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Die neue Welt · 1934-03-20 · Heft 350 (20.3.1934) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 350 (20.3.1934)
Date
1934-03-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen lahrgang 8 Dfansfag/ den SO* März m4 T»'H. Uni, Wf* $96 BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S4.20. ganzjährig S16.—; Polen monatlich Zloty 2.—.vierteljährig Zloty 6.— Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—: Schweiz und die übr Igen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50 HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Vniversitätsstr. 6-8, leU B-48-504 — ErscheintDienstag und Freitag REVUE Jüdische Volkspartei Oesterreichs Donnerstag, den 22. März 1934, findet um halb 9 Uhr abends im Saale des Hotel Auge Gottes, Wien IX, /> r j . 1 i NuWorfer,tra6e 75, ein groger Vortragsabend ,».«. Thema: „Die Judenfrage immer dringender" / „Der jüdische Weltkongreß". Referenten : Oberbaurat Ing. Robert Stricker, Dr. Oskar Grünbaum Kleiner Regiebeitrag ERCNÜGENu ERHOLUNG «f. Rief ENICHIFFEN a« haue« MTT EIMEER Der neue BoykotfsTerror in Deutschland Aus Berlin wird gemeldet: Die neue antijüdiscüe Boykottaktion breitet sich über das ganze Heien aus und nimmt in einigen Städten ganz groiie Ausmaße an. In den Straßen von Nürnberg wurden Kiesenplakate und Transparente angebracht, die die Aufschritt ,,Kauft nicht bei Juden!" tragen. Vor die jüdischen Geschäfte wurden Boykottposten gestellt. Flugblätter mit der Aufschrift „Wer beim Juden kauft, ist ein Verrater am deutschen Volke!" wurden in hunderttausenden Exemplaren verteilt. — In Hildesheim fahren Möbelwagen durch die Straßen, die mit Plakaten beklebt sind: „Unser nationalsozialistisches Pragramm stellt fest, daß nur die, die deutschen Blutes sind> dem deutschen Volkstum angehören. Juden kennen nient Deutsche sein. Kautt nur bei Deutscfeen:": — In Hannover ist das Pflaster der Straßen Im Zsniruiü vielfach, mit Inschriften bemalt: „Kauft nicht bei Juden!" -- *u Günzenhausen (Bayern) wurden ü>. vielen jüdischen Geschäften die Schaufenster eingeseiüg-gen und Juden tätlich attackiert. — Auch im Bezirk Schweinburg ist die Boykottaktion sehr heftig. Die nationalsozialistische Partei in Nürnberg verbreitet zur Förderung des Boykotts ein spezielles Informationsbulletin, das auf jeder Seite die Losung trägt: „Wer beim Juden kauft, verdient, gehängt zu werden. — Alle Juden sind Verbrecher." Obwohl manche der gleichgeschalteten Zeitungen nicht verfehlen, darauf hinzuweisen, daß die Regierung die Hineintragung des Rassenkampfes in die Wirtschaft mißbilligt, wurden bisher keine Gegenmaßnahmen gegen die neue turbulente Boykottaktion, die anscheinend erst einen Anfang darstellt und den Juden Anlaß zu ernsten Befürchtungen mit Bezug auf deren weitere Entwicklung gibt, ergriffen. Auch deutet nichts darauf hin, daß beabsichtigt wäre, in naher Zukunft solche Maßnahmen zu ergreifen. Aus Darmstadt: Wie die amtliche „Darmstädter Zeitung" mitteilt, wurde in einer Bauernversammlung in Leeheim im Ried bekanntgegeben, daß die Ortsgruppenleitung der NSDAP, am Rathaus eine schwarze Tafel aufhängen ließ, auf der die Namen aller derer verzeichnet werden sollen, die mit Juden Geschäfte tätigten. Wie jeder nationalsozialistische Volksgenosse, so sollten auch die Bauern keine Geschäfte mit Juden abschließen. Aus Berlin : Der nationalsozialistische Handels- und Handwerkerverband (NS-Hago) hat für die Feiertagssaison vom 2 3. März bis 7. April eine Boykottaktion gegen die Juden proklamiert. Besonders in der Provinz werden große Vorbereitungen zur planmäßigen Durchführung des Boykotts getroffen, wobei die organisierte Jugend in den Dienst der Sache gestellt wird. Der Rundfunk soll in den Dienst der Boykottpropaganda gestellt werden. SA-Streifen werden in Städten und Dörfern eingesetzt. Posten werden die Eingänge zu j ü dis ch en Geschäften bewachen. Jeder arische Ladenbesitzer ist verpflichtet, das Abzeichen der NS-Hago so auszustellen, daß die Käufer ohne weiteres zu unterscheiden vermögen, ob es sich um ein „arisches" oder um ein „jüdisches" Geschäft handelt. HfctadvuthsMitqlieder demolieren ein Haus Klassenkampf-Terror in Palästina aufs höchste gestiegen Aus Jerusalem meldet unser Korrespondent: Der Terror, welchen die Führer der sozialdemokratischen Arbeitergewerkschaft „H i s t a d r u t h" gegen Arbeiter und Unternehmer hier im Lande ausüben, hat nunmehr eine nicht zu überbietende Höhe erreicht. Diese gewissenlosen Führer sind von Streiks und Ueberfällen auf Kolonien und Fabriken zur Demolierung von Privathäusern übergegangen. Ein Fall, der wohl auch bei den radikalsten Gruppen in Europa und Amerika nicht zu verzeichnen ist. In der Kolonie Rechoboth hatten, wie bereits gemeldet, die Histadruthführcr die Entfernung aller nicht bei ihr organisierten Arbeiter gefordert. Als diese Forderung abgewiesen wurde, überfielen sie mit Steinen und Eisenstangen bewaffnet die Kolonie. Polizei schritt ein. Es wurde in Jerusalem ein Vermittlungsausschuß eingesetzt, in welchen auch ein Poalczionis.t, als ein Vertrauensmann der Histadruth entsendet wurde. Das hinderte aber die Histadruthleutc in Rechoboth nicht, den Terror weiter zu betreiben. Als die Arbeit unter dem Schutze englischer und arabischer Polizei fortgesetzt wurde, inszenierten sie einen ganz unglaublichen Gewaltakt: Sie riefen Histadruthleutc aus der Nachbarschaft zusammen und überfielen das Privathaus ihres politischen Gegners, des Revisionisten Josef Appel, drangen in seine Wohnung ein, zerstörten die Einrichtung und richteten dann am Hause Verwüstungen an. Die Erregung im Lande ist unbeschreiblich. Alles fühlt, daß eine weiter andauernde Gewaltherrschaft der Histadruth zu einer Katastrophe führen muß. Die Empörung richtet sich in erster Linie gegen die von den Linken und ihren Nachläufern beherrschte zionistische Exekutive, welche schweigt und keinen Finger rührt. Dann gegen die zionistischen Organisationen im A u s 1 a n d e, welche irregeleitete, klassenkämpferisch verhetzte junge Leute als Chaluzim nach Palästina schicken, wo sie unter einer bedenkenlosen Leitung den Aufbau des Nationalheimes gefährden. Die Siimmung im Lande ist umso gespannter, als die geschilderten Ereignisse mit dem Mordprozeß Arlosoroff zusammenfallen, welchen die Histadruth zum Anlasse für eine seit Monaten dauernde politische Kampagne genommen hat. Ueber die billige Osterreise nach Polen u. Czernowitz ei teilen Auskünfte: der Reisedienst der „CZERNOWITZER ALLGEM. ZEITUNG", I, SCHULERSTR. 1, Stadtbüro „Der Tag", Telephon R-21-6-78, und Reisebüro „IRUT", I, KARLSPLATZ 1, Telephon U-44-5-79 Plalzsicherungan bii SS. Nütz Paß und Visa giatli „Vulcania" vom 2t. MXrz bis 9. April: Ostern In Palästina Neapel, PalermoJVtben, Haifa, Port Said, Qenua, Rhodus, Patras, Palermo, Neapel „Roma" vom S. April bis 23. April: Messe In Tel-Aviv Genua, Neapel, Taormina, Malta, Haifa, Port Said, Rhodus, Athen, Neapel. „Vulcania" vom 2. Mal bis 20. Mal: Messe in Tel-Aviv Neapel, Palermo, Athen, Beirut, Haifa, Port Said. Haifa, Rhodus, Patras, Palermo, Neapel, Cannes. Hahrpreisefür die ganze Seefahrt in-1 M£ kluslve Verpflegung u. Kabine ab S *jti 3«" 50°/olga Ermäßigung auf den Italienischen Bahnen ,ITALIA' VEREINIGTE FLOTTEN - COSULICH LINE WIEN I, KÄRNTNERRING 6 - TEL. U-47-5-60 der Ra§§e liegt die ♦ ♦ ♦ In Deutschland gibt es zur Zeit nur noch eine Macht, die dem Hitlerismus am hellichten Tag entgegentritt und seine Attacken zurückweist:.... das Führertumde r k a t b: o 1 i s c h e n Kirche. Es wendet sich nicht bloß gegen den rassischen Größenwahn des Nationalsozialismus. Es versucht auch, dem Eindringen anarchistischer Glaubenslehren in die katholische Jugend Halt zu gebieten. Erst kürzlich wieder hat der Erzbischof von Köln Doktor Schulte gegen die Zerstörer der „Heiligkeit des Gotteshauses und der Heiligkeit des Namens Jesu Christi" von der Kanzel herab seine Stimme erhoben. Bei dieser Gelegenheit konnte man erfahren, daß das „Juda, verrecke!" in bezug auf den von Juden stammenden Christus in ein „Chi Rho (die griechischen Anfangsbuchstaben des Wortes Christus) krepiert!" verwandelt wurde. Die deutschen Hakenkreuzler beschmieren neuestens die Wände sogar der katholischen Gotteshäuser mit ihrem antikatholischen Schlachtruf „Chi Rho krepiert". Die katholische Kirche, vom Hitlerismus in eine Zwangsjacke gepreßt, kämpft tapfer gegen den Rassenhochmut des Hakenkreuzes. Es ist ihre Weltanschauung, es ist ihr Muß. Die Wiener „Reichspost", sie nennt sich gerne Hauptorgan der österreichischen Christlichsozialen und Hüterin des katholischen Glaubens, benimmt sich in Rassefragen nicht anders als es der Kirche geziemt. In zahlreichen Leitaufsätzen haben die katholischen Führer Oesterreichs — immer unter dem Hinweis auf die jüdische Abstammung Christi — eine Herabsetzung der Juden ihrer Rasse wegen als ungerechtfertigt hingestellt, ohne im übrigen eine antijüdische Einstellung unter anderen Rechtstiteln zu perhorreszieren. Ihrer Rasse wegen wurden seitens der Herren der „Reichspost" und deren Anhänger die Juden bisher weder geschmäht noch verdächtigt. Im Leitartikel! Aber es gibt im Rahmen einer Zeitung noch andere Stellen, andere Rubriken, andere Disziplinen, die man sich zu Schmähungen und Verdächtigungen „der Rasse wegen" aussuchen kann, zum Beispiel die — Theaterrubrik. Die „Reichspost" vom 16. März referiert unter dem Titel „Schmutz und Schund" über eine Operette, die am Wiener Theater Scala eben zur Erstaufführung gelangte. Diese Operette — sie führt den Namen „Ein Kuß und sonst nichts" — dürfte wohl auf derselben künstlerischen und ethischen Ebene liegen wie die meisten Produkte des gleichen Genres. Sie ist zotiger Kitsch, wie alle die musikalischen Hopsasas, die das Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgelt« liehen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet P Seit 40 Jahren die Besten sind »S€HM1DL*MAZZOTH«

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