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Die neue Welt · 1934-03-30 · Heft 353 (30.3.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 353 (30.3.1934)
Date
1934-03-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
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Preis 20 Groschen lahrgang 8 Freitag/ den 30« Hfl. Uni V( Nr« 353 V« b* b» Zeitung vonj Verleger versendet ^Journal eafcSdiS par Tediteur*, BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50. vierteljährig S4.20, ganzjährig S16.— jPolenmonatlich Zloty2.—.vierteljährig Zloty 6.— Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.-: Rumänien .inoBatllch Lei 40.-, vierteljährig Lei 120.-; Deutschland monatlich Mark 1.-, vierteljährig Mark 3.-; Bulgarien monatlich Lewa 40.-, ylerteHährig Lewa 120.—; Italien monatlich Llrt 5.—. vierteljährig Lire 14.—: Schweiz und die übr Igen Länder monatlich Schweizer Francs WO, vierteljährig Schweizer Franc? 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 6-8, 1et. B-48-504 — ErscheintDienstag undFreitag REVUE Keine Zeit/ zu schweigen! Mahnung an die österreichische Judenschaft Nach schwerem, opferreichem Kampfe vollzieht Bich in Oesterreich eine Umordnung der politischen und sozialen Einrichtungen des Staates, welche für alle Bürger von schicksalsschwerer Bedeutung ist. Alte Rechte werden beseitigt, neue Rechte werden geschaffen. Eine lebhafte Diskussion ist darüber im Gange, wie die einzelnen Gruppen der Bevölkerung in das neue System einzuordnen eind, wie ihre berechtigten, lebenswichtigen Interessen zu wnhren sind. Jede Gruppe hat ihre Sprecher. Was soll mit den Juden geschehen? Wie soll die jüdische Minorität eingeordnet werden? Wer spricht von den Rechten der Juden? Wer spricht für die Juden? Von den Juden sprechen jetzt nur jene, welche die Neuordnung in Oesterreich dazu mißbrauchen wollen, die Juden zu entrechten, ihre politische und wirtschaftliche Existenz zu zerstören. Sie sprechen offen und laut, und wo ihnen die Möglichkeit gegeben ist, setzen sie ihre Worte gegen die Juden in Taten um. Sonst herrscht, von Aeußerungen ganz allgemeiner Natur abgesehen, Schweigen darüber, welchen Platz der jüdische Bürger in der neuen Ordnung finden soll, wie seine berechtigten Intaresscn in ihr vertreten sein sollen. Dieses Schweigen ist unangebracht. Das jüdische Problem ist da und kann nicht damit erledigt werden, daß man nicht von ihm spricht. Das Schweigen über die bedeutsame jüdische Frage ist nicht danach angetan, den neuen Aufbau Oesterreichs zu fördern, und bedeutet eine Gefahr für die Zukunft der österreichischen Judenschaft. Die Jüdische Volkspartei Oesterreichs will, getreu ihrem Programm, alles tun, um die notwendige, freimütige Aussprache zwischen den maßgebenden Faktoren des Staates und der österreichischen Judenschaft in die Wege zu leiten. Sie ist überzeugt, daß sie damit dem österreichischen Staate und der österreichischen Judenschaft nrn besten dient. Juden und Jüdinnen Oesterreichs! Diese Sache betrifft euch, eure Zukunft, die Zukunft eurer Kinder. Ihr dürft jetzt nicht abseits stehen. Kommet zu den Vorträgen der Jüdischen Volkspartei! Tretet der Jüdischen Volkspartei bei! Aus Jerusalem meldet die J. T. A.: In Jerusalem wurde am 25. März, bei Anwesenheit von etwa 500 Personen die erste Sitzung des Aktionskomitees der Zionistischen Weltorganisation auf palästinensischem Boden eröffnet. Die Sitzung trug feierliches Gepräge. Die Mitglieder der Exekutive waren anwesend. Dr. Chaim Weizm;tn n, Mitglied der Exekutive, blieb der Sitzung fern, obwohl er jetzt in Palästina weilt. Hinter der Estrade waren die Porträts von Theodor Herzl, Leo Motzkin und Dr. Chaim Arlosoroff, die beiden letzten schwarz umflort, angebracht. Die Eröffnungsrede hielt Präsident Nahum S o k o 1 o w. Er gab der freudigen Genugtuung darüber Ausdruck, daß nun endlich eine Sitzung des Aktionskomitees in J e r u s a I e m stattfinde. Während die Anwesenden zum Zeichen der Trauer von ihren Plätzen aufstanden, hielten Nahum Sokolow und M. M. U s s i s c h k i n dem verstorbenen langjährigen Präsidenten des Aktionskomitees, Leo Motzkin, einen tiefempfundenen Nachruf. * Montag, den 26. März, gaben Prof. Brodctzky, der Leiter des politischen Departements in London, und M. S h e r t o k, Leiter des politischen Departements in Jerusalem, die politischen Berichte über die Tätigkeit der Exekutive ab. Das Exf'kutivemitglled Elieser K a p 1 a n (Jerusalem) erklärte in seinem Referat über die finanzielle Lage der Exekutive, daß das Derizit von 500.000 Pfd. auf 470.000 Pfd. herabgedrückt wurde. Er beschuldigte die Revisionisten und den M i s r a c h i des Boykotts des Kuren Hajessod und der hiedurch erfolgten Störung der palästinensischen Aufbauarbeit und teilte mit, daß die Exekutive infolge dieser Haltung dem A. V. folgende Beschlüsse vorlegen will: 1, Die den Keren Hajessod bekämpfenden Elemente verlieren die Möglichkeit, sich auf demjenigen Boden iiiedciv.uhi'SMrj, der aus den Mitteln der nationalen Fonds erwürben wurde. 2. Vorzug beim Genuß der Zertifikate haben diejenigen, welche die nationalen Fonds stützen. 8, Eine Kommission mit weitgehenden Vollmachten zur Festigung des Keren Hajessod wird ins Leben gerufen. Oeber die Einwanderung des Jahres 1933 legte Jizchak Griinbau m, der Leiter des Einwauderungsamtes, einen Berieht vor, der feststellt, daß im vergangenen Jahr rund 10.000 Juden nach Palästina eingewandert sind. Jüdische Volkspartei Oesterreichs j Mittwoch, den 4, April 1934, findet um halb 9 Uhr abends im Saale des Restaurant | $SS££S£i großer Vortragsabend ilol, j Thema: „Die Judenfrage immer dringender" / „Der jüdische Weltkongreß". Referenten: | Oberbaurai Ing. Robert Stricker, David Nebenzahl. Kleiner Regiebeitrag | Die Einladung ergeht an alle! | Albert Einsteins Antwort an die Hakenkreuzler Zum 55. Geburtstag Albert Einsteins erschien im Querido-Verlag, Amsterdam, eine Aufsatzreihe von Albert Einstein unter dem Titel „Mein Weltbild". Im Buche ist auch sein Briefwechsel mit der preußischen Akademie der Wissenschaften zum ersten Male im Wortlaut abgedruckt. Die Akademie hatte Einstein auf Grund ungeprüfter Gerüchte der Verbreitung von „Greuelmärchen" beschuldigt. Einstein wies diese Verleumdung stolz zurück. Sein abschließender Brief lautet: „Le Coq-sur-Mcr (Belgien), 12. April 38. An die Preußische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Ich erhalte Ihr Schreiben vom 7. IV. er. und bedaure außerordentlich die Gesinnung, die sich darin kundgibt. Sachlich habe ich nur folgendes zu erwidern: Ihre Behauptung über meine Haltung ist im Grunde nur eine andere Form Ihrer bereits veröffentlichten Erklärung, in der Sie mich beschuldigten, mich an einer Greuelhetze gegen das deutsche Volk beteiligt zu haben. Diese Behauptung habe ich bereits in meinem letzten Schreiben als eine Verleumdung bezeichnet." „Sie haben ferner bemerkt, daß ein .Zeugnis* meinerseits für ,das deutsche Volk' sehr machtvoll im Ausland gewirkt haben würde. Hierauf muß ich erwidern, daß ein solches Zeugnis, wie Sie es mir zumuten, einer Verneinung aller der Anschauungen von Gerechtigkeit und Freiheit gleichgekommen wäre, für die ich mein Leben lang eingetreten bin. Ein solches Zeugnis wäre nämlich nicht, wie Sie sagen, ein Zeugnis für das deutsche Volk gewesen; es hätte sich vielmehr nur zugunsten derer auswirken könnneu, die jene Ideen und Prinzipien zu beseitigen suchen, die dem deutschen Volk einen Ehrenplatz in der Weltzivilisation verschafft haben. Durch ein solches Zeugnis unter den gegebenen Umständen hätte ich — wenn auch nur indirekt zur Sittenverrohung und Vernichtung aller heutigen Kulturwerte beigetragen." „Eben aus diesem Grunde habe ich mich gedrängt gefühlt, aus der Akademie auszutreten, und Ihr Schreiben beweist mir nun, wie richtig ich damit gehandelt habe." * Aus New York: Der Staat New Jersey, in dessen Bereich Professor Albert Einsteins neue Wirkungsstätte, das Institute for Advanced Study in Princeton, Zur Beachtung! Zufolge der Arbeitsruhc an den jüdischen und allgemeinen Feiertagen erscheint unser Blatt in der nächsten Woche einmalig Donnerstag, am 5. April. «■■■■■mHHHMMnnnHHi Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeh» liehen Notizen sind durch ein beigefügtes B bezeichnet liegt, hat Albert Einstein und seine Gattin Elsa eingeladen, die Bürgerschaft des Staates New Jersey anzunehmen. Als die Zustimmung des Ehepaares Einstein erfolgte, ergriff der Gouverneur des Staates, Moore, die Gelegenheit, um dieses Ereignis durch eine große Festlichkeit in Newark, der Hauptstadt New Jerseys, zu begehen, zu der alle Notabeln des Staates aufgeboten wurden. Gouverneur Moore arrangierte am Sonntag, den 25. März, ein „testimonial dinner", das mit Empfang, Festkonzert und Dinner verbunden war und an dem mehr als zehntausend prominente Bürger des Staates New Jersey teilnahmen. Das Ehepaar Einstein wurde von einem Komitee von Notabein mit Gouverneur Moore an der Spitze abgeholt und in das Festhaus geleitet. Auf persönlichen Wunsch Einsteins wurde das Reinerträgnis dieses Tages für die Ansiedlung deutscher Juden in Palästina bestimmt. Gouverneur Moore feierte in seiner Ansprache Einsteins als Menschen und als Forscher. Einstein dankte dem amerikanischen Volk für die gastliche Aufnahme und gab seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß diese Veranstaltung einem großen Zwecke dient: deutschen Juden zu ermöglichen, sich in Palästina ein neues Heim zu gründen. ^^ffiÄd... .... sind alle unsere Mode- und Mali-Schuhe, denn sie sind nach orthopädischen Grundsätzen richtig gebaut Leopold Jellinek, nur VII, Burggasse 5 Baunadit Eine Pessach-Betrachtung von Dr. I. Z. Kann er. Auch der Gottesmann Moses wagte nicht, ohne Proviant ein Volk von zwei Millionen Menschen durch die Wüste zu führen, auf ein Wunder sich zu verlassen. Er mußte irgend ein Mittel finden, um das jüdische Volk allmählich auf unvermeidliche Entbehrungen vorzubereiten : Die Mazzah bildete die Vorbereitung. Dann wurde das Volk an die seltene Speise der Manna und der Wachteln gewöhnt. Um aber die Wüstoj^wanderer für die Mühsal solcher Nahrung zu gewinnen, mußte ihr ein eigenartiger Sinn gegeben werden. IMe Mazzah sollte nicht bloß das Brot des Mühsais sein, sondern auch die durch eigene, frei gewordene Hand erzeugte Speise. Die Hand, die bisher nur Stroh gesammelt, Lehm geformt, Pyramiden gebaut natu, erscheint nun auf Erhaltung des eigenen Ichs bedacht. Der Sklave erhält die Speise von seinem Herrn; Pessach ist das Fest der Freiheit und die erste Stufe der Freiheit ist NACH PALÄSTINA MIT DER COMPASS TOURS OFFIZIELLES PROPAGANDABÜRO DER STADTGEMEINDE TEL-AWIW AM 17. APRIL: Offizielle Miessereise AM 30. APRIL« 2. Messereise mit dem Luxusmotorschiff „Vulcania" über Rom, Neapel, Palermo, Athen, Beirut Für Einzelreisende Schiffskarten zu Originalpreisen Auskünfte und Anmeldungen im Reisebüro Compass Tours, Wien IX, Spitalgasse 3, Telephon Nr. B-42-5-38

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