juden davor gewarnt, unter Preisgabe jüdischer Selbständigkeit urd Würde der damals so starken Sozialdemokratie und ihren getauften und ausgetretenen Führern Gefolgschaft zu leisten. Beschimpfung, Hohn und spöttisches Vorhalten der „Aussichtslosigkeit" waren die Antwort. Der Kandidat der Jüdischen Volkspartei hat auch nur „wenige" Stimmen bekommen und seine Gegenkandidaten „viele". Was ist heute? Zu den „wenigen" Stimmen können sich die Juden ruhig und stolz bekennen, zu den „vielen" nicht. Diese „wenigen" Stimmen sind jüdisches Aktivum, die „vielen" eine Belastung. Die Bewegung um die „wenigen" Stimmen, d. h. die jüdischnationale Bewegung ringt dem christlich-deutschen Führer Kunschak Achtung ab und veranlaßt ihn, in würdiger Weise von und zu den Juden, die er sonst arg bekämpft hat, zu sprechen. Erfreue Deine Lieben mit RNA-Käse Für die Angeklagten im Mordprozeß Arlosoroff Dbcrrabbiner Kuk von deren Schuldlosigkeit überzeugt Der Warschauer „Moment" läßt sich unter dem 23. April aus Jerusalem melden: Im Zusammenhang mit dem Beginn des Mordprozesses Arlosoroff hat Oberrabbiner Kuk alle Rabbiner von Jerusalem und auch die bedeutendsten Persönlichkeiten Palästinas in seine Wohnung geladen. Der Oberrabbiner hielt eine Rede betreffs der Verhafteten, der „Gefangenen Zions", die schon so lange unschuldig im Gefängnis sitzen und denen Todesstrafe droht. Hiebel gab Oberrabbiner Kuk die feierliche Erklärung ab, daß er vollständig von der Unschuld der drei Uberzeugt sei und es als Pflicht aller ohne Ausnahme erachte, mitzuhelfen, daß dio Wahrheit aufgedeckt und die Unschuldigen verteidigt werden. Alle Versammelten unterschrieben einen Appell an die Weltjudenheit, eine Aktion zugunsten der unschuldigen Angeklagten zu unternehmen. Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes B bezeichnet. Der Prozeß hat begonnen Aus Jerusalem meldet die J. T.-A.: Heute, den 23. April, hat im hiesigen Kreisgericht der Prozeß gegen die des Mordes an Dr. Arlosoroff beschuldigten Stawsky, Rosenblatt und A c h i M e i r begonnen. Riesige Menschenmassen haben sich vor dem von Militär bewachten Gerichtsgebäude angesammelt. Im Gerichtssaal ist als Zuschauer der polnische Generalknosul Kornikowski erschienen. (Stawsky ist polnischer Staatsangehöriger.) Die Beschuldigten sehen frisch und heiter aus und werden von der Menge lebhaft begrüßt. Der Beschuldigungsakt wird zuerst jiddisch, dann hebräisch vorgelesen. Stawsky wird beschuldigt, das Gesicht Dr. Arlosoroffs beleuchtet, Rosenblatt hingegen, den tödlichen Schuß abgegeben zu haben. Nach der Verlesung des Aktes, welche einige Stunden in Anspruch nahm, erklärt der Verteidiger Horace Samuel, daß Stawsky nicht einer unmittelbaren Mordhandlung beschuldigt wird, da ihm die Gerichtsbehörde bloß vorwirft, mit der Taschenlampe geleuchtet zu haben. Als erste Zeugen wurden Bürgermeister D i z e n» goff und die Polizisten vernommen. NACH PALÄSTINA AM 15. MAI: ab Wien über Triest mit dem Eildampfer Jtalia" MIT DER COMPASS TOURS offizielles Propagandabüro FUr Einzelreisende: Schiffskarten zu Originalpreisen DER STADTGEMEINDE TEL-AW1W Abfahrt jeden Mittwoch von Triest Auskünfte und Anmeldungen im Reisebüro Compass Tours, Wien IX, Spitalgasse 3, Telephon Nr. B-42-5-38 Nächste Nummer erschein* Dienstag früh Preis 10 Groschen mit den vorzüglichen, großen Salonschirren der direkten Eillinie TRIEST-JAFFA des LLOYD TRIESTINO Abfahrten jeden Mi ttwo ch um 13 Uhr Ferner: Luxuseiiiinien nach Athen, Istanbul, Alexandrien, Bombay, Colombo, Singapore, Shanghai Schnellste Schiffe Höchster Komforr Auskunft: Lloyd Triestino, Wien I, Kärntnerring 6,TeI.U»47-5.60 .<H!lllllllllilllIIIIIIII!IIIIIIlllll!irir!l||||||i|||||||||inill|,||||||k RUNDSCHAU Mlllimillllllimilllllllllllll......IllllllllllllllllllllllllllJlinin» Illustre Gäste Neben Prag und Warschau hatte auch Wien die Ehre, vornehm reisende Gäste zu begrüßen. Den vom Völkerbund eingesetzten „Hochkommissär für die deutsch - jüdischen Flüchtlinge", den Amerikaner Mac Donald und seinen „Mitarbeiter", den entlassenen früheren Oberstaatsanwalt von Palästina, Norman Bentwich samt Gemahlin. Die Herrschaften unterhielten sich in liebenswürdigster Art mit einem Dutzend jüdischer Kultusvorstände und Vereinsobmänner und beehrten auch die Presse mit Aussprachen. Die Freude an diesen Besuchen war aber durch eine peinliche Erwägung getrübt: Was kosten der Judenschaft diese Besuche? Was nützen sie der Judenschaft, das heißt den deutschjüdischen Flüchtlingen? Die beiden Herren und ihr Hilfspersonal verbrauchen im Jahre die stattliche Summe von 350.000 Schweizer Franken, welche aus den jüdischen Sammlungen für Flüchtlinge bestritten wird. Also ein bißchen viel! Was leisteten sie dafür? Ein bißchen wenig! Sie haben nach einer „Tätigkeit" von neun Monaten auch nicht hundert Flüchtlinge untergebracht. Nicht einmal Reisepässe haben sie den Flüchtlingen verschafft, welche schon ohne ihre Hilfe auswandern wollen. Dafür fordern sie im Umherziehen die Juden aller Länder auf, Geld zu geben und konsumieren einen beträchtlichen Vorschuß. Die folgenden Nachrichten illustrieren die in Anbetracht der schönen Titel und der 350.000 Schweizer Franken etwas geringen Leistungen der Herrn Mac Donald und Bentwich, dieser illustren Gäste. Gräßliches JFlüchtlingselend in Frankreich Aus Paris wurde gemeldet: Fast alle jüdischen Hilfskomitees in Paris sind der Mittel entblößt und den Aufgaben, die ihrer harren, nicht mehr gewachsen. Nicht nur das große Flüchtlingshilfskomitee hat die Hilfeleistung auf ein Minimum eingeschränkt, sondern auch das Komitee für Hilfe an die Ostjuden verfügt über gar keine Barmittel mehr. Auch die Eingliederung der deutschen Flüchtlinge und der Ostjuden in die französische Arbeit- und Wirt« schaft stößt auf fast unüberwindbare Schwierig k e i t e n, so daß für die Massen jüdischer Flüchtlinge und der Ostjuden in Frankreich die Weiterwanderung nach Palästina die einzige Hoffnung bleibt. Demgemäß ist das Pariser Palästina-Amt ständig von Bewerbern um Zertifikate belagert. Tausende Gesucht liegen vor, während das Amt über wenige Dutzend Zertfci flkate verfügt. Etwa hundert jüdische Einwanderte

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