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Die neue Welt · 1934-04-10 · Heft 355 (10.4.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 355 (10.4.1934)
Date
1934-04-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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EMe Juden werden ausgehungert! Zu diesem Schluß kommt nicht etwa eine antinazistische Auslandszeitung, sondern die gleichgeschaltete „Frankfurter Zeitung" in einem Artikel „Nichtarier in der Wirtschaft". Aus der freien Wirtschaft, aus Handel und Gewerbe werden die Juden immer mehr verdrängt, denn: ,,Die Stellung der Juden in der Wirtschaft wird nicht durch die Rassengesetzgebung, die nach «lern Willen der Reichsregierung auf bestimmte Gebiete beschränkt bleiben soll, bedingt, sondern auch durch die Strömungen innerhalb der Bevölkerung, wie sie pich als Ausstrahlungen rassentheoretischer Grundsätze ergeben haben." Dann fährt die Zeitung fort: „Was die Berufe betrifft, die beamtenähnlichen Charakter tragen, die kulturellen und früher sogenannten „freie n" Berufe, auf die die Arierbestimmungen gesetzlich angewandt werden, so können junge Nichtarier auf diesen Gebieten ihre Lebensaufgaben nichtmehrsuchen, da die vorgesehenen Ausnahmen von der grundsätzlichen Sperre dieser Berufe für Juden vorübergehenden Charakter tragen und sich auf Kategorien, wie Frontkämpfer und Personen, die langjährig in diesen Berufen tätig waren, beziehen, die nach und nach aussterben müssen. Bei Aerzten wirkt sich die gesetzliche Zulassung angesichts gewisser Standesvorschriften doch nicht als Gleichstellung mit ihren arischen Kollegen aus. Auch in manchen Wirtschafts- und sozialpolitischen Verbänden wurde der Arierparagraph eingeführt und damit die Stellung der jüdischen Berufsangehörigen erschwert." Der Artikel schließt: „Erst kürzlich ist ja öffentlich in einem Teil der Presse vor der Aufnahme nichtarischer Lehrlinge in der Landwirtschaft gewarnt worden. Und ebenso ist mit großem Nachdruck dagegen Verwahrung eingelegt worden, daß sich neuerdings Juden bemühten, Lehrstellen für ihren Nachwuchs bei Handwerks- und Gewerbemeistern zu ergattern. Wie junge deutsche Juden ihr Leben gestalten könnten oder sollten, ist danach nicht leicht auszumachen!" Antisemitische Ausschreitungen in Griechen- Sand — 100 Studenten relegiert Aus Saloniki: Vor dem Gericht in Saloniki hatten sich viergriechische Nationalisten, Mitglieder der faschistisch-antisemitischen Organisation E. E. E„ wegen Urheberschaft der schweren antijüdischen Unruhen in Saloniki in der ersten Februarwoche 1934 zu verantworten. J. Kosmides, Sohn des Präsidenten der E. E. E., wurde zueinem Jahre Gefängnis, die drei anderen Angeklagten, Kokinos, Mahlis und Skenderoglou, wurde zu je einem Monat Gefängnis verurteilt. Alle vier müssen je 3000 Drachmen Geldbuße erlegen. Gemäß einem Regierungsentscheid, wonach Hörer staatlicher Hochschulen sich der Politik fernhalten müssen, haben die Rektoren der Hochschulen in Saloniki und in Edessa etwa 100 Hochschüler, die sich an antisemitischen Manifestationen der E. E. E. beteiligt hatten, relegiert. Eine Gruppe der E. E. E. angehörender junger Leute drang in das Lokal des Makkabi-Klubs in Saloniki ein und demolierte die Einrichtung vollkommen. Bevor Polizei zur Stelle war, waren die Täter geflüchtet. Jüdischer Sport vom Sonntag Hakoah — Wacker 4:4. Dieses bedeutungsvolle Meisterschaftsspiel gestaltete sich zu einem dramatischen Kampf. Die jüdische Mannschaft hätte das Spiel gewinnen können, wenn die sonst so verläßliche Verteidigung der Hakoah sich nicht einen vollkommenen Versager geleistet hätte. L ö w y und Donnenfeld arbeiteten sehr unsicher, zwei Treffer wären zu verhindern gewesen. Hingegen bot der Hakoah-Angriff eine angenehme Ueberraschung. Er spielte und schoß so ausgezeichnet wie noch nie in dieser Saison. Hier waren die beiden Flügelsturmer Reich und E h r 1 i c h I die besten. In der Halvesreihe bot B r e i t f e 1 d die weitaus beste Leistung. Platschek war gut, hingegen spielte S t r o ß unter seiner Form. Wacker gab einen ebenbürtigen ernsten Gegner ab, der in seinen Internationalen Walzhofer und Zischek seine besten Leute hatte. — Wiewohl Hakoah in der ersten Hälfte stark überlegen war, kam Wacker durch einen überraschenden, haltbaren Schuß Walzhofers in Führung. Sofort nach der Pause glich Hakoah durch Z w i eb e 1 aus. In der 11. Minute schießt Donnenfeld ein Eigengoal, doch bereits in der 15. Minute stellt Reich das Spiel ein. Ein prachtvolles Tor Zischeks bringt Wacker wieder in Führung, Reich bringt jedoch vier Minuten später abermals den Ausgleich zustande. In der 39. Minute schießt Ehrlich II den vierten Treffer unter großem Jubel der zahlreichen Hakoah- Anhänger. doch knapp vor Schluß gelingt es Z i s c h e k, da3 Spiel wieder einzustellen. Das Treffen fand vor 18.000 Zuschauern im Stadion unter der Leitung des Schiedsrichters Lokwenz statt. — Hakoah stellte folgende Mannschaft: Löwy; Donnenfeld, Feldmann; Platschek, Stroß, Ereitfeld; Ehrlich I, Zwiebel, Ehrlich II, Mausner, Reich. Hasmonea Makkabi spielte in der Meisterschaft gegen Amateur 21 1:1 unentschieden. Bund Judischer Frontsoldaten Gruppe Leopoldstadt, II., Untere Augartenstraße 26 Der bekannte Schriftsteller Dr. Leopold Ehrlich (Hichler) liest Dienstag, den 20. d., präzise 20 Uhr im Heim der Bezirksgruppe Leopoldstadt das „Sederkapitel" aus seinem letzten Roman „Heimweh nach Wien". Freie Vereinigung zur politischen Schulung der Frauen. Wien, I.. Eschenbachgasse 9. Donnerstag, den 12. April 1934, um halb 8 Uhr abends, im Klubsaal des Ingenieur- und Architektenvereines, Wien, I.. Eschenbachgasse 9, spricht Dr. Fannina Halle über „Ein jüdische» Großreichim frühen Mittelalter" (LichtbUdvortrag). (Herkunfts- und Rassenprobleme der Juden Osteuropas.) HaHchomer Hadatl. Sonntag, den 15. April, halb 8 Uhr abends, Festabend im Theatersaal des Hotel Post (Fleischmarkt Nr. 24). Ansprache Oberrabbiner Dr. Feuchtwang. Sprech- und Bewegungschor unter Leitung von Erich Mann. Karten bei der Jüdischen Kunststelle. M. Rath und im Heim der Haschomer Hadati, II., Kl. Mohrengasse 6-8. Preise 50 Groschen und 1 Sch^Jj Hanslehrer lür alle Mittelschuttypen, mit Kenntnissen fremder Sprachen, sportlich geschult, vermittelt Brompk und unentgeltlich der Jüdische HochBcbulauaschuB, Wien, IX AlserstraBe 26, Tel. A-25-2-28, von 13 bis 17 Uhr. „Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis", Wien, II., Taborstraße 59, Tel. A-42-3-16, bittet die P. T. Arbeitgeber, angesichts der Notlage der jüdischen Arbeitslosen um Anmeldung ihres dauernden oder vorübergehenden Bedarfes an qualifizierten kaufmännischen Angestellten, Arbeitern, Handwerkern, Sekretären, Nachhilfelehrern und Hauspersonal aller Art bei dem angeführten Verein. Mitgeteilte Wünsche werden sorgfältigst berücksichtigt. Schwindel mit Palästina-Wein In Oesterreich und in der Tschechoslowakei Das in Wien erscheinende Fachblatt „Neue Wein- Zeitung" schreibt: ,.Provenienzschvvindel mit Palästina-Wein. In der letzten Zeit wurde ein systematisch betriebener Provenienzschwindel mit der Herkunftsbezeichnung „Palästina-Wein" in Wien aufgedeckt. Eine Gruppe, bestehend aus Kommissionären und kleinen Händlern, hat Flaschenweine in Verkehr gebracht, die, versehen mit den Original-Etiketten S. Friedmann & Sons, Petach-Tikwah, und mit Kapseln „Karmel- W e i n e", ganz den Eindruck von Original-Palästina- Weinen machen sollten. De Firma S. Friedmann & Sons existiert aber seit zwei Jahren nicht mehr. Es war für die Fachleute von vornherein klar, daß hier mit alten Etikettbeständen und nachgemachten Kapseln gröbster Schwindel betrieben wird. Nachforschungen ergaben, daß diese Weine gewöhnliche griechische Süßweine, „nach griechischem Verfahren hergestellt", sind, die vom Kaschauer Weinhändler Mönyhert Krausz waggonweise auf italienische Einfuhrbewilligung nach Wien verkauft und hier verzollt wurden. Wie wir hören, hat der Vertreter der Weinbauorganisationen in Palästina, Herr Gustav Wilder, schärfste Maßnahmen zur Verfolgung des Provenienzschwindels ergriffen. Aehnliche Dinge haben sich in letzter Zeit auch in der Slowakei ereignet. Auch dort soll eine Verfolgung des ganzen Konsortiums in die Wege geleitet worden sein." Anmerkung der Redaktion: Der Wiener Vertreter der Weinbauernorganisationen Palästinas, Herr Gustav Wilder, hat uns die Richtigkeit dieser Meldung bestätigt und ein Schreiben des Wiener Rabbinats Vorgelegt, in welchem der Firma, die den Vertrieb unter irreführender Etikette und Kapsel an Geschäfte und Wirte besorgte, die rituelle Aufsicht wegen Mißbrauches der Bezeichnung „Original - Palästina - Wein" entzogen wurde. Wir bringen diese Angelegenheit vor die Oeffentlichkeit, um den Ruf des palästinensischen Weinbaues zu schützen. Austritte aus dein Judentum Dr. Adolf Kellner, geb. 1. Mai 1898 Geiersberg, ledig, II., Praterstraße 22. — WilhelmJne Flesch, geb. 4. Oktober 1902 Wien, ledig, XVIII.. Ferrogasse 34. —- Leopold Huppert, geb. 1. Juli 1912 Wien, ledig, VII., Neubaugasse 70. — Josef Ludwig Franz Ditl, geb. 12. Mai 1901 Wien, verh., VII., Kaiserstraße 93. — Elisabeth Schwarz, geb. 9. Dezember 1923 Wien, ledig, Leitmeritz. — Alexander Weiß, geb. 7. Februar 1887 Lippa, verh., VII., Schottenfeldgasse 60. — Hugo Platzer, geb. 13. Februar 1907 Wien, ledig, VI., Mittelgasse 22. — Wilhelm Elias, geb. 3. März 1913 Wien, ledig, XVII., Blumengasse 29. — Leopoldine Schwarz geb. Schleicher, geb. 21. Jänner 1896 Wien, ger. gesch., XVII., Geblergasse 3. — Dr. Felix Schäfer, geb. 29. November 1902 Wien, verh., XIII., Feistauergasse 43. — Gustav John Schäfer, geb. 25. Juli 1933 Wien, XIII., Feistauergasse 43. — Hedwig Kuhn, geb. 15. April 1890 Wien, ledig, XDC, Grinzingerstraße 62. — Adele Schäfer geb. Taub, geb. 3. August 1905 Wien, verh., XIII., Feistauergasse 43. — Adolf Tenmann, Kellner, geb. 28. August 1907 Wien, ledig, X., Triesterstraße 58. — Eduard Wolf, geb. 11. März 1909, ledig, IV., Favoritenstraße 24. — Hedwig Karminsky, geb. 25. August 1910 Wien, ledig, VII., Kaiserstraße 62. — Marie Henj, geb. 14. November 1905 Wien, ledig, II., Stuwerstraßc 28. — Malvine Grosz, geb. 15. Oktober 1917 Wien, ledig, XX., Othmargasse 13. — Gertrud Robitschek, geb. 19. Februar 1908 Wien, ledig, II., Taborstraße 8. — Heinrich Frank, geb. 1. Dezember 1889 Nculengbach, verh., XXI., Boschstraße 1. — Elsa Schrecken- Htein, Buchhalterin, geb. 4. Jänner 1891 Wien, ledig, X., Senefeldergasse 29. Erfolg im Leben haben jene, die es verstehen, die Schwierigkeiten des Alltags zu meistern. Da es noch immer viele, allzu viele gibt, die sehr wenig Geld haben, kommt es darauf an, durch richtiges Sparen das Mißverhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben auszugleichen. Sparen hilft allen durch wirklich billige Preise für wirklich gute Waren Schiffmanns populäres „Warenhaus der Sparsamen". In dieser Woche bringt Schiffmann neue Stoffe aus Wolle und Seide sowie Frühjahrs-Mäntel und -Kleider, das Neueste und Schönste in vorzüglichster Qualität und zu Preisen, die jeden Einkauf zu einem besonderen Vergnügen machen. 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