Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 357 (17.4.1934)
- Date
- 1934-04-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2711952-2711980--4297-2717759- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Preis fO Groschen Jahrgang 8 Dfomtag, den 17* April ib». 397 vom, Verleger vefifenÄH ejrj&lie par l'ediien^ BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig 8 4.20, ganzjährig b Iii.-;Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.- TscbectaoBlowakel monatlich Kc 6.-, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.-, vierteljährig Dinar 40.-: Rumänien monatlich Lei 40.-. vierteljährig Lei 120.—: Deutschland monatlich Mark I.-, vierteljährig Mark 3.-; Balgarien monatlich Lewa 40.—, vlerteljährie Lewa 120.—; Italien'monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—: Schweix und die übr Igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. viertel« iährlg Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung; IX, Universitätsstr ,6-8,1 et. B.48-504 — ErscheintDienstag und freit ag REVUE Wer wird die Juden§diaff Oe§lcrrcldh§ vertreten? Unter dieser Aufschrift wurde in unserem Blatte auf die Notwendigkeit hingewiesen, rechtzeitig und ohne übel angebrachte Heimlichkeit und Zurückhaltung darüber Klarheit zu schaffen, wer in den neuzubildenden Körperschaften, welche Oesterreich in Hinkunft regleren und verwalten werden, die Juden vertreten und ihre berechtigten Interessen wahren wird. Die Beantwortung dieser Frage ist um so wichtiger, als — soweit die Grundzüge der neuen Verfassung bisher bekanntgegeben wurden — im Rahmen gewisser Körperschaften eine jüdische Vertretung vorgesehen ist. Die Frage ist nicht nur wichtig, sondern auch dringend, weil die Bildung der neuen Körperschaften in Kürze erfolgen wird. Wir können feststellen, daß nach Erscheinen dieses Artikels sich innerhalb des jüdischen Lagers Dinge abgespielt haben, welche die in ihm enthaltene Forderung nach Klärung nur bekräftigen. Weiters können wir es begrüßen, daß jüdische Kreise, welche sich bisher in dieser Sache zaghaft ausschwiegen, unter dem Eindrucke unseren Artikels die Sprache gefunden haben und auch ihrerseits den Anspruch anmelden, gehört zu werden. Sie rennen offene Türen ein ♦ ♦ ,.Stricker gibt seine Visitenkarte ab." — Mit diesen Worten leitet die „Wahrheit", das Organ der anti-jüdischnationalen „Union Oesterreichischer Juden" ihre Stellungnahme zu unserem Artikel ein und schreibt unter anderem: „... Im jüdischen Lager wird eifrig darüber diskutiert, w e r an jenen Stellen, an denen unsere Gemeinschaft vertreten sein wird, künftighin sitzen wird. Namen werden genannt, dann wieder dementiert, mit einem Wort: ein großes Rätselraten ... Des Rätsels Lösung glaubt wieder einmal Herr Stricker gefunden zu haben. Er meldet seine „J ü d is c h e Volkspartei" als jene „zuständige Organisation der österreichischen Judenschaft" an, die vor der endgültigen Erledigung der strittigen Frage angehört werden muß. Wir haben absolut nichts dagegen, daß eine solche Anhörung erfolgt. Aber wir müssen rechtzeitig davor warnen, daß aus dieser Anhörung einer parteipolitischen jüdischen Organisation Konsequenzen für die gesamte österreichische Judenschaft gezogen werden. Die „Jüdische Volkspartei" vertritt nicht diese gesamte Judenschaft. Die vaterländischreligiöse Judenschaft Oesterreichs muß verlangen, daß, wenn Strickers an und für sich berechtigter Wunsch nach Anhörung seiner jüdischnationalen Gruppe berücksichtigt wird, auch ihre Stimme in der für Oesterreich und die Judenischaft hochwichtigen Angelegenheit der Vertretung unserer Gemeinschaft gehört werde." Wir begrüßen es, wie schon betont, daß die „Union" ihren Anspruch, gehört zu werden, nunmehr anmeldet. In ihrer Angst, die „Jüdische Volkspartei" wollte und könnte sich ein Monopol ergattern, rennt sie aber offene Türen ein. Die Herren mögen es sich ein für allemal gesagt sein lassen: Die „Jüdische Volkspartei" lehnt jede erborgte Legitimation ab und spricht nur im Namen der Juden, die in ihr organisiert sind, und der Juden, die ihrem Programm zustimmen. Die Leitung der „Jüdischen Volkspartei" ist überzeugt, daß ihr Programm des Bekenntnisses zum jüdischen Volkstum und der Ablehnung des Einschleichens in fremdnationale Lager und unwürdiger Anbiederung sich durchsetzen muß und wird. Was die auf uns abzielenden, ironisch gemeinten Wendungen vom „Rätsellösen" und von der „Visitenkarte" betrifft, so nehmen wir sie gerne auf uns. Ja, wir haben das Rätsel gelöst, ganz einfach, indem wir ausgesprochen hoben, was alle anderen offen auszusprechen unterließen, daß die österreichischen Juden ein Recht auf Vertretung in den gesetzgebenden und verwaltenden Körperschaften haben und ein Recht, vor der Berufung jüdischer Vertreter um Ihre Meinung befragt zu werden. Auch das mit der „Visitenkarte" stimmt. Die Leitung der Jüdischen Volkspartei (der Obmann Stricker und die anderen Herren dieser Leitung) hat ihre Visitenkarte, deren sie sich wahrlich nicht zu schämen brauetit, Sie hat diese Visitenkarte schon zu einer Zelt abgegeben, als andere jüdische Parteien ihre Visitenkarten verborgen hielten und es vorzogen, fremde Visitenkarten zu gebrauchen. Als eine leider sehr große Zahl österreichischer Juden und jüdischer Gruppen fremden Parteien blind nachgegangen sind, erst den liberalen und dann der sozialdemokratischen, sich in Kultur- und Klassenkämpfe haben hineinzerren lassen, damit den Antisemitismus geschürt und dem Staate schlechten Dienst erwiesen haben, damals schon hat die jüdische Volkspartei für selbständige jüdische Politik gearbeitet. Wenn es zu Wahlen kam, hat sie eine eigene, gutjüdische Visitenkarte abgegeben, d. h. sie hat eine jüdische Kandidatur aufgestellt. Andere haben auf die jüdische Selbständigkeit verzichtet und haben gegen den volksbewußten jüdischen Kandidaten und für getaufte oder ausgetretene Sozialdemokraten gestimmt. Die Jüdische Volkspartei hat die Reputation der österreichischen Juden gerettet, soweit dies möglich war, und hat den heute besonders wertvollen Beweis erbracht, daß nicht alle österreichischen Juden sich für den Kultur- und Klassenkampf und fremde Zwecke haben einspannen lassen. Die Jüdische Volkspartei hat sich wirklich dieser „Visitenkarte" nicht zu schämen. Sie hat sie früher abgegeben und gibt sie jetzt ab und wird sie immer abgeben. Wenn die „Wahrheit" von der Visitenkarte Strickers und seiner Freunde spricht, sind wir ihr darob nicht böse. Sie spottet ihrer selbst und weiß nicht wie ..." rVfleifor Wüffde! Wie notwendig die von uns geforderte Klärung der Frage der jüdischen Vertretung ist, auch zur Wahrung der jüdischen Würde, lehrt ein ganz peinlicher Zwischenfall. Das Wiener Montagblatt „Der Morgen" bringt auf der ersten Seite in Fettdruck eine Auslassung über die jüdische Vertretung, welch yr das Odium der Stimmungsmache anhaftet. Das Blatt schreibt, daß es von „maßgebender" Stelle so informiert wurde: „Als Vertreter der israelitischen Religionsgesellschaft wird ein Wiener Rabbiner, vermutlich Oberrabbiner Dr. Feuchtwang, berufen werden. Auf keinen Fall kommt für diese Stelle ein weltlicher Funktionär, also auch nicht der Präsident der Kultusgemeinde, Dr. Desider Friedmann, in Betracht." Darauf antwortet die J. T. A. (Jüdische Telegraphen-Agentur) prompt mit folgender Ausschickung: „In jüdischen Kreisen hält man die Berufung eines politischen, nicht rein religiösen Vertreters der Juden in die „Wiener Bürgerschaft" für absolut notwendig, da diese Körperschaft vielfach Fragen zu behandeln haben wird, die ausgesprochen politischer Natur sind und keine direkte Beziehung zu den religiösen Satzungen haben. Wer die „maßgebende Stelle" des „Morgen" und die „jüdischen Kreise" der J. T. A. sind, steht wohl nicht ganz fest. Ganz fest steht aber, daß dieses Ausspielen von Personen gegeneinander, noch dazu des Oberrabbiners und des Kultuspräsidenten, die Würde der österreichischen Judenschaft herabsetzt und insbesondere geeignet ist, bei der Regierung und in der nichtjüdischen Oeffentlichkeit Gefühle der Geringschätzung gegenüber der Judenschaft zu wecken. So geht es nicht! Was wir gefordert haben, muß erfolgen: Die jüdischen Organisationen müssen befragt werden, sie haben klar und offen zu antworten und nach gehöriger Abschätzung dieser Antworten hat die Bildung der jüdischen Vertretung zu erfolgen. Juden§taaft§parte« (Gruppo der Wiener westlichen Bezirke) Sonntag, den 22. April 1934, 8 Uhr abends, Caf6 „Patria", VI., Mariahilferstraße 127 Vortrag. Oberbaurat Ing. Robert Stricker: 'ionfamiis Sinn und Wesen unserer Weltbewegung. Eintritt frei! Gäste willkommen! Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes £3 bezeichnet. Nächste Nummer Freitag frfih MordprozeR Arlosoroff verschoben Aus Jerusalem: Die Verhandlung vor dem Schwurgericht gegen die Beschuldigten Stawsky, Rosenblatt und A ch 1 Meir, deren Beginn für Montag, den 16. April, angesetzt war, ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Gewissen Meldungen zufolge soll die Vertagung deswegen angeordnet worden sein, um Demonstrat ione n seitens einzelner Partelen zu vermeiden und um für eine ruhige Atmosphäre zu sorgen. Außerdem wird nach einer weiteren Meldung das Eintreffen eines hohen Richters aus London erwartet, der dem Prozeß beiwohnen will. * Nach 9monatiger Voruntersuchung hat die britische Gerichtsbehörde endlich den Prozeßtermin ausgeschrieben. Die nunmehrige Verschiebung der Hauptverhandlung ist nur ein Zeichen für die Nervosität und Unsicherheit des Gerichts, das sich zweifellos in großer Verlegenheit befindet. Ein solches Vorgehen untergräbt die Achtung vor der Justiz der Palästina- Regierung und macht die Unzufriedenheit de« jüdischen Palästina mit den Prozeßmethoden der Behörden begreiflich.. Aus Jerusalem wird gemeldet: In einer soeben veröffentlichten, vom High Commissioner Sir Arthur Wauhope unterzeichneten Verordnung wird für Palästina der Mieterschutz eingeführt. Die Verordnung sieht sowohl eine Einschränkung de« Kündigungsrechtes der Hauswirte als auch die Festsetzung von Höchstmieten vor. Als Grundsatz wird festgelegt, daß die Miete für ein Zimmer V/j Pfund (1 Pfund — SO österr. Schilling) monatlich nicht übersteigen darf, während jetzt für ein Zimmer vielfach 4 bis 5 Pfund Miete gefordert werden. Ferner wird bestimmt, daß gegen einen Mieter auch nach Ablauf eines zeitlich begrenzten Mietvertrages ein gerichtlicher Räumungsbefehl nur dann erlassen werden kann, wenn der Mieter die gesetzlich festgelegte Miete nicht bezahlt hat, wenn er gesetzlich zugelassene Mietvertragsbestimmungen nicht eingehalten hat, wenn er das Mietobjekt mutwillig beschädigt hat oder es für ungesetzliche Zwecke benutzt. Will der Hauswirt bauliche Veränderungen vornehmen, die die Räumung des Mietobjekts notwendig machen, so muß er dies dem Mieter mindestens drei Monate vorher schriftlich mitteilen. Von der Palästina-Regierung wird ein Mieten-Kommissar bestimmt, der in Streitfällen zwischen Mietern und Vermietern die Entscheidung zu treffen hat. Gegen die Entscheidung des Mieten-Kommissars steht den Parteien ein Berufungsrecht an einen zu bildenden besonderen M i e t sgerichtshof innerhalb von zwei Wochen nach der Entscheidung des Kommissars zu. Die neue Verordnung ist dazu bestimmt, ein Ueberhandnehmen des Mietwuchers und der Häuserspekulation In Palästina zu verhindern. PalästinasPavillon auf der Messe von Bari Aus Rom: Auf der in den letzten Jahren zu stärkster Bedeutung für den Handel Italiens mit den Mittelmeerländern und dem Vorderen Orient gelangten Messe von Bari wird die jüdische Industrie Palästinas in einem eigenen Pavillon vertreten sein. Der Verband der Jüdischen Gemeinden Italiens hat beschlossen, die Beteiligung Palästinas an der Messe von Bari zu subventionieren. Schon in den letzten Jahren hatten palästinensische Firmen auf der Messe in Bari ausgestellt. 1932 hatten sich 54, 1933 bereits 71 palästinensische Unternehmungen an ihr beteiligt. Man erwartet, daß durch die Errichtung eines besonderen Palästina-Pavillons in diesem Jahre und die Gewährung weitgehender Vergünstigungen die Beteiligung palästinensischer Aussteller an der Messe von Bari diesmal bedeutend stärker sein wird als in früheren Jahren. 2756 Juden kamen im Februar nach Palästina Aus Jerusalem : Das Regierungsorgann ,,0 f f icialGazette" teilt mit, daß von den im Februar 1934 in Palästina eingewanderten 2789 Personen 2756 Juden waren. 2890 weitere Juden wurden im gleichen Monat als Eingereiste zugelassen oder als Einwanderer registriert, obwohl sieohneErlaubnis in Palästina lebten. Von den im Februar neu Eingewanderten gehörten 356 der sogenannten Kapitalistenklasse mit je tausend Pfund Sterling und m%Lr Eigenfcafital m,