Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 359 (24.4.1934)
- Date
- 1934-04-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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RIB mm m m mWä BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20. ganzjährig S16.-; PotenmonatllchZloty2.—.vierteljährig Zloty 6.— m^m II ■ ■ m^m Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Ke 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.-, vierteljährig Dinar 40.—; Ramänlea monatlich mm% II ■ ■ Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.-; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig mm U m^m Lewa 120.-; Italien monatlich Lire 5.*-, vierteljährig Lire H.—; Schweiz und die übr igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. viertelmW mmW WWW ,ährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion ir. Verwaltung: IX, Universitätssir. 6-8, 7 et. B-48-504 — ErscheintDienstag und Freitag Was geschieht mit den judischen Bankbeamten? Aus Kreisen der österreichischen Bankbeamten wird uns geschrieben: „In kürzester Zeit dürften die letzten drei Wiener Großbanken unter staatlicher Kontrolle zusammengeschlossen werden, als selbständige Unternehmen verschwinden. Man hat ausgerechnet, daß im Zuge dieser Fusion zirka 1000 Bankbeamte überflüssig werden." „Mit schwerer Besorgnis sehen die jüdischen Bankbeamten dieser Fusion entgegen: Wird man diese Maßnahme nicht dazu benützen, um den ohnehin stark dezimierten Stand der Bankbeamten .gleichzuschalten', d. h. von Juden zu reinigen? Die Sorge ist gewiß berechtigt, denn schon im Zuge des in den letzten zwei Jahren vollzogenen .normalen' Abbaues wurden gerade die jüdischen Beamten in übergroßer Zahl von der Ausschaltung betroffen," „Jetzt geht es wahrlich nicht, wie in antisemitischen Zeitungen dargestellt wird, um jüdische Bankdirektoren mit Märchengehältern und Riesenkautionen, sondern um Familienerhalter, die gegen ein mäßiges Einkommen gewissenhaft und fleißig ihre Arbeit leisten. Diese Menschen bangen davor, wegen ihres Judentums aufs Pflaster gesetzt und dem Elend preisgegeben zu werden, ohne Möglichkeit, sich in dieser Krisenzeit eine neue Existenz zu schaffen. Gegen sie arbeiten einflußreiche Faktoren mit Ausnützung der antisemitischen Tagesstimmung. Sie selbst sind schwach und wehrlos. Da ist es wohl Pflicht der jüdischen Oeffentlichkeit, auf gerechte Behandlung der jüdischen Bankbeamten hinzuwirken." Wir haben dieser Zuschrift, welche den Tatsachen entspricht und die Situation richtig schildert, nur hinzuzufügen, daß der Appell an die jüdische Oeffentlichkeit berechtigt ist und beherzigt werden muß. üiaf dem Weg übers Taufbecken Wien, 23. April. Auch in Oesterreich hat man eine Zeitlang versucht, die Behandlung der Judenfrage zum Ausgangspunkt innerpolitischer Prognosen zu machen. Es gab zahlreiche Symptome dafür, daß bei uns ein geistiger und sozialer U m f ormungsprozeß im Werden sei. Das, was gewisse konservative Kreise als „revolutionären Schutt" bezeichneten, wurde als zum Teil von „unchristlicher" Seite stammend dargestellt und zur Abtragung verurteilt. Die Februartage haben —■ historisch betrachtet — diesen Tendenzen ein rascheres Tempo verliehen. Viele jüdische Staatsbürger, die bisher der unjüdischmarxistischen Psychose erlegen waren, erwachten aus ihr und sahen in ihrem Umkreis keine Möglichkeit, das bisherige unjüdische Parteileben weiterzuführen. Es stand vor ihnen der Zwang, sich umzuorientieren. Da auch in Oesterreich die Judenfrage — nicht allein im Zuge der Ereignisse in Hitler-Deutschland — mit intensivster Dringlichkeit zur Diskussion stand, konnte das Natürliche geschehen: .Viele Juden, die dem Volkstum entfremdet waren, fanden wieder zurück zur jüdischen Gemeinschaft. Ausgetretene Juden meldeten ihren Wiedereintritt in die Judengemeinde an. Diese selbstverständliche Erscheinung war also der Reflex auf die innere österreichische Entwicklung, die Antwort auf die in der Luft schwebende Frage: Was werden die der jüdischen Gemeinschaft entfremdet gewesenen Menschen jetzt tun, wo die Neuordnung das Bekenntnis zu einer kultur-religiösen und nicht mehr parteipolitischen Körperschaft verlangt? In einem Staate, der nach den Deklarationen seiner Führer ein deutschchristliches Gepräge erhalten soll, kann der nicht deutsch-christliche Mensch nur im Rahmen seines Volkstums ein gleichberechtigtes, in seiner Ehre und Würde unangetastetes Dasein führen. Oder, populär gesagt: Der Jude gehört ausschließlich in die jüdische Gemeinschaft. Eine Parole, die von den Nationaljuden seit jeher für die Juden und Nichtjuden ausgegeben worden ist. Diese „Rückkehr", diese Besinnung, diese naturgegebene Haltung war aber nur von kurzer Dauer. Der Wiedereintritt in die Judengemeinde wurde plötzlich gestoppt. Vom Augenblick an, da man von inoffizieller Seite — ohne Einspruch von oben ■— das jüdische Element in den akademischen Berufen auszuschalten begann, da — von uns mehrfach statistisch und ideologisch behandelt — Aerzte, Lehrer und Beamte ihrer jüdischen Zugehörigkeit wegen ausgeschaltet oder nicht zugelassen wurden, setzte eine Taufbewegung ein, setzte der Versuch ein, sich selbst „deutsch-christlich" zu machen. Die Taufe sollte also von nun ab die Legitimation für die Befähigung zu den diversen akademischen Berufen werden. Wir brauchen hier die sachliche und menschliche Absurdität dieser Methode nicht erst zu beweisen. Aber es geht um etwas anderes, um etwas, das bestimmte Absichten in gewissen konservativen Christ* liehen Kreisen Oesterreichs erbauen läßt, Die christlichsozialen, unseren Regierungsfaktoren nahestehenden Blätter beschäftigen sich schon seit langem mit der nationaljüdischen, zionistischen Bewegung und mit der Judenfrage. Ihre Stellungnahme ist so ziemlich eindeutig: sie anerkennen die Judenfrage, aber sie wollen nicht anerkennen, daß die Rückkehr der Juden in ihre legitime Heimat Palästina und die seelische Wiederaufnchtung des jüdischen Ghettomenschen ein natürlicher, historisch bedingter Prozeß seien. So schreibt z. B. das den katholisch-konservativen Kreisen der Regierung nahestehende christlichsoziale „Linzer Volksblatt" über die österreichische Judenfrage: „Diese jetzige Steigerung der zionistischenBewegung kann an sich nur begrüßt werden, eine Lösung der Judenfrage kann auch sie nicht bringen. Und dann kann diese Lösung der Judenfrage für uns deshalb nicht wirksam werden, weil jene Juden, die uns wirklich auf die Nerven gehen, die Juden, die an führenden Stellen der Gesellschaft einen zersetzenden Einfluß ausüben, jene Juden, die von jeher einen gesunden Antisemitismus der Abwehr geweckt haben, von dieser Aus Wanderungsbewegung nicht erfaßt werden. Diese Herrschaften, die Katheder und Kliniken, Banken und Presse, Theater und Kinos beherrschen, die werden gewiß nicht auswandern und in Transjordanien einen Brunnen graben. Die bleiben uns erhalten und ebenso die Beherrscher von Großunternehmungen, Großgeschäften ... Nach katholischer Auffassung und Lehre gibt es nur eine einzige wirkliche endgültige Lösung der Judenfrage, das ist ihre Bekehrung zu Christus. Bis dahin werden die Juden wohl oder übel ihre Bestimmung als Gästevolk in aller Welt erfüllen müssen. Es bleibt Sache der Wirtsvölker, den Grad des Einflusses der Gäste zu bestimmen." Das „Linzer Volksblatt" rät also den Juden, sich wegen ihrer individuellen oder gar volklichen Zukunft Nächste Nummer Freitag früh mit den vorzüglichen, grollen Salonschlffen der direkten Eillinie TRIEST-JAFFA des LLOYD TRIESTINO Abfahrten jedenMittwoch u m 13 U h r Ferner: Luxuseillinien nach Athen, Istanbul, Alexandrien, Bombay, Colombo, Singapore, Shanghai Schnellste Schiffe Höchster Komfort Auskunft: Lloyd Triestino, Wien I, Kärnlncrring 6, Tel. U-47-560 keine grauen Haare wachsen, sondern sich einfach taufen zu lassen. Es ist dies ein eehr billiger Rat, Wir glauben zwar nicht, daß hier die jüdische Gemeinschaft viel verlieren, die katholische Kirche viel gewinnen wird, aber uns genügt, festzustellen, wie sich gewisse „deutsch-christliche", zweifellos einflußreiche Kreise die Lösung der Judenfrage in den Grenzen Oesterreichs vorstellen. Soll vielleicht mit der Taufe die „nichtarische" Großmutter im Gegensatz zum Hitler-Reich verschwinden?. Mit der Taufe auch all die Charaktersubstanz, von der die Herren rings um das „Linzer Volksblatt" nur das Schlechteste auszusagen haben, verschwinden?. Mit der Taufe auch der böse Einfluß auf Presse, Theater und Kinos verschwinden? Die Lockspeise der Taufe wird zweifellos bei gewissen „jüdischen Elementen" verfangen. Aber das Gros der Juden bleibt bestehen und mit ihm die Judenfrage auch in — Oesterreich. Ein paar Dutzend Uebertritte werden die Sache nicht ändern. Das Prinzip „J u d b 1 e i b t Jud" wird über eine kurze, scheinbar aktuelle Seelenfängerei siegen. So macht man's nicht. Die Lösung der Judenfrage wird von den Juden und von den Christen hier im Staat gelöst werden müssen, abernichtaufdem Weg übers Taufbecken! Neue Gewaltakte der Palä§tinaregierung gegen die deutsdujüdisdien Flüchtlings km der Aus Jerusalem wird gemeldet: Die Palästiuaregierung hat der zionistischen Exekutive bekannt .«reg eben, daß sie für alle durch die Jewish- Agency nach Palästina gebrachten Jugendlichen aus Deutschland eine vom Schatzmeister der Exekutive unterzeichnete schriftliche Erlilftrung, daß der betreffende Jugendliche niemandem im Laufe zur Last fallen werde, verlangen wird. Für jeden Jugendlichen im Alter von 15 Jahren wir<* von der Exekutive eine schriftliche Garantie in der Höhe von 144 palästinensischen Pfund gefordert; für 16jährige beträgt die Garantie 96, für 17jährige 48 Pfund. Um der Forderung der Palästinaregierung entsprechen zu können, ist die Exekutive selbst genötigt, für jeden Jugendlichen die Erlegung einer 36 Pfund betragenden Sicherstellung bei einer palästinensischen Bank zu verlangen. Von diesem Betrag können von Zeit zu Zeit Abhebungen zur Deckung von Auslagen für den tefasMwten Jugendlichen yojrgenomjnen werden, Die Jewish Agency bringt vorläufig nur solche Jugendliche nach Palästina, die nicht jünger als 15 und nicht älter als 17 Jahre sind. 18jährige und ältere Jugendliche können nach Palästina nur auf Grund der gewöhnlichen Einwandorungs - Zertifikate oder als Studenten mittels besonderer Studenten- Visen einreisen. Acht „Illegale" im Hungerstreik Aus Jerusalem wird gemeldet: Acht Juden, welche „illegal" nach Palästina gekommen sind und sich in Jerusalemer Gefängnis befinden, haben sich in einen Hungerstreik begeben, der bereits vier Tage anhält. Die verhafteten Einwanderer verlangen, daß man sie entweder freilasse oder außerLandcg schicke. Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelfr« liehen Notiaea eind durch ein beigefügtes E T * ' ~ s,<j i;-;f jJt